Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92221
Momentan online:
729 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Kleine Werbung für die Bibel (und für Toleranz gegenüber Zigaretten und Dichtern)
Eingestellt am 25. 06. 2008 09:33


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Kleine Werbung für die Bibel (und für Toleranz gegenüber Zigaretten und Dichtern)

1. Was treibt mich, Werbung für die Bibel zu machen?

Über die Bibel – für und gegen sie – ist eine Menge gesagt und geschrieben worden. Ich habe nicht die Absicht, millionenfach geäußerte Standpunkte, Interpretationen, Urteile etc. zu wiederholen. Ich will lediglich ein paar eigene Gedanken äußern und Beobachtungen beschreiben, die mir von Bedeutung scheinen. Vorwegnehmen darf ich: Mein Gesamturteil fällt sehr positiv aus. Wer zu einer grundsätzlich gegenteiligen Meinung gekommen ist, oder wer annimmt, es sei zu dem Thema bereits alles gesagt worden, der sollte an dieser Stelle Text und Thema wechseln oder zu einer völlig anderen Beschäftigung übergehen. Oder seine Meinung erläutern.

2. Was mir besonders auffiel

Geht es um das Thema Bibel, fällt immer wieder auf: Die Leute werden parteiisch. Sie schwärmen für oder wettern gegen Gott, für oder gegen den Glauben, sie verurteilen die Kirche oder verteidigen den Papst (Luther sprach vom "Babst"), spielen die Inquisition herunter; sie verlangen höchsten Respekt vor der Religion, der Bibel, Herrn Pfarrer; oder die Beseitigung all dessen: Das sei doch nur elender Tand, Opium fürs Volk, ein einziges dummes Ammenmärchen für unterdrückerische Zwecke etc.

Den wenigsten scheint das Thema gleichgültig zu sein. Folglich ist der Behauptung schwer zu widersprechen, das Thema habe eine bleibende Bedeutung.

Das zeigt sich vor allem dann, wenn sich gewohnte Umstände unerwartet ändern, ich spreche von der immer wieder zu beobachtenden plötzlichen Hinwendung zur Bibel nach Schicksalsschlägen, dem Verlust einer geliebten Person, dem Ausbruch einer Krankheit, dem Zusammenbruch eines Weltbildes, eines Urvertrauens, einer sicheren Existenz...

Im Gefängnis, z.B., fingen die meisten Häftlinge mit zwei Dingen an: Mit der Raucherei und dem Lesen der Bibel. Und das in der grundatheistischen DDR, ich weiß, wovon ich rede.

Zigaretten und Bibel enthalten also offenbar äußerst wichtige Dinge. Wenn einer der frisch Inhaftierten zum Buch der Bücher oder einer Zigarette griff, veränderte sich sein Wesen. Schlug er das Buch auf, zündete er sich eine Zigarette an, richtete sich sein Blick konzentriert und erwartungsvoll auf den nahen Gegenstand. Las oder rauchte er dann, entspannten sich die Gesichtszüge. Die häßliche Realität verblasste, rückte ab, verlor sich – im Rausch der Worte, im Rauch der Zigarette. Das Feuer der biblischen Gleichnisse, Geschichten, Erzählungen und Mythen wirkte ähnlich wärmend wie die Glut der Zigarette in der trostlosen Zelle. Es tröstete – und betäubte – in gleicher Weise wie der stickige Rauch. Sah einer auf von seiner Lektüre oder ab von seiner Lunte, schaute er – manchmal, nicht immer – gelassener auf das üble Drumherum. Denn die Verhältnisse waren wirklich übel, ein absolutes Trostmittel gab es nicht und gibt es wohl auch nicht, ich will hier nicht noch einen Mythos produzieren.
Bzw. Märchen erzählen.

3. Was könnte Wichtiges in Bibeltexten zu finden sein?

Ich hörte verschiedenste Globalurteile über die Bibel – wie auch über Nikotin, Haschisch, Alkohol etc., ich will sie nicht alle wiederholen. Stellvertretend für viele Meinungen soll hier der Satz eines einstmals bekannten und geschätzten Liedermachers stehen, der heute wohl immer noch bekannt, aber nicht mehr ganz so geschätzt wird, weil er ein bisschen zuviel über die Notwendigkeit von Kriegen schwätzte. Er äußerte vor Jahren (sinngemäß), die Bibel sei das größte Märchenbuch der Menschheit.

Wenn ich einmal unterstelle, dass dem Liedermacher der Unterschied zwischen Märchen und Mythen nicht so ganz bewusst war – oder ihn eine Lust zur bewussten Verwischung dieses Unterschiedes ankam, vielleicht, weil er im Verwischen von Unterschieden in kurzer Zeit zu nicht ganz unbeträchtlichen Fertigkeiten und der Meinung gelangt war, damit brauche man ja keinesfalls hinterm Berg zu halten –, wenn ich also des Sängers Unschärfen oder seine möglicherweise seltsame Lust zu sehr unscharfen, um nicht zu sagen: märchenhaften Interpretationen von Wirklichkeit, entschuldige und annehme, es seien doch Mythen gemeint gewesen, müsste ich ihm zustimmen. Die Bibel ist vor allem ein Buch der Mythen.

