Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5498
Themen:   93854
Momentan online:
151 Gäste und 6 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kobra
Eingestellt am 14. 01. 2018 16:10


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
wowa
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2013

Werke: 26
Kommentare: 28
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um wowa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Kobra


Sie gab dem Mann das Geld cash, sagte noch ein paar Worte und verlie├č das Studio. Auf dem Weg zum Auto strich sie vorsichtig ├╝ber den nackten Bizeps. Jede spontane Bewegung schmerzte, sie mochte das. Den Schmerz hatte sie bezahlt.
Der Mann war ein K├╝nstler, alt, schweigsam, eigensinnig. Einer der besten der Stadt. Er hatte ihr eine aufgerichtete schwarze Kobra auf den Oberarm gezaubert, die Nackenpartie gespreitzt, die Zeichnung gut sichtbar, aber nicht zu stark betont. Eine Brillenschlange, schnell, t├Âdlich, effizient.
Sie liebte dieses Tier.
Alle, die ihr wichtig waren, hatten dieses Tattoo. Ein Stigma, freiwillig, leicht erkennbar f├╝r die Bullen, idiotisch, andererseits Schutz, eine Chance zu ├╝berleben. Sie hatte lange gez├Âgert, die Endg├╝ltigkeit dieses Schrittes erschreckte sie immer noch.
Doch letztlich war alles vorgezeichnet, ob mit oder ohne Tattoo.
Langsam dirigierte sie ihren Wagen durch die Hitze des Nachmittags und musterte die M├Ąnner am Stra├čenrand. Sie bewegte sich so seit Jahren durch die Stadt, aufmerksam, bereit, auf der Jagd. Sie suchte einen bestimmten Mann.
Es war eine Obsession, eine Fixierung, ein Psychater h├Ątte gewiss eine Zwangsvorstellung diagnostiziert. Aber sie f├╝hlte sich gut.
Als junge Frau war sie von f├╝nf besoffenen M├Ąnnern aus der Nachbarschaft vergewaltigt worden. W├Ąhrend des Verbrechens hatte sie gebetet, sie ├╝berlebte, die M├Ąnner lie├čen sie liegen. In dieser schw├Ąrzesten Not half ihr eine Frau, eine Kobra. Sie gab ihr Obdach und Pflege. Die Nachbarschaft sammelte f├╝r die Abtreibung und langsam, ganz allm├Ąhlich gewann sie ihre Selbstachtung zur├╝ck und traute sich wieder auf die Stra├če.
Sie war nicht die erste Frau, die gefoltert wurde und gewiss nicht die letzte, aber sie war nun eine andere. Stoisch, kalt und konsequent lauerte sie ihren Peinigern auf. Den ersten stie├č sie im Gedr├Ąnge vor die einfahrende U ÔÇô Bahn. Den zweiten erstach sie hinterr├╝cks. Die drei anderen verlie├čen fluchtartig die Stadt.
Sie stellte nat├╝rlich Nachforschungen an.
Das dauerte, aber schlie├člich erfuhr sie vom Tod zweier M├Ąnner, deren Profil exakt passte. Auch die Fotos hatten ├ähnlichkeit, man hatte ihnen allerdings ins Gesicht geschossen. Der eine starb im Kugelhagel der Cops, der andere in einem Bandenkrieg. Nur die Spur des dritten verlief sich, er blieb verschwunden.-
Das Auto folgte ihrem inneren Kompass und hielt vor `French Garden`: ein schattiges open ÔÇô air und Sidney war der Boss. Sie kannten einander seit Kindesbeinen und merkw├╝rdigerweise blieb auch er in der Stadt trotz allem Hype um freie Fluktuation und Flexibilit├Ąt. Sie hatte manchmal, in schwachen Momenten, das Gef├╝hl, h├Ąngen geblieben zu sein. Er jedoch vermittelte den Eindruck von Selbstbestimmung und Beharrungsverm├Âgen.
Der Laden war voll.
Ihr Tattoo war das hi ÔÇô lite, alle redeten, fanden ihre Entscheidung cool und sp├Ąter erz├Ąhlte Sidney von einer Ausstellung ├╝ber afrikanische Kunst. Er hatte neben Sex & Drugs noch andere Kompetenzen.
Sp├Ąter fuhr sie ihn nach Hause und ging mit rauf.
Ihr Sex ÔÇô Interesse war nach der Vergewaltigung erloschen. Jahrelang war das ok, aber mittlerweile, fand sie, sollte es weitergehen. Sie wollte wieder guten Sex haben trotz ihrer Vergangenheit. Sie bestritt ihren Vergewaltigern die Macht ├╝ber ihre Zukunft.
Sidney kannte ihre Geschichte und war vorsichtig. Sie redeten lange und sie weinte. Das half. Sie wurde lockerer, sie streichelten sich und dann taten sie es und es war gut; kein Desaster.
Sidney stand fr├╝h auf, sie blieb liegen und schlief weiter.
Sp├Ąter rief er an : sie h├Ątten hier einen Mann, der k├Ânnte passen, sie solle mal vorbei kommen und ihn sich ansehen. Sie sagte: ÔÇ×Wenn ich etwas f├╝hle, bringe ich ihn um.ÔÇť
Er sagte: ÔÇ×Tu, was du tun musst.ÔÇť
Sie stieg in ihr Auto und fuhr r├╝ber zum `French Garden`.
Sidney f├╝hrte sie in eines der hinteren Zimmer, da sa├č ein Mann gefesselt auf einem Stuhl und blickte zu Boden. Sie erkannte ihn nicht. Sie sagte: ÔÇ×Schau mich an. Bist du es ?ÔÇť
Er hob den Kopf, sah sie an und sagte: ÔÇ×Ja.ÔÇť
Sie f├╝hlte nichts. Sie l├Âste seine Fesseln und wies auf die T├╝r: ÔÇ×Geh jetzt, verlass die Stadt und komm nie wieder. Geh schnell, heute ist dein Gl├╝ckstag.ÔÇť
Der Mann stand auf und verschwand im Laufschritt, gefolgt von den Blicken der andern.
Sie setzte sich auf den leeren Stuhl und starrte auf die offene T├╝r. Pl├Âtzlich kam ein Schrei aus ihrem K├Ârper, sie fluchte und ein Zittern ├╝berlief sie. Dann lachte sie, stand auf und reckte sich. Heute war auch ihr Gl├╝ckstag. Sie streichelte ihr Tattoo.


Version vom 14. 01. 2018 16:10

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


4 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Werbung