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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Klassentreffen (1)
Eingestellt am 02. 07. 2013 13:45


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DocSchneider
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Monika schloss aufatmend die TĂŒr hinter sich und ließ sich auf den geschlossenen Deckel sinken. Gelobt sei der Erfinder der Toiletten, dachte sie, endlich ein Ort, an dem man alleine sein kann. Sie streckte die Beine von sich und massierte ihre SchlĂ€fen. Dieser Abend war einfach misslungen und entwickelte sich ĂŒberhaupt nicht nach ihrem Geschmack. Zuerst hatte es gar nicht danach ausgesehen. Fast alle ehemaligen Klassenkameraden waren zum ersten Treffen zwanzig Jahre nach dem Schulabschluss aufgetaucht. Herrlich zu sehen, wer sich gut gehalten hatte oder wer völlig aus dem Leim gegangen war! Einige wirkten wie konserviert, andere schon mĂ€chtig angekratzt, aber alle waren sie gleichaltrig.

Bei Monika hatte es geheißen: „Du hast dich ja gar nicht verĂ€ndert!“ und sie wusste nicht, ob das jetzt positiv oder negativ war. Jedenfalls hatte sie sich gefreut, einige liebe Leidensgenossen von damals wiederzusehen, denn kaum jemand war gerne zur Schule gegangen. Die ĂŒblichen Cliquen rotteten sich erneut zusammen und verglichen ihre Statussymbole, Haus, Auto, Karriere, Kinder. Monika beteiligte sich nicht daran, denn irgendwann war ER aufgetaucht. Arno, mit dem sie damals nach der alkoholgetrĂ€nkten Abschlussfeier knutschend neben der Parkbank gelegen hatte. Seine HĂ€nde waren ĂŒberall gewesen, seine Zunge auch, seine Hose war plötzlich wie von selbst herunterglitten, aber sehr viel weiter war er nicht gekommen, tatsĂ€chlich auch nicht, denn er war schlicht zu betrunken gewesen. Ihr war das Ganze höchst peinlich erschienen. Arno hatte sie jahrelang nicht beachtet, um dann auf einmal ausgerechnet sie zu wollen. So ein Schmarrn!

Jetzt sah sie, dass Arno noch immer gut aussah, kein Bauch wölbte sich unter seinem T-Shirt wie bei manch anderem, die Jeans modellierte seinen perfekten Hintern und feine graue StrĂ€hnen durchzogen die noch immer blonden Haare, was ihn höchst attraktiv machte. Er trug keinen Ehering, wie Monika sofort sah, dafĂŒr aber ein Goldarmband und eine ebensolche Kette. Ach, der Typ war wahrscheinlich der ĂŒble Aufschneider geblieben, der damals die meisten Fremdwörter kannte, schon mit achtzehn Jahren ein Auto sein eigen nannte, das eine eingebaute Vorfahrt hatte und mit dem er grundsĂ€tzlich links fuhr. Sie beobachtete ihn nun, wie er plaudernd umher ging und schließlich auch zu ihr kam. Er hauchte ihr KĂŒsschen rechts und links auf die Wangen und sagte: „Mensch, du hast dich ja fast gar nicht verĂ€ndert! Super siehst du aus – wenn man sich dagegen einige andere Maschinen hier anguckt.....“, schloss er vielsagend und zwinkerte ihr zu. Blöder Kerl, dachte Monika. Der hĂ€lt sich wohl fĂŒr besonders schön. „Was ist aus dir geworden?“, frage ich höflich und dachte: Hoffentlich erinnert er sich nicht an unsere letzte Begegnung! „Oh, ich bin Kardiologe in Duisburg. Also falls du mal etwas am Herzen hast, ich bin immer fĂŒr dich da! Ich operiere auch, deshalb habe ich stĂ€ndig ein scharfes Messer dabei“, entgegnete er und senkte dann die Stimme: „Außerdem habe ich noch was ganz anderes dabei...wie wĂ€re es denn noch ein Mal mit uns beiden, das letzte Mal war ja ein bisschen...“, er verstummte und blickte sie herausfordernd an.

