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Leselupe.de > Kurzgeschichten
König der Lüfte auf Abwegen
Eingestellt am 17. 12. 2016 16:15


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Namik
Hobbydichter
Registriert: Dec 2016

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König der Lüfte auf Abwegen

Lustig quirlt ein gar seltsames Ding durch die Luft. Munter mal nach links oder rechts hüpfend, um dann wieder geschwind nach oben zu steigen. Gleich einem Kolibri abrupt abbremsend um schwebend sekundenlang inne zu halten. Dabei drehen sich seine kleinen Flügelchen auf Hochtouren. Mit seinem großen Auge zoomt es neugierig durch die Gegend, immer auf der Suche nach allerlei Interessanten. Um gleich darauf wieder flott davon zu sausen. An gleicher Stelle, jedoch etwas weiter oben in luftiger Höhe, schwebt mit leichtem Flügelschlag majestätisch anmutend ein Adler dahin. Beschaulich zieht er dabei seine Kreise. Jedoch kaum wahrnehmbar, mit gestochen scharfem Blicke, nach unten spähend. Jede noch so kleinste Bewegung eines unvorsichtigen Nagers hie, oder eines jungen Federviehs da, wird aufmerksam registriert. Doch heute waren diese allesamt ohne Bedeutung. Seltsam will man meinen, widerspricht es doch gänzlich seinem angeborenen Jagdinstinkt. Plötzlich jedoch, für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar, weckt ein Objekt unter ihm seine Begierde. Nur ein klitzekleines Flackern in seinen Augen signalisiert die Fixierung des ausgewählten Zieles. Augen und Kopf des Jägers sind nun fest mit dem Opfer synchronisiert. Jede Bewegung des Anderen wird mit den eigenen gleichgeschaltet. Nichts kann diesen Automatismus mehr vom Entdeckten ablenken. In welche Richtung sich das anvisierte Ziel auch begeben mag, die Bewegungsabläufe scheinen nun eins. Durch Veränderung seiner Flügelstellung schwenkt der Jäger leicht nach rechts ein, ohne die Augen von seinem Opfer zu lassen. Mithilfe der Korrektur kreist er nun direkt über dem vermeintlichen Objekt. Anhand der feinen Struktur seiner hochentwickelten Federn ist kaum ein Flügelschlag von ihm zu vernehmen. Plötzlich, wie aus einer Pistole geschossen, schiebt er seinen Kopf nach vorne und stürzt sich brausend in die Tiefe. Die Flügel liegen nun eng an den Körper gepresst, während die Beine lang nach hinten gestreckt werden. Den Kopf samt Schnabel nach vorne gezogen, entspricht das stämmige Muskelpaket nun der Form eines gewaltigen Speeres. Gleich einem gefiederten Pfeil schießt er mit geringstem Luftwiderstand hinunter, unausweichlich programmiert auf das unten arglos fliegende Ziel. Einen Bruchteil einer Sekunde vor dem Zusammentreffen ändert der Jäger jedoch seine Haltung. Blitzschnell sausen nun seine Vorderbeine nach vorne, wo die kräftigen mittlerweile ausgefahrenen Krallen bereit sind das Opfer zu packen. Just in diesem Augenblick versucht der Angegriffene ein letztes Ausweichmanöver. Mit einem ungewohnt surrenden Geräusch kippt dieser nach links über. Doch zu spät, die mächtigen Krallen ergreifen das geheimnisvolle Kopf- und Schwanzlose unförmige Etwas. Seltsame kleine Propeller schlagen derweil auf die klammernden Füße ein. Mit seinen messerscharfen Schnabel entledigt er sich jedoch schnell dieser lästigen Flügel und reißt die kleinen Rotoren heraus. Doch weder Daunen noch Federn wirbeln von der seltsam geschlagenen Beute davon. Gleichzeitig versucht diese sich mit ihren noch verbliebenen Propellerchen irgendwie aus dieser misslichen Situation zu befreien. Die Rotoren drehen auf Hochtouren und bringen den großen Vogel für einen klitzekleinen Moment aus dem Gleichgewicht. Purzelbäume schlagend stürzen Beide in die Tiefe. Jedoch vergebens, die massiven Krallen lassen von dem ominösen Flugobjekt nicht ab. Und mit ein, zwei kraftvollen Flügelschlägen gewinnt der Adler schnell wieder deutlich an Höhe. Nach wie vor surren dabei die kleinen Propeller unter ihm munter weiter. Allerdings keine Chance um wieder frei zu kommen. Flott nimmt der Beutegreifer nun wieder Fahrt auf und fliegt mit seinem Opfer im Schlepptau in seine heimatlichen Gefilde zurück.

