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Leselupe.de > Kindergeschichten
Konrad und das tropfende Dach
Eingestellt am 18. 04. 2017 17:40


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PieterVanPittens
Hobbydichter
Registriert: Apr 2017

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Karlotta Knesebeck schaute auf die Uhr. Es war bereits Zwanzig vor acht am Abend. In 20 Minuten fing ihre SpĂ€tschicht an. Vor 2 Jahren war ihr Mann Knut ĂŒber Nacht spurlos verschwunden. Seitdem arbeitete sie in zwei Jobs, um ihre Rechnungen bezahlen zu können. “Konrad, bist du schon bettfertig?” rief sie und zog hastig ihren Mantel an. Konrad war ihr 9 jĂ€hriger Sohn. Karlotta wollte am liebsten nach oben gehen und Konrad eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Aber es war viel zu spĂ€t dafĂŒr. In letzter Zeit war sie mehrfach zu spĂ€t auf der Arbeit erschienen. Karlotta öffnete die HaustĂŒr und rief hinter sich her: “Schlaf gut, mein Schatz! Und mach nicht mehr so lange!”
Im ersten Stock des Hauses saß Konrad nachdenklich auf seinem Bett. Er hatte gehört, wie seine Mutter sich verabschiedet und das Haus verlassen hatte. Aber er war viel zu sehr in Gedanken versunken, um ihr antworten zu können. Konrad dachte ĂŒber die wichtigste Erfindung der Menschheit nach. Konrad war ein Erfinder. Er war ĂŒberzeugt, eines Tages jedes Problem auf der Welt gelöst zu haben. Genau davon hatte auch sein Vater getrĂ€umt. Und sein Opa und sein Ur-Opa. An der Wand von Konrads Schreibtisch klebten zahllose Fotos und Zeitungsartikel von den Erfindungen all seiner Vorfahren. Zum Beispiel erfand sein Ur-Opa Karl Knesebeck das erste Fahrrad mit runden RĂ€dern. Vorher gab es nur welche mit eckigen RĂ€dern, hatte Papa ihm erzĂ€hlt. Daneben klebte ein uralter Zeitungsartikel von seinem Opa Klaus Knesebeck mit einem komischen blinkenden Hut auf dem Kopf. Der Hut zeigte durch verschiedene Farben an, in welcher Laune ein Mensch gerade war. Auf dem Foto blinkte der Hut in lila und orange. Konrad war sicher, dass das ein Zeichen fĂŒr gute Laune war. Welche Laune sollte es auch sonst gewesen sein, wenn man gerade fĂŒr die Zeitung fotografiert wurde?

Seine eigene Laune war aber momentan aber alles andere als lila und orange. Seit Tagen grĂŒbelte Konrad darĂŒber nach, welche Erfindung ihn wohl in die Zeitung bringen wĂŒrde. “Platsch” hörte er wieder hinter sich. Das nervige Platschen lenkte ihn stĂ€ndig ab. Auf seinem Kopfkissen stand ein blauer Plastikeimer. Über dem Eimer bildete sich langsam ein weiterer Wassertropfen, der ebenfalls platschend in den Eimer fiel. Auf seinem Nachttisch daneben lag ein gelber Regenhut. Der Regenhut sah aus wie ein Fischerhut. “Ich glaube, heute wird das nichts mehr mit meiner Erfindung. Ich gehe lieber ins Bett”, sagte Konrad und setzte den gelben Regenhut auf. Er stellte den Plastikeimer auf den Boden und legte sich in sein Bett. “Es könnte das gemĂŒtlichste Bett der Welt sein, wenn da nur nicht dieses Loch im Dach wĂ€re!”. Und schon platschte der nĂ€chste Tropfen von der Decke hinab. Dieses Mal traf es nicht den Eimer, sondern Konrads Kopf (besser gesagt den Regenhut). “Platsch” war das Einzige, an was er jetzt noch denken konnte. “Noch ein Platsch und ich werde ich wahnsinnig!”, sagte Konrad und richtete sich im Bett auf. “Oh, Moment, mein Kissen.” Er warf seinen Regenhut auf das Kissen, damit der nĂ€chste Platsch es nicht erwischen konnte. Konrad beschloss, das Platschen zu beenden. Bestand darin nicht eh sein Ziel? Jedes Problem der Welt zu lösen? Ein undichtes Haus war definitiv ein Problem.

