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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Konzertmagen
Eingestellt am 12. 02. 2005 15:11


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plosiv
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Konzertmagen

Heute ist der Tag, auf den ich mich die letzten Wochen vorbereitet habe. Das erste Mal, dass jemand von au├čerhalb auf unsere Kunst aufmerksam geworden ist. Jemand, der uns h├Ârte, als wir mal wieder in eine vollkommene Leere spielten. Wenn ich auf der B├╝hne stehe, geblendet vom Scheinwerferlicht, sehe ich nicht in ein Publikum, ich schaue ins Dunkle. Und da ich nicht wei├č, wer einen h├Ârt, spiele ich mir die Seele aus dem Leib. Und w├Ąhrend ich spiele, stelle ich mir vor, wie das Publikum ausrastet, jubelt, feiert. Doch wenn kein, oder besser wenig Publikum da ist, verhallt der letzte gespielte Ton in der Leere und auch alle Vorstellungen und Ideen von einem jubelnden Publikum l├Âsen sich in Rauch auf. Wahr ist, dass wir von Zeit zu Zeit immer mehr Menschen mit unserer Musik ansprachen und auch das Feedback positiv ausfiel, dennoch ziehen wir mit unserem Namen niemand von der Couch, egal wie gut wir sind. Immer sind wir diejenigen, die sich bem├╝hen, neue Auftrittsm├Âglichkeiten zu erschlie├čen. Jetzt ist es also anders. Jemand, der uns geh├Ârt hat, hat uns engagiert. Eine andere Perspektive. Und sie schmeckt s├╝├č.

Ich habe den Tag begonnen, genauso wie ich jeden Tag beginne, der mit einem Konzert enden wird. Nach dem ersten Kaffee nehme ich mir vor, etwas f├╝r mich zu tun. Ich muss nicht unbedingt umwerfend sein, aber schlie├člich achtet das Publikum auf mich, auch wenn ich als Bassistin eher im Hintergrund zu finden bin. Dies ist ein Umstand, der mich nicht weiter st├Ârt, der allerdings nicht dazu animieren sollte, sich gehen lassen zu k├Ânnen. Also erstmal eine ausgiebige Dusche mit anschlie├čendem kompletten Sch├Ânheitsprogramm. Je wohler ich mich in meiner Haut f├╝hle, desto gel├Âster werde ich spielen. Im Verlauf der Stunden wurde ich immer nerv├Âser, mein K├Ârper kribbelt,ein Gef├╝hl wie 'verliebt-sein', und meine Gedanken kreisen um Organisatorisches. Ich dachte an Vieles, und gegen Mittag musste ich mich mit Anderem ablenken.

Ich habe ein Brot gebacken. Ein s├╝├čes Brot, in Erwartung an den Abend. Mein Magen ist vor Nerv├Âsit├Ąt so gro├č wie eine Walnuss, doch backen beruhigt mich immer an einem Konzerttag. Der erste Duft des Brotes stieg mir in die Nase, und ich geno├č die friedlichen Assoziationen, die mich dann immer wieder anfallen, und mich beruhigen.

Und nun stehe ich vor der Backform, die ich vergessen hatte einzufetten, und k├Ąmpfe mit zitternden Fingern und hoch gereizt mit dem Brot, das sich nicht aus der Form bringen lassen will!

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Astrid
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

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Das Wort "Konzertmagen" gef├Ąllt mir sehr und hat mich neugierig gemacht, deinen Text zu lesen. Ich finde es faszinierend, weil auch bei mir das Brotbacken (neuerdings) eine Rolle spielt. Auch ich habe heute Brot gebacken. Die letzten drei Zeilen sind f├╝r mich am st├Ąrksten, wie du versuchst, das Brot aus der nicht eingefetteten Form zu retten, sagt soviel aus ├╝ber deinen Gef├╝hlszustand, obwohl es ja "nur um das Brot" geht, das ist dir gut gelungen. Voher h├Ątte ich gern mehr erfahren, wie du einen Konzerttag gew├Âhnlich beginnst, wie es ist, wenn du auf der B├╝hne stehst, (auch mir rutscht immer wieder mal ein "man" durch), wie du dir die Seele aus dem Leib spielst...
Also guten Appetit auch weiterhin. Ich werde nun auch dem Brotduft folgen und mich ├╝ber das gebackene Brot in meiner (leider) eingefetteten Backform hermachen.

__________________
Astrid

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plosiv
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Hallo Astrid,

Danke f├╝r deinen Beitrag, habe einige Ver├Ąnderungen vorgenommen, gef├Ąllt mir jetzt auch besser. Mir war garnicht so bewusst, wie h├Ąufig ich 'man' benutzte und mich damit meinte!
Das Konzert war ein voller Erfolg! Und das Brot habe ich auch retten k├Ânnen.

Gr├╝├če

p.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo plosiv,
dein Text ist sehr interessant und sprachlich
rund. Am Ende k├Ânnte die ├ťberleitung etwas
geschickter gemacht werden. Vielleicht den letzten
Satz einleiten mit "Doch dieses Mal..."?
Eine weitere Stelle noch:

quote:
Dies ist ein Umstand, der mich nicht weiter st├Ârt, der allerdings nicht dazu animieren sollte, sich gehen lassen zu k├Ânnen.
Stimmt grammatikalisch nicht ganz.
entweder "mich gehen zu lassen" oder "sich gehen zu
lassen".
Der Titel "Konzertmagen" sitzt!
Viele Gr├╝├če,
Denschie

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Astrid
Manchmal gelesener Autor
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Hallo plosiv,

ich freue mich, dass es dir gelungen ist, den Konzertmagen so viel pers├Ânlicher werden zu lassen. Es war ein ganz anderes Leseerlebnis, weil ich viel mehr auch von dir nun erfahre.

Nun kann ich mit dir auf der B├╝hne stehen. Manchmal hakt es vielleicht, weil sich das man nicht problemlos einfach durch ich ersetzen l├Ąsst, z.B. Und da ich nicht wei├č, wer einen h├Ârt, (mich h├Ârt) spiele ich mir die Seele...

...der Stunden wurde (Pr├Ąsens finde ich st├Ąrker, allerdings werde auch ich immer wieder darauf hingewiesen. Doch du schreibst ja auch im Pr├Ąsens weiter... mein K├Ârper kribbelt,ein Gef├╝hl wie 'verliebt-sein', und meine Gedanken kreisen um Organisatorisches. Ich dachte (denke)an Vieles, und gegen Mittag musste (muss)ich mich mit Anderem ablenken.

Ich habe ein Brot gebacken. Ein s├╝├čes Brot, in Erwartung an den Abend. Mein Magen ist vor Nerv├Âsit├Ąt so gro├č wie eine Walnuss, doch backen beruhigt mich immer an einem Konzerttag. Der erste Duft des Brotes stieg (steigt) mir in die Nase, und ich geno├č (genie├če) die friedlichen Assoziationen, die mich dann immer wieder anfallen, und mich beruhigen.

Und nun stehe ich vor der Backform, die ich vergessen hatte einzufetten, und k├Ąmpfe mit zitternden Fingern und hoch gereizt mit dem Brot, das sich nicht aus der Form bringen lassen will!

Freue mich ├╝ber die vielen Klicks, die deinen Text aufgerufen haben. Habe gestern auch Kaltes Wasser gelesen und bin versunken darin, doch dazu an anderer Stelle mehr, muss jetzt wieder...
Gl├╝ckwunsch auch noch f├╝r das gelungene Konzert und noch einen sch├Ânen wei├čen Tag.
Astrid
__________________
Astrid

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