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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Klitschko - 2. Juli -
Eingestellt am 01. 07. 2011 19:58


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MBryan
Hobbydichter
Registriert: Jun 2011

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Dieser Tage bekomme ich viele E-Mails, die mich auf Klitschko ansprechen, sein Bruder boxt ja wieder, morgen, am 2. Juli gegen Haye „Den Köpfer“ (:-) und die Leute fragen mich, ob ich hingehe.

Zwar mache ich große Fortschritte meine Ängste los zu werden, aber ein ganzes Stadion voller Leute ist mir dann doch noch zu viel. Außerdem sieht man aus Reihe „X“ vermutlich eh nichts, weshalb ich das Ereignis lieber aus sicherer Entfernung genieße. Vielleicht ein Public Viewing Monitor, irgendwo in der Stadt.

Im Mai, als Lena beim Schlager-Grand Prix ihren Titel verteidigte, schrieb die Mopo (Hamburger Morgenpost) großspurig: „Public Viewing in der Fischauktionshalle - Eintritt frei“ und ich dachte mir, na da gehst du doch mal hin. Am Eingang dann stieß ich an meine Grenzen, diesmal in Form eines Türstehers, der mich gar nicht erst reinlassen wollte. So ein Poppei mit breiten Schultern und Anabolika-Grinsen im Gesicht. Ein kurzes „Nein“ (ohne das ich gefragt hatte) signalisierte mir, dass ich die Show nur von draußen sehen darf, durch die von innen zugeklebten Scheiben, weshalb das „durch die Scheiben gucken“ auch nichts war. Also entschloss ich mich noch einmal nachzufragen, warum ich nicht reinkomme und der Türsteher wird ungehalten: „Weil ich hier eben nicht jeden reinlasse“ und angeblich hat er auch schon andere abgewiesen.

Scheibenkleister ! Das hätte die Morgenpost dann aber auch dazu schreiben können, dass bei Einlass eine Gesichtskontrolle stattfindet und der Eintritt nicht für Jedermann möglich ist.

Ist es die Armut, die mir aus allen Poren trieft ? Oder die Abneigung der Besserbetuchten, die Parität und Chancengleichheit schon im Keim erstickt.

Gestern traf ich am Mitternachtsbus einen Mann, auch der ist schon 4 Jahre auf „Platte“. Er sagt, dass die meisten Leute, die mehr als ein Jahr auf der Straße sind, dabei dann auch bleiben und sie den Absprung zurück ins geregelte Leben dann auch nicht mehr schaffen. Sei es weil sie resignieren, aufgeben oder Gefallen daran finden, an der Bequemlichkeit und der Lethargie, die das Leben auf der Straße den Menschen antrainiert.

„Wolle“, mein Freund von der Brücke (5 Jahre „Platte“), neulich hatte ich ihm gesagt, dass ich fest daran glaube, doch noch eine Wohnung zu finden. Er lachte mich aus und meinte nur, „Ja, diesen Glauben hatte ich auch mal, aber das ist inzwischen vorbei“. Wenn Du 10 mal irgendwo hingehst, dich anstellst, als Bittsteller und am Ende wieder leer ausgehst, dann verbraucht dich das ungemein und es zermürbt auch. Es macht dich klein und bestiehlt dich deiner Kraft, deiner Zuversicht und auch deiner Hoffnung. Irgendwann hast du keinen Bock mehr, weil du den Film schon kennst, der bei den Bewerbungen abläuft, wenn du hinten anstehst und doch nur wieder übergangen wirst. Nach einiger Zeit dann kommt der Punkt, wo es nicht mehr weitergeht, wo auch das letzte Stück Zuversicht aufgebraucht ist, dann stellst du dir die Frage, ob das Leben, das du führst, dir vielleicht auch bestimmt ist, ob es so sein soll, dass du so lebst.

Viele der Leute, die ich kenne, haben sich aufgegeben. Sie glauben an nichts mehr. An kein Versprechen und keine Einladung. Es ist vorbei. Sie sind da, wo sie sind, im Dreck und dort wollen sie auch bleiben, zusammen mit 2 Liter Sangria, jeden Tag, um den Frust zu betäuben.

Gibt es Rettung ? Wer will uns retten ? Kann ich mich selbst retten ?

