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Leselupe.de > Humor und Satire
Kopfball!!!
Eingestellt am 08. 04. 2004 15:08


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Marc Olivier
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„...ein weiter Abschlag von Kohn...Bullock stoppt mit der Brust...und gibt den Ball mal wieder zur├╝ck zu Tiramizu...“, st├Âhnte der entnervte Reporter.

„Verdammt noch mal!“, br├╝llte Frank. Er schlug mit der Faust auf den Tisch und das halb gef├╝llte Weizenglas kam bedrohlich ins Wanken. Mit einem schnellen Griff hatte er es gefasst und die Katastrophe war abgewendet.
„Wenn er diesmal wieder das Bier auf dem Teppich verteilt, werde ich zur Furie“, dachte seine abgemeldet neben ihm sitzende Freundin Monika, sagte aber nichts. „Nur keine schlafenden Hunde wecken!“
„Himmel Herrgott! Leute! So geht’s doch nicht!“, br├╝llte er den Fernseher an.
„Ob er manchmal hofft oder denkt, dass die Spieler ihn h├Âren?“
„Es ist doch ganz einfach! Wenn ihr Tore schie├čen wollt, dann m├╝sst ihr auch in die richtige Richtung spielen, n├Ąmlich nach vorne. Nicht nach hinten. Bullock, du Penner!“ Seine Stimme hatte sich inzwischen ein paar Mal ├╝berschlagen.
„Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis die Krause, die alte Schachtel, wieder gegen die Wand h├Ąmmert!“
„Nach vorne, nach vorne!“ Frank hatte mit seinen H├Ąnden eine Fl├╝stert├╝te um seinen Mund gebildet.
„Ob er sich w├╝nscht, dass sie ihm auch mal antworten.“

„Abseits!“, rief der h├Ârbar erleichterte Reporter. „Gott sei Dank! Das w├Ąre gef├Ąhrlich geworden f├╝r die Bauern aus M├╝nchen!“

„Gl├╝ck gehabt, ihr Weicheier!“ Frank dachte offenbar nicht im Geringsten daran, seinen Ton zu m├Ą├čigen. Also beschloss Monika, ihn abzulenken.
„Du hast mir noch nie erkl├Ąrt, wann Abseits ist und wann nicht.“
Frank blickte sie entsetzt an, nun konnte sie seine Funken spr├╝henden Augen in voller Pracht bewundern, da er sie in seiner Fassungslosigkeit ob der inkompetenten St├Ârung seiner Freundin bis zu den Augenbrauen aufgerissen hatte.
„Nee, hab ich auch nicht“, fauchte er sie an. „Und wei├čt du auch warum? Weil ich noch nie eine Frau getroffen habe, die es geschnallt h├Ątte. Da rede ich mir bei Dir auch nicht den Mund fusselig!“ So sprach er und wandte sich wieder dem Spiel zu.
„Bl├Âdes Arschloch!“
„Nach vorne, nach vorne!“, wiederholte er sein hysterisches Gebr├╝ll.
Monika schnappte sich beleidigt die neben ihr liegende Zeitung und begann, das Kreuzwortr├Ątsel zu l├Âsen. Eine ganze Weile half es, das Benehmen ihres Freundes zu ignorieren, der weiterhin ungeniert herumbr├╝llte. Schlie├člich stockte sie bei einem „Brasilianischen Fu├čballer“ und noch einem Wort. Sie entschloss sich, Frank danach zu fragen. Nur um zu sehen, ob sie an diesem Abend noch z├Ąrtliche Zuwendung erwarten durfte.
„Brasilianischer Fu├čballer mit sieben Buchstaben?“, warf sie schlie├člich gespannt in den Raum.
„Schwuchtel!“, war die lautstarke Antwort. Allerdings wusste sie nicht, ob er sie geh├Ârt oder wieder einen der Spieler beschimpft hatte. War auch egal, denn es passte sowieso nicht. Einen Versuch startete sie noch:
„Amerikanischer Gangster mit vier Buchstaben. Der Erste ist ein B“
Frank hatte den Blick vom Fernseher abgewandt. Diesmal konnte sie also sicher sein. Er hatte sie geh├Ârt. „Was?“, fragte er genervt.
„Amerikanischer Gangster mit vier Buchstaben. Der Erste ist ein B“, wiederholte sie.
„Wei├č ich nicht!“ Er winkte energisch ab. Damit war die Konversation beendet.
Die Stimme des Reporters wurde nun lauter. Das h├Ârte Monika sogar durch das Gebr├╝ll ihres Freundes.