Den ganzen lieben langen Tag hatte er sich schon darauf gefreut sein Baby fliegen zu lassen. Er konnte den Dienstschluss kaum mehr erwarten um nach Hause zu eilen und sein Fluggerät aus dem Hobbykeller zu zerren. Er genoss es, dieses über die Gärten und Dächer der Nachbarn gleiten zu lassen. Neugierig herum zu cruisen, um zu sehen was denn da alles so vor sich ginge. Mit einer Portion Glück lag wieder dieses tolle Prachtweib von Studienrat Doktor Gleiwitz nackig im Garten und posierte ahnungslos und vollbusig für ein paar tolle Aufnahmen. Oder gleich nebenan, wo der feine Nachbar Krause eben diese Schönheit mit dem Fernglas im Visier hatte und dabei vermeintlich unbemerkt mit seinem Schwänzchen spielte. Auch nicht zu verachten Distriktvorsteher S. Übele, der Besserwisser und Mister Saubermann höchstpersönlich. Regelmäßig entsorgt er bei Nacht und Nebel seinen Problemmüll im nahe gelegenen öffentlichen Regenrückhaltebecken. Sensationelle Aufnahmen fürs Archiv waren wie immer garantiert. Man weiß ja nie was man für einen Nutzen daraus ziehen konnte. Während ein anderer Typ wie ein aufgeblasener Gockel mit seinen dicken Backen und seinem fetten Wams nichts Besseres zu tun hatte, als seiner Ex hinterher zu staken. Doch plötzlich sah Herr Peterson nur noch einen dunklen Schatten und versuchte diesen instinktiv im letzten Augenblick auszuweichen. Zwecklos, nach einem kräftigen Ruck erblickte er nur noch eine riesige nicht definierbare Kralle vor seinem Okular. Während ein spitzer Schnabel gerade dabei war, die kleinen Flügelchen der Rotoren ab zu montieren. Anschließend tanzte nur noch der Horizont vor seinen Augen. Zu guter Letzt blickte er in einen tiefen schwarzen großen Schlund, ehe es mit einem Male finster wurde. Noch lange saß er auf seiner Gartenbank und drückte alle möglichen Hebel und Schalter um wieder Kontakt zu seinem Spielzeug aufnehmen zu können. Alle Versuche sollten vergebens bleiben. Tränen schossen ihn in die Augen und kullerten die Wangen hinunter, als ihm immer mehr bewusst wurde, dass dies der wohl letzte Ausflug mit seinem vielgeliebten Flugobjekt war. Er sollte nie mehr etwas von diesem hören …

Ein gutes Stück später und ein paar Flügelschläge weiter, mittlerweile hatten die kleinen Rotoren aufgehört zu lärmen, überflog der Adler in nicht allzu großer Höhe einen bizarr anmutenden unförmigen teils matten, dann wieder glänzenden Hügel. Gar seltsam ragte dieser aus der grünen Vegetation hervor. Eigentlich überhaupt nicht stimmig mit dem Rest der hier vorherrschenden Landschaft. Trotz alledem schien ihn diese Gegend vertraut. Er ließ einen krächzenden lauten Ruf erklingen und drehte unmittelbar über dem schimmernden Haufen seine Kreise. Durch den Schrei aufmerksam geworden, trat ein stämmiger Mittdreißiger aus einer kleinen Hütte neben dem ominösen Berg hervor. Dieser sah den großen majestätischen Vogel, bei dessen Anblick sich ein freudiges Grinsen in seinem Gesicht breit machte. Er ließ einen schrillen Pfiff hören und hob seine mit einem dicken Lederhandschuh bewährte Hand, in dessen er ein nicht allzu kleines Stück Fleisch parat hielt. Der Adler drehte eine letzte Runde und ließ an höchster Stelle des seltsamen Hügels seine Beute fallen, ehe er mit rasantem Tempo zu seinem Auftraggeber hinunter sauste. Trotz kräftigen entgegenstemmen seitens des Mannes, krachte das schwere Federtier so kräftig auf dessen Arm, sodass dieser leicht in die Beuge gehen musste, um nicht umgerissen zu werden. Kaum hatte er seinen Vogel ausgependelt, stürzte sich dieser gierig auf seine Belohnung. „Brav Attila“, raunzte er mit tiefer Stimme seinem Gefährten zu und streichelte ihn mit der freien Hand fürsorglich über dessen Hinterkopf. „Langsam mein Guter, das gehört schon dir“, flüsterte er sanft in dessen Ohr. Freudestrahlend und mit großer Genugtuung blickte der Mann auf den mittlerweile riesig angewachsenen Elektronikmüllhaufen, der hier in letzter Zeit entstanden war. Hier lagen Drohnen über Drohnen aufeinander. Jegliche Größe, Farbe und Variation wurde hier geboten. Für jeden Geldbeutel wäre etwas Lohnendes dabei gewesen. Faszinierend starrte er weiter auf seinen Beuteberg. Nie hätte er sich träumen lassen, dass seine Mission von einem derartigen Erfolg gekrönt wäre. Nach einer Weile setzte er seinen Vogel auf einen kräftigen waagerechten Holzstamm direkt vor der kleinen unscheinbaren Holzhütte ab. Wo dieser sich nicht weiter stören ließ und genüsslich in aller Ruhe den Rest seines Leckerbissens verzehrte. Derweilen schlenderte sein Besitzer mit bester Laune lauthals lachend Richtung Eingangstür und rief mit erhobener Stimme triumphierend, wenn auch eher zu sich selbst: „Keines dieser fliegenden Ungeheuer wird mich je wieder belästigen oder ausspionieren, keines … Freiheit!“ Dazu folgte ein grollendes weit hörbares schelmisches Lachen, ehe er in der Hütte verschwand.

