Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92261
Momentan online:
426 Gäste und 18 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Science Fiction
Kontakt
Eingestellt am 22. 07. 2003 13:47


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
silverfisch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2003

Werke: 3
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Mit einem leisen Klick rastete der Karabinerhaken in die gl√ľhende √Ėse ein. Der Kontakt war hergestellt. In den n√§chsten zwei Stunden musste Melissa mit h√∂chster Konzentration arbeiten. Beim √úbertrag durfte nichts schief gehen. Sonst konnte sie aus dieser Feuerwand nicht mehr aussteigen. Aus den Augenwinkeln konnte Melissa sehen wie Klenze und "I love you" sich langsam aufl√∂sten. Sie waren drin.

Melissa lehnte diese extreme Methode. Sie war keine Freundin des Tiefsch√ľrfens, sie begn√ľgte sich mit der Oberfl√§che. Das war zwar nicht ganz so packend, aber wesentlich sicherer. Niemand wusste, ob man nach einem Besuch im Berg in der richtigen Reihenfolge wieder zur√ľckkehrte. Melissa hatte schon schreckliche Geschichten geh√∂rt. Von Feuerhackern, die nie wieder analog zusammengesetzt werden konnten. Sie verbrachten den Rest ihrer Laufzeit in verlorenen Sektoren, bis die Plateaus zu voll war und sie der n√§chsten Systemwartung zum Opfer fielen.

Der R√ľcktransport war die Schwachstelle des Verfahrens. Ein h√§ufiger Fehler, der dabei auftrat, war der Geschlechtertausch. Unter den Feuerwand-Kletterern gab es viele Androgyne.

Melissa lauschte der √úbertragung. Wie Farbe in ein Wasserglas tropften die T√∂ne durch Melissas Brustgeschirr in ihren Bauchraum. Dort l√∂sten sie Wellen aus, die ihr Gehirn mit leuchtend bunten Wasserwolken √ľberschwemmten. Das war angenehm k√ľhl. Sie geriet in Versuchung. Aber Melissa musste aufpassen. Verletzungen des Patentschutzes wurden mit dem virtuellen Tod bestraft. Wer den √úbertrag nicht vollst√§ndig ablieferte, war das n√§chste Mal nicht mehr dabei. Dazu war das Verfahren zu teuer.

Melissa liebte ihren Job. W√§hrend ihrer letzten Himalaya-Expedition war sie in eine Gletscherspalte gefallen. Es hatte Stunden gedauert bis der Hubschrauber da war. Von ihrem halberfrorenen K√∂rper war nicht mehr viel √ľbrig geblieben. Dank den Erkenntnissen der mordenden Medizin √ľberlebte sie, ja sie konnte sogar weiter arbeiten. Die Feuerwand-Kletterer hatten sie gerne aufgenommen. Sie waren die Eliteabteilung eines multinationalen Konzerns, dessen Mitarbeiter teilweise bis zu 95 % aus k√ľnstlich erzeugten Implantaten bestanden. Melissa war im sogenannten √úbersetzungsdienst t√§tig. Ein sch√∂ner Name f√ľr einen √§u√üerst gef√§hrlichen Job.

Die Spionaget√§tigkeit im 23. Jahrtausend sah ein klein wenig anders aussah, als in den Zeiten des legend√§ren James Bond. Dr. No war inzwischen virtualisiert Die kleinen gr√ľnen M√§nnchen waren noch immer nicht gelandet und die Begegnung der dritten Art hatte anders als erwartet statt gefunden. Man traf sich in den elektrischen Str√∂men eines gigantischen intergalaktisches eMail-Systems.

Melissa stutzte, etwas war heute anders. Die Feuerwand f√ľhlte sich seltsam weich an. Vielleicht hatten sie den Code gewechselt oder eine andere Rasse war im System. Sie modifizierte ihr Programm und h√∂rte pl√∂tzlich ein ohrenbet√§ubendes Kreischen. Die Feuerwand teilte sich und sie digitalisierte vollst√§ndig. Sofort schaltete sie auf R√ľckkehrbetrieb. Aber es war zwecklos. Die Virenj√§ger hatten schon die Kontrolle √ľbernommen. Melissa wurde in den Quarant√§nesektor verschoben. Offensichtlich waren ihre Implantate zu wertvoll, um sie gleich zu l√∂schen.

Sie f√ľhlte sich immer noch als Einzelne. Das war ungew√∂hnlich, denn jeder, der ihr bislang von seinen √úbergangserlebnissen erz√§hlt hatte, konnte sich nur an das Auftauchen der Virenj√§ger erinnern. Dann sp√ľrten sie einen prickelnden Strom fielen ins Koma und nur etwa bei der H√§lfte von ihnen gelang gelang die menschlich Wiederbelebung. Von unfreiwilligen √úberg√§ngen oder bauf√§lligen Feuerw√§nden hatte Melissa aber noch geh√∂rt.

"Ist sie drin?"
"Ja, die Programme melden jedenfalls das Auftauchen der Virenjäger und sie wurde in die Quarantäne verschoben."
"Und jetzt?"
"Ich weiss nicht, wir haben noch nie jemanden r√ľbergelassen, der das nicht wollte. Wenn ihre Implantate halten, hat sie eine Chance. Vielleicht wird sie k√§mpfen.“
„Ich hoffe, sonst gibt es Schwierigkeiten mit dem Budget. Wir haben schon zu viele verbraten. Lange werden die Sponsoren nicht mehr zuschauen.“
„Nur nicht die Nerven verlieren. Unsere Theorie stimmt.“

Melissa wusste, dass sie nicht wie ein kleiner K√§fer auf einer Computerfestplatte sa√ü, aber genauso f√ľhlte es sich an. Dagegen zeigte ihr Bildgenerator im Kopf eine Gef√§ngniszelle. Offensichtlich eine Schutzvorrichtung, damit sie nicht verr√ľckt wurde oder ein Scherz der Programmierer. Aber das war jetzt unwichtig. Sie musste schnell feststellen, wo sie war und sich zum email-Client durchschlagen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Analyse abgeschlossen war und der L√∂schmodus gestartet wurde.

