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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
Kriegskunst
Eingestellt am 27. 08. 2008 00:38


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Kreator
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Finrod war vollkommen ruhig und gelassen. Seine Sinne nahmen die Umgebung mit geradezu ĂŒberdeutlicher SchĂ€rfe wahr.
Er sah die Truppen des Feines obwohl er noch sehr weit entfernt war....er konnte sie beinahe riechen.
In seiner schwarzen LederrĂŒstung war er mit dem nĂ€chtlichen Wald verschmolzen und nahezu unsichtbar fĂŒr die mehr als unaufmerksamen FernspĂ€her des nahenden Heeres.
Dieses Volk lernte einfach nicht aus seinen Fehlern. Sie waren dumm, sie waren laut und sie stanken.
Die vier Gestalten in grĂŒnem Leder bewegten sich ungeschickt durch das Dickicht. Zweige knackten, ihre Waffen schepperten metallisch in ihren Scheiden.
"Das sind also SpÀher..." dachte Finrod. Es wÀre ihm ein Leichtes gewesen alle drei innerhalb weniger Momente mit seinem Dolch aus nÀchster NÀhe auszuschalten. Aber das war nicht seine Aufgabe.
Vollkommen regungslos beobachtete Finrod wie sich die drei SpÀher von ihm entfernten.
Er erinnerte sich noch lebhaft an seine erste Begegnung mit diesem Volk. Soldaten waren in die unterirdische Stadt Cyriell eingedrungen als er noch ein kleiner Junge war. Sie hatten geraubt, getötet und entfĂŒhrt. Auch seine Ă€ltere Schwester Miria hatten sie mitgenommen.
Finrod hoffte das sie tot war. Sonst musste sie wahrscheinlich immer noch den bestialischen Gestank dieser Primitiven ertragen.
Wie hatte man so lange im Schatten neben diesen Barbaren vegetieren können, wie sein Volk es getan hatte? Wie hatte man dieses laute und stinkende Geschlecht tolerieren können?

Finrod wusste es nicht. Kurze Zeit nach dem Überfall auf die unterirdische Stadt wurde er von seinen Eltern an die Akademie geschickt. Dort lernte er die Schriftkunst, schönen KĂŒnste und die Wissenschaften kennen.
Einer der Lehrmeister erkannte schon bald das Finrod ĂŒber starke mentale KrĂ€fte verfĂŒgte und so wurde er auch darin gefördert.
Nachdem er eine umfassende Grundbildung erhalten hatte, wurde ihm endlich das vermittelt weshalb er fĂŒr seine Aufnahme an der Akademie bei seinen Eltern gebettelt hatte. Finrod wurde in das Kriegshandwerk eingeweiht. Der Junge lernte alles in Rekordzeit. MillitĂ€rgeschichte, Umgang mit leichten und schweren Waffen und Strategie.
WĂ€hrend dieser Ausbildung lernte er seinen besten Freund kennen. Sein Name war Jarvid.
Jarvid stammte wie er selbst aus Cyriell. Wie auch in Finrods Augen glomm auch in Jarvids Augen der Hass. Hass auf den entarteten Bruder. Anders als Finrod hatten sie Jarvid alles genommen. Seinen Vater, seine Mutter und seine Geschwister. Jarvid hatte alles mitangesehen - alles.