4. Sind die konträren Standpunkte zur Bibel vielleicht nur die Äußerung eines grundsätzlichen Problems im Umgang mit Mythen?

Sicher, die Mythen bilden nur einen Teil der Bibeltexte. Geschichtsberichte unterschiedlicher Genauigkeit, Gesetzestexte, Moralkodizes, Gesänge, Gedichte etc. sind in Fülle vorhanden. Trotzdem prägen offenbar die Mythen wesentlich das Buch und machen seine überzeitliche Wirkung aus.

Was ist nun ein Mythos? Was macht seine Kraft und Dauer? Handelt es sich bei einem solchen um ein Märchen für Erwachsene? Ein Lügengespinst? Eine Mischung aus Lüge und Wahrheit, aus Dichtung und Wahrheit? Eine Abbildung der Abbildung der Abbildung? Eine Verkürzung von Wirklichkeit auf Wesentliches? Die n-te Reduktion des Urbildes?
Lexika liefern verschiedene Erklärungen. Sichtbar wird eine ganze Fülle von Ansichten zum Thema, aber auch ein Bedeutungswandel.

An sich stellt ein „Mythos“ (altgr.: Laut, Wort, Rede, Erzählung) zunächst nichts weiter vor als eine „erzählerische Verknüpfung von Ereignissen“. Die allerdings sehr unterschiedlich gewertet wurde und wird. Platon und Aristoteles sahen im Mythos die Möglichkeit einer Annäherung an die Wahrheit. Zwei Jahrtausende später übersetzte Gottsched den Begriff „Mythos“ mit „Fabel“, womit er auf die sagen- und märchenhaften Elemente, genauer: auf den vermeintlich unzeitgemäßen Charakter der alten Mythen und vermutete Teil-, Halb- und Unwahrheiten rekurrierte. Radikalere Geister der Aufklärung sahen im Mythos schlicht eine kindliche Vorstufe zum begrifflichen Denken.

Trotz – oder auf Grund von? – allerlei Auflösungserscheinungen tradierter Denkweisen: Der Gebrauch überlieferter Mythen nahm nicht ab. Gerade mit der einsetzenden Aufklärung und Freigeisterei griffen die Dichter, aber auch die Wissenschaftler, zunehmend auf die überlieferten biblischen und griechischen Mythen zurück – nicht einmal Marx entkam dieser Tendenz. Einer Tendenz, die bis heute anhält.

Wie lässt sich das erklären? Vielleicht so: Mit der explosionsartig zunehmenden Zahl von Interpretationen, Theorien, Ismen zum Funktionieren, dem Wesen und der Wahrheit von Welt und Gesellschaft, wuchs die Notwendigkeit einer Spiegelung, Brechung, Bewertung der neuen, ungewohnten Paradigmen. Was eignete sich dafür besser als die bekannten, erprobten, immer noch neu und weiter deutbaren Mythen?

Das trieb mitunter eigenartige Blüten. Schelling kam plötzlich zu dem erstaunlichen Schluss, Mythen seien nicht von Menschen erdacht, sondern sie hätten den Menschen als Werkzeug erwählt. (Ahnte er vielleicht, daß man einmal aus Wagner-Opern Weltkriege machen würde?)
Für Nietzsche war das „Unbehagen in der Kultur der Moderne“ Ausdruck eines Mythosverlustes: eine Feststellung, die recht fragwürdig erscheint, sieht man sie im Zusammenhang mit der erwähnten Rückbesinnung und dem zunehmenden Gebrauch überlieferter Mythen. Einprägsam bleibt seine Definition dennoch. Ein Mythos ist für ihn eine „Abbreviatur der Erscheinung“, also eine Art Verkürzung der Wirklichkeit auf einen prägnanten, realistischen Kern.

Aktuelle Zeitgeister rechtfertigen den Mythos in ähnlicher Weise, sehen ihn gar als notwendigen Bestandteil unseres Weltbildes. Norbert Bolz schreibt: „Dem mythenlosen Menschen der Moderne fehlt die Kraft ... der Horizontbegrenzung, die der Mythos leistet. Der Mythos ist die Matrix des Weltbildes – er stellt ein Bild von der Welt und umstellt die Welt mit Bildern.“

Das klingt glaubhaft – und lässt das Grundproblem der Mythen beinahe vergessen: Die Bilder der Mythen liefern nicht nur die Matrix, sondern auch die Abweichung von der historischen Wahrheit; sie begrenzen nicht nur unseren Horizont, sie vergröbern, vereinfachen; sie fügen hinzu, lassen weg, deuten um, glätten, spitzen zu – kurz: sie dichten und erfinden. Und: Sie werden lebendig, setzen sich an die Stelle der Wirklichkeit, erscheinen in einer Klarheit und Plastizität, die uns eine Unterscheidung zwischen Mythos und Wahrheit, Fiktion und Realität, Möglichem und Wirklichem oft schwer macht.

Vernebeln uns Mythen also in ähnlicher Weise die Köpfe wie der Rauch einer Zigarette, den der Häftling, gierig nach Abwechslung, Trost und Betäubung, inhaliert? Werden wir mythensüchtig, wenn wir die häßliche Welt lang genug im klaren Lichte sehen? Ich halte das für möglich, aber nicht für nur negativ. Man stelle sich vor, man schlüge dem Häftling die Zigarette aus der Hand, zerträte sie genüßlich mit dem Stiefel...