Hoffentlich war der Zellenw√§chter eine humanoide Idee. Melissa ber√ľhrte blitzschnell den groben Klotz und assimilierte seinen Schlie√ümechanismus. Mit Unbehagen dachte sie daran, dass die Feuerwand ungew√∂hnlich weich gewesen war. Wenn sie Programmteile fremder Rassen assimilierte k√∂nnte das im Konverter schlimme Folgen haben. Der W√§rter war kein gro√ües Hindernis gewesen. Aber au√üerhalb des Quarant√§nesektors wurde es ungem√ľtlicher. Je mehr Kontrollpunkte sie assimilierte, desto schlimmer wurde das elektrische Rauschen in ihrem Kopf. Wenn sie nicht bald einen konvertierenden email-Client fand, w√ľrde sie sich in elektrische Impulse aufl√∂sen.

„Sie hat es beinahe geschafft. Wir stehen kurz vor dem Ziel.“
„Ich rufe die Kollegen aus dem Datenschutz an. Wenn sie tats√§chlich durchkommt, haben wir den ersten immunisierten Trojaner.“

Der Bildgenerator in Melissas Gehirn, zeigte ein Tor. Es sah aus, wie ein gro√ües O und lie√ü sich ohne Schwierigkeiten √∂ffnen. Sie schloss den Ausgangskorb auf und lie√ü sich hineinfallen. Erleichtert vernahm sie eine k√ľnstliche Stimme, die ihre Konvertierung ank√ľndigte.

„Was haben wir denn da?“, staunte der Pf√∂rtner, “ Sieht aus wie ein kleiner K√§fer“. Er nahm das metallisch gl√§nzende Tierchen auf die Hand und betrachtete es genauer. „Erinnert mich an meine erste Frau oder die nette kleine aus unserer Spezialabteilung," dachte er verwundert. Dann trug er das Wesen ans Fenster und lie√ü es fliegen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Etwas spät, aber

Ich habe den Text etliche Male gelesen. Die klare Sprache und der angenehme Klang haben mir jedesmal suggeriert, es m√ľsste doch zu verstehen sein, was da passiert. Aber bis darauf, dass Melissa kaum noch oder gar nichts Organisches mehr an sich hat und sich direkt zu Spionagezwecken ins Datennetz einklinkt, hab ich reineweg gar nichts begriffen. Das mit den Virenj√§gernund dem Quarant√§ebeeichund sogar das mit dem zerst√ľckelt irgendwo abgelegt werden hat noch einen Sinn ergeben ‚Äď aber was sind das f√ľr andere Rassen, wieso digitalisierte sie jetzt erst vollst√§ndig, wieso sollte sie sich nicht einzeln f√ľhlen, was f√ľr √úberg√§nge und wogegen soll wer immun werden? Am Ende steckt sie in dem ‚ÄěK√§fer‚Äú ‚Äď aber das vermute ich auch nur deshalb, weil: Was sollte die Szene sonst?

Kann es sein, dass ein Programmierprofi bzw. Hobbyhacker versteht, was da "technisch" abläuft? Hoffentlich. Kann es aber auch der "normal-User" verstehen? Gehöre ich etwa einer Minderheit in an und der "nomale SF-Leser" ist in Cyberworld zu Hause…?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


silverfisch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2003

Werke: 3
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Kontakt 1+2

Vielen Dank f√ľr die Antwort und die hilfreichen Hinweise.
Ich glaube ich habe in die Geschichte zuviel hinein gepackt bzw. am Anfang nicht gewußt wo ich hin will. Die zum Schluß hatte ich die Idee, dass ein Pharma-Konzern Cyber-Menschen -- etwa wie die Borg in Raumschiff-Enterprise - digitalisiert und als "menschliche Computerviren" arbeiten läßt. Mit Melissa sollte nun erstmals das Experiment unternommen werden, dass sie sich während des Einsatzes verändert und wie Viren im menschlichen Körper immun gegen Antibiotika bzw. die Virenscanner im Computer wird. Das Experiment misslingt aber und der Virus fliegt hinaus in
die Welt als sogenannter Bug, der die Computer befällt.
Ich werde die Geschichte nochmals ver√§ndern. Wie ist denn in diesem Fall die Gepfogenheit bei Leselupe: Stellt man die √ľberarbeitete Geschichte nochmals auf die Plattform oder langweilt das die Leser?

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ahja. Sowas dachte ich mir schon. Es war wirklich eher der technische Aspekt, das, was im Computer passiert, wo ich nicht mehr mitkam…

√úberarbeitungen werden unterschiedlich behandelt: Wenn du den Text grundlegend √§ndest (was ich nicht f√ľr n√∂tig erachte), kannst du den alten Thread l√∂schen und den Text neu posten. Dabei gehen allerdings alle Kommentare und eventuelle Wertungen verloren. Oft wird deshalb einfach der Text dort wo er steht bearbeitet ‚Äď manchmal wird Kommentaren dann der Boden entzogen (was auf sp√§tere Leser verwirrend wirkt), aber das d√ľrfte hier √ľberschaubar bleiben.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Science Fiction Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!