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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kreislauf des Hasses
Eingestellt am 01. 05. 2011 20:17


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Emily Cornely
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2011

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Kreislauf des Hasses



Der Schlag trifft mich mit voller Wucht mitten ins Gesicht. Sofort pulsiert die betroffene Stelle, ich spĂŒre wie mein Auge anschwillt.
Der nĂ€chste Schlag folgt auf meinen Hinterkopf. Er lĂ€sst mich zu Boden gehen. Wie ein Blitz durchzuckt mich der Schmerz. Sie tritt in meinen Unterbauch. Wieder ein Blitz. HĂ€tte ich einen Wunsch frei, so wĂŒnschte ich mir eine Ohnmacht, um diesen Schmerz nicht weiter ertragen zu mĂŒssen. Tritte in den Bauch, Beschimpfungen, ich werde bespuckt. Was um alles in der Welt geht nur in diesem MĂ€dchen vor?
Ich habe gesessen, auf der Holzbank, mitten im Park bei strahlendem Sonnenschein und gelesen. Ich richtete nur kurz die Augen auf von meinem dicken Buch, um ihnen ein paar Sekunden Entspannung zu gönnen von dem starren Blick auf die Buchstaben. Ich sah direkt in das gleisende Licht der Sonne, als ich sie hörte. "Was glotztŽn so blöde? Willste in paar, oder was is los?!"
Ich erkannte nicht, woher diese wĂŒtende Stimme kam oder wen sie ĂŒberhaupt ansprach, denn die Sonne tauchte mein Sichtfeld in weiße, blaue und grĂŒne tanzende Punkte. "Ey, guck weg, sonst kriegste eine!" Wieder diese Stimme. So langsam zeichnete sich das Gesicht eines jungen MĂ€dchens ab, direkt vor mir. Langes, blondes Haar, zusammengesteckt zu einem Zopf. Die Kleidung wie von einem Sportler. Weite Jogginghosen, ein viel zu großes T-Shirt. Die blauen Augen des MĂ€dchens strahlten puren Hass aus. Ich kannte sie nicht. Anscheinend fĂŒhlte sie sich angegriffen. Ich musste wohl in ihre Richtung geblickt haben, als die Sonne mich blendete. Das Zusammenkneifen meiner Augen muss sie als Provokation aufgefasst haben.
Wieder ein Tritt, diesmal direkt auf meine Nase. Das Krachen sagt mir, dass sie wohl gebrochen sein muss. Plötzlich Stimmen, jemand zerrt das wĂŒtende MĂ€dchen von mir weg, brĂŒllt sie an. Sie brĂŒllt zurĂŒck, lĂ€uft dann weg. Den Wortlaut dieses kurzen Dialoges kann ich nicht erfassen. Der Schmerz bohrt sich durch sĂ€mtliche Partien meines Körpers, vor allem durch meinen Bauch. Dann wird es schwarz...
Als ich zu mir komme, finde ich mich in meinem Zimmer wieder. Ich blicke nach rechts. Dort entdecke ich meinen Wecker, welcher mir sagt, es sei sechs Uhr Abends. Drei Stunden sind vergangen seit es schwarz wurde in meinem Kopf.Ich versuche mich aufzurichten, als ein Schwall des Schmerzes mir sagt, ich solle lieber in der aktuellen Position verharren. Mein Kopf fĂŒhlt sich an wie Apfelmus. Ich höre einen dumpfen Schrei. Ich bin es, die schreit. Ich tue es nicht bewusst. Der Schmerz muss raus, bahnt sich seinen Weg nach draußen durch meine StimmbĂ€nder.
Die TĂŒr öffnet sich. Mama. Sie streicht mit ihrer Hand ĂŒber mein Gesicht, spricht mir tröstende Wort zu, wischt die TrĂ€nen weg, die bei meinem Schrei ausgebrochen sein mĂŒssen. Ich will ihr erklĂ€ren, was passiert ist. Doch ich kann nicht. Denn ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte. Ich wollte doch nur lesen. Meine Mutter verlĂ€sst den Raum mit den Worten "Schlaf noch ein bisschen, Kleines. Alles ist gut.".
Ich beginne nachzudenken. Was ist das fĂŒr eine Welt, in der man nicht einmal in Ruhe lesen kann? In der man nicht einfach so durch die Gegend blicken kann, ohne gleich angepöbelt zu werden? In mir kriecht etwas auf, irgendwas stimmt nicht. Aber was? Mein Herz schlĂ€gt wie verrĂŒckt, ich spĂŒre Erleichterung, Angst und Hass. Doch warum? Ich versuche, diese GefĂŒhle zuzuordnen. Ich habe Angst... Warum? Weil so etwas jederzeit wieder passieren kann. Weil ich nichts dafĂŒr kann. Weil ich mich nicht wehren kann. Weil ich es nicht kommen sah. Weil es so unbegreiflich ist. Ich bin erleichtert. Warum? Weil ich es ĂŒberlebt habe. Weil mir jemand geholfen hat. Weil ich weiß, dass ich nicht schuld daran war. Ich hasse. Ich hasse weil... Da gibt es doch noch einen Grund?! Ein Grund, welcher anklopft, aber nicht rein will in meine Gedanken. Oder nicht hinein kann. Ich rufe nach meiner Mutter. Ihre Schritte hallen im Flur. Sie öffnet meine TĂŒr und kommt herein. "Mama, was ist passiert?" Ihre Augen sehen rot aus. Sie beginnen, zu glĂ€nzen.
"Mom?" sie weiß den Grund fĂŒr meine widersprĂŒchlichen GefĂŒhle.
"Kleines..." bringt sie nur heraus, bevor ihr TrÀnen ihre Wange entlang rinnen.
Sie lenkt ihre HĂ€nde zu meinen. Ich glaube, sie will die meinen umschliessen, doch nein. Sie ergreift mein Handgelenk, dann fĂŒhrt sie meine Hand. Sie legt nur eine kurze Strecke zurĂŒck, ehe sie verweilt. Über meinem Bauch. Dann lĂ€sst sie sie sinken, auf meinen Unterbauch. Dort legt sie sie ab und blickt mich an - mit trĂ€nenerfĂŒllten Augen. Ich spĂŒre die WĂ€rme meines Bauches, aber auch eine scheußliche KĂ€lte. Vor meinen Augen setzt sich ein Bild zusammen. Ich erinnere mich. Ich erinnere mich an die WĂ€rme, welche bis vor ein paar Stunden von meinem Bauch ausging, ich erinnere mich an Freude, an Schutz, den ich bieten wollte. Ich erinnere mich...! Sie hat es mir genommen. Als sie mich getreten hat, als der Blitz einschlug, ist etwas in mir gestorben. Sie hat es mir genommen! Sie hat mir mein Kind genommen! Ich brĂŒlle, so laut ich kann. Diesen Schmerz kannte ich bisher noch nicht. Der Schmerz, das eigene Fleisch und Blut verloren zu haben. Wegen nichts! Wegen eines Blickes gen Sonne! Wegen eines MĂ€dchens, das voller Hass steckt und alles gegen sich gerichtet sah! Wegen einer Welt, welche aus den Fugen geraten ist!
Ich habe Angst, weil ich niemals schĂŒtzen kann.
Ich bin erleichtert, weil ich nicht mehr schĂŒtzen muss.
Ich hasse sie! Ich hasse sie! Ich werde ihr das gleiche antun! Ich werde ihr weh tun!
"Kleines, tu das nicht" unterbricht mich die sanfte Stimme meiner Mutter. Sie muss in meinen Augen gelesen haben, dass ich verstand und Hass in mir aufsteigt..
"Richte deine Wut nicht gegen sie, denn das bringt erneuten Hass. Hass tötet, deshalb ist es, wie es ist. Sorge nicht dafĂŒr, dass der Hass erneut die Oberhand gewinnt."
Wieder öffnet sich meine ZimmertĂŒr, zwei Polizisten betreten mein Zimmer, nehmen meine Mutter mit...
Ich erinnere mich... Sie hat mich gerettet im Park... Sie hat das MĂ€dchen weggezerrt von mir. Hat meine Mutter das MĂ€dchen mit den hasserfĂŒllten Augen getötet? Nahm mir das MĂ€dchen mein Kind und meine Mutter? Das ist der Kreislauf der Welt... Hass nĂ€hrt Hass nĂ€hrt Hass nĂ€hrt Hass... Ich blicke nach rechts, entdecke eine Blisterpackung Schmerztabletten. Wird das MĂ€dchen es schaffen, drei Generationen durch Hass zu zerstören? ...

