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Leselupe.de > Humor und Satire
Kochende Liebe
Eingestellt am 28. 02. 2007 02:37


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Marius Speermann
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„Liebe ist, wenn sie kocht, er malt und beide raten was es sein soll“, behauptet ein alter Witz.

Als Natasha und ich uns kennen lernten, waren wir völlig gesunde Menschen im besten Alter, um Körpersäfte auszutauschen. Romantisch veranlagt, suchten wir die nettesten Restaurants in der Umgebung heim und futterten uns durch die internationale Küche. Das allerdings mit Vorsicht, denn nicht alles, was nach Essen aussieht, ist für sensible Magennerven geeignet. Der russische Magen Natashas und mein österreichischer waren auf gewisse Zutaten eingestellt, wie ein Süchtiger etwa auf Schokolade, Heroin oder die Lindenstrasse geeicht ist.

Indische Gewürze etwa waren für uns beide tödlich. Schon der Anblick der scharfen Speisen ließ uns Feuer speien. Mexikanische Bohnengerichte wirkten sich verheerend auf die Luftverschmutzung aus, und indisch und mexikanisch zusammen war - von uns genossen – eine hochexplosive Mischung.

Nachdem wir in unserer Beziehung Fortschritte machten und uns die verzehrten Ersparnisse zwangen, kostengĂĽnstigere Alternativen zu suchen, begannen wir uns zuhause gegenseitig zu bekochen.

Ich setzte den Anfang mit einem typischen Wiener Abendessen: Wiener Schnitzel mit Salat, auf bestem Porzellan und mit erleuchteten Kerzen. Letztere im Kerzenhalter. Natasha lächelte und als sie in das Schnitzel biss, strahlte sie vor Glück auf. Ich war erfreut, und haute ebenfalls tüchtig rein.

Allein, mit der Fortdauer des Essens merkte ich eine gewisse Unruhe an ihr. Ihre Augen huschten unbeständig umher.

„Was ist los?“, fragte ich.
„Keine Kartoffeln als Beilage?“, kam die schüchterne Antwort.

Daran hatte ich nicht gedacht. Natasha war ein Kartoffeltiger. Alles musste damit serviert werden. Egal was, Hauptsache Kartoffeln. Und wenn nicht, dann musste eine andere Beilage mit ähnlicher Konsistenz da sein. Ich sprang auf und suchte nach einer übrig gebliebenen Kartoffel. Nichts. Die letzte Kartoffel hatten wir vor zwei Stunden mit Schlagobers zum Tee gegessen. Ich kam aus der Küche zurück und zuckte die Schultern. „Leider, keine einzige Kartoffel da.“
Natasha war wieder ruhig. Mich irritierte, dass die Kerze verschwunden war.

Am nächsten Tag kochte Natasha. Borschtsch, eine russische Suppe mit Rote Bete, Kartoffeln und Rindfleisch. Ich freute mich schon darauf. Als wir uns an den Tisch setzten, schwamm etwas Weißes drin.

„Was ist das?“ Ich beäugte das Etwas misstrauisch und berührte es mit meinem Löffel.
„Sauerrahm, du Hinterwäldler“, erwiderte sie zärtlich. „Das gehört da rein zur Geschmacksverbesserung. Probier’s doch.“

Vorsichtig nahm ich einen Löffel. Ein sauerer Stich durchlief mich, meine Zehennägel rollten sich auf. Ich fühlte mehrere Plomben gleichzeitig ausfallen. Der Geschmack war mir nicht angenehm. Ich ließ mir nichts anmerken und lächelte zwischen den Zähnen hervor. Während Natasha die Suppe gierig reinlöffelte, versuchte ich den Sauerrahm unmerklich zu entfernen. Der Blumentopf neben mir füllte sich langsam damit. Als Natasha sich Nachschlag holte, leerte ich die restliche Suppe aus meiner Schüssel in den Blumentopf.

