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Leselupe.de > Kindergeschichten
Kleine Tanne ganz gross
Eingestellt am 13. 05. 2003 16:03


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Howie
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2003

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Zur Weihnachtszeit pr├Ąsentierte sich der Wald in seinem sch├Ânsten Gewand. Die tiefstehende Sonne sandte ihr Licht auf die gro├čen, pr├Ąchtigen Tannen, deren Zweige ├╝ber und ├╝ber mit einer leuchtenden Schicht pulverigen Schnees bedeckt waren. Trotz der frostigen K├Ąlte zog dieser Anblick wie jedes Jahr viele Menschen in den Wald, die auf der Suche nach einem passenden Tannenbaum f├╝r das bevorstehende Fest waren. Selbst die Tannen wussten, dass ihr gro├čer Auftritt bevorstand. Bald w├╝rden sie festlich geschm├╝ckt in einer wohlgeheizten Stube stehen, mit glitzerndem Lametta behangen und farbenfrohen Kugeln, in denen sich das Licht der vielen Kerzen widerspiegelte. Nat├╝rlich wollte jede Tanne mitgenommen werden und warf sich m├Ąchtig ins Zeug. Sie streckten die Zweige aus, so weit sie nur konnten und boten den Menschen einen majest├Ątischen Anblick. Da fiel die Wahl wie jedes Jahr sehr schwer, aber es dauerte nicht lange, da hatten fast alle Tannen ein neues Zuhause gefunden. Alle bis auf eine kleine Tanne. Sie war klein und mickrig, hatte sich in all den Jahren nie entfalten k├Ânnen, weil die gro├čen B├Ąume ihr immer wieder das Licht gestohlen und ihre starken Zweige die kleine Tanne immer wieder erdr├╝ckt hatten. Ihre kleinen Zweige waren daher auch nicht so sch├Ân gr├╝n wie die der anderen, sie waren eher braun und sahen krank aus. Wenn die Menschen kamen, wollte sie sich nat├╝rlich auch von ihrer sch├Ânsten Seite zeigen, doch sie hatte keine und deshalb wurde sie immer wieder stehen gelassen. Das Schlimmste aber war, dass die Menschen nicht einmal zu ihr sagten, wie h├Ąsslich sie war. Sie beachteten sie erst gar nicht, so als w├Ąre sie gar nicht da. Das machte die kleine Tanne sehr traurig. Sie flehte und bettelte, doch niemand h├Ârte sie oder wollte sie h├Âren.
Und so stand die kleine Tanne am heiligen Abend ganz alleine im Wald. Warum wollte sie denn niemand haben? Ihre k├╝mmerlichen Zweigchen zeigten traurig zu Boden, weil sie auch keine Kraft mehr hatte, die Last des Schnees zu tragen, der auf ihr lag. Sie wurde schw├Ącher und schw├Ącher. Wenn es so weiterging, w├╝rde die kleine Tanne eingehen. Auch die Tiere im Wald merkten das und versuchten, sie zu tr├Âsten. Doch alles gute Zureden hatte keinen Zweck, die kleine Tanne wollte einfach nicht mehr. Bis zu eben zu diesem heiligen Abend.
Vier Kinder kamen vorbei und wollten den Tieren im Wald etwas schenken. Sie waren beladen mit Fr├╝chten, N├╝ssen, Stroh und allen Leckereien, die man sonst im Winter im Wald nicht findet. Sie staunten nicht schlecht, dass nur noch eine Tanne ├╝brig geblieben war. Doch sie machten das Beste aus der Situation und legten ihre Geschenke an den Fu├č der kleinen Tanne und begannen, Weihnachtslieder zu singen. Die kleine Tanne war davon so ger├╝hrt, dass sie neuen Mut fasste und beschloss, im n├Ąchsten Jahr die Sch├Ânste aller Tannen zu werden. Doch wie wollte sie das anstellen? So, wie sie jetzt aussah, musste ein Wunder geschehen. Der Fr├╝hling w├╝rde es zeigen, dachte sie sich und schlief voller Hoffnung ein.