__________________
Die besten BĂŒcher sind die, von denen jeder Leser meint, er hĂ€tte sie selbst machen können.

Version vom 01. 05. 2011 20:17
Version vom 04. 05. 2011 18:38
Version vom 06. 05. 2011 23:24

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Haremsdame
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Registriert: Mar 2005

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Hallo Emily,

Dein Text ist Dir gut gelungen. Es war spannend fĂŒr mich, ihn zu lesen. Trotzdem habe ich einiges daran auszusetzen:

1. solltest Du schon zu Beginn mehr AbsÀtze bilden, weil der Text dann leichter zu lesen ist

2. solltest Du noch einmal drĂŒber gehen und diverse FlĂŒchtigkeitsfehler ausmerzen (zum Beispiel :

quote:
Ich rufe mach meine Mutter.
oder
quote:
Sie muss in meinen Augen gelesen haben, das ich verstand und Hass in mir aufteigt..

3. obwohl ich den Schmerz und den Hass gut nachvollziehen kann, finde ich, dass Du zum Schluss (eigentlich schon in dem Moment, wo Deine Protagonistin zu Hause im Bett liegt und feststellt, dass...) etwas zu dick auftrĂ€gst. Das macht den Text unglaubwĂŒrdig, was ich sehr schade finde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Mutter so reagiert, wie es die in Deiner Geschichte getan hat - trotz dieser nachvollziehbaren Wut...

Mein Tipp:
Überarbeite das Ganze nochmal! Es lohnt sich!

Mit den besten GrĂŒĂŸen
die Haremsdame


__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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