„Hmmm, sehr gut gekocht“, log ich, mir den Bauch reibend, als sie aus der Küche kam.
Natasha strahlte ob des Lobes. Obschon sie wegen der abgefallen Blätter des Zimmerschmuckes irritiert war: „Wir werden doch keine Schädlinge auf den Zimmerpflanzen haben?“
Ich beruhigte sie: „Keine Schädlinge, eher Sauerrahmlinge“, nuschelte ich und kicherte vor mich hin.

Tags darauf war ich wieder dran. Palatschinken. Diesmal gab ich mich aber vorsichtiger. Meine Palatschinken mit Marmelade, ihre mit Kartoffeln gefĂĽllt.
Sie streichelte mich sanft wegen der Rücksichtnahme. Ich lächelte ihr zu und puderte eine kräftige Dosis Zucker auf ihre und meine Portion. Sie erstarrte.
„Was tust du?“
„Ich zuckere sie. Das gehört zu Palatschinken. Wegen der Geschmacksverbesserung“, scherzte ich. Sie aber blieb übel gelaunt. Als sie den ersten Bissen tat, wurde sie knallrot. Die Zuckermenge war zuviel für sie. Als Wiener wuchs ich mit Unmengen an süßen Speisen auf, sie als Moskauerin aber eher mit deftigen Speisen. Und ich hatte vergessen zu erwähnen, dass auch im Palatschinkenteig selbstverständlich Zucker drin war. Und zwar zwei Kilo.

Natasha fischte luftschnappend nach der Sauerrahmpackung im KĂĽhlschrank. Und bevor ich noch reagieren konnte, vermischte sich ein groĂźer Patzen von dem Teufelszeug mit dem Zucker auf meiner Palatschinke. Ich warf ihr zornige Blicke zu, sie lieĂź sich aber von ihrem Tun nicht ablenken und kratzte den Zucker hektisch von ihrer Palatschinke. Das Abendessen verlief in einem tonlos gereizten Klima und die zweite Zimmerpflanze erlitt den Sauerrahmtod.

Bevor Natasha den Sauerrahm am folgenden Tag verwenden konnte, hatte ich ihn ins Klo geleert. Dabei war eine kleinere Verstopfung entstanden, die zu einem Wasserschaden im Badezimmer und in den zwei Nachbarwohnungen geführt hatte. Zusätzlich war ich auf den Wasserlachen ausgerutscht und hatte mir zwei meiner Arme gebrochen. Sie mussten im Spital in Gips gelegt werden. Mit anderen Worten: der Tag war nur teilweise gut verlaufen.

Abends gab es Beef Stroganoff, das ich wegen der eingegipsten Arme nicht eigenständig zu mir nehmen konnte. Ich vergewisserte mich, dass kein Sauerrahm reingeschmuggelt worden war, beäugte das Essen und als Natasha mir den ersten Löffel in den Mund steckte, schossen mir die Tränen aus den Augen, mein Gesicht rötete sich. Ich röchelte “Was ist da drin?“
„Ein bisschen Knoblauch, wenn du das meinst“, erwiderte sie ruhig.

Knoblauch, muss man wissen, ist ein Teufelszeug. Nicht nur verursacht es schlechten Atem, es hält auch Vampire fern, lässt in größeren Dosen die Tränensäcke explodieren und verätzt zarte Wiener Mägen. Und unter „ein bisschen Knoblauch“ verstehen Russen fünfzehn Zehen, jede in der Größe eines Hundstrümmerl. Darunter fangen die nicht zu zählen an.

„Iss und benimm dich nicht so blöd“, herrschte mich Natasha angewidert an und schob mir mit Gewalt einen weiteren Löffel in den Mund.

Als ich drei Wochen später das Krankenhaus verlassen konnte, fühlte sich mein Magen immer noch an, als ob er neben meinem Körper stehen würde und nur zu Besuch da wäre.

Ich aber nahm mir vor, Natasha eine Portion Kaiserschmarrn mit einer tödlichen Dosis an Zucker zuzubereiten - sobald mir der Gips abgenommen worden war und ich die Zuckerpackungen wieder gefunden hatte…

__________________
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flammarion
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konnte doch nicht widerstehen, dir die paar fehlerchen gleich aufzuzeigen und nicht erst morgen. die geschichte ist so witzig, sie sollte rasch sauber werden.

