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Leselupe.de > Humor und Satire
Krieg im Supermarkt
Eingestellt am 18. 10. 2003 11:27


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gorenalb
Festzeitungsschreiber
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Krieg im Supermarkt

Krieg Im Supermarkt

Gestern bat mich meine Frau in den Supermarkt zu gehen und ein Pfund Brot sowie eine TĂŒte Milch zu holen. Da der Supermarkt gleich um die Ecke liegt, erreichte ich
ihn binnen kĂŒrzester Zeit. Es war fĂŒnf Uhr am spĂ€ten Nachmittag, als ich den großen Laden betrat. Ich grĂŒĂŸte die Kassiererin mit einem freundlichen Kopfnicken
und begab mich ohne Umschweife zum Brotregal. Ein junger Mann, den ich noch niemals vorher in unserem Supermarkt gesehen hatte, stand breitbeinig und scheinbar unschlĂŒssig vor meinem Brotregal. Nicht, dass mich das weiter gestört hĂ€tte. Nein, nein, es war vielmehr die Art und Weise in der er vor dem Regal stand. Seine Körperhaltung hatte etwas GewalttĂ€tiges und Provozierendes an sich. Wie hypnotisiert stand er vor den BrottĂŒten. Ab und zu streckte er seine rechte Hand aus, holte ein Brot aus dem Regal, nur um es gleich wieder zurĂŒckzulegen. Da ich von Natur aus ein geduldiger Mensch war, wartete ich höflich zehn Sekunden.
„Sie brauchen die Brotscheiben nicht zu zĂ€hlen, junger Mann. Es genĂŒgt wenn sie das Gewicht, das auf der TĂŒte aufgedruckt ist, prĂŒfen.“ Das saß. Er zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen. Dann knurrte er irgend etwas, das sich wie „Scheren sie sich um ihre eigenen Sachen“ anhörte, und vertiefte sich erneut in die BrotlektĂŒre. So war das also. Er suchte Streit. Na, den sollte er haben. Das wĂ€re ja noch schöner gewesen. Zuerst in mein Territorium eindringen und dann noch beleidigend werden? So etwas konnte und durfte ich in meinem Supermarkt nicht dulden. Endlich hatte er gefunden was er suchte. Er nahm die letzen dreißig TĂŒten Brot, sowie alle einhundert Brötchen und verfrachtete sie in seinen Einkaufswagen. UnglĂ€ubig starrte ich auf das jetzt leere Regalfach. Er hatte mir nicht einmal einen BrotkrĂŒmel ĂŒbriggelassen. Ich versuchte ruhig zu bleiben, aber ohne Erfolg. Panik erfaßte mich. Was wenn er den gleichen hinterhĂ€ltigen Trick mit der Milch versuchte? Ich drehte mich auf dem Absatz um und sprintete zum KĂŒhlfach. Meine BefĂŒrchtung hatte sich bewahrheitet. Jetzt packte der Kerl die MilchtĂŒten in seinen Einkaufswagen. Ich hĂ€tte mir in den Hintern beißen können vor Wut. Das war's, das schlug dem Faß den sooft zitierten Boden aus. Dieser miese Typ hatte mir den Krieg erklĂ€rt. Somit mußte er auch die Konsquenzen tragen. Ich rannte zum Eingang zurĂŒck und holte mir einen Einkaufswagen. Dann lief ich im Laufschritt zur GetrĂ€nkeabteilung. WĂ€hrend der Feind noch immer mit den wehrlosen Milchprodukten beschĂ€ftigt war, leerte ich rasch das komplette GetrĂ€nkeregal. Dann wandte ich mich der Schokolade und den Waffeln zu. Ich mußte schnell handeln, wenn ich den Kerl besiegen wollte. Ich nahm mir nicht die MĂŒhe, die Produkte einzeln in den Wagen zu legen. Nein, ich benutzte eine eigens fĂŒr diesen Notfall von mir erfundene Taktik. Ich stellte den Einkaufswagen direkt unter das betreffende Regal und schob die Ware mit ausgestrecktem Arm in den Wagen. Auf diese Art und Weise hinterließ ich nichts dem Feind. Apropos Feind. Ich schielte zu meinem Todfeind hinĂŒber.
Er hatte jetzt zwei volle Einkaufswagen neben sich stehen. Aha, er begann jetzt also schwere GeschĂŒtze aufzufahren. Was der kann, kann ich schon lange. Ich entriß einer Ă€lteren Dame ihren noch leeren Einkaufswagen. „Der Wagen ist konfisziert, holen sie sich einen anderen!“, schrie ich sie an. Ich sah wie sie erschreckt zusammenzuckte.