Als sie wieder aufwachte, ging gerade die Sonne auf. Ihre ersten Strahlen erhellten die Umgebung der kleinen Tanne, und nachdem die sich einmal kr├Ąftig gereckt und ihre Zweige von sich gestreckt hatte, sah sie sich z├Âgernd um. Irgendetwas war anders, nur was? Nach ihrem langen Winterschlaf war der Fr├╝hling bereits ins Land gezogen, das sah sie an den ├╝ppig gr├╝nen Wiesen auf den H├╝geln. Aber warum konnte sie die H├╝gel auf einmal sehen? Sonst waren doch immer die anderen B├Ąume im Weg gewesen, nicht einmal die Sonne hatte sie zu Gesicht bekommen. Und nun stand sie weit ├╝ber allen anderen Gew├Ąchsen im Wald und die Sonne w├Ąrmte sie angenehm. Sie schaute nach unten und sah nur kleine Triebe, die erst noch wachsen mussten, bevor sie richtige Tannen sein w├╝rden. Und da fiel ihr noch etwas auf. Ihre Zweige, wo war das h├Ąssliche Braun geblieben, die kahlen Stellen? All das war einem dichten Bewuchs aus saftig gr├╝nen Tannennadeln gewichen. Und die Triebe da unten, das waren keine jungen B├Ąume. Die B├Ąume waren schon gro├č, aber aus der ehemals kleinen Tanne war jetzt eine riesengro├če geworden! Sie f├╝hlte eine Freude, wie sie sie nie gekannt hatte. Ein Kribbeln lief durch ihren ganzen Stamm bis hinaus in die entlegensten Zweige und sie konnte ihre ganze Sch├Ânheit entfalten. Doch dann fragte sich die Tanne, wie das geschehen konnte. Es musste ein Wunder geschehen sein, wie sonst h├Ątte sie derma├čen wachsen und gedeihen k├Ânnen? Und als k├Ânnte sie Gedanken lesen, sprach pl├Âtzlich die Sonne zu der kleinen Tanne.
ÔÇ×Das war kein Wunder, liebe Tanne. Als es an der Zeit f├╝r den F├Ârster war, neue B├Ąume zu pflanzen, habe ich so stark geschienen, dass er zuerst in Urlaub gefahren ist. Und durch meine W├Ąrme konntest du dich erholen. Als der F├Ârster dann wieder aus dem Urlaub zur├╝ck kam, habe ich es zwei Wochen lang regnen lassen, so dass er keine Lust hatte, neue B├Ąume zu pflanzen. Durch den Regen konntest du wachsen und bl├╝hen. Und als der F├Ârster dann endlich kam, um seine Arbeit zu erledigen, warst du schon so gro├č, dass die neuen B├Ąume dich nicht mehr einholen konnten.ÔÇť
Die Tanne war froh ├╝ber ihr Gl├╝ck, wollte aber auch wissen, warum die Sonne ihr so sehr geholfen hatte.
Und die Sonne sagte: ÔÇ×Ich habe all die Jahre nur die anderen B├Ąume wachsen lassen, ohne zu wissen, dass du noch darunter warst. Als ich dich dann gesehen habe, so ganz alleine und krank, aber voller Zuversicht, da habe ich beschlossen, dir zu helfen. Ich mag es halt nicht, wenn jemand ungl├╝cklich ist. Egal, ob Mensch, Tier ÔÇô oder eine Tanne. Und ich werde weiter f├╝r dich scheinen, damit auch du ein sch├Ânes Zuhause findest. Und jetzt entschuldige mich bitte, es wird Zeit f├╝r eine Erfrischung.ÔÇť
Eine dunkle Wolke schob sich vor die Sonne, und nur kurze Zeit sp├Ąter regnete es auf den Wald herab. Die Tanne genoss die k├╝hlen Tropfen auf ihrem Kleid. Von da an ging es immer so weiter. Auf Sonnenschein folgte ein Regenguss und nach dem Regen schien wieder die Sonne. So ging es immer weiter, und mit jedem Tag wurde die Tanne gr├Â├čer, kr├Ąftiger und pr├Ąchtiger.
Als dann der Winter hereinbrach, war die Tanne die Gr├Â├čte im ganzen Wald. Und obwohl sie in den letzten Jahren von den anderen B├Ąumen so niedergedr├╝ckt worden war, hoffte sie, dass auch ihre jetzigen Nachbarn ein neues Heim finden w├╝rden. Die Menschen kamen wieder in den Wald, um nach einem passenden Schmuck f├╝r das Weihnachtsfest zu suchen. Nat├╝rlich wurden sie f├╝ndig. Fast alle B├Ąume bekamen ein neues Zuhause. Aber eben nur fast alle, denn die ehemals kleine Tanne stand schon wieder ganz alleine. Niemand hatte sie haben wollen, und das verstand sie nicht. Sie hatte doch alles richtig gemacht und sie war wundersch├Ân. In diesem Jahr konnte sie sogar den Schnee auf ihren Zweigen ohne M├╝he tragen. Was war passiert? Nicht einmal die Kinder kamen an diesem heiligen Abend vorbei, um den Tieren Futter zu bringen. Die Tanne gr├╝belte vor sich hin und merkte gar nicht, dass mittlerweile schon die Nacht hereingebrochen war. Der Mond stand hell am Himmel und spendete ein wenig Licht. Als der Mond sah, dass die pr├Ąchtige Tanne traurig die Zweige sinken lie├č, sprach er zu ihr:
ÔÇ×Sei nicht traurig, kleine Tanne. Heute wollte dich zwar niemand haben, aber deine Zeit wird kommen. Du darfst nicht denken, dass dich gleich jeder haben m├Âchte, nur weil du so gro├č und prachtvoll bist. Hab Geduld, es wird der Richtige sein, der dich findet. Und jetzt schlaf sch├Ân.ÔÇť
Die Tanne dachte ├╝ber die Worte des Mondes nach. Doch je mehr sie r├Ątselte und gr├╝belte, desto weniger verstand sie die Worte. Dar├╝ber schlief sie tief und fest ein und wachte erst wieder auf, als der Fr├╝hling anbrach.