Kochende Liebe
Veröffentlicht von Marius Speermann am 28. 02. 2007 02:37
„Liebe ist, wenn sie kocht, er malt und beide raten was es sein soll“, behauptet ein alter Witz.

Als Natasha und ich uns kennen lernten(Komma) waren wir völlig gesunde Menschen im besten Alter(Komma) um Körpersäfte auszutauschen. Romantisch veranlagt(Komma) suchten wir die nettesten Restaurants in der Umgebung heim und futterten uns durch die internationale Küche. Das allerdings mit Vorsicht, denn nicht alles(Komma) was nach Essen aussieht(Komma) ist für sensible Magennerven geeignet. Der russische Magen Natashas und mein österreichischer waren auf gewisse Zutaten eingestellt, wie ein Süchtiger etwa auf Schokolade, Heroin oder die Lindenstrasse geeicht ist.

Indische Gewürze etwa waren für uns beide tödlich. Schon der Anblick der scharfen Speisen ließ uns Feuer speien. Mexikanische Bohnengerichte wirkten sich verheerend auf die Luftverschmutzung aus, und indisch und mexikanisch zusammen war - von uns genossen – eine hochexplosive Mischung.

Nachdem wir in unserer Beziehung Fortschritte machten und uns die verzehrten Ersparnisse zwangen, kostengĂĽnstigere Alternativen zu suchen, begannen wir uns zuhause gegenseitig zu bekochen.

Ich setzte den Anfang mit einem typischen Wiener Abendessen: Wiener Schnitzel mit Salat, auf bestem Porzellan und mit erleuchteten Kerzen. Letztere im Kerzenhalter. Natasha lächelte und als sie in das Schnitzel biss, strahlte sie vor Glück auf. Ich war erfreut, und haute ebenfalls tüchtig rein.

Allein, mit der Fortdauer des Essens merkte ich eine gewisse Unruhe an ihr. Ihre Augen huschten unbeständig umher.

„Was ist los?“(Komma) fragte ich.
„Keine Kartoffeln als Beilage?“(Komma) kam die schüchterne Antwort.

Daran hatte ich nicht gedacht. Natasha war ein Kartoffeltiger. Alles musste damit serviert werden. Egal was, Hauptsache Kartoffeln. Und wenn nicht, dann musste eine andere Beilage mit ähnlicher Konsistenz da sein. Ich sprang auf und suchte nach einer übrig gebliebenen Kartoffel. Nichts. Die letzte Kartoffel hatten wir vor zwei Stunden mit Schlagobers zum Tee gegessen. Ich kam aus der Küche zurück und zuckte mit den (die) Schultern. „Leider, keine einzige Kartoffel da.“
Natasha war wieder ruhig. Mich irritierte, dass die Kerze verschwunden war.

Am nächsten Tag kochte Natasha. Borschtsch, eine russische Suppe mit roter Beete (Rote Bete) , Kartoffeln und Rindfleisch. Ich freute mich schon darauf. Als wir uns an den Tisch setzten, schwamm etwas Weißes drin.

„Was ist das?“ Ich beäugte das Etwas misstrauisch und berührte sie (es) mit meinem Löffel.
„Sauerrahm, du Hinterwäldler“, erwiderte sie zärtlich. „Das gehört da rein zur Geschmacksverbesserung. Probier’s.(kein Punkt) doch.“

Vorsichtig nahm ich einen Löffel. Ein sauerer Stich durchlief mich, meine Zehennägel rollten sich auf. Ich fühlte mehrere Plomben gleichzeitig ausfallen. Der Geschmack war mir nicht angenehm. Ich ließ mir nichts anmerken und lächelte zwischen den Zähnen hervor. Während Natasha die Suppe gierig reinlöffelte, versuchte ich den Sauerrahm unmerklich zu entfernen. Der Blumentopf neben mir füllte sich langsam damit an (überflüssig) . Als Natasha sich Nachschlag holte, leerte ich die restliche Suppe aus meiner Schüssel in den Blumentopf.