Jarvid war stĂ€rker, besaß aber keinerlei mentale FĂ€higkeiten. Deshalb entschied sich der Rat der Akademie den jungen Mann im Umgang mit Flugdrachen zu schulen. Jarvid stellte sich als begnadeter Drachenreiter heraus. Viel frĂŒher als andere Kadetten konnte er seinen geflĂŒgelten Kameraden auch die gewagtesten Manöver abverlangen. Finrod vermutete das das mit dem Vertrauen zu tun hatte, das Jarvid seinem Drachen entgegenbrachte. Finrod wusste es...denn er konnte es sehen. Und wenn er es sehen konnte, konnten es Drachen mit ihrem gesteigerten Instinkt noch deutlicher spĂŒren. Jarvid verschmolz mit seinem Drachen zu einer eleganten und tödlichen Einheit.
Finrods Ausbildung nĂ€herte sich ihrem Ende und zusammen mit seinen gleichaltrigen Kadetten wurde er ohne Kleidung, Nahrung und Waffen in den weiten der WĂŒste Moshdan ausgesetzt. Sein Auftrag war es lediglich zurĂŒckzukehren. Anders als einige seiner Mitstreiter beschloss Finrod alleine seinen Weg zu gehen.
Seine Reise war gefĂ€hrlich und fĂŒhrte ihn an die Grenze seiner LeistungsfĂ€higkeit, seines Glaubens und seines Willens. Um zu ĂŒberleben und seine Aufgabe zu erfĂŒllen musste er rauben und töten. Er tat es ohne jedes GefĂŒhl, weil er es tun musste.
Finrod ĂŒberlebte, doch er befand sich auf einer Irrfahrt. Eine Irrfahrt die ihn immer wieder mit dem Feind in Kontakt brachte. Und er lernte viel davon. Er lernte die SchwĂ€chen kennen, doch das machte ihn leichtsinnig.
Als er sich in einer kleinen Oase einer ihm vermeintlich unterlegenen Gruppe gegenĂŒber sah, ging er offen und arrogant vor. Dabei vergaß er jede Vorsicht und wurde von einem SklavenhĂ€ndler ĂŒberrumpelt.
Dieser freute sich ĂŒber einen so starken und aparten Sklaven und verkaufte ihn auf dem nĂ€chsten Markt an einen reichen HĂ€ndler.
Doch dieser fette HĂ€ndler war zugleich verdorben und unvorsichtig. Nach einem seiner Gelage erschlug Finrod ihn. Bevor er das Haus verließ, steckte er einen prachtvollen Saphir ein und setzte seine Reise fort.
Diese Erfahrung war eine tiefgreifende Lektion fĂŒr Finrod. Ab diesem Zeitpunkt lernte er den Schatten noch mehr zu lieben und agierte aus ihm und bediente sich Masken und Verkleidungen. Auf diese Weise gelangte er zu einem KarawanenfĂŒhrer der ihn in seine Karawane aufnahm. Diese Karawane gab ihm Schutz und fĂŒhrte ihn bis an die Grenze zu seinem Heimatland.
Eines Abends traf er seine Entscheidung und tötete in der Nacht sĂ€mtliche Mitglieder der Karawane. WĂ€hrend seiner Reise hatte er zwei Dinge kennengelernt. Den Hunger und den Feind. Finrod wollte nie wieder hungern mĂŒssen und auch nie wieder unter dem Feind leben.

Zu seiner RĂŒckkehr erhielt Finrod seine Ernennung zum Offizier des Kaiserreichs und gab ein großes Fest zu dem er auch Jarvid einlud, der noch einige Zeit bis zu seinem Abschluss hatte.
Als schon fast alle GĂ€ste die Feier verlassen hatten und nur noch der engste Kreis der Freunde versammelt war, ĂŒberreichte er Jarvid eine HĂ€lfte des Saphirs die er vom primitiven HĂ€ndler erbeutet hatte.
Ein fingerfertiger Goldschmied hatte den Saphir gesprengt und die zwei Teile in Gold gefasst sowie an zwei Ketten befestigt.
Einige Zeit spÀter beendete auch Jarvid seine Ausbildung und wurde in die kaiserliche Leibwache aufgenommen.
Jarvid und Finrod begannen ein Leben als freie MĂ€nner und lernten dieses Leben zu genießen.
Die außenpolitische Situation machte es nötig das der Kaiser mit dem Brudervolk wieder diplomatischen Kontakt aufnahm. Die StĂ€mme der Orks sammelten sich an der Ostgrenze und das Kaiserreich konnte sich keinen mehr oder minder unverblĂŒmten Zweifrontenkrieg leisten.
So begannen Kuriere zwischen den beiden Thronen hin und her zu eilen. Nach einiger Zeit hatte man sich so sehr genĂ€hert, dass man auf neutralem Boden ein Gipfeltreffen der StaatsfĂŒhrer vereinbarte. Dieses Treffen ging in die GeschichtsbĂŒcher als "Treffen im Eichenwald" ein.
Jarvid begleitete mit einer Rotte Drachen das Gefolge des Kaisers.
Doch das Treffen war nichts anderes als ein feiger Hinterhalt.
Das Brudervolk hatte etwas getan, was in der Geschichte einmalig war. Es hatte einen geheimen Pakt mit den StÀmmen der Orks geschlossen.
Das Gefolge des Kaisers geriet in einen Hinterhalt wurde ĂŒberfallen, der Kaiser getötet und der Drachen von Jarvid wurde von einem Katapult tödlich getroffen.
Das geflĂŒgelte Tier stĂŒrzte zu Boden und riss Jarvid mit sich.
Finrod sah alles mit eigenen Augen mit an, konnte seinem Freund jedoch nicht helfen. Seine Aufgabe war es als schneller Kundschafter Nachricht vom feigen Überfall an den kaiserlichen Hof zu bringen.
Das letzte was Finrod sah, war wie der ehemals stolze Drache in einen Teppich aus Ork und Horden stĂŒrzte.

