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Leselupe.de > Humor und Satire
Kolbenfresser
Eingestellt am 22. 08. 2010 15:41


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Politgurke
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2006

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Ein herrlicher Grillabend. Es gibt verschiedene Arten einen Maiskolben zu essen. Keine davon erwÀhne ich !

Es ist Samstag, ich wache frĂŒh auf. Gerade mal kurz nach sechs, als ich zusammengekauert auf den Wecker schaue.

Die Katze hat mir durch einen gezielten Sprung in den Unterleib mitgeteilt, dass sie nicht lĂ€nger bereit ist, auf ihr FrĂŒhstĂŒck zu warten, nachdem ich die letzte Stunde das Herumgetrampel auf der Bettdecke, die raue Zunge in meinem Ohr und den Hieb mit der Tatze direkt in mein Gesicht, erfolgreich ignoriert habe.

Wobei ich „erfolgreich“ streichen muss, denn immerhin liege ich deswegen seit fĂŒnf Uhr wach im Bett. Ich hĂ€tte ausschlafen können, hĂ€tte ich ihr gestern Abend Futter gegeben. HĂ€tte. Habe ich aber nicht !

Nur deswegen stehe ich jetzt am Samstag um 06:13 Uhr in der KĂŒche und unterhalte mich flĂŒsternd mit unserer Katze. Da ich mich ĂŒber mich selbst Ă€rgere, versuche ich mich ein wenig zu erheitern, indem ich mir selbst Witze erzĂ€hle, die ich noch nicht kenne. Der Versuch scheitert klĂ€glich. Irgendwoher kenne ich sie doch. Alle beide.
Zudem bin ich zu mĂŒde um zu lachen.

"Noch so` n Gag...ZÀhne weg !", höre ich plötzlich die Katze sagen.

Ich beschließe diesen Kalauer witzig zu finden. Es funktioniert, meine Laune wird besser.
Die darauf folgenden Witze leider nicht.

WĂ€hrend ich unser Samtpfötchen durch Vitamin- und Taurinbeigaben in Form von angereichertem Huhn-Geschnetzelten von weiteren Attacken auf mich abhalte, habe ich das GefĂŒhl, die Kaffeemaschine stöhnt und röchelt an diesem Morgen bereits bevor ich sie eingeschaltet habe und von ihr verlange, mir eine herrliche Melange aus Fair-Trade-Kaffeebohnen aus den verschiedensten SchwellenlĂ€ndern SĂŒdamerikas zuzubereiten.

Ich gebe einen Löffel Kaffeepulver in den Filter.
Die zweite Portion verteile ich unkontrolliert auf dem KĂŒchenfussboden, da sich ein Katzencracker in meine Fußsohle bohrt als ich einen Ausfallschritt mache, um einer scheinbar zornigen Wespe auszuweichen, in deren unmittelbarer Flugbahn ich mich befinde.
Ich nehme an sie ist wĂŒtend, da auch sie heute nicht ausschlafen darf. Vielleicht haben ihr aber auch meine billigen Zoten nicht gefallen.

Endlich habe ich es geschafft, der Kaffee ist in Arbeit.

MĂŒde schlurfe ich ins Badezimmer.

Mit verquollenen Augen schaue ich in den Spiegel, der mich verÀchtlich anzusehen scheint.
Als ich nĂ€her herangehe, wird mein Spiegelbild tatsĂ€chlich ausgeblendet. Die reflektierende GlasflĂ€che beschlĂ€gt unverzĂŒglich.
Das geschieht normalerweise durch den Wasserdampf des sich in dem Waschbecken befindenden heissen Wassers.

Mein Blick senkt sich nach unten und ich starre auf die weisse Keramik.

"Komisch. Den Mischhebel fĂŒr das Warmwasser habe ich noch gar nicht betĂ€tigt, das Bassin ist leer !", nuschele ich vor mich hin.

Jetzt bin ich mir sicher. Der Alibert lebt und er hasst mich !

ZurĂŒck in der KĂŒche setze ich mich an den KĂŒchentisch und schmeiße nach einem kurzen Blick auf die Kaffeemaschine einen Teebeutel in meine Lieblingstasse und ĂŒbergiesse ihn mit heissem Wasser aus der Kaffeekanne. Der Kaffeefilter hatte sich umgeknickt, sodass das Wasser, am Filter vorbei, geradewegs in die Kanne lief.

Ich greife mir einen Zettel und notiere, was ich heute alles noch fĂŒr den Grillabend besorgen muss.

Ausser Bier fÀllt mir in der Tat momentan nichts ein.

In der Zwischenzeit hat unser Stubentiger sein FrĂŒhstĂŒck aufgefressen und beginnt zu lĂ€rmen. Er will nach draussen. Ich gehe mit ihm in den Keller, öffne die TĂŒr in den Garten und sehe wie er davon eilt.

Genau wie die drei Typen mit ihren RucksÀcken, die soeben aus dem Wohnzimmerfenster unserer Nachbarn, die noch bis September im Urlaub sind, gesprungen kommen. Ich scheine sie aufgeschreckt zu haben.

20 Minuten spĂ€ter halte ich das Telefon in der Hand und informiere die Polizei ĂŒber meine Beobachtungen.
FrĂŒher konnte ich leider nicht anrufen, denn es hat eine Weile gedauert, den grossen Plasmabildschirm, sowie den Beamer und die Surroundanlage ungesehen aus dem Wohnzimmer unserer Nachbarn ĂŒber den Zaun in unseren Kellerraum zu schaffen.

