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Leselupe.de > Humor und Satire
Komprimieren und so
Eingestellt am 30. 09. 2005 10:25


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Duisburger
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Komprimieren und so


Ein Gedanke ist ein fl├╝chtig Ding. Jedenfalls bei mir.
Gerade noch pr├Ąsent, werden sie von neuen Gedanken ├╝berdeckt, verdr├Ąngt und letztlich meinerseits schnell vergessen. Gedanken, die m├Âglicherweise Wert gewesen w├Ąren, dauerhaft erhalten zu bleiben. Dagegen hilft, wie bei allen fl├╝chtigen Dingen, nur das Komprimieren. Also versuche ich, den gerade noch fl├╝chtigen Gedanken in einen anderen Aggregatzustand zu versetzen.
Gas komprimiert man in Flaschen, Gedanken auf Papier.
Ich gebe ihm also eine feste Gestalt und er wird zum Gedicht. Hoffentlich.
Was ich bei dieser ersten ÔÇ×VerdichtungÔÇť dieses Gedankens zu Papier bringe, hat leider oft wenig mit Selbigen zu tun. Schon gar nichts mit Kunst im Sinne von Lyrik. Inhalt und Aussage machen noch kein Gedicht. Vor dem Meisterwerk hat der Gott der Lyrik das Schreibhandwerk gesetzt.

Soll ich reimen oder doch lieber frei schreiben?
Vielleicht ein Sonett?
In alter Sprache oder doch besser Neudeutsch? Nicht das mich nachher kaum einer versteht.
Alte oder neue Rechtschreibung?
In epischer L├Ąnge oder knackig kurz?
Soll ich Konventionen brechen oder lieber auf altbew├Ąhrtes setzen?
Schreibe ich, um zu gefallen oder um etwas mitzuteilen?
Nun ja, Streicheleinheiten hab ich gern. Wer nicht.
So viel Fragen.

Irgendwann habe ich mich dann entschieden und bringe meine Gedanken in eine lyrische Form. Darauf folgt dann meist eine endlos lange Verbesserungsorgie. Hier ein wenig k├╝rzen, dort ein W├Ârtchen mehr. Noch mal schnell dem Rhythmus, der Betonung und der Metrik Tribut zollen.
Stunden oder Tage sp├Ąter dann ist jener Punkt erreicht, an dem jeglicher ├änderung nur noch eine Verschlimmbesserung darstellt. Da muss ich mich dann zwingen aufzuh├Âren. Schwer f├╝r mich.
Da steht es nun schwarz auf wei├č. Mein Werk. Ein wenig stolz bin ich dann schon. Schnell noch mal umgeschaut, ob keiner in der N├Ąhe ist und laut vorgelesen. Klingt wirklich gut nach meinem Daf├╝rhalten.
Dann kommt die Stunde der Wahrheit.
Hochladen auf die bevorzugte Literaturseite im Web. Geschafft.
Dann harre ich der Dinge, die da kommen. Wenn sie denn kommen. Vielleicht reagiert ja keiner auf mein Werk?

Der Supergau f├╝r mich als Autor ist nat├╝rlich ein Kritiker, der mein Werk gnadenlos verrei├čt. Wie kommt der dazu, mein Gedicht nicht so genial zu finden wie ich? Frechheit so was. Er versteht mich halt nicht. Im Gegensatz zum zweiten Kritiker, der mein Werk ├╝ber den gr├╝nen Klee lobt. Recht hat er. Ein Kritiker mit Sachverstand.
Zufrieden lehne ich mich vor dem Bildschirm zur├╝ck und ein neuer Gedanke wartet schon darauf, von mir komprimiert zu werden. Na dann.

Wieso ich das hier schreibe?
Nun ja.
Gedanken sind so fl├╝chtig. Jedenfalls bei mir.
Gerade noch pr├Ąsent, werden ...

__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige K├Ânig (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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NewDawnK
???
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Hallo Duisburger,

Du beschreibst sehr sch├Ân die hohe Kunst, sich selbst das ein oder andere Beinchen zu stellen, ohne dar├╝ber zu stolpern.
Ich pers├Ânlich halte es mehr mit meiner mir ureigenen Kreativit├Ąt, da redet mir wenigstens keiner rein - besonders ich nicht - und das Ergebnis kann sich mitunter trotzdem sehen lassen.
Eine perfekte Gegenwartsbeschreibung, deren Inhalt, wenn es nach mir ginge, hoffentlich bald der Vergangenheit angeh├Ârt.

Sch├Âne, durchaus nicht fl├╝chtig gemeinte Gr├╝├če,
NDK


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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
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Warum steht das bei Humor und Satire?

Mario

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Duisburger
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Hallo zusammen,

quote:
Warum steht das bei Humor und Satire?
Warum nicht?
Es ist meinerseits durchaus humorvoll gemeint.
Etwas gesunde Selbstironie wirkt manchmal sehr Befreiend. Ich nehme mich selber nicht sonderlich ernst.
Wo sollte es denn stehen?
Und sch├Ânen dank f├╝r die Vier. Das hat was, nach deinem erhellendem Kommentar.
quote:
Eine perfekte Gegenwartsbeschreibung, deren Inhalt, wenn es nach mir ginge, hoffentlich bald der Vergangenheit angeh├Ârt.
Besser w├Ąre das. Aber leider nur ein Traum, der sich nicht erf├╝llen wird. Schau dich in den Foren um und du weisst, was ich meine.

lg
Uwe
__________________
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flammarion
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nun,

ich denke, das steht deshalb bei humor und satire, weil es humoristisch ist. ich jedenfalls habe gelacht.
lg
__________________
Old Icke

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Melusine
Guest
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Sich selbst ein Bein stellen ohne zu stolpern? Na, ich wei├č nicht... Wenn ich so anfinge, s├Ą├če ich nach drei Tagen noch vor dem leeren Bildschirm *lach*. (Ja, NDK, ich wei├č was du sagen willst. Alle anderen wissen es mittlerweile auch schon, also kannst du es dir genausogut sparen.)

Besonders gelungen fand ich den Schluss, da bin ich erst mal dr├╝ber gestolpert

LG Melusine

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