Da es keinen direkten Thronfolger kam, regierte der kaiserliche Rat. Dieser reagierte ebenso schnell wie es auch der Kaiser getan hĂ€tte. Die bereitstehenden Truppen wurden ohne RĂŒcksicht auf Verluste in das Herz des Bruders entsandt. Dort vernichteten die ruhmreichen Krieger drei der grĂ¶ĂŸten StĂ€dte des Feindes vollstĂ€ndig bis auf die Grundmauern.
Der Feind und seine VerbĂŒndeten hatten nicht mit dieser Reaktion gerechnet. Deshalb konnten sie nicht ins wehrlose Heimatland einmarschieren. Ebenso schnell wie der Feldzug begonnen hatte, war dieser auch beendet. Und ebenso schnell war auch der Pakt des Bruders mit den Orks wieder gebrochen. Die ersten Ork StĂ€mme begannen schnell menschliche Siedlungen zu brandschatzten.
Der kaiserliche Rat hatte dies vorausgesehen. Dem heißen Krieg folgte ein kalter Krieg und bald schickte sowohl der Bruder als auch die Orks wieder Gesandte.
Doch der Rat hatte den feigen Verrat des Bruders nicht vergessen. VordergrĂŒndig stimmte er den Friedensverhandlungen zu, besonders um einige kriegswichtige Rohstoffe zu beschaffen.
Im Rahmen dieser Friedensverhandlungen entsandte der kaiserliche Rat einige Lehrmeister ins Reich der Orks. Diese Lehrmeister bereiteten den Weg fĂŒr eine gesicherte politische Struktur und schĂŒrten den Hass auf den Bruder.

*

Das feindliche Heer kam immer nĂ€her. Finrod musste lĂ€cheln wie leicht sich das Volk doch tĂ€uschen ließ.
Der Feind rechnete damit das Reich von den Orks verwĂŒstet vorzufinden, um ihm dann den Todesstoß zu versetzen.
Was der Feind nicht ahnte war das die Orks keinesfalls als Invasoren ins Reich gekommen war. Sie warteten dort. Sobald das Heer vollstĂ€ndig ins Reich eingedrungen war, wĂŒrde die Falle zuschnappen und die Truppen in einen vernichtenden Kessel einsperren.
Finrod musste lÀcheln. Von verschiedenen Aufenthalten hinter den feindlichen Linien wusste er wie anders der Bruder die politische Situation darstellte und mit Propaganda sein Volk auf Linie brachte.

Finrod spĂŒrte plötzlich wie sich ihm etwas nĂ€herte. Damals hatte er Jarvid erzĂ€hlt der Saphir sei nur ein Talisman. Dabei handelte es sich nur zum Teil um die Wahrheit.
Finrod hatte ihn mit einem Teil seiner mentalen Energie gespeist und konnte ihn so auch auf große Entfernungen erspĂŒren.
Und jetzt nĂ€herte sich dieser Stein. Der Funken Hoffnung erlosch sofort wieder. Es war nicht Jarvid der sich mit dem Stein nĂ€herte. Es war jemand anderes, dass spĂŒrte Finrod.
Jemand hatte den Stein seinem bestem Freund abgenommen! Und dieser Jemand befand sich in dem sich nÀherndem Heer.
Finrod spĂŒrte wie kalter Hass von ihm Besitz ergriff.
Aber er hatte gelernt und beruhigte sich wieder. Er hatte eine Mission und die wĂŒrde er erfĂŒllen.
Der Feldmarschall hatte ihn zusammen mit einigen Kameraden als erste Angriffslinie ausgesandt. Das Heer interessierte ihn nicht. Ihn interessierten die MĂ€nner die es anfĂŒhrten. Die Kommandeure. Wenn man einen Offizier ausschaltete, schaltete man gleich die untergebenen Soldaten mit aus, in dem man sie fĂŒhrungslos machte. Man musste den Kopf abschlagen, dann war selbst die gefĂ€hrlichste Bestie fĂŒhrungs- und damit hilflos.