„...Traumpass Bullock!“

„Ja! Ja! Ja!“
„Jetzt denkt die alte Krause bestimmt, wir poppen. Mistkerl, verdammter!“Sie stand auf. Es war genug. Zeit, ins Bett zu gehen.

„Gelber l├Ąuft frei aufs Tor zu! Nur noch der Torwart vor ihm!“

Frank sprang auf und rammte brutal den Tisch. Das Bier kam wieder ins Straucheln.

„Nein!“, schrie der Reporter.

„Neeeeiiiin!“, schrie Frank.

„Er verstolpert den Ball! Wo gibt’s denn so was?“ Der Reporter hatte die Lautst├Ąrke Franks erreicht. „Heide braucht den Ball nur noch aufzupfl├╝cken und ihn ins Feld zur├╝ckzuschlagen!“

Frank fiel auf die Knie. Er reckte seine Arme nach oben und richtete den Blick gen Himmel.
„Lieber Gott! Lass mich nur einmal mitspielen, damit ich den Kerlen zeigen kann, wie es geht!“
Er sah einen Blitz vor seinen Augen und sp├╝rte dessen elektrische Energie durch seinen K├Ârper rasen. Schlie├člich hatte er nur noch eine dichte wei├če Rauchwolke vor sich. Das erste, was er wieder h├Ârte, war das Geschrei und das gellende Pfeifkonzert der Zuschauer. Als sich der Rauch endlich auch verzogen hatte, blickte er fassungslos um sich. Er kniete nicht mehr auf seinem Wohnzimmerboden, sondern stand inmitten des Ansto├čkreises. Panisch blickte er um sich. ├ťberall Blitzgewitter, tosender L├Ąrm aus tausenden hasserf├╝llten Kehlen. Er begann zu frieren. Kein Wunder, im kurz├Ąrmligen und –hosigen Dress des CF Bauern M├╝nchen. Pl├Âtzlich bekam er den Ball gegen die Brust, woraufhin dieser vor ihm zum Liegen kam. Santa Fe raste an ihm vorbei und br├╝llte: „Gasse! Gasse!“ Jetzt wurde ihm klar: Seine Gebete waren erh├Ârt worden! Aber bevor er zum t├Âdlichen Pass ansetzen konnte, war das letzte, was er sah, die zwei gegnerischen Spieler, die, Stollen voran, auf ihn zugeflogen kamen. Bevor er ohnm├Ąchtig wurde, sp├╝rte er noch, wie die Knochen in seinem K├Ârper ordentlich durcheinander gebracht wurden. Mit dem Sturm der Entr├╝stung, der durch die Zuschauermassen ging, fiel er in einen tiefen Schlaf .