Nach der polizeilichen Befragung begebe ich mich abermals in den Garten und erhöhe den Gartenzaun um satte 30 Zentimeter. Am oberen Ende befestige ich Stacheldraht aus den RestbestÀnden meiner Mitbringsel aus der Bundeswehrzeit.
Das reicht und hĂ€lt selbst mich davon ab, erneut darĂŒber hinweg zu steigen.

Es ist heiß und bereits Abend als ich feststelle, dass ich tagsĂŒber mehr als ausreichend thermische Energie (ΔQ) pro TemperaturĂ€nderung (ΔT) gespeichert habe als mir lieb ist. Meine WĂ€rmekapazitĂ€t stösst an ihre Grenzen, ich verspĂŒre gegenwĂ€rtig nicht die geringste Lust, fĂŒr unser Grillabenteuer hier im Garten die Grasnarbe unseres englischen Golfrasens, so wie die letzten Male, durch einen Erdaushub zu zerstören.

Somit bezeichnet das Wort „Barbecue“, (kurz: BBQ oder Bar-B-Q), darauf weise ich an dieser Stelle energisch hin, in diesem Falle nicht die Garmethode, bei der große FleischstĂŒcke in einer Grube langsam bei mĂ€ĂŸiger Temperatur heiß gerĂ€uchert werden, sondern die gesellschaftliche Veranstaltung, also das organisierte, zweckbestimmte Ereignis, mit einem begrenzten Zeitumfang, an dem eine Gruppe von Menschen teilnimmt. Die heute Abend erscheinende soziale Gruppe, wie ich die bevorstehende Zusammenrottung der Teilnehmer meiner kulinarischen Exkursion klassifizieren möchte, besteht aus einer Sammlung von mindestens drei Personen mit unmittelbaren Beziehungen zueinander. (Quelle: Wikipedia)

Sprich unserer Familie. (Quelle: Eintrag im KĂŒchenkalender)

10 Minuten vor Ladenschluss fahre ich mit dem mit Leergut randvoll gepackten Rucksack auf dem Fahrrad zu meinem Lieblings-Marken-Discounter, um dort noch das ein oder andere Grillgut zu erwerben. Am TiefkĂŒhlregal stelle ich fest, dass ich nicht der Einzige bin, der dieses fast geschlossene Zeitfenster fĂŒr sich nutzen will. Mit fĂŒnf anderen abgehetzten und frustriert dreinschauenden GrillgutjĂ€gern kĂ€mpfe ich um die letzte Packung ThĂŒringer BratwĂŒrste. Als Ablenkungsmanöver hechte ich auf die gegenĂŒberliegende Seite der Truhe, schiebe den Deckel beiseite und rufe lauthals:

"Was ? Grillfackeln und Nackensteaks nur 3,99 EUR ? Das ist aber gĂŒnstig !"

Mein Plan funktioniert. Ich höre wie die Bratwurstpackung zu Boden fÀllt.
Es folgen die GerÀusche quietschender Gummisohlen, wie sie vom Court eines Squash-Turnieres zu hören sind.

Ich warte auch den allerletzten Konkurrenten ab, renne um die Truhe herum, nehme das Objekt meiner Begierde auf und mache mich zusĂ€tzlich mit einem 5-Liter-FĂ€ĂŸchen Aktionsbier auf, in Richtung Kasse.

Bis zum Verlassen des Supermarktes verfolgen mich böse Blicke und ĂŒble Beschimpfungen.
Doch das lÀsst mich trotz der hohen Temperaturen draussen ziemlich kalt.
Ich fahre ĂŒbertrieben aufrecht sitzend und triumphierend auf meinem Fahrrad mit meiner Beute nach Hause.

Dort angekommen will ich den Holzkohlegrill aufbauen.
Als ich die verkohlten TrĂŒmmer desselben sehe, fĂ€llt mir ein, dass ich beim letzten Event den Benzinkanister mit dem Superbenzin, welches ich als GrillanzĂŒnder benutzt habe, leider etwas zu nah an der hitzeabstrahlenden Seite platziert hatte, woraufhin sich der Aggregatzustand des Gemisches von flĂŒssig in gasförmig wandelte und aufgrund des altersbedingt schlecht abdichtenden Kanisterdeckels die DĂ€mpfe ungehindert in Richtung WĂ€rmequelle ausströmten.
Was folgte war eine laute, Gott sei Dank nicht allzu große, Explosion.

Der Grill stand noch und es wĂ€re ja auch fast nichts passiert, hĂ€tte es Anfang Juli etwas mehr geregnet und der Grill nicht unmittelbar unter der großen knochentrockenen Tanne der verreisten Nachbarn gestanden, deren brennenden Zweige das leckere Fleisch samt Marinade unter sich begruben !

Aber da die Tanne sowieso viel zu weit auf unser GrundstĂŒck hineinragte, hatte das Ganze letztendlich doch noch etwas Gutes. Endlich fĂ€llt mehr Licht auf die Radieschenrabatten.

Nur blöd, dass ich jetzt mit einem Elektrogrill vorlieb nehmen muss.
Da passt nicht so viel drauf. Aber vielleicht doch, wenn ich drei davon in Reihe schalte...probier ich gleich mal aus.

Achso, schon mal Mais gegrillt ? TIPP: GeĂŒbte Kolbenfresser kochen vor.

So, jetzt erstmal ein Bier.

Ach guck, die Katze ist auch wieder da !


© Politgurke (D.A.B. Beyer)
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Im Abendrot leuchtet alles im verfĂŒhrerischen Licht der Nostalgie, sogar die Guillotine. (Milan Kundera)

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