Doch ich konnte keine RĂŒcksicht auf sie nehmen. Hier ging es um mehr als nur um eine alte Dame. Hier ging es um den ganzen Supermarkt, ach was sage ich da, hier ging es um
die ganze Nachbarschaft. Denn so wie ich diesen rĂŒcksichtslosen Kerl einschĂ€tzte, wĂŒrde er nach der gewalttĂ€tigen Übernahme des Supermarktes nicht Halt machen, sondern versuchen sich an unserer Nachbarschaft zu vergreifen. Ich mußte ihm hier und heute die Grenzen aufzeigen. Die Zeit war knapp. Es war kurz vor Ladenschluß. Im Eiltempo und ohne anzuhalten, beförderte ich hunderte von Dosen, PĂ€ckchen, Rollen, TĂŒten, WĂŒrstchen, und was mir sonst noch alles in die HĂ€nde kam, in den beschlagnahmten Einkaufswagen. Plötzlich sah ich wie der Feind seine beiden Einkaufswagen seelenruhig in Richtung Kasse schob. Dieser plötzlichen Truppenbewegung mußte ich zuvorkommen. Ich hievte den letzten
50 Kg-Kartoffelsack in den Wagen und sprintete was das Zeug hielt mit meinen vier Einkaufswagen auf die Kasse zu. Geschafft. Ich war noch vor ihm an der Kasse. Das Blatt hatte sich verdientermaßen zu meinen Gunsten gewendet. Doch hoppla, was war das? Mein militĂ€risch geschulter Blick fiel auf die Waren neben dem Band. Mit einem ĂŒberraschenden Angriff konnte ich noch fĂŒnfzig Videokasetten, einhundert Batterien, zwanzig Rasiermesser sowie zweihundert Zigarettenschachteln sicherstellen.
Ich hörte wie der Feind hinter mir resignierend die Luft durch die Nase einsog. Ich hatte gewonnen. Der Krieg war vorbei. Mit seinen zwei mickrigen Einkaufswagen hatte er gegen mich keine Chance gehabt. ÜberglĂŒcklich stellte ich einen Scheck ĂŒber 5255 Euro und siebzig Cent aus. Der Schaden war verhĂ€ltnißmĂ€ĂŸig klein im Vergleich zu der Gefahr, die dem Supermarkt und der gesamten Nachbarschaft gedroht hatte. Ich fĂŒhlte mich als Held, als Retter. Mit stolzer Brust und schadenfreudigem LĂ€cheln steckte ich das Scheckheft wieder ein, als sich die Kassiererin an mich wandte: „Herr Meyer, darf ich ihnen unseren neuen Mitarbeiter vorstellen. Das ist der Herr Schulze.“ Der Feind nickte mir ungeniert zu und streckte mir sogar unverfroren seine Hand entgegen. Seine UnverschĂ€mtheit kannte keine Grenzen. Er sprach mich sogar an:
„Wie sie sehen mußten wir leider die ganzen Teigwaren und Milchprodukte heute aussortieren, da das Gesundheitsamt.....“ Den Rest des Satzes hörte ich schon nicht mehr.

Ich wachte erst wieder im Krankenhaus auf. Meine Frau saß besorgt neben meinem Bett. Wie aus großer Entfernung hörte ich sie fragen: „Liebling, wo sind das Brot und die Milch?“

Goren Albahari

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Goren Albahari

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flammarion
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prust,

kicher, lach! was ne wendung! sehr amĂŒsant. gehört nach meiner meinung in die rubrik "Humor und Satire".
ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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gorenalb
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Krieg im Supermarkt

Hallo Old Icke,

wie ich sehe, ist die Geschichte schon in der
Rubrik Humor & Satire.
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Goren Albahari

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flammarion
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ja,

wie durch zauberei, was? siehst du den besitzerstolz in meinen augen funkeln?
ich wĂŒnsche dir und uns weitere herrliche ideen.
ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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