Sie erkannte schnell, dass sie immer noch die sch├Ânste Tanne im Wald war. Nur war sie halt immer noch im Wald. Sie sah an sich herunter und entdeckte eine Familie, die vor ihr stand. Deren Augen gl├Ąnzten beim Anblick der Tanne. Sie fanden sie so sch├Ân, dass sie beschlossen, sie mitzunehmen. Komisch, dachte die Tanne. Es ist doch noch gar nicht Weihnachten. Trotzdem sollte f├╝r die Tanne ein Traum in Erf├╝llung gehen. Die Familie pflanzte sie in ihren Garten und strahlte. Die Tanne durfte von jetzt an auf alle umliegenden G├Ąrten schauen, die mit kunterbunten und wundersch├Ânen Pflanzen geschm├╝ckt waren. Mit einigen schloss sie bald schon Freundschaft und genoss die Sonne sowie den Regen, was ihr nun keiner mehr stehlen konnte. Als es dann Weihnachten wurde, steckte ihr die Familie Kerzen an die Zweige. Wenn es dann dunkel wurde, leuchtete sie so weit und sch├Ân, wie kein anderer Baum in der Umgebung. Die einst mickrige und kranke Tanne war aufgebl├╝ht und hatte endlich ein Zuhause gefunden. Jetzt verstand sie auch den Mond. Das hier war ein ÔÇ×richtigesÔÇť Zuhause. Und daf├╝r war sie sehr dankbar....


E N D E
__________________
Zum Schreiber wirst du nicht geboren - Zum Schreiber wirst du verflucht

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