Unter all den feindlichen Soldaten hatte Finrod nur ein Ziel. General Feyermann, den Oberbefehlshaber der menschlichen Truppen.
Finrod hatte ihn im menschlichen Reich lange Zeit beobachtet, kannte seine persönliche Energiesignatur, sein Aussehen und seine Art zu kommandieren. Anders als andere Befehlshaber ritt er nicht vor dem Hauptfeld, sondern inmitten seiner Offiziere.
Tapferkeit war nicht die große StĂ€rke des Generals.
Finrod stutzte einen Moment. Das Energiefeld des Steins befand sich ganz in der NĂ€he des Generals, oder von dessen Signatur. Aber Finrod spĂŒrte, das dieser den Saphir nicht trug. Ein LĂ€cheln machte sich auf dem asketischen Gesicht des Dunkelelfen breit. Doch die Augen des Elfen verrieten keine Freude. Sie funkelten kalt und voller Zorn.

*

Rittmeister Laurant ritt mit gesenktem Kopf am Rande des Offizierstross. Dies war nicht sein Krieg. Das er die blaue RĂŒstung des Königs trug, erfĂŒllte ihn mit etwas wie Scham. Anders als viele seiner Landsleute kannte er einige HintergrĂŒnde des Feldzuges, die ihm nicht gefielen. König Pastros war nicht der tadellose Edelmann fĂŒr den er sich ausgab. Seit Jahren steuerte er das Reich und seine Vasallen an den Rand des Untergangs.
Laurant blickte ĂŒber seine linke Schulter und blickte den General an, der in der Mitte seiner Offiziere ritt. Dieser General war der Vetter des Königs und ebensowenig ein Ehrenmann, was die lebende zweite RĂŒstung aus Offizieren um ihn herum eindeutig illustrierte. Der Gipfel der Niedertracht war aber der Edelmann der in einem silbernen Brustpanzer neben ihm Ritt. Prinz Vargas, der Sohn des Königs. Er ritt auf seinem kostspieligen Pferd wie ein Junge auf Reitausflug, dachte Laurant. Der blaue Edelstein um den Hals des Prinzen war ihm noch nicht aufgefallen. Protz und Prunk, nicht Ehrenhaftigkeit waren das Lebenselixier dieser Sippe.

*

Finrod verharrte immer noch bewegungslos. Er konnte den Offizierstross jetzt bereits mit bloßem Auge sehen.
Mit anmutigen Bewegungen nahm Finrod seinen Langbogen aus seinem Versteck und nahm einen Pfeil aus seinem Köcher.
Mit einem Mal brach eine Vision ĂŒber ihn hinweg.
Es war die Nacht in der die Dunkelelfen von den Menschen verraten wurden und Jarvid verschwunden war.
Finrod sah erneut wie sein Freund mit seinem Drachen in die Tiefe stĂŒrzte. Der Drachen schlug hart in einen Wald ein, aber die Baumkronen dĂ€mpften den Sturz ab. Der Leichnahm des Drachen kam zum Liegen und wurde fast augenblicklich von menschlichen Soldaten umringt. Feuerschein beleuchtete die Szenerie und Finrod konnte im Hintergrund ein gigantisches Katapult erkennen. Aus der gleichen Richtung schritt jetzt ein auffallend junger Mann mit silbernen Harnisch mehr als wĂŒrdevoll heran und beugte sich ĂŒber den Drachen. "Was haben wir denn da?" Grunzte der dicke Junge und griff nach etwas.
Dann hielt er seine Faust in die Höhe und etwas blinzelte blÀulich. Ein Saphir. Jarvids Saphir.
"Herr, der Reiter lebt noch! Was sollen wir mit ihm tun?"
Der Dicke zuckte mit den Schultern. „Bringt ihn zu den anderen Gefangenen. Das Kristallbergwerk an den dunklen WĂ€ldern braucht Arbeiter. Dunkelelfen sind gute Arbeiter."
Finrod zwinkerte mit den Augen. Er konnte es nicht glauben. Jarvid lebte!
Das Heer war jetzt bereits gefĂ€hrlich nahe gekommen, aber niemand wĂŒrde ihn entdecken....dafĂŒr hatte er gesorgt. Was fĂŒr eine schöne Gelegenheit sich ihm da bot....

