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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Knochenhart
Eingestellt am 12. 12. 2007 09:22


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Impermeabile
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

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Sie gefiel mir. Ihre Bewegungen, ihre Hände, ihre Augen, ihr Körper. Also fing ich an, mich in sie zu verlieben. Einfach so. Ich lief ihr hinterher, aber ich interessierte sie nicht. Ich war verrückt nach ihr, aber sie ging mir aus dem Weg. Zwei Jahre später sah ich sie wieder. Es war nach einer Theateraufführung, in der ich mitgewirkt hatte. Sie stand im Foyer und sie sah gut aus. Ich sprach sie an und warf zwei Gläser um. Dann blieb ich drei Jahre mit ihr zusammen und lernte ihre Seele kennen. Ich weiß nicht, wer von uns einsamer war. Jeder auf seine Art. Und als wir eigentlich schon stumm waren, sagte sie:

“Giovanni, ich liebe dich. Ich will ein Kind von dir.”

Und ich, Giovanni, ahnte: “Das war’s wohl.”

“Giovanni, ich bin jetzt vierzig. Und ich will ein Kind.”

Und ich, Giovanni, spürte den Blues in den Knochen. Sie wußte, ich würde einige Jahre noch Unterhalt für meinen Sohn zahlen, und das, was mir blieb, das reichte nicht für ihre sonstigen gehobenen Ansprüche. Giovanni konnte und wollte nicht über seine Verhältnisse leben. Aus ihren Augen kullerten Tränen. Ich senkte den Kopf, knockout.

“Giovanni, ich kann doch arbeiten gehen.”

“Ja,” sagte ich, “schon klar.”

Sie heulte, und ich fühlte mich vernichtet. Schließlich ging sie nicht mehr zum Friseur. Sie begann sich scheußlich zu kleiden, das alte Zeugs, daß ihre Schwester ausrangiert hatte. Wenn wir abends ins Bett gingen, trug sie verwaschene T-Shirts. Und ich hatte ihr Hosen und Blusen und Nachthemden geschenkt und sie nie an ihr gesehen. Ich sagte irgendwann ärgerlich:

“Du rennst rum wie eine Putzfrau.”

Das war nicht sehr charmant. Wenn ich zu ihr kam, empfing sie mich nicht mehr an der TĂĽr. Sie lief in ihrer unansehnlichen Kluft und mit ihrem zerzausten Haar in der Wohnung umher und machte ungerĂĽhrt weiter mit ihrem Haushalt. SchlieĂźlich schliefen wir immer weniger miteinander. Sie zog sich nicht mehr vor mir aus, und sie kam nicht mehr nackt aus dem Bad ins Schlafzimmer, sondern hatte sich bereits wieder in eins ihrer first fashion T-Shirts gehĂĽllt. Sie wurde immer giftiger, ich machte nichts mehr richtig, meine Worte waren fauler Zauber. Ich sagte:

“Das geht nicht mit dem Kind.”

“Aber ich liebe dich,” war ihre Antwort.

Aber es klang mehr wie eine Drohung. Auf der Hochzeit ihrer Schwester war ich für sie nichts anderes als Luft. Der armselige Sohn eines Handwerkers, der es im Leben zu nichts gebracht hatte, als zu einer mittelmäßigen Stellung. Und ihre Schwester heiratete den Sohn eines Millionärs. Die Hochzeit dauerte drei Tage, eine echte italienische Hochzeit in der Lombardei. Ihre Mutter ignorierte mich. Was hatte ich ihrer ältesten Tochter für eine Zukunft zu bieten, wo ihr jüngstes Gewächs einen derart fetten Fisch an der Angel hatte und die Zeiten golden waren. Ich stand herum, wie bestellt und nicht abgeholt. Nicht aus der Startbox gekommen. Als ich in Mailand in den Zug stieg, war die Lage klar. In Italien, und wir haben in Bella Italia nicht gevögelt. Sie hatte mich abgewiesen. Sie hatte mich ignoriert. Ich war … Ich habe sie nie wieder gesehen.

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