Wie von Geisterhand erschaffen kam unvermittelt Wind auf. Attila trippelte nervös auf seiner Sitzstange hin und her, während sein Blick argwöhnisch nach oben ging. Der Himmel hatte sich in kürzester Zeit in eine düstere, mit gelb schimmernden Gewitterwolken durch setzte, sehr bedrohlich wirkende Wolkenlandschaft verwandelt. Von einem auf dem nächsten Augenblick war der strahlend blaue Himmel verschwunden. Der immer stärker werdende Wind aus Westen schob weitere schwere dunkle Wolken heran. Vereinzelt fielen bereits Regentropfen. In der Ferne war ein leises Grollen zu vernehmen und kleine flinke Blitze huschten über den Horizont. Die losen Fensterläden der kleinen Hütte schlugen heftig gegen deren Holzwände. Aufgeschreckt durch den lärmenden Sturm kam der vermeintliche Jäger aus seiner Behausung gerannt. Das Grinsen in seinem Gesicht war einer ernsten stirnrunzelnden Miene gewichen. Gerade eben als er Atilla von seinem Sitz heben wollte, entlud sich der Himmel mit einem gewaltigen Donnerschlag. Zeitgleich rauschte ein mächtiger gleißender Blitz in die Tiefe und schlug mit brachialer Gewalt in den Metallberg ein. Seine immense Kraft gab er an das brach liegende Material ab. Dieses saugte die freigesetzte Energie förmlich in sich auf. Während der Kunststoff und andere Weichteile verschmorten, glühten und leuchteten die verschiedenartigsten Metalle in den unterschiedlichsten roten, gelben und blendend weißen Farbtönen gleißend hell auf. Kilometerweit funkelte so der künstliche Berg für einen winzigen Augenblick in die weite Landschaft hinaus, ehe er mit einem mächtigen Knall auseinander stob. Gleich einer Vulkaneruption flogen die angehäuften Materialien auseinander. Alles in der näheren Umgebung wurde durch die herumfliegende Materie und deren Druckwelle mitgerissen oder platt gemacht. Kaum einen Wimpernschlag später war das Unwetter auch schon wieder vorüber. Der künstlich aufgehäufte Berg jedoch so gut wie von der Erdoberfläche verschwunden. Von der daneben liegenden Holzhütte, einige Teile des Rahmens ausgenommen, blieb ebenso nicht mehr viel übrig. Ein lose in der Verankerung hängender Fensterrahmen durchbrach derweilen quietschend die gespenstische Stille. Der Wind war inzwischen abgeflaut und die dunklen Wolken hatten sich verzogen. Wie durch ein Wunder blieb der vor der Hütte angebrachte Sitzbalken fast unversehrt. Daran zitternd, mit seinen kräftigen Krallen sich fest in das Holz bohrend und kopfüber nach unten hängend, eine verrußte nackige Gestalt. Versehen noch mit einzelnen verkohlten Federn am Leibe, die nur wage an den stolzen Attila erinnerten. Etwa zwanzig Meter entfernt ließen sich zwei verdreckte Füße vermuten, die unter einem Haufen zerschmolzener und verbeulter Drohnen hervor lugten. Der Jäger hatte mit seinen so verhassten Flugteilen wohl endlich, wenn auch unfreiwillig, seinen Frieden gefunden. Just in diesem Moment, die Staubteilchen waren fast zur Gänze aufgelöst, fanden auch die Sonnenstrahlen wieder ihren Weg nach unten. Während die Spiegelung der noch durch die Luft schwirrenden kleinen Partikelchen ein seltsam leuchtendes Zeichen ans Firmament zauberte. Und für einen winzigen Augenblick der Stille, hielt die Zeit den Atem an und Frieden auf Erden ward eingekehrt …    

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DocSchneider
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