*

Laurant fĂŒhlte sich immer unwohler. Aber er hatte keine Wahl. Er war ein Krieger und Krieger brauchte man dort wo, wo es Kriege gab.
Er beschleunigte seinen Ritt etwas um etwas mehr Freiraum zu haben. Laurant ritt an einem Unteroffizier vorbei dem gerade ein einfacher Soldat Meldung erstattete, was Laurant aber nicht verstehen konnte..
Der Unteroffizier war ungehalten und antwortete im barschen Ton "Ich kann nicht auf jeden Soldaten in der Vorhut warten. Wenn ich ihn je wiedersehe hÀnge ich den Deserteur!"

*

Finrod spannte den Langbogen, zielte und ließ den Pfeil mit tödlicher Sicherheit in Richtung seines Ziels schnellen. Ohne zu zögern legte er einen zweiten Pfeil ein, zielte und feuerte. Beide Pfeile verfehlten ihre Ziele nicht.

*

Laurant spĂŒrte den ersten Pfeil fast an seinem Kopf vorbei rasen, den zweiten bemerke er nicht. Ein Mann brĂŒllte „HeckenschĂŒtzen!“ Das Chaos brach los. Anstelle das zu tun was die MĂ€nner trainiert hatten, liefen sie planlos durcheinander.
Laurant sprang vom Pferd ab um nicht auch zum Ziel zu werden. Anders als viele seiner Mitstreiter liebte Laurant planvolles handeln und so verschaffte er sich zuerst einen Überblick. Der General und der Prinz waren tödlich von Pfeilen getroffen worden und von ihren Pferden gestĂŒrzt. Ein Mann aus der Vorhut beugte sich ĂŒber den Prinzen und versuchte ihm zu helfen. „Vergeblich“ dachte Laurant und drehte sich wieder weg.
„Mann aus der Vorhut!“ Laurant erinnerte sich an das GesprĂ€ch das er erst vor einigen Minuten mitangehört hatte. Das konnte kein Zufall sein!
Laurant riß sein Schwert aus der Scheide und wollte auf den Mann zustĂŒrmen, drehte sich herum und starrte mitten in das Gesicht eines Dunkelelfen der Schwert in ein Schwert in den HĂ€nden hielt.
Die Soldaten um sie herum waren damit beschÀftigt das Chaos wieder unter Kontrolle zu bekommen.
"Du hast die Wahl Mensch. Wenn Du mich ziehen lĂ€sst, ĂŒberlebst Du. HĂ€lst Du mich auf, stirbst Du."
Laurant schluckte. Schweiß lief an seinem RĂŒcken herunter.

Laurant hielt kurz inne, dann schob er sein Schwert wieder in die Scheide zurĂŒck.
Der Dunkelelf hatte kein Wort gesprochen, die Worte waren direkt in seinem Kopf gewesen.
"Verschwinde von hier, Mensch. Noch hast Du Gelegenheit dazu. Dieser Feldzug wird euer Grab werden."
Laurant starrte das an,was der Dunkelelf in seinen Linken hielt. Es war der Saphir den der Prinz um den Hals getragen hatte.
"Dieser Stein gehörte einem Freund von mir. Der Prinz hat ihn gestohlen."
Laurant glaubte dem Dunkelelf und nickte. Der Elf drehte sich um und verschmolz mit dem Chaos um ihn herum.

Laurant wusste das er die Wahrheit gesagt hatte. Dieser Feldzug wĂŒrde sie das Leben kosten.
Er fand sein Pferd dort vor wo er es zurĂŒckgelassen hatte . Kurzerhand sprang er in den Sattel und steuerte das Pferd durch das brodelnde Chaos des Heeres. Er tat dies auf geschickte Weise,so dass es aussah als wĂ€re er auf der Suche nach den AttentĂ€tern.

Und dann war er plötzlich hinter den Tross zurĂŒckgefallen. Niemand schenkte ihm Aufmerksamkeit. Als er aus der direkten Sichtweite seiner ehemaligen Mitstreiter verschwunden war, gab er seinem Pferd die Sporen. Sein Herz hĂ€mmerte, denn er hatte eine Vermutung. Wenn diese zutraf, dann hatte er nicht viel Zeit um unbeschadet dieses Land zu verlassen.
Es war wie er es vorausgesehen hatte. Kurz bevor er die Grenze erreicht hatte, nahm er in der MorgendĂ€mmerung die ersten Feuer der Orks war. Die Unholde waren bereits dabei den RĂŒckweg mit mehr PrĂ€zision als jemals bisher zu verschließen. Das Heer wĂŒrde vernichtend geschlagen werden.