In einem fernen Land, in dem er sich nun eine ganze Weile mit exotischen Sch├Ânheiten am├╝siert hatte, sie durch die Palmen gejagt und durchgekitzelt hatte, aus Kokosnussschalen k├Âstliche Cocktails geschl├╝rft und frische Fr├╝chte von B├Ąumen gepfl├╝ckt hatte, begann pl├Âtzlich seine rechte Ellenbeuge schlimm zu jucken. Er kratzte sich wieder und wieder, doch es half nichts.
Schlie├člich erpackte ihn eine fremde Macht, der er sich nicht zu widersetzen vermochte. Sie riss ihn aus seiner von den Sch├Ânheiten mit Palmwedeln umringten Liege heraus. Er flog direkt gen Himmel. „Ich komme wieder!“, war das Letzte, was er seinen Dienerinnen noch hatte zurufen k├Ânnen.
„Wartet auf mich!“, br├╝llte er die wei├č gekleidete Frau neben seinem Bett an. Diese zuckte zusammen und sah ihn erschrocken an.
„Ah, da sind sie ja wieder!“ Sie l├Ąchelte ihn nun freundlich an.
Frank blickte sich irritiert um. „Wo bin ich?“
„Im Krankenhaus! Ich bin Schwester Julia. Bleiben sie einen Moment ruhig liegen. Ich muss ihre Infusion erneuern.“
Das also war das Jucken. Aber wo war er? Und vor allem: Wer war er?
„Was ist passiert?“
„Sie erinnern sich nicht?“ Besorgnis lag in der Stimme der Krankenschwester.
„Sie sind auf dem Platz bewusstlos geworden. Tut ihnen denn etwas weh?“
Frank horchte in sich hinein und er sp├╝rte tats├Ąchlich etwas.
„Mein Bein tut h├Âllisch weh!“
„Kein Wunder! Es war ja auch mehrfach gebrochen! Aber unsere ├ärzte haben es operiert und gut hingekriegt!“
Frank war ratlos. Er konnte sich zwar langsam wieder an das v├Âllig absurde Erlebnis der Transformation in das Champions-League-Spiel erinnern. Aber was ging hier vor sich?
„Wo ist Monika?“, fragte er schlie├člich.
„Wer?“ Sie begriff offensichtlich nicht.
„Monika. Meine Freundin.“
Die Schwester zuckte etwas zusammen und wirkte pl├Âtzlich unverst├Ąndlich versch├Ąmt.
„Sie sind doch verheiratet! Ich wei├č jetzt nicht so recht, was ich davon halten soll. Ihre Frau hei├čt n├Ąmlich anders, Herr Bullock.“
„Ich bin doch nicht verheiratet. Was faselt die da f├╝r einen Mist?“, dachte er. Seine Freundin hie├č Monika. Er wohnte mit ihr zusammen. Er war doch nicht verr..... Moment mal.
„Wie haben sie mich eben genannt?“
„Ich habe sie gar nichts genannt.“ Julias Verwunderung wurde immer gr├Â├čer.
„Nein, ich meine, mit welchem Namen sie mich angesprochen haben?“
„Herr Bull...“, sie z├Âgerte. „Herr Bullock“, wiederholte sie seinen Namen ganz vorsichtig. „Ich glaube, ich rufe besser den Arzt.“
In diesem Moment flog die Zimmert├╝r auf und eine Frank nicht bekannte, aber sehr attraktive Frau st├╝rzte herein und begann, ihn anzuschreien.
„Ich habe alles mitgeh├Ârt. Du Schwein! Wie hei├čt die Schlampe? Maria?“
„Monika“, berichtigte Frank h├Âchst erstaunt.
„Monika also! Werde doch gl├╝cklich mit dem Flittchen! Hoffentlich kommst du nie wieder auf die Beine! Der Rollstuhl soll dein Schicksal werden, du verdammter Saukerl!“
Die Frau wirbelte herum, rannte aus dem Zimmer und warf die T├╝r mit einem lauten Knall hinter sich zu. Er h├Ârte sie drau├čen weiterschreien. „Schwein! Sau! Drecksack!“
Frank blickte h├Âchst irritiert zu der Schwester.
„Was....?“ Mehr brachte er im Moment nicht heraus.
Julia blickte versch├Ąmt unter sich. „Es tut mir wirklich sehr leid. Das wollte ich nicht.“ Sie ging in Richtung T├╝r. „Ich werde jetzt den Arzt holen.“ Dann verschwand sie.
„Ich bin Frank Neumann. Ich wohne in der Gartenstra├če 14 in Frankfurt mit meiner Freundin Monika“, br├╝llte er hinterher. „Glaubt mir denn keiner? Was zum Teufel ist hier los?“
Was zum Teufel war hier los? Warum sagte die Schwester Bullock zu ihm? Warum hatte ihn diese fremde Frau so angebr├╝llt und ein Schwein geschimpft?
Doch er konnte sich keine weiteren Fragen stellen, denn die T├╝r wurde vorsichtig ge├Âffnet. Ein grobschl├Ąchtiger Mann mit Halbglatze trat ein. Ihm folgte ein gr├Â├čerer, hagerer mit graumelierten Haaren. Sie stellten sich ans Fu├čende seines Bettes.
