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Leselupe.de > Feste Formen
Klagemauer (Tanka)
Eingestellt am 14. 06. 2004 11:21


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Alpha
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Klagemauer

Mauer kalt schweigend
bröckelt zeitlos vor sich hin
Ab und an nur hört
man verzagendes Klagen
zwischen Stein und Augenblick
__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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Vivi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2003

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Hallo Alpha !

WĂ€re fließender zu lesen:
Ab und an man hört
nur verzagtes Klagen

Nur meine Meinung.
L.G.Viola
__________________
Erfahrung ist immer die Parodie auf die Idee.
Goethe

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Alpha
One-Hit-Wonder-Autor
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Mag sein, aber wenn ich das lese, scheint mir das im Ausdruck Gewollte doch zu sehr verÀndert
__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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mako
Guest
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Hallo, Alpha,

ich lese hier kein Tanka. Ich lese zwei SĂ€tze, die einfach auf 5 Zeilen verteilt wurden. Nur die Form 5-7-5-7-7 tut es meiner Meinung nach hier nicht.

Das möchte ich auch begrĂŒnden:

Vorbild fĂŒr die ersten drei Zeilen sollte das Haiku sein, wobei das Thema ĂŒber das reine Naturerlebnis bzw. den Jahreszeitenbezug hinausgehen kann. Es sollte bereits in den ersten drei Zeilen im gezeichneten Bild eine Bewegung spĂŒrbar werden.

Diese Bewegung wird dann in den letzten beiden Zeilen zwar aufgegriffen, aber im Sinn einer inhaltlichen ZĂ€sur. Diese beiden Zeilen sollten sich von den ersten drei Zeilen abheben.

quote:
Mauer kalt schweigend
bröckelt zeitlos vor sich hin
Ab und an nur hört
Die Bilder sind hier fĂŒr mich nicht stimmig und du gehst ĂŒber die Beschreibung eines Bildes hinaus, interpretierst: "kalt schweigend". FĂŒr den Leser sollen eigene Bilder entstehen, er soll seinen eigenen Kontext zu den Zeilen finden. Da nimmst du dem Leser schon zu viel.

Das "bröckelt zeitlos" finde ich auch nicht stimmig, das Bröckeln ist sehr wohl zeitlich, wenn auch ĂŒber einen langen Zeitraum und der Verfall nimmt insbesondere in den letzten Jahren bedrohliche Ausmaße an. Gerade das ließe sich als ZĂ€sur zu der derzeitigen Situation der gegenseitigen Zerstörung, des gegenseitigen Hasses zwischen PalĂ€stinensern und Israelis im Tanka verwenden.

quote:
man verzagendes Klagen
zwischen Stein und Augenblick
Die dritte Zeile beginnt schon ein neues Bild, ohne das erste Bild in Bewegung zu versetzen.

Die beiden letzten Zeilen (eigentlich drei Zeilen) bilden eine ZÀsur, bietet die "Lösung" zu den ersten Zeilen. Das ist ok.

Aber auch hier wieder zu sehr eigene Interpretation:
"verzagendes Klagen"

Ist es denn verzagendes Klagen oder deine Interpretation, um einen klaren Bezug zum Konflikt im Nahen Osten herzustellen, das Beklagen des nicht enden wollenden Sterbens?

War und ist die Klagemauer nicht vielmehr ein Symbol der Hoffnung und Standhaftigkeit fĂŒr die Juden. Hier wird gebetet, still und sicher auch zaghaft. Hier wird aber auch Rat und Hilfe gesucht und erfleht, es ist ein Ort frommer Hingabe. Zettel mit WĂŒnschen und Bitten werden in die Ritzen der Klagemauer gesteckt

"Da zerrissen sie ihre Kleider und fĂŒhrten große Klage."
(1 Macc 4, 39).

Das letzte Bild gefÀllt mir, regt zum Nachdenken an.

Insgesamt finde ich, lĂ€sst sich an diesem Gedicht noch arbeiten, können die Bilder noch klarer werden, der Raum fĂŒr den Leser grĂ¶ĂŸer und offener.

Da Tanka eigentlich keinen Titel tragen, wĂŒrde ich den Titel direkt ĂŒber dem Text wegnehmen, denn er nimmt dem Leser das Nachdenken ĂŒber das Gelesene schon im Vorfeld ab, weist zu deutlich auf die "Lösung".

Lieben Gruß
Mako

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Alpha
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

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Hallo Mako

Als erstes danke ich dir fĂŒr deine MĂŒhen der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Text. In Sachen Tanka magst du bei allem Recht haben. Ich wusste nicht, dass auch Tankas so sehr inhaltsgebunden sind wie Haikus. Das tut mir sehr leid, denn ein fröhlich-friedlich-freudig-blödes Naturerlebnis zu schildern ist selten nach meinem Geschmack.

Was den Inhalt spezieller angeht, so finde ich in durchaus korrekt. Ich glaube, du hast dich da zu sehr in die Vorschriften der Tanka-Schreiberei verbissen. Wie schon gesagt, dann ist es eben kein Tanka, das ist mir auch egal.
Und der Titel, auch wenn es im ersten Moment so aussehen mag, hat nicht im geringsten Sinne mit der Klagemauer der Juden zu tun. Es war einfach nur ein Spielchen mit einem Wort, dem entgegen der allgemeinen Kenntnis eine neue Bedeutung untergelegt wurde.
Ich dachte, das wÀre Dichtern manchmal so eigen...


GrĂŒĂŸe, Alpha
__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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mako
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Alpha,

quote:
Ich wusste nicht, dass auch Tankas so sehr inhaltsgebunden sind wie Haikus. Das tut mir sehr leid, denn ein fröhlich-friedlich-freudig-blödes Naturerlebnis zu schildern ist selten nach meinem Geschmack.
Nein, nicht nur Naturerlebnis. Das Tanka orientiert sich vom Aufbau am Haiku, aber, wie ich schrieb, es ist thematisch nicht gebunden.

quote:
Was den Inhalt spezieller angeht, so finde ich in durchaus korrekt. Ich glaube, du hast dich da zu sehr in die Vorschriften der Tanka-Schreiberei verbissen. Wie schon gesagt, dann ist es eben kein Tanka, das ist mir auch egal
Warum nennst du es dann Tanka?
Diesen Zusatz hast du ja nicht von ungefÀhr im Titel zu stehen, du hast dir dabei doch etwas gedacht?
Wenn es so im Titel steht, kannst du mir sicher nicht verdenken, wenn ich dein Gedicht an den Tanka-Regeln messe. Du nennst dieses Gedicht ja auch nicht Limerick und schreibst auf Nachfrage dann, es ist dir egal, ob es ein solches ist und ich soll das nicht so verbissen sehen, oder nicht?

quote:
Und der Titel, auch wenn es im ersten Moment so aussehen mag, hat nicht im geringsten Sinne mit der Klagemauer der Juden zu tun. Es war einfach nur ein Spielchen mit einem Wort,

Na, ist ok, da habe ich als Leser anderes gesehen und gerade durch diesen von mir interpretierten Bezug (was ja dann doch fĂŒr japanische Kurzlyrik spricht ), hat es mich zu einer Auseinandersetzung inspiriert.

Lieben Gruß
Mako

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