Um das Phänomen besser zu verstehen, muss die Frage gestellt werden: Wie überhaupt entstehen Mythen? Sind es die Herrschenden, die Mythen erfinden? Eine Priesterkaste, ein Club von Lügenbolden, Verführern, Demagogen?

Es gibt eine Unzahl Theorien. Ganz genau weiß man es, glaube ich, immer noch nicht. So, wie man z.B. auch noch nicht bis ins Letzte das Wachstum einer Tabakpflanze versteht. Das Reifen ihrer zarten Blätter. Ihren Duft...

Ich habe den Eindruck, dass keine bestimmte Schicht, kein Geheimbund, kein Dichtergenie, keine Universität und nicht mal einer jener ominösen „Think-tanks“ für einen dauerhaltbaren Mythos verantwortlich gemacht werden kann. Wenn ein Mythos ins Leben kommt und dort bleibt, so hat er seine Berechtigung, seine Aufgabe. Das trifft auch auf die modernen Mythen zu, wie z.B. „Verbesserung des Lebens durch den technischen Fortschritt“, Freiheit, Demokratie...

Wir alle basteln mit an den Mythen, Dichter, Universitäten, Think-tanks bringen sie nur, gefasst in Worte, Bilder, Zahlen, in Umlauf. Wir schaffen neue und lassen die alten leben. Keiner schafft solches allein. Kaum einer kann sich den Mechanismen der Mythen entziehen.

Ihre Wirkung halte ich für gegeben, notwendig und nützlich. Ja, Sie nebeln, sie betäuben, sie lassen unseren Blick verschwimmen. Aber sie geben auch Orientierung, sie trösten und sie wärmen. Sie erfüllen einen guten Zweck. Oder, anders herum: Der Vernehmer, der dem Häftling die Zigarette aus der Hand schlug und die Lügenbiographie eines Generals der NVA in die Hand drückte, ist ein Schwein (gewesen, sorry).

Wir brauchen Mythen als eine Art „Menschenkunde im höheren Sinne“ (Goethe), als ein Produkt kollektiven Glaubens an die „abgespiegelte Wahrheit einer uralten Gegenwart“ (selbiger), als „zeitlose Immer-Gegenwart“ (Th. Mann).

Gefährlich wird es nur – und darüber ließen sich die gerade genannten Geister weniger genau aus –, gefährlich wird es nur, wenn wir sie wörtlich nehmen, wenn wir ihnen die Realität historischer Tatsachen (oder wahrhaft erreichbarer gesellschaftlicher Zustände) zuschreiben. Das wäre wie Kette rauchen bis zum Umfallen, wie Leserei bis zur Erblindung...

Mythen sind keine Märchen und nicht Wirklichkeit. Wer aus einem Mythos Tatsachen bastelt, produziert oft Lügenmärchen. Wer einen Mythos zum Märchen macht, degradiert ihn und ignoriert plausible Muster, nach denen Wirklichkeit funktioniert.

Da mir genau diese Verwechslungen häufig scheinen, halte ich eine ständige Auseinandersetzung mit Mythen für angebracht. Nicht um sie vom Podest zu stoßen oder zu demontieren, sondern um sie gerade zu rücken und ihren Wert sichtbar, nutzbar, genießbar zu machen.

Ich komme zu einem konkreten Beispiel.

5. Wenn sich jemand in eine Statue verliebt...

Wer kennt nicht Mose! Wer in der Bibel gelesen – oder Bibel-TV gesehen – hat, weiß um die ergreifenden, mitreißenden, wundersamen Geschichten über Geburt, Aussetzung und Errettung eines zarten Knaben; über die Erziehung des Heranwachsenden im Hause des Pharao; über den ersten Mord des aufsässigen Mose und die Flucht nach Midian; er kennt die Geschichte vom brennenden Dornbusch und Gottes Auftrag, das Volk in die Freiheit zu führen; die grässlichen Plagen sind ihm ein Begriff, die über jenes Land und ihre widerspenstige Führung kamen usw.
Und wer nicht gelesen und anderes gesehen hat, weiß in der Regel auch doch dies und das, vielleicht hörte er ja von der Zeit der Wüstenwanderung, die angeblich vierzig Jahre währte und viele Wunder und Widrigkeiten mit sich brachte; vielleicht ist ihm der Name eines Berges erinnerlich, des Berges Nebo, auf dem Mose im Alter von 120 Jahren starb, das verheißene Ziel vor Augen...

Ergreifende, mitreißende, wundersame Geschichten! Mose wird uns beschrieben als Führer, als Kontaktmann zu Gott, als Vermittler des Gesetzes, als Gottstellvertreter in schwierigen Fällen, ich nenne nur den Tanz ums Goldene Kalb, oder den Aufstand der Rotte Korach.
Und sicher meinen wir zu wissen, wo die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion liegt. Wissen wir das wirklich?