„Hmmm, sehr gut gekocht“, log ich, mir den Bauch reibend, als sie aus der Küche kam.
Natasha strahlte ob des Lobes. Obschon sie wegen der abgefallen Blätter des Zimmerschmuckes irritiert war: „Wir werden doch keine Schädlinge auf den Zimmerpflanzen haben?“
Ich beruhigte sie: „Keine Schädlinge, eher Sauerrahmlinge“, nuschelte ich und kicherte vor mich hin.

Tags darauf war ich wieder dran. Palatschinken. Diesmal gab ich mich aber vorsichtiger. Meine Palatschinken mit Marmelade, ihre mit Kartoffeln gefĂĽllt.
Sie streichelte mich sanft wegen der Rücksichtnahme. Ich lächelte ihr zu und puderte eine kräftige Dosis Zucker auf ihre und meine Portion. Sie erstarrte.
„Was tust du?“
„Ich zuckere sie. Das gehört zu Palatschinken. Wegen der Geschmacksverbesserung“, scherzte ich. Sie aber blieb übel gelaunt. Als sie den ersten Bissen tat, wurde sie knallrot. Die Zuckermenge war zuviel für sie. Als Wiener wuchs ich mit Unmengen an süßen Speisen auf, sie als Moskauerin aber eher mit deftigen Speisen. Und ich hatte vergessen zu erwähnen, dass auch im Palatschinkenteig selbstverständlich Zucker drin war. Und zwar 2 (zwei) Kilo.

Natasha fischte luftschnappend nach der Sauerrahmpackung im KĂĽhlschrank. Und bevor ich noch reagieren konnte, vermischte sich ein groĂźer Patzen von dem Teufelszeug mit dem Zucker auf meiner Palatschinke. Ich warf ihr zornige Blicke zu, sie lieĂź sich aber von ihrem Tun nicht ablenken und kratzte den Zucker hektisch von ihrer Palatschinke. Das Abendessen verlief in einem tonlos gereizten Klima und die zweite Zimmerpflanze erlitt den Sauerrahmtod.

Bevor Natasha den Sauerrahm am folgenden Tag verwenden konnte, hatte ich ihn ins Klo geleert. Dabei war eine kleinere Verstopfung entstanden, die zu einem Wasserschaden im Badezimmer und in den zwei Nachbarwohnungen geführt hatte. Zusätzlich war ich auf den Wasserlachen ausgerutscht und hatte mir zwei meiner Arme gebrochen. Sie mussten im Spital in Gips gelegt werden. Mit anderen Worten: der Tag war nur teilweise gut verlaufen.

Abends gab es Beef Stroganoff, das ich wegen der eingegipsten Arme nicht eigenständig zu mir nehmen konnte. Ich vergewisserte mich, dass kein Sauerrahm reingeschmuggelt worden war, beäugte das Essen und als Natasha mir den ersten Löffel in den Mund steckte, schossen mir die Tränen aus den Augen, mein Gesicht rötete sich. Ich röchelte “Was ist da drin?“
„Ein bisschen Knoblauch, wenn Du (du) das meinst“(Komma) erwiderte sie ruhig.

Knoblauch, muss man wissen, ist ein Teufelszeug. Nicht nur verursacht es schlechten Atem, es hält auch Vampire fern, lässt in größeren Dosen die Tränensäcke explodieren und verätzt zarte Wiener Mägen. Und unter „ein bisschen Knoblauch“ verstehen Russen 15 (fünfzehn) Zehen, jede in der Größe eines Hundstrümmerl. Darunter fangen die nicht zu zählen an.

„Iss und benimm dich nicht so blöd“(Komma) herrschte mich Natasha angewidert an und schob mir mit Gewalt einen weiteren Löffel in den Mund.

Als ich drei Wochen später das Krankenhaus verlassen konnte, fühlte sich mein Magen immer noch an, als ob er neben meinem Körper stehen würde und nur zu Besuch da wäre.

Ich aber nahm mir vor(Komma) Natasha eine Portion Kaiserschmarrn mit einer tödlichen Dosis an Zucker zuzubereiten - sobald mir der Gips abgenommen worden war und ich die Zuckerpackungen wieder gefunden hatte…

lg



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Old Icke

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