*

Finrod lĂ€chelte ein dĂŒnnes LĂ€cheln. Sein Plan funktionierte. Der Offizier gab seinem Pferd die Sporen und er heftete sich an seine Fersen. Der Mensch wĂŒrde ihn an den Nachschubkontingenten vorbei lotsen - den eines wollte der Mensch sicher nicht....als Deserteur gehĂ€ngt werden.
Zuerst hatte Finrod geplant den Mann nach seinen Diensten auszuschalten. Als er ihn tief ins Feindesland hinein gefĂŒhrt hatte, entschied er sich dagegen. Das wĂŒrde nur unnötige Aufmerksamkeit erregen. Und....er hĂ€tte es falsch gefunden. Dieser Mensch war kein Gegner. Zumindest momentan nicht...
Nach ein paar Tagen entschied Finrod das er den Rittmeister nicht mehr benötigte und lies ihn ziehen.
Finrod schlief tagsĂŒber und reiste nachts einem Schatten gleich. Da ihm langweilig war, belauschte er des öfteren menschliche Reisegesellschaften. Der Krieg war zu einem Fiasko fĂŒr die menschliche Invasionsstreitmacht geworden. Der König sammelte seine KrĂ€fte in der Mitte seines Reiches und konnte nur noch versuchen, nicht zu große Teile seines Reiches an die Orks zu verlieren. Im menschlichen Königreich herrschte Angst und Chaos. Teile der örtlichen Soldaten zogen raubend durch die Lande und töteten ihre eigenen Landsleute. Die innenpolitische Lage war ebenfalls sehr zerbrechlich geworden. Der Plan des kaiserlichen Rates war aufgegangen. Der König wĂŒrde bald nicht mehr Herr der Lage sein.

*

Finrod erreichte in einer Vollmondnacht endlich sein Ziel. Die Kristallbergwerke.
Die Wachmannschaft die die Bergwerksarbeiter in Schach hielt, war stark reduziert worden, man brauchte jeden Mann.
Finrod hatte sich in der Krone eines Baumes versteckt und beobachtete den Rhythmus der Wachablösung und den Eifer der Wachen. Bei den Wachen schien es sich fast ausnahmslos um verkrĂŒppelte Soldaten aus alten Tagen zu handeln.
FrĂŒh am morgen wurde der Mond von einer Schicht Wolken verdeckt. Diese Gelegenheit nutze Finrod sofort. Der Mann auf dem Wachturm starb einen ebenso schnellen Tod wie die zwei patroullierenden Wachtposten am Fuße des Bergwerks. Geschmeidig und ohne ein GerĂ€usch auszulösen kletterte Finrod vom Baum hinunter. Seine Instinkte waren durch harte Jahre des Trainings geschĂ€rft und er hatte seine Umgebung in seinem photographischen GedĂ€chtnis gespeichert. Als der Mond wieder am Himmel erschien, hatte er die Leichen der beiden Wachtposten hinter BĂŒschen versteckt.
Finrod war sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Er liebte was er tat.
In der Uniform eines Wachtpostens schlich er ins Bergwerk.
Jarvid lebte noch und er war hier. Jarvids Saphir schien auch auf irgendeine Weise zu reagieren...er war spĂŒrbar wĂ€rmer geworden als er sich dem Bergwerk genĂ€hert hatte. Vielleicht reagierte es auf die Anwesenheit seines rechtmĂ€ĂŸigen TrĂ€gers?
Finrod freute sich, erlaubte seinem Herz aber nicht sein Vorhaben zu gefÀhrden.
Er wĂŒrde Jarvid da rausholen.....und wenn er noch hundert Menschen dazu töten musste, er wĂŒrde es tun.