Es existiert eine Unzahl an Thesen, die Mose einzuordnen suchen, hier nur einige davon:

- Flavius Josephus erklärt die griechische Fassung des Namens Mō(y)sēs als Zusammensetzung der Wörter mō = Wasser und ysēs = heil sein: „Der aus dem Wasser gerettete“.
- Manetho beschreibt Mose in seinem Text „Aigyptiaka“ als ägyptischen Priester aus Heliopolis, dessen Namen einst „Osarsiph“ gelautet habe.
- Nach Chairemon war er ein ägyptischer Schriftgelehrte namens Tisithen.
- Für die orthodoxen Juden ist er der Verfasser der fünf Bücher Mose.
- Für Freud ist er ein Anführer aufständischer Sklaven, der von seinen Gefolgsleuten um die Ecke gebracht wurde, als er ihnen zu sehr auf die Nerven ging, worauf die ein schlechtes Gewissen bekamen und sich hinfort intensiv religiösen und sittlichen Dingen widmeten (Vatermord-These).
- Assman sieht Mose als späten Jünger Echnatons, der einen einst und kurzzeitig praktizierten ikonoklastischen Monotheismus reaktiviert, zu einer antiägyptischen Ideologie umfunktioniert, damit die versklavten Hebräer einigt, den Exodus herbeiführt und so die Entstehung einer neuen bildlosen, schriftorientierten Gegenkultur und des Volkes Israel bewirkt.

Die Thesen und Meinungen so vieler passabler Autoritäten erwecken den Eindruck, größere Zweifel an der realen Existenz der Person Mose seien überflüssig. Tatsache ist jedoch: Es gibt keine historischen Zeugnisse zur Person des Mose. Genausowenig, wie sich ein Massenexodus der Israeliten nachweisen lässt.

Untersucht man die Mose-Literatur unter dem Aspekt „Mose – eine Erfindung“, stößt man auf Autoren wie de Wette und Winckler, die sich in diesem Sinne äußerten. Das Problem dabei: sie gehören einer vergangenen Zeit. De Wette lebte von 1780 – 1849, Winckler von 1863 – 1913. Heute gilt genau diese Ansicht merkwürdigerweise als überholt. Freud, Girard, Assmann und andere haben ihren Teil dazu beigetragen, indem sie die These vom kollektiven Mord am Mann Mose als Eckstein ihrer Religions- und Kulturgenese-Theorien verwerteten. (Freud war übrigens vor-, weit- und nachsichtiger als andere: er bezeichnete seine Ausführungen von Anfang an als Spekulation. Hörte keiner richtig zu? Sprach er diesen Part zu leise?)

Es handelt sich beim Mann Mose also nicht nur um einen lebendigen Mythos, der Mythos selbst hat offenbar eine historische Gestalt gezeugt, an deren Existenz kaum noch Zweifel bestehen. So wie einst – der Sage nach – Pygmalion eine Statue der Aphrodite anbetete und diese lebendig wurde, so passiert es hier der Wissenschaft mit der mythischen Figur eines historisch nicht nachweisbaren Volksführers.

6. Vorschlag für eine Relativierung

Wie kriegen wir nun den von beinahe aller neueren „Wissenschaft“ ins Leben gebetenen (das meint: interpretierten) Mose zurück auf den Sockel eines betracht- und schätzbaren Mythos? Wie eliminieren wir das Märchen von seiner realen Existenz? Doch nur mit Hilfe der Bibel, denke ich. Denn diese ist ein wirklich großartiges Buch, ich sage das ohne Ironie.

Gründe dafür, unter vielen: Die Texte der hebräischen Bibel lassen sich auf verschiedenen Ebenen lesen. Hauptebene 1 (mit mehreren Unterebenen): Text. Hauptebene 2 (mit mehreren Unterebenen): Zahlen.
Die Zahlen liegen vor in Form direkter Zahlangaben, aber auch als Eigenwert der Buchstaben. Das Verfahren, aus den Zahlwerten der Buchstaben neue Bedeutungen herauszulesen, ist unter dem Stichwort Gematrie bekannt und gilt nicht viel unter Wissenschaftlern. Denn man weiß mittlerweile: Wer das Verfahren überstrapaziert, erhält stets das, was er sucht. (Was den Methoden vieler Wissenschaftler verdächtig ähnelt: trotz fehlender historischer Belege erhalten sie mit ihren Interpretationen stets überzeugende historische, gesellschaftliche, psychologische Erklärungen...)

Unbestritten dürfte sein: Die Bibelredaktoren waren große Freunde von Symbolzahlen, charakteristischen Zahlen, Zahlreihen, Zahlentripeln, runden Summen etc. Inwieweit diese Freude an der Schrift Gottes (heute Mathematik genannt) sich auch in der Schrift äußert oder aus dieser herauszulesen ist, bleibt spekulativ. Wagen wir trotzdem den Versuch.

Der Name des Mose liefert unter gematrischem Gesichtspunkt eine gute Ausbeute:

Mose schreibt sich mit den Buchstaben

Mem – Schin – Heh.

