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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kindheit
Eingestellt am 07. 01. 2005 22:45


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Lady_of_words
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

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Kindheit
Ich bin sehr nerv├Âs, weil ich nicht wei├č wie ich ihn vorfinden werde. Die ganzen Erlebnisse in seinem Zimmer spielen sich automatisch wie ein Film ab. Ich hoffe ich werde sie schnell vergessen, auch wenn ich eigentlich schon wei├č, dass ich sie nie vergessen werde...
Ich n├Ąhere mich seinem Zimmer und bin erleichtert das keine Schreie zu h├Âren sind. Das Gef├╝hl der Erleichterung ver├Ąndert sich schlagartig in herzzerrei├čendes Mitleid...
Die Kinder drau├čen haben gro├če Pause, ich kann ihr fr├Âhliches Plappern und Kreischen durch das gekippte Fenster h├Âren. Es ist wirklich harte Ironie, dass sie ihm dieses Zimmer gaben. Doch vermutlich wollten sie ihn einfach in den hintersten Teil des Korridors stecken...
Ganz leise setze ich mich an sein Bett. Ich bin um eine Sorge erleichtert, er schl├Ąft. Tief durchatmen! Damit ich ihn mit meiner aufgew├╝hlten Unruhe nicht anstecke. Zwar wird es nicht so gerne gesehen, aber ich bleibe ein paar Minuten, auch wenn mir f├╝nfzehn Minuten in diesem Raum wie eine kleine Ewigkeit vorkommen. Er wird schlie├člich nur von mir besucht. Seine Eltern beschuldigen sich nur noch gegenseitig, die Mutter konnte einfach nicht mehr damit leben...
Mein Blick wandert durch das kahle Zimmer, ich versuche es zu vermeiden ihn anzusehen. Es ist so extrem wie sie ihn hier behandeln. Als w├Ąre er gar kein Mensch mehr. Man hat ihm alle Rechte genommen. Doch ich schiebe auch diese Gedanken beiseite, verdr├Ąnge sie, dar├╝ber kann ich den Rest meines Lebens gr├╝beln...
Das Bett wirkt so riesig mit seinen abgemagerten Armen und Beinen darin. Seine Handgelenke liegen jetzt schlaff in den Lederriemen, die ihn ans Bettgestell fixieren. Wie einer, der den Kampf aufgegeben hat. Sie mussten ihn festbinden hatten sie mir gesagt. Er hatte nach Pflegern getreten und seine Kan├╝len, Infusions- und Beatmungsschl├Ąuche selbst gezogen. Hatte sich tiefe Wunden gekratzt, die gen├Ąht werden mussten. Hatte sich sogar einen Arm gebrochen, als er bei einem epileptischen Anfall wild um sich schlug. Wie ein Tier wird er behandelt. Ein Tier das man einsperrt. Ob er es merkt? Merkt er das ihn nie einer besucht? Das sich keiner Interessiert? Das er f├╝r alle anderen nur eine Last ist?
Das regelm├Ą├čige Piepsen der Monitore rei├čt mich aus meinen Gedanken. Erst jetzt f├Ąllt mir auf, dass wir uns gegenseitig anstarren. Er hat so einen gequ├Ąlten Gesichtsausdruck und seine blauen, gro├čen Kinderaugen scheinen mich Warum zu fragen. Warum ich? Warum werde ich hier festgebunden? Warum lassen sie mich nicht einfach liegen? Warum?
Sein Bein zuckt, ich ber├╝hre es sanft und versuche W├Ąrme und Ruhe auszustrahlen. Ich wei├č nicht, ob er etwas von der Ber├╝hrung mitbekommt und ob sie nicht seine Spastik verst├Ąrkt, aber ich folge meinem Instinkt...
Es wird Zeit zu gehen. Er wird niemals laufen. Niemals spielen. Vermutlich sogar niemals das Krankenhaus verlassen. Ich verstecke die Gedanken in den hintersten Teil meines Gehirns. Ich drehe mich um, mein Leben geht weiter...

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