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Leselupe.de > Anonymus
Kleiner vorweihnachtlicher Ausflug
Eingestellt am 01. 12. 2006 09:35


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Bei meinem letzten Höllengange
tauchte ich weit und tief und lange.
Ich wollt’ ein bisschen mich ausruhn
von dem vorweihnachtlichen Tun.

Ich wollte einfach mal abschalten
von Weihnachtsstress und Suchtverhalten.
„Dies Fest, sprach ich, „ist ungesund,
probier’n wir mal den Höllenschlund!“

Nach einer halben Flasche Klaren
bin ich denn also abgefahren
ins Reich der Schatten. Glaubet mir,
ich traf auf manches groĂźe Tier!

Ich traf so manchen groĂźen FĂĽhrer
und die bekanntesten AufrĂĽhrer!
Sie schienen durchsichtig, wie hohl,
und fĂĽhlten sich zumeist nicht wohl.

Ich sah Karl Marx ein Pfeifchen rauchen
und in des Teufels KĂĽche schlauchen.
Der Teufel freute sich: „Lies mal
ein Kapitelchen vom Kapital,

dann kriegst’ von mir ne halbe Zwiebel.
Ich les dir dann was aus der Bibel.“
Dann haben beide laut gelacht.
Ein Teufelskerl!, hab ich gedacht.

Ich fand Lew Trotzki trotzig schweigen
und auf den groĂźen Kessel zeigen.
„Mein Freund“, sprach ich, „brennt drunter schon
die neueste Revolution?

Wer löffelt hier die alte Suppe?
Gibts hier ne Proletariergruppe?“
„Proleten sind“, hat er gebellt,
„selbst hier nun alle angestellt!

Die sind zu faul für’s Revoluzzen,
die mĂĽssen heizen, Kessel putzen.
Die haben permanent Vertrag.
Das war des Teufels größter Schlag!“

Ich sah den Stalin Karten spielen
mit GröFaZ, und sah beide schielen.
„Um was“, sprach ich, „gehts hier genau?“
„Nicht Polen“, knurrten sie. „Mau-Mau“!

Am Pfuhlrand fand ich Steine schichten
und gut mit Mörtel Fugen dichten
den Ulbricht mit dem Ziegenbart.
„Freundschaft!“, schrie ich und kam in Fahrt.

„Den Himmelfahrtstag hast gestrichen
du, Walter, vor du bist verblichen.
So weilst du hier am rechten Ort.
Nun maure weiter, ich muss fort.“

Mein AbschiedsgruĂź rĂĽhrte die Schatten.
Ich sah, dass sie noch Fragen hatten.
„Schnell, schnell“, rief ich, „ich muss zurück.
Da oben droht mein Weihnachtsglück!“

„Hast du nicht was“, klagt’ es im Chore,
„ein bisschen Schnaps, Wein, Bier im Rohre?
Es gibt in dieser Versenkung
gar wenig Witz und Ablenkung.

Die Frauen sind in Teufels KĂĽche,
und dreschen Eva Hermans SprĂĽche.
Wir sind hier wirklich ganz allein,
fällt dir nicht doch noch etwas ein?“

„Nun gut“, sprach ich, „trinkt hier die Reste.
Ich krieg, hoff ich, Nachschub zum Feste.
Und wenn ihr mich dann noch bekniet:
So singen wir ein Weihnachtslied.“

Das Lied, das haben wir gesungen,
hat atheistisch kaum geklungen.
Sie winkten traurig hinterher.

Bin wieder da. Die Flasche: leer.

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