„Die Schwester hat gesagt, wir d├╝rfen dich nur kurz besuchen. Es ginge dir noch nicht so gut.“, sagte der Mann mit der Halbglatze.
Frank h├Ątte nicht gedacht, dass es noch absurder werden w├╝rde. Um sicherzugehen, kniff er die Augen fest zusammen und sch├╝ttelte sich. Als er die Augen wieder ├Âffnete, waren sie immer noch da. Er konnte es kaum fassen, aber sie waren es tats├Ąchlich:
Olli Hannes und Volkmar Witzbold!
„Ich bin nicht Bullock!“, japste er, denn die Situation nahm ihn nun ganz sch├Ân mit. „Ich bin Frank Neumann, wohnhaft Gartenstra├če 14 in Frankfurt.“
„In Frankfurt?“ Olli Hannes glaubte ihm auch nicht, das sp├╝rte er sofort. Die beiden Bauern-Koryph├Ąen steckten die K├Âpfe zusammen.
„Hat der Gutreis irgendwas gesagt, das er auch was am Kopf abgekriegt hat?“, fl├╝sterte Witzbold, aber Frank konnte es verstehen.
„Ich bin nicht verr├╝ckt.“, platzte Frank heraus. „Ihr seid verr├╝ckt! Ich steh jetzt auf und gehe nach Hause!“ Er versuchte, sich gewaltsam von der Infusion zu befreien und aufzustehen. Hannes st├╝rmte auf den Flur. „Schwester! Schwester! Schnell! Er flippt aus!“ Im Nu war das Zimmer voll mit Wei├čkitteln, die ihn aufs Bett zur├╝ck dr├╝ckten. Der Arzt rammte ihm eine Spritze in den Arm. Es dauerte nicht lange und er war wieder zur├╝ck im fernen Land.
Er durchlebte es noch einmal, traf wieder die exotischen Sch├Ânheiten, schl├╝rfte Cocktails und wurde schlie├člich wieder hinauskatapultiert.
„Schwester Julia?“
Sie erschrak sich zu Tode. „Woher kennen sie meinen Namen?“, fragte sie ihn schlie├člich sichtlich ├╝berrascht.
Er ├╝berh├Ârte die Frage. „Bin ich wieder im Krankenhaus?“
„Wieder?“
„Ja. Ich war doch schon mal da. Wissen...“ Er hielt augenblicklich inne, da ihm klar geworden war, wie v├Âllig unsinnig das alles klingen musste.
„Ich glaube, ich hole den Arzt.“, beschloss die Schwester.
„Oh nein, bitte nicht.“ Panisch packte er sie am Arm, lie├č sie aber gleich wieder los und versuchte, sich zu beruhigen.
„Was ist passiert?“, fragte er sie wieder einmal.
„Ihre Freundin hat sie mit einem leeren Bierglas niedergeschlagen.“
„Monika? Wo ist sie?“
Julia z├Âgerte.
„Wo ist sie?“, wiederholte Frank.
„Dazu muss ich ihnen etwas sagen.“ Ihre Stimme wurde sehr sanft. Sie legte ihre Hand auf die seine. „Sie hat gestern hier angerufen und uns gebeten, ihnen, sobald sie wieder bei Bewusstsein sind, auszurichten, dass sie sie nie wieder sehen will.“
„Nie wieder?“, Franks Stimme wurde br├╝chig.
„Nie wieder! Und sie sei froh, in U-Haft zu sitzen, dann k├Ânne es n├Ąmlich auch nicht zuf├Ąllig auf der Stra├če passieren.“
Frank verfiel in tiefes Schweigen. Wie konnte es blo├č so weit kommen? Er begann, nachzudenken. Doch lange brauchte er nicht, bis er zu einem Ergebnis kam.
„Schwester?“ Sein Ton war schwer und bedeutungsvoll.
„Ja, Herr Neumann?“
„Sagen Sie dem Arzt, ich will die st├Ąrkste KO-Spritze, die er auftreiben kann.“

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flammarion
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das nenne ich humor. mach mal so weiter!
ganz lieb gr├╝├čt
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Marc Olivier
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hallo flammarion

Hallo Flammarion,

vielen Dank f├╝r Dein Feedback, ich werde mein Bestes tun. Ich m├Âchte noch anf├╝gen, da├č die Geschichte einer gewissen Selbstironie nicht entbehrt. Aber auch nur einer gewissen, denn bisher hat mir meine Freundin noch nie mit einem Weizenglas oder irgendeinem anderen Gegenstand 'nen Scheitel gezogen. Ferner wehre ich mich prophylaktisch gegen m├Âgliche Versuche, mich des FC Bayern-Fanatismus zu bezichtigen.
Ich hoffe, der Leser nimmt keinen Ansto├č am Kalauer am Ende der Story. Normalerweise mag ich das auch nicht. Aber ich dachte mir: "Hey, hier geht's um Fu├čball!"
__________________
Die Zeiten sind hart aber modern!

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