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Leselupe.de > Gereimtes
Klugheit langweilt
Eingestellt am 04. 01. 2009 16:08


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Walther
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Klugheit langweilt


Man braucht zumeist ein ganzes Leben lang,
Um sich und andre endlich zu durchschauen.
Man hat sich schnell die Nase angehauen.
Das Wort „EnttĂ€uschung“ hat dann guten Klang.

Man könnte frĂŒher auf Erkenntnis bauen:
Erfahrung kommt frei Haus und ohne Zwang.
Wer jung ist, handelt oft im Überschwang:
Die Dummen ĂŒben selbst. Jedoch die Schlauen,

Sie hören frĂŒh schon zu, wenn man erzĂ€hlt.
Gelegentlich ist’s klug, still zuzuhören,
Auch wenn das langweilt, Àrgert, pfupfert, quÀlt.

Wer vorschnell ist, kann sich soviel zerstören:
Auch wenn der harte Kampf den Sieger stÀhlt,
Den Klugen wĂŒrde die Vernunft betören.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 04. 01. 2009 16:08

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presque_rien
???
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Hey Walther,

hmm, interessant. FĂŒr mich passt die Überschrift nicht so richtig zum Inhalt, weil du dich mit der Schlusspointe doch auf die Seite der Klugheit stellst. Es könnte besser "Klugheit langweilt?" heißen.

Bei "Um sich und Andre endlich zu durchschauen" dachte ich zuerst: "Wer ist dieser Andre und warum muss ich ihn durchschauen?!?" Eine Google-Suche fĂŒr "sich und andere" ergab auf der ersten Seite nur kleingeschriebene Treffer.

"pfupfert" kannte ich noch gar nicht, obwohl das, wie ich jetzt gelernt habe, dank Köhler so bekannt sein soll... (Passiert mir ĂŒbrigens oft bei deinen Gedichten, dass ich Wörter nachschlagen muss - danke dafĂŒr .)

Und meine Meinung zu unregelmĂ€ĂŸiger ZĂ€sur in Sonetten kennst du ja ...

****

Inhaltlich muss ich auf ganzer Linie widersprechen! Man kann vielleicht der Ansicht sein, andere Menschen mehr oder weniger schnell durchschauen zu können - aber sich selbst?!? Man kann "sich" und "andere" in dieser Beziehung auch gar nicht auf eine Stufe stellen, womit ich beim nĂ€chsten Kritikpunkt bin: Erfahrungen lassen sich nicht ĂŒbertragen, weder real, noch in Gedanken. (Deshalb bringt es auch nichts, jemanden mit den Worten zu trösten: "Anderen geht es noch schlechter.") Man sagt das zwar gern, dass der Kluge aus fremden Fehlern lernt, aber das ist doch wirkich realitĂ€tsfern. Gerade das Nicht-Lernen aus Fehlern, weder fremden noch eigenen, ist doch eins der Erkennungsmerkmale des menschlichen Verstandes (sonst hĂ€tte sich letzterer lĂ€ngst zu einem reinen Instinkt entwickelt). Das weißt du natĂŒrlich auch selbst, aber warum dann das Gedicht? FĂŒr mich bleibt es leider nichts als schöne Form (bis auf die ZĂ€suren )...

Lg Julia

P.S.: Happy New Year!
P.P.S.: @bluefin - Danke fĂŒr den Ringelnatz!

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Walther
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Hallo lb. Julia,

Du weißt, wie sehr ich Deine Meinung schĂ€tze. Daher habe ich mir etwas Zeit genommen, darauf zu antworten.

(1) Andre groß oder klein

Das mache ich immer wieder falsch, weil es aus der Systematik, der Logik, fÀllt. Ich habe es oben "gefixt", wie der Computerer in mir das so gerne neudeutsch nennt.

(2) (Un-)regelmĂ€ĂŸige ZĂ€sur

Das sollte ein reiner fĂŒnfhebiger Jambus werden, mit mĂ€nnlichen und weiblichen Kadenzen. Also genau nach Rezept bzw. Formvorgabe. Ich habe wirklich in der ersten Strophe falsch gezĂ€hlt. Asche auf mein Haupt.

Hier mein Silbenbild mit der Korrektur:

quote:
Man braucht zumeist ein ganzes Leben lang,
xXxXxXxXxX
Um sich und andre endlich zu durchschauen.
xXxXxXxXxXx
Man hat sich schnell die Nase angehauen.
xXxXxXxXxXx
Das Wort „EnttĂ€uschung“ hat dann guten Klang.
xXxXxXxXxX

Man könnte frĂŒher auf Erkenntnis bauen:
xXxXxXxXxXx
Erfahrung kommt frei Haus und ohne Zwang.
xXxXxXxXxX
Wer jung ist, handelt oft im Überschwang:
xXxXxXxXxX
Die Dummen ĂŒben selbst. Jedoch die Schlauen,
xXxXxXxXxXx

Sie hören frĂŒh schon zu, wenn man erzĂ€hlt.
xXxXxXxXxX
Gelegentlich ist’s klug, still zuzuhören,
xXxXxXxXxXx
Auch wenn das langweilt, Àrgert, pfupfert, quÀlt.
xXxXxXxXxX

Wer vorschnell ist, kann sich soviel zerstören:
xXxXxXxXxXx
Auch wenn der harte Kampf den Sieger stÀhlt,
xXxXxXxXxX
Den Klugen wĂŒrde die Vernunft betören.
xXxXxXxXxXx
Die beiden Silbenpaare habe ich entfernt. Danke fĂŒr diesen Hinweis. Es ist eben doch wichtig, seine Gedichte aufmerksamen Lesern "vorzuwerfen". Mancher Schnitzer wird so aufgedeckt und lĂ€ĂŸt sich hĂ€ufig rasche beheben.

(3) Inhalt

In der Tat kann der Titel mit einem Fragezeichen gelesen werden, soll er auch, ehrlich gesagt. Allerdings war ich der Ansicht, man mĂŒsse sich dieses Fragezeichen sparen können, da der Text selbst selten behauptet, meistens eher nahelegt.

Das LyrIch ist selbst Leidtragender abweichenden Handelns gewesen; es weiß im Grunde, daß das Rezept des Zuhörens meist etwas fĂŒr den zweiten Versuch ist. Erst macht man es selbst so, wie man sich das in seinem oft dummen Kopf dachte; wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist, zieht man beim zweiten Versuch die Empfehlungen zurate, die einem gegeben wurden.

Dennoch ist es nicht weniger wahr, daß manches in der RĂŒckschau vermeidbar gewesen wĂ€re, hĂ€tte man die Hörrohre offen gehabt (und nicht auf Durchzug gestellt). Es gibt das eine oder andere, das unwiederbringlich daneben geht. Wenn man ein paar Lebensjahrzehnte hinter sich hat, weiß man das. Daher ist der Kluge auch meist selbst erst hinterher klug, und das ist eindeutig der einfachere Teil der Klugheit.

Das Sonett ist ein Lehrgedicht, das gerne zur Vermittlung unangenehmer Wahrheiten verwandt wird. Vielleicht seien wir einen Augenblick einmal so gnĂ€dig und nehmen die Aussage als das hin, was sie ist: Eine Erkenntnis, die richtig ist und dennoch wenig nĂŒtzt, weil man sie wohl doch hĂ€ufig selbst machen muß.

Und so gesehen paßt dann auch der Titel: Klugheit langweilt, vor allem wenn sie Altklugheit heißt. Womit ich sagen will: Man sollte dem W. mehr (Selbst-)Ironie zutrauen. Es wĂŒrde nicht schaden.

Lieber Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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