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Leselupe.de > Anonymus
König Kunde und die Verkaufsstrategie
Eingestellt am 25. 09. 2003 23:46


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Heute fahre also in eine Filiale dieser amerikanischen Supermarktkette, bei denen man sogar schon die neue Vanilla-Coke kaufen kann.
Im Mitarbeiterpausenraum hängen die 10 goldenen Regeln, wie man die Kundschaft zufriedenzustellen hat, daneben die Abteilungssieger in den Kategorien "Größter Umsatz" und "Geringste Verluste durch Diebstahl". Den Mitarbeiter des Monats kann ich nicht entdecken, aber ich bin sicher: Es muss da irgendwo sein.

Zusammen mit einer Handvoll anderer Promoter stehe ich schließlich im Laden. Jeder baut sein Tischchen auf, manche noch Zubehör wie kleine Backöfen für die ganz besonders extraknusprigen Croissants oder neue Doktor Oetker- Kreaturen (oh, entschuldigung. Ich meinte natürlich Kreationen).
Amerika boomt und wir verkosten Frühstück, Mittag- und Abendessen ganztags als schnellen Snack zwischendurch, wenn die Leute durch die genau in ihrer Breite bemessenen Gänge auf uns zukommen.

( Ein kleiner Exkurs: Die ideale Gangbreite in Supermärkten beträgt muss wohl überlegt sein. Bei zu schmalen Gängen stoßen sich entgegenkommende Einkaufswagen gerne einmal aneinander, bei zu breiten Gängen steigt die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit der Kundschaft, so dass weniger Zeit zum Gucken und Kaufen bleibt. Aus umfangreichen Studien ging wohl irgendwann hervor, dass der ideale Abstand zwischen zwei Regalreihen 2 Meter beträgt. 2 Meter Wegbreite zwischen den Konsumbergen, welche natürlich auch nicht dem Zufall überlassen werden. Teure Ware liegt natürlich auf Augenhöhe, die billigeren Alternativen entweder ganz unten oder ganz oben. Immerhin: Kniebeugen und Strecken sind ein erster Schritt zur Fitness. Danke, Supermarkt. So schonst Du unseren Geldbeutel gleich doppelt. Wer mit den Billigprodukten spart, braucht auch kein Fitnessstudio.)

Unsere Sprüche zur Promotion sitzen locker, zielgruppengerecht abgestimmt. Türkische Familienväter wollen anders angesprochen werden als gola-tragende Twenty-Somethings oder Seniorinnen mit violettenschimmernden Löckchen. Alle laufen sie fleißig zu Regal und Tiefkühlwand, ziehen Sonntagsfrühstück und Pizza heraus und eilen mit ihrem Wagen, der (natürlich auch aus psychologischer Taktik) so groß ist, dass er immer halb leer scheint, zur Kasse (die meistens auf der linken Seite ist, damit der rechtshändige Großteil der Bevölkerung bequem noch ins rechte Regal greifen und Unnützes aufs Band schmeißen kann).

Ich fühle mich fast schon kompetent in diesem Job, und meine Referenzen wachsen wie die schwarzen Ameisenzahlen auf meinem Konto, fleißig, und irgendwie wird mir ein wenig schlecht, wenn ich daran denke, dass ich an einem Tag soviel verdiene wie eine hart arbeitende Kassiererin in zwei Wochen.
Wenn ich selbst einkaufen gehe, schließe ich mich 75% der Deutschen an und statte den Gebrüdern Albrecht einen Besuch ab. Die machen zwar auch einen Mordsumsatz, aber wenigstens sparen sie sich Markentralala, Fernsehwerbung und Promotion.
"Aldi informiert" informiert die Massen. Sie kommen und kaufen, obwohl nichts dekoriert ist, die Gänge so breit sind, wie die halbausgepackten Kartons es eben erlauben und die Produktvielfalt unübersehbar überschaubar ist. Statt designter Hochglanzoptik dominieren unaufwendige Verpackungen. Aber was ist drin? Falls es Euch wirklich interessiert, was Ihr esst, schaut Euch bei Hier klicken um. Ihr werdet staunen.

Und: nein, ich möchte nicht, dass die Frau an der linksseitigen Kasse im geilen durchgestylten Supermarkt mich anlächelt, weil sie mich anlächeln muss. Und auch nicht, weil sie dafür mehr Geld bekommt als die im Discounter, die nicht die goldenen Regeln befolgen muss.
(Wobei, nebenbei gesagt, die Vermutung, dass Kassiererinnen im erstgenannten Laden mehr verdienen, wohl illusorisch ist.)

