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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Kontraste - Busfahren in Delhi
Eingestellt am 05. 12. 2018 22:53


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Claustrophob
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In einer Stadt wie New Delhi sind √∂ffentliche Busse schon sehr "speziell". Mal kommt Dir n√§chtens im Kreisverkehr ein Doppeldeckerbus in der falschen Richtung entgegen, unbeleuchtet nat√ľrlich, damit ihn die Polizei nicht sieht. Mal liegt einer umgekippt auf der Seite im Vorgarten eines Bungalows, wie ein gestrandeter Wal, weil er die Kurve zu schnell genommen und das √úbergewicht bekommen hat. Manchmal gibt es im Bus auch "bemerkenswerte" Begegnungen zwischen Mann und Frau. Meistens geschieht dies in Form des weit verbreiteten "eve teasings", schlicht ein besch√∂nigender Ausdruck f√ľr sexuelle Bel√§stigung, sofern man √ľberhaupt gewillt ist, hierin noch etwas Besch√∂nigendes sehen zu wollen. Manchmal passieren aber im voll besetzten Bus auch andere Dinge...

Heute hat sich Doris, unsere deutsche Freundin zu einem Besuch angek√ľndigt. Doris ist Studentin, blond, drall und mit einem erheblichen Vorbau ausgestattet, kurz der Traum eines jeden, nicht nur indischen, Mannes. Es klingelt. Als ich die T√ľr √∂ffne, sehe ich schon auf den ersten Blick, dass Doris nicht besonders gut gelaunt ist. Und das ist noch milde ausgedr√ľckt. Doris sch√§umt vor Wut. Sie ist au√üer sich √ľber das, was ihr auf der Busfahrt zu uns widerfahren ist.

Erlauben Sie mir einen kurzen Diskurs √ľber die Gepflogenheiten des √∂ffentlichen Nahverkehrs in Indien, wobei man das Wort Nahverkehr aufgrund des unvermeidlichen Gedr√§nges durchaus im doppelten Sinn verstehen kann. Also: Eine Menschenmenge steht an der Bushaltestelle und wartet auf den Bus. Sobald sich dieser n√§hert, sprinten die ersten los, um das noch anrauschenden Fahrzeug zu kapern und einen Platz zu erhaschen. Das ist nur deswegen m√∂glich, weil die Busse, zumindest in Delhi, keine T√ľren haben. Wenn der Bus dann endlich steht, st√ľrzt sich die gesamte Menschenmenge auf die beiden Eing√§nge und in einem unbeschreiblichen Gew√ľhl k√§mpfen sich die von drinnen nach drau√üen und die von drau√üen nach drinnen. Irgendwann ist der Bus voll. W√§hrend die Fahrg√§ste noch auf dem Treppchen stehen, setzt sich der Bus bereits in Bewegung. Die Letzten klammern sich mit beiden H√§nden an den kurzen Gel√§ndern des Eingangs fest und h√§ngen in einem Klumpen noch drau√üen. Wenn sich der Rest der Masse langsam noch hineinschiebt, gut. Wenn nicht, dann f√§hrt man halt drau√üen mit. Es wird schon nichts passieren.

In dieser Situation befindet sich also die liebe Doris auf dem Weg zu uns. Da sie hier schon etwas l√§nger lebt und die Lebensverh√§ltnisse kennt, hat sie sich angepasst und verf√§hrt nach dem bekannten Motto "If you are in Rome, do as the Romans do!" Nein, zimperlich ist sie nicht, und da sie immer noch genug deutsches Blut in sich hat und nicht gerne zu sp√§t kommen will, ergreift sie im Chaos ihre Chance und h√§ngt schlie√ülich als letztm√∂gliche Passagierin, w√§hrend der Bus bereits losf√§hrt, ganz au√üen am Ende der Menschentraube. Aber wenn sie denkt sie w√§re die letzte, irrt sie sich. Als der Bus sich anschickt, die Haltestelle zu verlassen, sprintet ein junger Mann los, besteigt als wirklich allerletzter den Bus - und Doris (wenn auch nur symbolisch). W√§hrend sich sie sich hilflos mit beiden H√§nden am Gel√§nder festhalten muss, was tut dieser unversch√§mte L√ľmmel? Er greift von hinten unter ihren Armen durch und h√§lt sich beidh√§ndig ungeniert an Doris' ausladenden Br√ľsten fest, f√§hrt ein paar Meter mit und springt dann ab, um blitzschnell im Stadtgew√ľhl zu verschwinden. F√ľr Doris ist es nun zum Abspringen bereits zu sp√§t. Zu schnell ist der Bus, und ohnedies w√§re es ein hoffnungsloses Unterfangen, dem frechen Kerl hinterherzujagen. Das also ist die Geschichte, die sie uns noch immer kochend vor Wut erz√§hlt, oder besser gesagt, ausspuckt, bevor wir ihr erst einmal einen Tee zur Beruhigung kochen.





Ja, Busfahren in Delhi ist schon sehr speziell. Als Mann bleiben mir solche Erlebnisse gl√ľcklicherweise erspart und selten, ganz selten gibt es sogar etwas Positives, etwas mit subtilem erotischem Touch zu berichten.