„Geh arbeiten, du faule Sau“, sind die Sprüche, die ich selbst auch schon gehört habe und niemand macht sich die Mühe zu verstehen, warum wir in dieser Situation gefangen sind, warum wir da sind, wo wir ankamen und was wir früher einmal hatten. Die meisten von uns hatten ein ganz normales Leben, hatten Beruf und Familie. Niemand wird arm geboren und als Penner schon gar nicht.

Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich. „Wer nicht anfängt wird nicht fertig“, höre ich ständig. Und ja, ich habe längst angefangen meine Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die Dinge zu bekämpfen, die mich behindern, jeden Tag ein Stück mehr, versuche ich zu bewahren, was ich immer hatte: Zuversicht und Hoffnung !

In diesem Sinne: Möge der Bessere gewinnen, morgen, am 2. Juli!

Max Bryan
01.07.2011

PS: Und noch ein Wort zu Vitali: Ich bin froh, dass ich ihn damals traf. Er hat mich motiviert meine Probleme anzupacken, den Kampf zu kämpfen und mein „Kampf“ dauert noch an. 14 Monate und „Runde 15“ ist nicht mehr weit. Irgendwann will ich (wie er) im Ring stehen und sagen können: Ich hab´s geschafft - aus eigener Kraft - und auch dafür bin ich dankbar!

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Version vom 01. 07. 2011 19:58
Version vom 01. 07. 2011 20:52

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jon
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Hallo Bryan,


ich weiß, dass dies hier quasi eine Kopie deines Facebook-Blogs ist, aber da wir hier in der Leselupe sind, muss ich mal andere Maßstäbe als bei deinem facebook-Tagebuch ansetzen.

Ich weiß noch immer nicht, ob dieses Tagebuch etwas mit deiner Zukunftsplanung zu tun hat, du vielleicht deine Geschichte "vermarkten" (böses Wort, ich weiß, aber hey! Wenn es dir hilft und den Blick der Leser schärft – warum nicht?) willst. Falls du das vorhast, dann braucht das Werk einen Anfang - die Texte hier fallen mitten in den Moment und lassen den Leser mit diversen Fragen zum "was ist eigentlich passiert?" allein.

(Hier mal einige Fragen, die dem Leser so kommen können: Wieso hat der Typ Internet, kann E-Mails empfangen – so "auf Platte"? Wieso sprechen ihn Leute auf Klitschko an? {Ich weiß es, aber ich habe auch außerhalb diese Texte schon rumrecheriert.} Die Sache mit Max / Bryan ist in diesem Werk bisher auch noch unklar. Ebenso die Vorgeschichte mit dem Alleinsein in der Wohnung. Interessant wär für mich auch, wie das mit dem Ängste-Loswerden ist – "Echte" Therapie? Selbtstherapie? Eventuell mit Helfern {z. B. Freunde, die dir beistehen}?)


Textarbeit-Details:

quote:
Zwar mache ich große Fortschritte meine Ängste los zu werden, aber ein ganzes Stadion voller Leute ist mir dann doch noch zu viel. Außerdem sieht man aus Reihe „X“ vermutlich eh nichts, weshalb ich das Ereignis lieber aus sicherer Entfernung genieße. Vielleicht ein Public Viewing Monitor, irgendwo in der Stadt.

Komma nach "Fortschritte" / Public-Viewing-Monitor
Das "eh nichts" ist mir zu umgangssprachlich. Es tut zwar durchaus gut, dich nicht mehr ganz so "versunken kopfig" anzutreffen, aber der besondere Charme deine Texte erwächst aus einer … mir fehlen die Worte … intellektuellen Wahrnehmungsfähigkeit? Erkennungstiefe? Durch Erkenntnis geprägte Abgeklärtheit? Klingt hochgestochen, ich weiß. Ich meine, deine Texte klingen nicht wie Plauderei, nicht, als ob irgendwas daran "Füllmaterial" wäre. Sie klingen sehr überlegt. Dieses "eh" klingt jedoch nicht überlegt, sondern dahergeplaudert.
Was ist die Reihe "X"? Meist du "billige Plätze ganz hinten"?
Logikstolperer: Weil man von hinten (aus der Entfernung) eh nichts sieht, seh ich es mir lieber aus der Entfernung an? Vielleicht einfach den Teilsatz streichen: … vermutlich sowieso nichts, weshalb ich das Ereignis lieber am Bildschirm genieße.