Diese haben die Zahlwerte 40 – 300 – 5. In Summe: 345. Die Ziffern der Zahl besitzen hohe Symbolgehalte:

Die 5 und ihre Erweiterungen stehen, z.B., für

- die Bücher der Torah (5)
- die Kapitelzahl des Buches Genesis (50)
- die Breite der Arche und des Zeltvorhofes (50 Ellen)
- die Höhe des Vorhofes (5 Ellen)
- die von Abraham auf die Schnelle geschätzte Zahl der Gerechten von Sodom (50)
- die Schleifen an der Zeltdecke (50)
- die goldenen Haken für die Verbindung der Zeltdecken (50)
- das Jobeljahr (jedes 50.) etc.

Die 4(0) und ihre Erweiterungen/Kürzungen erinnern u.a. an

- die Jahre der Wüstenwanderung (40)
- die Tage und Nächte der Sintflut (40)
- Isaaks Alter, als er sich Rebekka zu Frau nahm (40 Jahre)
- die Kapitelzahl des Buches Exodus (40)
- die Zahl der Erzmütter (4)
- Abrahams erhoffte Zahl der Gerechten in Sodom nach dem zweiten Nachdenken (40)
- die Jahre Israels in Ägypten (400) etc.
- ein Symbol für die Zeit (40 Jahre wird oft als lange Zeit oder Zeit schlechthin verstanden)

Mit der 3(00) und ihren Kürzungen verbindet sich, z.B.,

- die Länge der Arche (300 Ellen)
- die Zahl von Salomos Nebenfrauen (300)
- die von Abraham fortlaufend nach unten korrigierte Zahl der Gerechten von Sodom, an einer Stelle sind es 30
- das Alter Josephs (30), als er „vor dem Pharao stand“ und zum Obersten Ägyptens wurde
- die Zahl der Erzväter (3)
- die Länge einer Zeltdecke im Zelt der Begegnung (30 Ellen)
- das Eintrittsalter der Leviten für die Arbeit am Zelt der Begegnung (30 Jahre)
- die Tage der Trauer nach Aarons Tod (30)
- die Tage der Trauer nach Moses Tod (30)
- die Zahl der Söhne, Esel und Städte des Richters Jair (30) etc.

Die Ziffern 3, 4, 5 sind also in häufiger Anwendung gewesen. Sie ergeben aber auch, in Summe, eine weitere Symbolzahl. Denn

3 + 4 + 5 = 12

Das ist die Zahl der Stämme des Volkes Israel, das Mose aus der ägyptischen Gefangenschaft führte. Zufall oder Absicht?

Die drei Ziffern lassen noch eine andere abstruse Idee aufkommen. Ich erinnere mich an die Schulzeit, an Geometrie – nicht Gematrie –, an Dreieckssätze, Innenwinkel, schlechte Noten... Ich sehe meinen Mathelehrer vor mir, der uns in die Geheimnisse der rechtwinkligen Dreiecke einweiht. Der Satz des Pythagoras flammt vor meinem Auge auf:

a² + b² = c²

Wie komme ich von Mose zu Pythagoras, von Ägypten nach Griechenland? Nun, die beiden Männer entstammen einer geistigen Heimat. Der nach Pythagoras von Samos benannte Satz sei, kann man in fast jedem Lexikon lesen, theoretischer Ausdruck der von indischen, babylonischen und ägyptischen Baumeistern und Priestern entwickelten praktischen Kunst, beim Abmessen von Feldern und Bauten mit Hilfe von Seilen präzise rechte Winkel zu erzielen. Schon eine kleine Abweichung vom rechten Winkel konnte demnach für Bauwerke auf großen Längen zu katastrophalen Ergebnissen führen. Bei Konstruktionen wie den Pyramiden, mit einer Seitenlänge von mehr als 200 Meter, durften sich die Harpedonapten, die Seilspanner, nicht die geringste Abweichung erlauben. Mit Hilfe von Zwölfknotenschnüren erzielten sie genaue rechte Winkel, indem sie 12 gleiche Teile eines langen Seils durch Knoten im Verhältnis 3:4:5 unterteilten und aus dem Seil mit Hilfe von Pflöcken ein Dreieck bildeten – es muss und wird sich auf diese Weise immer ein rechter Winkel ergeben (Pythagoreisches Tripel). Diese Methode wandten die Seilspanner ferner an, wenn die Schlammfelder nach dem Rückgang der Nilfluten neu abzumessen waren.

Bei Anwendung der „Mose-Zahlen“ 3, 4, 5 für die Seiten a, b, c eines rechtwinkligen Dreiecks (3² + 4² = 5²) und der Ermittlung der zugehörigen Winkel, erhält man für den Fußwinkel ca. 53 Grad. Ein Vergleich mit den Winkeln der Pyramiden von Gizeh zeigt eine verblüffende Übereinstimmung:

Cheops: 51° 52’
Chephren: 53°07’
Mykerinos: 51°20’

Die Rechnung mit anderen ganzzahligen Verhältnissen, z.B. 5, 12, 13, ergibt keine annähernd übereinstimmenden Winkel, die Vervielfachung der Werte 3, 4, 5 zu 6, 8, 10 oder 9, 12, 15 usw. natürlich ausgenommen.
Folglich handelt es sich bei dem 3-4-5-Verhältnis auch um das kleinste passende ganzzahlige. Mose scheint, aus mathematischer Sicht, einen eindeutig ägyptischen Stempel zu tragen!