Monika schwieg entsetzt und wie ĂŒblich fiel ihr keine schlagfertige Antwort ein. Wichser, dachte sie, der hat sich kein bisschen verĂ€ndert. „Ich muss mal auf die Toilette“, antwortete sie lahm und verschwand so schnell wie möglich. Und so saß sie nun hier und ĂŒberlegte, wie sie den restlichen Abend gestalten sollte, ohne Arno zu begegnen. Hoffentlich könnte er eine andere aufreißen, dann wĂ€re sie ihn los. Seine plumpe Anmache hatte sie verletzt. Sie blickte in den Spiegel, erneuerte ihr Make-up und verließ die Toilette.

Auf dem Weg zurĂŒck in den Saal kam ihr Sally entgegen. Sie und Monika hatten nie viel miteinander zu tun gehabt, aber auch keinen Streit ausgetragen. „Na, findest du es auch langweilig, dieses harmoniesĂŒchtige Revival?“, fragte sie und blieb stehen. Monika sagte leise: „Ich muss Arno aus dem Weg gehen. Der hat mich angemacht, der ist noch genauso doof wie frĂŒher!“ „Ach der Arno! Vergiss den. MĂ€nner sind doch nur testosterongesteuerte Vollidioten! Komm mit, wir gehen in die Sektbar. Da ist es ruhiger. Ich gebe dir einen aus!“ antwortete Sally und zog Monika mit sich.

Bald stießen sie mit zwei gefĂŒllten SektglĂ€sern an und erzĂ€hlten sich aus ihren beiden Leben, welche völlig unterschiedlich verlaufen waren. Aber das machte nichts, sie wurden immer vertrauter und kicherten und lachten und nach dem dritten Glas Sekt stellte Monika fest, dass der Abend doch nicht so schlecht werden wĂŒrde wie befĂŒrchtet. Sally blickte sie plötzlich spitzbĂŒbisch an. „Und sonst?“, fragte sie und strich leicht mit ihren Fingern ĂŒber Monikas rechten Unterarm.

Monika zuckte zusammen. Die feinen HĂ€rchen stellten sich auf. Was meinte Sally mit ihrer Bemerkung? Und mit ihrer BerĂŒhrung? „Ich meine“, fuhr Sally fort, als hĂ€tte sie Monikas Gedanken gelesen, „ sehnst du dich nicht manchmal nach etwas ganz ...Neuem, etwas ganz VerrĂŒcktem?“, und federleicht fuhren ihre Finger wieder ĂŒber Monikas Arm, drehten ihn sanft um und zeichneten feine Linien auf die Haut.

Monika schluckte. Was tat Sally da? Ob es jemand gesehen hatte? Vorsichtig blickte sie sich um, aber sie waren fast alleine in der Bar. Ihr ganzer Arm schien zu kribbeln. Sally hielt ihre Hand fest und spielte mit ihren Fingern. Monika durchfuhr ein Schauer. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Was hatte Sally denn vor? Sie beide waren doch gestandene Ehefrauen....zumindest hatte sie das angenommen.

Sally senkte den Blick, nĂ€herte sich Monikas rechtem Ohr und flĂŒsterte: „Komm mit, ich zeig dir was“, und ihre Lippen streiften kurz die Muschel, kĂŒssten zĂ€rtlich das OhrlĂ€ppchen und glitten am Hals abwĂ€rts. Monikas Herz klopfte. Das musste jetzt sofort hier aufhören, sofort! Aber zu ihrer eigenen Überraschung tat sie nichts, um Sally aufzuhalten. Nahezu willenlos stand sie auf und folgte ihr leicht schwankend. Der Sekt tat auch seine Wirkung, alles wirkte verschwommen. Sally hatte ihre Hand ergriffen und fĂŒhrte sie zielstrebig an dem gefĂŒllten großen Saal vorbei.

(Fortsetzung folgt)

Version vom 02. 07. 2013 13:45

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