quote:
Im Mai, als Lena beim Schlager-Grand Prix ihren Titel verteidigte, schrieb die Mopo (Hamburger Morgenpost) großspurig: „Public Viewing in der Fischauktionshalle - Eintritt frei“ und ich dachte mir, na da gehst du doch mal hin. Am Eingang dann stieß ich an meine Grenzen, diesmal in Form eines Türstehers, der mich gar nicht erst reinlassen wollte. So ein Poppei mit breiten Schultern und Anabolika-Grinsen im Gesicht. Ein kurzes „Nein“ (ohne das ich gefragt hatte) signalisierte mir, dass ich die Show nur von draußen sehen darf, durch die von innen zugeklebten Scheiben, weshalb das „durch die Scheiben gucken“ auch nichts war. Also entschloss ich mich noch einmal nachzufragen, warum ich nicht reinkomme und der Türsteher wird ungehalten: „Weil ich hier eben nicht jeden reinlasse“ und angeblich hat er auch schon andere abgewiesen.

Scheibenkleister ! Das hätte die Morgenpost dann aber auch dazu schreiben können, dass bei Einlass eine Gesichtskontrolle stattfindet und der Eintritt nicht für Jedermann möglich ist.

Lass dich nicht zu sehr von deinem Ärger mitreißen! Weniger ist in deinem Fall mehr, die "bloße" Nennung der Fakten wirkt eher anklagend als "Lamentieren"/"Schimpfen". Du musst dabei nicht ganz auf Wertungen und Kommentare verzichten – schreib sie als "Gedanken" (oder so), die du in dieser Situation hattest. (Es ist Literatur, du darfst dir diese Gedanken auch im Nachhinein ausdenken )

Dieser Abschnitt verschenkt viel Wirkung, weil er nicht in deinem wohlüberlegten Tonfall geschrieben ist. Der darf durchaus "leicht" sein (na da geh ich doch mal hin), aber nicht mit Logikstolperern (was meinst du mit "der mich gar nicht erst reinlassen wollte"?), Abfälligkeiten und Satzwürmer (Ein kurzes "Nein" … auch nichts war"), die zudem über Inhalte wegschleifen.

Ich hätte sowas erwartet (Komma-Fehler mal gleich korrigiert):
Im Mai, als Lena beim Schlager-Grand Prix ihren Titel verteidigte, schrieb die Mopo (Hamburger Morgenpost): „Public Viewing in der Fischauktionshalle - Eintritt frei“ und ich dachte mir, na da gehst du doch mal hin. Ich machte mir zwar ein wenig Soregn wegeb der vielen Zuschauer, die da sein würden, wollte es jedoch wagen. Doch schon am Eingang stieß ich an meine Grenzen, diesmal in Form eines muskelbepackten, grinsenden Türstehers. Mit einer Handbewegung in meine Richtung und einem kurzen „Nein!“ stoppte er mich. Ich dürfe mir die Show von draußen ansehen. Mein Blick fiel auf die von innen zugeklebten Scheiben und ich entschloss mich zur Frage, warum ich draußen bleiben muss. „Weil ich hier eben nicht jeden reinlasse!“, sagte er und ergänzte – warum auch immer – dass er angeblich auch schon andere abgewiesen habe.


quote:
Ist es die Armut, die mir aus allen Poren trieft ? Oder die Abneigung der Besserbetuchten, die Parität und Chancengleichheit schon im Keim erstickt.

Der erste Satz ist gut, der zweite zu polemisch für den an sich rein erzählenden Stil. Außerdem würde ich den ersten Satz besser ankoppeln, ihn zum Teil der eben erzählten Szene machen: … schon andere abgewiesen habe. Ob denen auch die Armut aus allen Poren troff? Ich fragte nicht nach. Die Antwort hätte ohnehin nichts geändert.