Und das sollte er sicher, die Textebene gibt sich auf jeden Fall die größte Mühe. Ohne die ganze Vorgeschichte von der Geburt, der Erziehung, dem Beginn seines Wirkens in Ägypten etc. wäre ein Auszug der Israeliten und die Aufrichtung einer (bildlosen, so der Mythos) Gegenkultur unter den extremen Bedingungen in der Wüste ja nicht erzählbar.

Wüsste ich immer alles ganz genau, würde ich an dieser Stelle schlussfolgern: Die Geschichte von Mose ist ein Märchen, der Name ein Konstrukt. Denn zu symbolistisch gefüllt ist dieses dreibuchstabige Kürzel, zu bildhaft, direkt und gewollt spiegeln sich die endlosen Jahre in Ägypten darin wieder. (Das „Bild im Namen“ kratzte, würde es denn tatsächlich existieren und absichtsvoll konstruiert worden sein, übrigens noch an einem anderen Märchen: Die angebliche Abkehr der Juden vom ägyptischen Bilderkult gelang möglicherweise nicht ganz so radikal: Die Bilder transformierten lediglich, sie leben in der Schrift weiter, in der Anordnung der Schriftzeichen, den Werten der Buchstaben, den Zeichenzahlen eines Verses, der Anzahl von Sätzen eines Gebotes, der Anzahl der Ge- und Verbote... Wo auch ginge es ohne Bilder?)

Zum Glück weiß ich gar nicht alles so ganz genau, meine unter Punkt 2 angeführten Beobachtungen zum Verhalten von unvermittelt zu Strafgefangenen gewordenen Unschuldigen einmal ausgenommen. Und so vermute ich: Die Erzählung vom Mann Mose ist kein Märchen, wohl aber ein wichtiges Werkzeug für die Darstellung einer Art „geistigen Urknalles“, ein Medium zur Visualisierung der Anfänge einer Gegenkultur.

Natürlich ist auch meine Vermutung eine Spekulation. Allerdings dürften alle, die sich bisher mit Mose beschäftigten, spekuliert haben. Denn die Figur des Mose ist, das darf man ebenfalls wiederholen, historisch nicht verifizierbar. Selbst in so grundlegenden Fragen wie der Herkunft sind sich nicht einmal die Bibelredaktoren einig. Einerseits soll er ein Mann aus dem einfachen Volke sein (Ex 2,1: Und es ging hin ein Mann aus dem Hause Levi und nahm ein Mädchen aus dem Hause Levi zur Frau.), andererseits stammt er von einem der Stammesfürsten ab (Ex 6,11: Aram nahm Jochebed, die Schwester seines Vaters, zur Frau, die gebar ihm Aaron und Mose...).

Das Bild des „rechtwinkligen“ resp. „pythagoreischen“ resp. „ägyptischzahligen“ Mose liefert mir auf jeden Fall eine brauchbare Perspektive für die Betrachtung des Themas unter dem Gesichtspunkt „konstruktiver Mythos“, ich fasse zusammen:

- Der Name des Mose könnte ein Hilfskonstrukt zur Verstärkung des Mythos von der Figur des Mose sein, ein Hilfskonstrukt, das aus der Verbindung symbolhaltiger Ziffern zu einer symbolhaltigen Gesamtzahl entstand. Neben der bereits genannten Zahl 12 als Zahl der Stämme Israels, die sich aus der Summe von 3 + 4 + 5 ergibt, könnten mit den Einzelziffern Bezüge zu den drei Erzvätern, den vier Erzmüttern, der Drei als der Symbolzahl für das männliche oder Führerprinzip, den fünf Büchern der Torah usw. gebildet werden.
- Die Verstärkung des Mose-Mythos könnte durch das Hilfkonstrukt eines symbolhaltigen gematrischen Gesamtwertes gezielt angestrebt worden sein, d.h. der Name wurde unter dem Aspekt einer „ägyptischen Zahl“ kompiliert; vielleicht sollte die 345 auf Ägypten hinweisen: auf das Leben der Israeliten in der Bedrückung (der Fleischtöpfe?). Auf die Erziehung des Mose in Ägypten, denn er soll laut Bibel in allen Weisheiten der Ägypter unterrichtet worden sein. Auf die Zeit der Sklaverei, den Weg in die Freiheit, die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben für jeden Bürger der Nation... Ägyptisch ist die Zahl 345, weil sie für Ägyptens Symbol, die Pyramide, steht. Dieses „Riesengerümpel des Todes“ (Th. Mann in „Jakob und seine Brüder“) wird durch Dreiecksflächen gebildet, besitzt davon 4, in summa eignen ihr 5 Flächen, die werden durch 5 Punkte begrenzt.

Mit dieser (möglichen) Technik der Verweise auf Symbole kann banale Wirklichkeit in den Hintergrund gedrängt oder ad absurdum geführt werden. Die Banalität des tatsächlichen historischen Entstehungsprozesses der Nation Israel und seines Glaubens zeichnet sich vielleicht durch die Tatsache aus, dass sich dieser vor den Toren Ägyptens ereignete, quasi in der „Provinz“: als Akt der Selbstbehauptung des amhaaretz, des vom modernen, reichen Ägypter verachteten palästinensischen Dörflers, der in der Ruhe und Abgeschiedenheit der Wüste zu grundsätzlichen Einfällen kam...(Für „ägyptische“ Zahlen lassen sich weitere Beispiele nennen: addiert man die Innenwinkelsummen der vier Dreiecksflächen einer Pyramide, ergibt sich 4 x 180 Grad = 720 Grad. Ich lese die 720 als 72.)

