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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Kopieren oder kapieren? (Für die Texarbeiter)
Eingestellt am 14. 06. 2005 17:25


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MDSpinoza
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Kopieren oder kapieren?

Ist „Information“ = „Wissen“?

Wissen ist das Resultat eines Denkprozesses. Einen neuen Gedanken selbst zu erdenken oder die Gedanken anderer Menschen nachzuvollziehen, also zu lernen, führt zu Wissen. Das geht nicht ohne eigene Leistung.
Wer seine Mathematikaufgaben auch nur einmal im Leben selbst gelöst hat, weiß das (Aha! Wieder ein Gedankenprozeß, noch dazu ein selbständiger!). Der hat auch nur selten Probleme, dieselbe Aufgabe an der Tafel oder ähnliche in der Klassenarbeit zu lösen (Von Schüchternheit oder Prüfungsangst einmal abgesehen). Wer allerdings gewohnheitsmäßig seine Hausaufgaben nur von anderen abschreibt, lernt auf die harte Tour den Unterschied zwischen Information und Wissen kennen. Er steht blaß und bleich an der Tafel oder sitzt mit Magenkrämpfen vor dem leeren Blatt Papier und hat keinen blassen Schimmer, was er nun tun solle. Die Aufgabe und der Text des Lösungsweges sind Information, der Rechengang allerdings ist Wissen, und der erschließt sich nicht aus der Information, sondern nur aus den involvierten Gedankengängen. Das heißt, das vollständige Vorhandensein der Information bedeutet nicht, daß man auch über das Wissen verfügt, sie zu gebrauchen.
Dies gilt universell für alle Arten von Information und Wissen. Ein Buch im Schrank stehen zu haben bedeutet nur, daß man über Information verfügt. Wissen eignet man sich frühestens an, wenn man das Buch auch liest.
Wissen zu schaffen bedeutet, eine schöpferische Handlung zu vollziehen. Sei es künstlerische Inspiration, sei es wissenschaftliche Forschung, sei es eine Ingenieursaufgabe, sei es Brötchen zu backen, aus Wissen Information zu schaffen bedeutet, eine Leistung zu erbringen. Wer eine Leistung bringt, hat ein Recht darauf, für diese Leistung entlohnt zu werden. Was dem Fabrikarbeiter recht ist, ist dem Musiker oder Literaten ebenso billig wie dem Architekten oder Physikprofessor. Die Entlohnung von Künstlern, Literaten, Architekten und ähnlichen freien Unternehmern bemißt sich nach dem Verkaufspreis seiner Produkte. Wenn der Architekt seinem Klienten einen Plan verkauft, oder der Künstler über die Plattenläden seine CDs, ein Teil des Geldes fließt dem Vertrieb zu (Beim Musiker mehr, denn der Vertriebsaufwand ist auch ein etwas anderer als beim Architekten), ein Teil bleibt dem Künstler (Der Staat frißt auch einen Teil, aber das ist ein anderes leidiges Thema).
Zu fordern, daß kreative Menschen ihre Arbeit kostenlos anderen zur Verfügung zu stellen haben bedeutet, ihnen den ihnen zustehenden Lohn zu versagen. Sie mit anderen Worten, zu enteignen. So nebenbei bedeutet das auch, das nette Mädel an der Kasse vom Plattenladen um ihren Lohn zu bescheißen, denn ihr Gehalt wird auch aus dem Verkaufspreis der CD bezahlt, die ihr umsonst kopieren wollt.
Von der Idee zu einem Musikstück bis zur CD bedarf es einer ganzen Reihe kreativer Leistungen, die mit dem Verkaufspreis der CD abgegolten wird. Weder das Umformatieren von .wav zu mp3 noch das Kopieren der .mp3 sind hingegen kreative Leistungen. Wer sich also zum Filesharing bekennt, bekennt sich damit auch zum hirnlosen Konsum. Auch wer ein Buch als .pdf kopiert hat es damit noch lange nicht gelesen, geschweige denn verstanden. Auch dann nicht, wenn es eine Habilitationsschrift ist oder die Bibel. Das Kopieren von Information vermittelt also kein Wissen.
Ein revolutionärer Vorschlag: wenn euch das Kaufen der CD zu teuer ist, warum hockt ihr euch dann nicht zusammen und singt selber? Ach, könnt ihr nicht?

Für die inhaltliche Diskussion gibt's nochmal denselben im Forum Lupanum
__________________
Lieber ein verführter Verbraucher als ein verbrauchter Verführer...

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

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Hallo MD Sp.,

wir leben - dein Text bringts auf'n Punkt - nicht in einer Wissens-, sondern einer "Informationsgesellschaft". Nicht das Wissen nimmt zu, lediglich die Informationsmenge. Oder die Informationsflut: Einstens ersaufen wir drin. Bis dahin lähmt sie das Denken.

P.

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dan
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

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hallo!

der text gefällt mir - besonders die schlussbemerkung ;-)
(da fällt mir ein: wann habe ich eigentlich das letzte mal gesungen? ich glaube in der 6. klasse, ab da gabs dann nur noch 'playback' *g*)

was du als 'wissen' bezeichnest, würde ich vielmehr als fähigkeit bezeichnen probleme zu lösen.
'wissen' wird i.a. als die 'information' bezeichnet, die man blindlings 'runterrasseln' kann - also information, die man sich zueigen gemacht hat (das viele zeug auf der 'festplatte')
das eine bedingt das andere: wer viel reines 'wissen' besitzt wird es leichter haben schlüsse zu ziehen (= zu denken). wer viel reflektiert, die dinge in frage stellt, wird zu neuen erkenntnissen gelangen.

ein bsp. (aus der chemie - keine angst, es ist leicht *g*):

ich habe mir informationen zu magnesia-pulver (das weiße zeug für schweißige hände beim turnen/klettern) angeeignet (=etwas darüber gelesen). d.h. ich 'weiß' etwas darüber (physikalische daten, reaktionen mit anderen stoffen, etc.)
ich besitzte die 'fertigkeit' (= das praktische wissen) es selbst herzustellen, indem ich magnesium verbrenne (weil ich schon viele dinge verbrannt habe - inkl. meiner hand).

ich 'kenne' (=wissen) auch das konzept der chemischen reaktion und der atombindung (jahrelanges studium).

über das element titan habe ich keine weiterführenden informationen, außer dass es wie magnesium ein metall ist.

ich besitzt aber die fähigkeit probleme zu lösen (ich wende mein wissen und die konzepte an): wenn ich titan verbrenne, wird das ergebnis ein ähnliches sein, wie beim magnesium. es wird z.b. keine flüssigkeit dabei entstehen.

will sagen: der vorgang des kreativen, des anwendens, des problemlösens - schlicht des denkens - ist MEHR als wissen!

gruß dan

__________________
(c) by dan

ein gutes buch genügt

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