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Leselupe.de > Kurzprosa
Kotflügel
Eingestellt am 09. 06. 2017 20:03


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rothsten
???
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Eine Elster hatte keine Flügel, sie war eine Missgeburt. Ihre Familie hatte sie deswegen verstoßen, Freunde hatte sie keine. Unter nicht näher zu klärenden Umständen hatte sie ihre Kindheit dennoch überlebt. Nun lebte sie im Park und hüpfte von Mülleimer zu Mülleimer. Selten fand sie Fressbares, geschweige denn Sachen, die ihr bekämen. Es ging ihr schlecht, sie litt Hunger und Krankheit. Die anderen Elstern verlachten sie, denn sie konnte kein Nest bauen in den Baumkronen, kein Nest einrichten aus Tand mit Glitzer und all dem anderen Flitter, auf den Elstern für gewöhnlich Wert legen. Ihr war elend und sie war allein.

Die Zeit verging, die Elster überlebte weiter und weiter und wurde weiser. Von den Menschen hatte sie sich abgeguckt, dass man etwas Rundes auf den Weg legen und irgendwas Auffälliges machen muss, um beschenkt zu werden. Mit ein bisschen Glück wirft einem jemand sogar etwas Hartes zu, das im Sonnenlicht leuchtet.
Eines Tages spazierte eine wunderschöne Frau mit einem wunderschönen Hund an ihr vorbei. Es war ein Chihuahua, so flauschig zart, so wohlduftend, so edel und so rein. Nie zuvor hatte die Elster ein solch vornehmes Geschöpf gesehen. Es war, als ob es mit Brillanten gefüttert würde. Sie erkannte ihre Chance, auf solch einen Moment hat sie ihr Leben lang gewartet. Sie war bereit. Neben dem Mülleimer, bei dem sie wohnte, hatte sie eine Art Nest gebaut aus dem, was die Menschen in den Korb geworfen hatten und das sie durch das Gitter dort hinausziehen konnte.

Es ging los, jetzt musste alles stimmen. Als die Frau und der Hund sie passierten, vollführte sie ihren besten Tanz. Sie hielt ihren Kopf schräg nach unten. Ein Bein zog sie hoch, auf dem anderen hüpfte sie auf der Stelle, während sie ein Augenlid zukniff und den Schnabel in einer Weise wieder und wieder öffnete, als ob sie stumm krächzte.
Die Frau schritt achtlos vorbei, doch der Hund sah sie an und bekam Mitleid. Er bockte kurz, so dass die Frau innehielt. Dann schnüffelte er am Boden, scheinbar ohne Richtung, aber nur um zu kaschieren, dass er ein konkretes Ziel verfolgte. Am Nest der Elster angekommen, setzte er sich dort hinein, buckelte sein Kreuz und verrichtete sein großes Geschäft darin. Direkt in ihr Nest! Erst erschrak die Elster, denn sie wusste nicht, wie ihr geschah. Dann aber erkannte sie sein Geschenk. Was aus dem After eines solch wundervollen Geschöpfes in ihr Nest darnieder prasselte, mussten Sternschnuppen sein. Diese Exkremente konnten keine gewöhnlichen Köttel sein, nein. Diese Köttel waren mit Diamantenstaub gepuderte Köttel! Und sie gehörten ihr, ihr ganz allein!

Sie klebte sich die scheinbar glitzernden Haufen an ihre Flanken und flog davon. Nun war sie eine Prinzessin! Zum Dank kackte sie der überzüchteten Lichtgestalt auf den Kopf, um es zu krönen. Die anderen Elstern beobachteten sie genau und erkannten, dass die Elster, die sie stets verlacht hatten, sich nunmehr in schieres Licht gehüllt haben musste, denn alles an der wunderschönen Frau glitzerte brillant und alles an oder aus ihrem Hund müsse folglich ebenso brillant sein. Gekrächze! Federflug! Neid und Wut! Sämtliche Elstern des Parks stürmten zugleich auf das Sternenwesen, wollten auch etwas von seiner glitzernden Scheiße haben. Der Köter bellte, die Frau schrie, das Tier drehte sich wie irre im Kreis und um die eigene Achse, überall Elstern! Sie flatterten, sie kreischten, sie unternahmen alles, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Einige hackten ihm sogar ins Gesäß, um seine Verdauung zu stimulieren. Der Hund überlebte es nicht, sein Zuchtherz war zu schwach, es vertrug keine große Aufregung. Er starb an Herzschlag. Nie wieder würde er Brillanten scheißen. Die Missgeburt von einst sollte die einzige Prinzessin bleiben, die er aus seiner Scheiße gemacht hatte. Die arme Elster aber hatte nun Kotflügel und ward fortan der geachtetste Rabenvogel des ganzen Parks.



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Wipfel
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Hi rothsten, klingt wie eine Fabel, dein Text. Ist ja schon eine Weile her, dass du ihn geschrieben hast. Lang genug, um ihn zu entstauben? Zu viel Gewese, wie ich finde.

quote:
Eine Elster hatte keine Flügel, sie war eine Missgeburt. Ihre Familie hatte sie deswegen verstoßen, Freunde hatte sie keine. Unter nicht näher zu klärenden Umständen hatte sie ihre Kindheit Dennoch überlebt. Nun lebte sie im Park und hüpfte von Mülleimer zu Mülleimer. Selten fand sie Fressbares, geschweige denn Sachen (?), die ihr bekämen. Es ging ihr schlecht, sie litt Hunger und Krankheit. Die anderen Elstern verlachten sie, denn sie konnte kein Nest bauen in den Baumkronen, keines Nest einrichten aus Tand mit Glitzer und all dem anderen Flitter, auf den Elstern für gewöhnlich Wert legen. Ihr war elend und sie war allein.

So würde ich den Text durchschütteln.
Grüße von wipfel

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