Ein starkes Indiz für das mögliche „Konstrukt Mose“ liefert auch sein wahrhaft biblisches Alter. Die Zahl 120 enthält, welch Zufall, die Zwölf, und ist zudem das Ergebnis einer Reihe (Funktion Fakultät 6):

1 x 2 x 3 x 4 x 5 x 6 = 120.

7. Ist der Mythos, wenn als Konstrukt erkannt, nun wertlos?

Nehmen wir einmal an, meine gematrisch-konstruktivistische Analyse wäre richtig (wovon ich selber nicht sehr überzeugt bin, ich schiebe die merkwürdigen Übereinstimmungen zwischen Zahl und Bedeutung dem Zufall zu): Wäre dann die Geschichte vom Mann Mose weniger wert, wäre sie vielleicht als erfundenes Märchen auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen?

Ich glaube nicht. Wenn auch der Mann Mose eine Erfindung sein mag und vielleicht gar ein gematrisches Konstrukt, wenn es auch keinen Massenexodus gab, keine 400 Jahre Gefangenschaft in Ägypten: So beschreiben die biblischen Erzählungen um Mose doch in anschaulicher (bildhafter), vor allem: gleichnishafter Form den Entstehungsprozeß einer neuen, schriftorientierten, monotheistischen Kultur. Damit erfüllen sie die Funktion einer „Matrix“, wie das N. Bolz so schön formuliert hat, wohl schon sehr früh. Die genauen Einzelschritte der Entstehung dieser neuen Kultur sind ohnehin nicht nachvollziehbar, auch würde die Vielzahl der Teilschritte eine begreifbare und praktisch realisierbare Nacherzählung unmöglich machen.

Und daß jene gleichnishaften, psychologisch in sich äußerst stimmigen Geschichten bis heute wirken, das beweisen ja dichtende Ärzte wie Freud oder dichtende Ägyptologen wie Assmann, die aus einem Mythos eine Realität „erbaten“ bzw. „erbeten“, letztgenannter dichtet noch.

Die Bibel ist ein großartiges Buch. Sie enthält wesentliche Mythen der Menschheit. Wenn man sie genauer liest, entdeckt man genügend Hinweise für späte redaktionelle Eingriffe. An den Mythen wurde gebastelt, sicher. Aber deswegen sind es weder Märchen noch reine Wahrheiten. Wer die Texte als Märchen abtut, ist ein arroganter, wer sie für Wirklichkeit hält, ein einfältiger Narr.

Man könnte es auch so beschreiben: Wenn eine Erzählung dauerhaft ist, deckt sie sich mit „dauergültigen Eckpunkten“ der Wirklichkeit (s. Begriff „Matrix“). Sie ist dann quasi isomorph zur Wirklichkeit (isomorph bedeutet, daß sich die Elemente einer Menge M genauso zueinander verhalten wie die Elemente einer Menge M’). Bei biblischen Mythen habe ich den Eindruck, dort sei tatsächlich höchste Isomorphie zur Wirklichkeit erreicht.

Um auf die anfangs erwähnten Beobachtungen zurückzukommen: Wer die Bibel als ein Buch der Mythen lesen kann, wird einen neuen Zugang zu unserer Wirklichkeit finden, Beispiele spare ich mir hier, da der Text sonst zu lang würde.

Analog dazu: Wer eine Zigarette als rein schädlich diffamiert, hat nichts von ihrem Trostpotenzial verstanden.

Mögliches weiteres Analogon: Wer nichts von Mythen hält, darf keinem Dichter Gehör schenken.


Version vom 25. 06. 2008 09:33

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


strolch
???
Registriert: Jan 2004

Werke: 14
Kommentare: 539
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um strolch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

oh

also wenn ich das so lese mit mühe ehrlich gesagt, weil nach einem drittel des textes, mein gehirn anfing abzuschalten, so das ich mich zwingen mußte durch zuhalten, aber ehrlich gesagt, nicht bis zum schluß.

es ist zu lang, zu unkonkret und geht zu sehr quer durchs beet. es sind einige wichtige aspekte drin, die frage:warum kommen manche leute zurück zur bibel, in krisenzeiten des lebens? ja manche finden im gefängnis zu gott zurück oder hin.- warum ist das so?

es ist aber auch nicht von der hand zuweisen, das im namen Gottes (ob er das wirklich wollte, kann keiner beweisen.) kriege geführt wurden, menschen auf schlimmste gefolter wurden, hexenverfolgung und und und. das im namen gottes, völker unterdrückte, eroberungskriege geführt - sehr viele menschen umgebracht wurden.