Es beginnt nicht ganz so subtil. Ich stehe an der Bushaltestelle beim Rashtrabhati Bhavan, dem Pr√§sidentenpalast, im Ohr die Gebetskl√§nge und das gesch√§ftige Treiben des Gurudwara Shri Rakab Ganj Sahib, des Sikh-Tempels hinter mir, in der Nase das typisch indische Gemisch von exotischen Gew√ľrzen, dem Rauch offener Feuer und Pisse und im R√ľcken den unvermeidlichen K√∂rperkontakt eines Mitreisenden - vor mir habe ich es ja im Griff, aber hinter mir beginnt Indien. Langsam w√§chst die Schlange. Ja, Sie haben richtig geh√∂rt: Eine richtige, ordentliche Schlange, fast wie in London. Vielleicht doch noch ein Erbe der alten kolonialen Vergangenheit des British Empire? Irgendwann, man hat es eigentlich nicht wahrgenommen, stehen da auch einige palavernde Frauen neben der Schlange, am Schmuck und den traditionellen Gew√§ndern unschwer als robuste Landfrauen aus dem Punjab zu erkennen. Die Schlange ist schon sehr lang, als der Bus endlich eintrifft. Beim Ausrollen, bricht die ganze sch√∂ne Ordnung zusammen und alle st√ľrzen in einem wilden Gew√ľhl in Richtung der T√ľren. Und jetzt kommt auch der Einsatz der Landfrauen. Zu meinem gro√üen Am√ľsement dr√§ngen sie sich ungeniert mit den Br√ľsten voran in die Menge, ohne sich die geringste M√ľhe zu geben, dem unvermeidlichen K√∂rperkontakt auszuweichen. In einer Mischung aus Panik, Verlegenheit und ein bisschen H√∂flichkeit weichen die M√§nner zur√ľck, machen Platz, und die "Damen" entern als eine der Ersten den Bus. In einem Land, in dem das K√ľssen auf der Stra√üe unter Strafe steht, K√ľsse selbst in den Kinofilmen verboten sind und Ber√ľhrungen zwischen Mann und Frau in der √Ėffentlichkeit gemieden werden, ist die Chuzpe dieser Frauen nat√ľrlich eine sehr effiziente Strategie, um sich im Chaos des Stadtgew√ľhls durchzusetzen. W√§hrend viele Tempel √ľber und √ľber bedeckt sind mit erotischen Figuren bei √§u√üerst expliziten sexuellen Handlungen in den exotischsten Varianten und ich auf dem Dach einer Bushaltestelle die Skulptur des Elefantengottes Ganpati entdecke, der zwei Frauen auf dem Scho√ü sitzen hat, wobei sein R√ľssel unter dem Sari der einen verschwindet, gelten f√ľr die Passagiere darunter andere Regeln.

Na ja, der Bus ist endlich losgefahren. Zuf√§llig habe ich auch noch einen Sitzplatz am Gang ergattert. Der Gang steht voller Leute und der Bus schwankt und rumpelt durch die zahlreichen Schlagl√∂cher. Dann bemerke ich die junge Frau im Sari neben mir im Gang. Ich biete ihr meinen Platz an und freue mich, dass sie mit einem zur√ľckhaltenden Kopfnicken, aber wortlos annimmt, ohne mich eines Blickes zu w√ľrdigen. W√§hrend ich nun stehe, kann ich sie unauff√§llig betrachten. Sie gef√§llt mir. Ein nettes Gesicht, den typischen Schmuck im Nasenfl√ľgel, goldene Ohrringe, gro√üe tiefdunkle Augen und den obligatorischen roten Punkt auf der Stirn. Sie schaut unbewegt in die Ferne. Ein Blickkontakt oder gar die Aufnahme eins Gespr√§chs verbieten sich unter den gegebenen kulturellen Gepflogenheiten von selbst. Der Bus r√ľttelt und sch√ľttelt und ich muss mich am Griff oben auf der Sitzlehne des Platzes vor der jungen Frau festhalten. Bei einem besonders harten Sto√ü sucht auch sie dort Halt und obwohl der Griff lang genug ist, h√§lt sie sich "zuf√§lligerweise" genau dort fest, wo sich bereits meine Hand befindet. Die Seite ihrer Hand liegt nun auf meiner. Es durchzuckt mich. Ich sehe jedoch keine Veranlassung, den Griff loszulassen, zumal ich instinktiv erwarte, dass sie sich im n√§chsten Moment wieder schnell zur√ľckzieht. Aber nichts passiert. Meine √úberraschung √§ndert sich in Verwunderung und ich bin etwas verunsichert. Ist das Absicht? Unm√∂glich, dass sie es nicht bemerkt. Ich wage einen kurzen Blick in Ihre Richtung. Sie wendet kaum den Kopf, als sie meinen Blick erwidert. Sie erwidert meinen Blick! Sie erwidert ihn nicht nur, sie h√§lt ihn auch. Wir schauen uns an in aller Offenheit. Keine Mimik verr√§t irgendetwas. Die Passagiere um uns herum scheinen nichts zu bemerken. Auch ich zeige keine Regung, vor allem, um sie nicht in der √Ėffentlichkeit in Verlegenheit zu bringen. Aber innerlich bebe ich. Diese kleine, unauff√§llige Geste ist f√ľr mich mehr als ein "shukria" oder ein "dhanjewad", ein freundliches Dankesch√∂n auf Urdu oder Hindi. Einige Stationen weiter steht sie pl√∂tzlich auf, schiebt sich im immer noch vollen Bus an mir vorbei, schaut mich noch einmal freundlich an und steigt aus. Weg ist sie.

Und ich Depp habe sie einfach gehen lassen! Aber noch heute, fast 40 Jahre sp√§ter, denke ich ab und zu noch an die Ber√ľhrung ihrer Hand, ihren Blick - und an sie.



__________________
Am Abend wird der Fleißige faul.
(Claustrophob)

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