quote:
Gestern traf ich am Mitternachtsbus einen Mann, auch der ist schon 4 Jahre auf „Platte“. Er sagt, dass die meisten Leute, die mehr als ein Jahr auf der Straße sind, dabei dann auch bleiben und sie den Absprung zurück ins geregelte Leben dann auch nicht mehr schaffen. Sei es weil sie resignieren, aufgeben oder Gefallen daran finden, an der Bequemlichkeit und der Lethargie, die das Leben auf der Straße den Menschen antrainiert.
vier ausschreiben
… sind, dann auch dabei bleiben …
Satzwurm mit "dann"-Dopplung. Ich würde den "Absprung"-Teil weglassen, das steht inhaltlich schon in "dabei bleiben".
Resignieren und aufgeben ist das gleiche.
Kann man Gefallen daran finden? Denn "bequem" ist es nicht wirklich, oder? Jaja, man kann Gefallen daran finden, und "bequem" meint sicher "nicht aktiv sein müssen" und nicht "weich und kuschlig", aber ich glaube, das bedient - so formuliert - eher die Vorurteile. Vielleicht: … auch dabei bleiben. Sie geben auf, weil sich ohnehin nichts ändert. Und weil sie nichts ändern können, hören sie auf, etwas ändern zu wollen, verlernen schließlich, etwas zu ändern, und fühlen sich leichter ohne diese Last, etwas ändern zu müssen. (Naja, etwas viel "ändern", aber dir fällt sicher was Griffigeres ein.) Vielleicht (weil "Wolle" es im Folgenden recht anschaulich erklärt) auch ganz ohne diesen Zusatz, einfach bei "resignieren" Schluss machen.


quote:
„Wolle“, mein Freund von der Brücke (5 Jahre „Platte“), neulich hatte ich ihm gesagt, dass ich fest daran glaube, doch noch eine Wohnung zu finden. Er lachte mich aus und meinte nur,Doppelpunkt „Ja, diesen Glauben hatte ich auch mal, aber das ist inzwischen vorbei“. Wenn Du 10 mal irgendwo hingehst, dich anstellst, als BittstellerKomma und am Ende wieder leer ausgehst, dann verbraucht dich das ungemein und es zermürbt auch. Es macht dich klein und bestiehlt dich deiner Kraft, deiner Zuversicht und auch deiner Hoffnung. Irgendwann hast du keinen Bock mehr, weil du den Film schon kennst, der bei den Bewerbungen abläuft, wenn du hinten anstehst und doch nur wieder übergangen wirst. Nach einiger Zeit dann kommt der Punkt, wo es nicht mehr weitergeht, wo auch das letzte Stück Zuversicht aufgebraucht ist, dann stellst du dir die Frage, ob das Leben, das du führst, dir vielleicht auch bestimmt ist, ob es so sein soll, dass du so lebst.

Viele der Leute, die ich kenne, haben sich aufgegeben. Sie glauben an nichts mehr. An kein Versprechen und keine Einladung. Es ist vorbei. Sie sind da, wo sie sind, im Dreck und dort wollen sie auch bleiben, zusammen mit 2 Liter Sangria, jeden Tag, um den Frust zu betäuben.
Wenn du zehn Mal …
Sag ruhig "beraubt dich deiner Kraft", das passt in der Wirkung gut. Man hat ja nicht nur einfach etwas nicht mehr (wie bei Diebstahl), man wird innerlich anders (wie bei Raub = gewaltsamer Diebstahlsakt).
Den Teilsatz mit "wenn du hinten anstehst" versteh ich nicht – meinst du ds echt räumlich, "am Ende der Warteschlange"? Ich würde diesen Teilsatz (inkl. übergangen) weglassen – dass es immer "der selbe Film" ist, reicht eigentlich.
Teilsatz "nicht mehr weitergeht" auch weglassen, direkt mit "Zuversicht aufgebraucht" weitermachen, das zeichnet den Werdegang zwingender nach.
Komma nach "im Dreck"
zwei Liter ausschreiben

quote:
Gibt es Rettung ? Wer will uns retten ? Kann ich mich selbst retten ?
An der Stelle: Kein Leerzeichen vor "!" und "?"!
Ich weiß nicht, das kommt mir hier zu polemisch vor …

quote:
„Geh arbeiten, du faule Sau“, sind die Sprüche, die ich selbst auch schon gehört habeKomma und niemand macht sich die Mühe zu verstehen, warum wir in dieser Situation gefangen sind, warum wir da sind, wo wir ankamen und was wir früher einmal hatten.





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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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