- so gut wie alles 10 gebote gebrochen verletzt, nicht beachtet.-

du stellst, die behauptung auf, das die bibel, nicht auf dem klo gelesen wird, wo her willst du das wissen. also, ich habe sie auch da schon gelesen, weil wenn ich in etwas vertieft bin, es nicht gern aus der hand lege. manchmal ist das auch der ruhigste ort zum lesen, zu hause.


lg brigitte



__________________
"Ich will nicht, daß Frauen Macht über die Männer, sondern über sich selbst erlangen."(Mary Wollstonecraft)

Bearbeiten/Löschen    


Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ja, liebe Leser, es ist sicher ein schwieriger Stoff, vor allem, wenn man - wie wohl die meisten "modernen" Leser -, nur noch eine schwache oder gar keine Beziehung mehr zur Bibel hat. Richtig ist sicher auch, dass im Text ne Menge Fakten (und Spekulationen) stecken. Traurig bin ich nicht, wenn den meisten dieses stark verdichtete Exzerpt aus einem sehr viel umfangreicheren Text schon viel zu lang erscheint (Ellen einmal ausgenommen); andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass auch noch in hundert oder zweihundert Jahren, falls wir denne noch existieren, über manchen biblischen Satz und seine merkwürdige Isomorphie zu zeitlos-realen Mustern gerätselt werden wird. Von den erwähnten Prozessen der Mythenbildung oder der Bildertransformation werden wir ohnehin, auch ganz ohne Bibel, ständig begleitet, manche meinen sogar: gesteuert. Wir werden des(sen) nur nicht mehr so recht gewahr, eine Folge unserer bildüberfluteten, auf Halb- und Oberflächenwissen basierenden "Informationsgesellschaft".

P.

Bearbeiten/Löschen    


strolch
???
Registriert: Jan 2004

Werke: 14
Kommentare: 539
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um strolch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

also ist der leser selber schuld, wenn er es nicht versteht?

lg brigitte
__________________
"Ich will nicht, daß Frauen Macht über die Männer, sondern über sich selbst erlangen."(Mary Wollstonecraft)

Bearbeiten/Löschen    


Zeder
Administrator
Fast-Bestseller-Autor

Registriert: Nov 2001

Werke: 14
Kommentare: 3844
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zeder eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Penelopeia,

ich habe deinen Satz

quote:
Wer die Bibel als ein Buch der Mythen lesen kann, wird einen neuen Zugang zu unserer Wirklichkeit finden,

zweimal so gelesen

"Wer die Bibel als ein Buch der Mythen lesen kann, wird einen neuen Zugang zu ihr finden"

und ihn zustimmend abgenickt.

Allerdings halte ich "zu unserer Wirklichkeit", wie ich nun richtig lese, für zu global gegriffen - Mythen zeigen Urtypisches auf, klar, aber die Grenzen biblischer Aussagen zur heutigen Zeit sind dennoch gegeben ...

Ansonsten sind deine Überlegungen in sich rund; auch die Zahlenmythologie passt gut hinein. Ein paar deutliche Kürzungen könnte ich mir vorstellen; die Ausführung am Schluss ist durchaus erweiterbar und sollte m.M.n. Beispiele aus der heutigen Zeit beinhalten.

Du hast dich tief in diese Materie eingearbeitet, das gefällt mir gut!

Viele Grüße, Zeder

Bearbeiten/Löschen    


Duisburger
Häufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 82
Kommentare: 2116
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Duisburger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo,

auch ich mag diesen Text, weil er sehr in die Tiefe geht und zum Nachdenken anregt.
Nichts zum mal schnell drüberlesen und wohl nur etwas für gläubige Menschen (da zähle ich mich dazu). Jemand, der nicht an Gott gluabt, wird hier keinen Zugang finden. Ich warte eigentlich schon die ganze Zeit auf den Kreuzzug der Glaubensgegener, die immer bei solchen Texten irgendwann auftauchen.
Mythen und Bibel sind untrennbar miteinander verbunden. Leider verwechseln viele diese Mythen mit Verschwörungstheorien, hier wird die Bibel dann Mittel zum Zweck und was an Absurden in Büchern und im Netz zu lesen ist, hat nichts mehr mit den biblischen Mythen zu tun, da hat eher die "Das Böse ist immer und überall - Fraktion" das Ruder in der Hand oder das profane Geschäftsinteresse. Solcherlei Bücher und Filme verkaufen sich wie warme Semmeln.

quote:
Gefährlich wird es nur – und darüber ließen sich die gerade genannten Geister weniger genau aus –, gefährlich wird es nur, wenn wir sie wörtlich nehmen, wenn wir ihnen die Realität historischer Tatsachen (oder wahrhaft erreichbarer gesellschaftlicher Zustände) zuschreiben. Das wäre wie Kette rauchen bis zum Umfallen, wie Leserei bis zur Erblindung...
Das hier halte ich für einen der wichtigsten Abschnitte des Textes. Die Bibel und ihr Wort sind nicht absolut, die Texte müssen interpretiert (was leider schon viel Leid über die Menschen gebracht hat, weil oft politisch oder aus Machtstreben manipulativ interpretiert wurde) werden. Die Frage ist nicht "Was hat er uns gesagt?" sondern "Was wollte er uns sagen". Stichwort Gleichnis.

Ich halte den Text für einen der Besten, den ich in Sachen Bibel gelesen habe, weil er nicht missionieren, sondern erklären will, ohne Anspruch auf Warhaftigkeit.

lg
Duisburger
__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

Bearbeiten/Löschen    


45 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!