Umso mehr freut mich das Lächeln an der Aldi-Kasse, weil ich mir einbilde, dass es echter ist. Aber wer weiß das heute noch. Vielleicht ist alles nur Konzept.

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Stoffel
gesperrt
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Hallo,

für mein Empfinden verwendest Du oft zu lange Sätze. Bin zwar eigentlich ein Freund davon, mag keinen Aufzählstil, aber dennoch..
Ich lese die leichte Ironie heraus, das mag ich ganz gern bei solchen Erzählungen.
Unten mal eingeflochten paar Vorschläge.

Hab am Freitag mal diese Vanilla-coke probiert, gabs an der Tanke..*brrr*

lG
Stoffel

Heute fahre ichalso in eine derFilialen dieser amerikanischen Supermarktkette, bei denen man sogar schon die neue Vanilla-Coke kaufen kann.

Zusammen mit einer Handvoll anderer Promoter stehe ich schließlich im Laden undjeder baut sein Präsentationstischchen auf. Einige haben noch Zubehör, wie kleine Backöfen für die ganz besonders extraknusprigen Croissants oder neue Doktor Oetker- Kreaturen, oh, Entschuldigung,ich meinte natürlich Kreationen, dabei.

Als kleiner Exkurs: Die ideale Gangbreite in Supermärkten beträgt muss wohl überlegt sein. Teure Ware liegt natürlich auf Augenhöhe, die billigeren Alternativen entweder ganz unten oder ganz oben. Immerhin: Kniebeugen und Strecken sind ein erster Schritt zur Fitness, was allerdings ein eher zufälliger Nebeneffekt ist. Danke, Supermarkt. So schonst Du unseren Geldbeutel gleich doppelt.

Wer mit den Billigprodukten spart, braucht auch kein Fitnessstudio.)
(das würde ich weglassen, ist m.E. nach zu viel des Guten)

Unsere Promotionsprüchesitzen locker, zielgruppengerecht abgestimmt , immerhin sind wir geschultes Personal

... zur Kasse, die in den meisten Fällen auf der rechten Seite liegt, damit die grösstenteils rechtshändige Gesellschaft noch mühelos ins daneben aufgestellte Regal greifen kann.

Und: nein, ich möchte nicht, dass die Frau an der linksseitigen Kasse im geilen durchgestylten Supermarkt mich anlächelt, weil sie mich anlächeln muss. Und auch nicht, weil sie dafür mehr Geld bekommt als die im Discounter, die nicht die goldenen Regeln befolgen muss.
bei zwei von zehn Kassiereinnen erlebe ich dieses Lächeln*smile*

(Wobei, nebenbei gesagt, die Vermutung, dass Kassiererinnen im erstgenannten Laden mehr verdienen, wohl illusorisch ist.)
würde ich weglassen

Umso mehr freut mich das Lächeln an der Aldi-Kasse, weil ich mir einbilde, dass es echter ist. Aber wer weiß das heute noch. Vielleicht ist alles nur Konzept.
die bei Aldi lächeln?Erlebe ich höchst selten.Eher sind sie mürrisch, wenn ich es nicht schaffe, die Ware so schnell einzupacken, wie sie..tippen. Leider muss sie dann DOCH warten, auf mich..und ihre schnelle Tipperei war völlig umsonst. Auf jeden Fall bei MIR..denn ich lass mir Zeit und mich nicht hetzen.*smile*

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Hallo Stoffel,

vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Über Deine Verbesserungsvorschläge muss ich erstmal genauer nachdenken. Einige Deiner Umformulierungen finde ich jedoch recht umständlich, z.B. das hier:
"...damit die grösstenteils rechtshändige Gesellschaft noch mühelos ins daneben aufgestellte Regal greifen kann."

vielleicht liegt das aber einfach daran, dass ich durch meine langen sätze durchblicke, weil ich sie ja geschrieben habe. man ist ja manchmal ein bisschen unflexibel ;-)

normalerweise schreibe ich keine langen sätze. hierbei sollten sie quasi stilmittel sein. weil man sich in diesen riesen-supermärkten doch so schnell verläuft und vom ganzen konsummaterial genauso platt ist wie vom bandwurmstil.
vielleicht auch ein bisschen weit gedacht und zu viel vom leser verlangt.

ich werd nochmal drüber nachdenken,
viele grüße
von der unbekannten

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