Seiner Mama hatte Konrad bisher nichts von dem Loch im Dach erzĂ€hlt. Er wusste, dass sie sich eine Reparatur eh nicht leisten konnte. Damit Mama sich nicht schlecht fĂŒhlte deswegen, behielt er das Problem lieber fĂŒr sich.
Zum GlĂŒck arbeite Mama neuerdings auch am Abend. Denn so konnte Konrad sich frei im Haus bewegen, auch in den verbotenen Bereichen. Die verbotenen Bereiche des Hauses waren so ziemlich alles außer den beiden Schlafzimmern, dem Badezimmer, Wohnzimmer und KĂŒche. Alle anderen RĂ€ume, der Keller, die Garage, die Gartenlaube, ja selbst der Garten, waren von Papa fĂŒr seine Experimente benutzt worden. Alles war vollgestellt mit irgendwelchen GerĂ€ten, Materialien, BĂŒchern, Notizen, Werkzeugen und wer weiß was noch alles. Mama hatte Konrad verboten irgendwas davon auch nur anzufassen. Sie hatte Angst davor, dass Konrad genauso ein verrĂŒckter Erfinder wie sein Vater und dessen Vater und dessen Vater werden könnte. Noch mehr befĂŒrchtete sie, dass Konrad ebenfalls eines Tages bei einem Experiment verschwinden wĂŒrde (von der Mini-Explosion im Keller vor 3 Wochen ganz zu schweigen).
Konrad guckte auf die Uhr, es war halb neun. “Noch 4 Stunden Zeit das Dach zu reparieren, bis Mama wieder da ist. Nichts leichter als das!” Er zog seinen Helm mit der Kopfleuchte auf. Auf dem Weg in die Garage ĂŒberlegte er, was er alles brĂ€uchte. Irgendwie musste er auf das Dach kommen. Und irgendwie musste er das Loch stopfen. In der Garage leuchtete Konrad mit seiner Kopfleuchte umher. Neben der großen Leiter standen 2 PĂŒmpel. “Das ist es!”, schnellte es aus Konrad hervor. “Die PĂŒmpel klebe ich mir irgendwie an die FĂŒĂŸe und laufe einfach die Wand hoch. Und zum Thema kleben fĂ€llt mir auch direkt etwas ein!” Er ging zurĂŒck ins Haus, dieses Mal Richtung KellertĂŒr. Im Keller hatte er vor einiger Zeit einen Kanister mit einer grĂŒnen glibberigen FlĂŒssigkeit gefunden. Auf dem Etikett stand in Großbuchstaben “SUKLEGLIB”. Darunter war ein schwarz-gelbes Warndreieck aufgemalt mit dem Hinweistext “Super-Klebriger Glibber. Sehr glibberig und sehr klebrig.” Konrad suchte schon lange nach einem Grund, dieses Zeug auszuprobieren.

Sein ganzes Material schleppte er nach draußen, auf die RĂŒckseite des Hauses. Von den beiden PĂŒmpeln zog er die Holzstiele heraus und klebte die Saugglocken mit Panzerband unter seine Hausschuhe. Die RĂ€nder der Saugglocken schmierte er ein bisschen mit Sukleglib ein. Zum Testen setzte er einen Fuß an die Hauswand. Es funktionierte, sein Fuß klebte an der Wand! Mit dem Sukleglib-Kanister unter dem Arm wanderte Konrad die Wand hoch, bis er auf dem Dach angekommen war. Auf dem Dach fand er dank seiner Kopflampe schnell das Loch ĂŒber seinem Zimmer. Er öffnete den Kanister und schĂŒttete einen extra-großen Tropfen grĂŒnen Glibber auf das Loch. Der Tropfen war wohl ein bisschen zu extra-groß. Der Sukleglib floß langsam am Dach herunter. Konrad wollte zur Seite treten, aber seine FĂŒĂŸe rĂŒhrten sich nicht mehr. Der Glibber unter seinen Saugglocken war bereits getrocknet. Vor Schreck verlor Konrad das Gleichgewicht und fiel auf das Dach. Der Kanister landete ebenfalls auf dem Dach. Der komplette Glibber floß jetzt in Zeitlupe das Dach herunter und riss Konrad mit. Das Zeug war so zĂ€hflĂŒssig, dass es eine Stunde dauerte, bis Konrad den Rand vom Dach erreicht hatte. Jetzt hing er kopfĂŒber an der Hauswand und floß im Schneckentempo nach unten. Was wĂŒrde Mama denken, wenn sie von der Arbeit nach Hause kĂ€me und ihr Sohn hĂ€tte sich selbst kopfĂŒber ans Haus geklebt? Zum GlĂŒck stoppte der Fluss nicht. Zwei Stunden spĂ€ter war Konrad endlich am Boden angekommen. Er schaffte es gerade noch rechtzeitig zurĂŒck in sein Zimmer, bevor er Mamas Auto in der Einfahrt hörte. Problem Nummer 1 in Konrads Welt war gelöst: Das Dach war repariert. Und den grĂŒnen Glibber an der Hauswand wĂŒrde Mama hoffentlich nicht bemerken



Version vom 18. 04. 2017 17:40

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hera
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