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schreibhexe
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Kriegskunst

Hallo, Kreator,

Ich hab mir mal die MĂŒhe gemacht, die ersten AbsĂ€tze Deines Manuskripts genauer unter die Lupe zu nehmen und einige Korrekturen anzubringen. Ich hoffe, Du nimmst es mir nicht ĂŒbel, aber ich vermute mal, dass Du gern dazulernen möchtest. So, wie es da steht, kann man es nicht lassen. Jede Menge Kommafehler, und auch mit dem "das" und "dass" stehst Du auf Kriegsfuß. FrĂŒher, als noch "daß" geschrieben wurde, lernten wir als Kinder "Kannst du "dieses" "jenes" "welches" sagen, darf das "s" keinen Buckel tragen". Also: Wenn Du "das" ersetzen kannst mit "dieses" "jenes" "welches", nur ein einfaches S, sonst ein doppeltes.

Dann arbeitest Du sehr viel mit Behauptungen. Du sagst, die Leute sind mehr als unaufmerksam, ungeschickt, entartet (schlimmes Wort!) usw. Ein Text wird aber nur dann plastisch, wenn du mit konkreten Beschreibungen zeigt, dass die Leute so sind wie Du es behauptest. Das verlangt natĂŒrlich sehr viel mehr Detailarbeit.

Außerdem unterlaufen Dir Logikfehler und ungeschickte Formulierungen.

Schau Dir einfach mal die Korrekturen an, dann kannst Du selbst beurteilen, was Du besser machen kannst.



Finrod war vollkommen ruhig und gelassen (entweder ruhig oder gelassen, sonst Doppelung). Seine Sinne nahmen die Umgebung mit geradezu ĂŒberdeutlicher SchĂ€rfe wahr.
Er sah die Truppen des Feines (Feindes Komma) obwohl er noch sehr weit entfernt war.... (war ... er) er konnte sie beinahe riechen.
In seiner schwarzen LederrĂŒstung war er mit dem nĂ€chtlichen Wald verschmolzen und nahezu unsichtbar fĂŒr die mehr als unaufmerksamen (Behauptung) FernspĂ€her des nahenden Heeres.
Dieses Volk lernte einfach nicht aus seinen Fehlern. Sie waren dumm, sie waren laut[/ und sie stanken[. (Behauptung)
Die vier Gestalten in grĂŒnem Leder bewegten sich ungeschickt (Behauptung) durch das Dickicht. Zweige knackten, ihre Waffen schepperten metallisch in ihren Scheiden.
"Das sind also SpÀher..." dachte Finrod. Es wÀre ihm ein Leichtes gewesen (Komma) alle drei innerhalb weniger Momente mit seinem Dolch aus nÀchster NÀhe auszuschalten. Aber das war nicht seine Aufgabe.
Vollkommen regungslos beobachtete Finrod (Komma) wie sich die drei SpĂ€her von ihm entfernten. (Logikfehler: Es werden SpĂ€her eingefĂŒhrt, tumbe Toren, obwohl vorher nur die Rede von einem weit entfernten Heer war, das er beinahe riechen kann, und nun entfernen sie sich auch noch von ihm, waren also vorher ganz in seiner NĂ€he. Davon war aber bisher nicht die Rede, obwohl er „die Umgebung mit geradezu ĂŒberdeutlicher SchĂ€rfe wahr“nahm.)
Er erinnerte sich noch lebhaft an seine erste Begegnung mit diesem Volk. Soldaten waren in die unterirdische Stadt Cyriell eingedrungen (Komma) als er noch ein kleiner Junge war. Sie hatten geraubt, getötet und entfĂŒhrt. Auch seine Ă€ltere Schwester Miria hatten sie mitgenommen.
Finrod hoffte das (hoffte, dass) sie tot war. Sonst musste (mĂŒsste) sie wahrscheinlich immer noch den bestialischen Gestank dieser Primitiven ertragen. (Vermutlich mĂŒsste sie noch viel mehr ertragen, wenn sie noch lebte.)
Wie hatte man so lange im Schatten neben diesen (dieser) Barbaren vegetieren können, wie sein Volk es getan hatte? Wie hatte man dieses laute und stinkende Geschlecht tolerieren können? (Dieser Satz kann als Wiederholung des vorher Gesagten entfallen.)

Finrod wusste es nicht. Kurze Zeit nach dem Überfall auf die unterirdische Stadt wurde er von seinen Eltern an die Akademie geschickt. Dort lernte er die Schriftkunst, (die) schönen KĂŒnste und die Wissenschaften kennen.
Einer der Lehrmeister erkannte schon bald das (bald Komma dass) Finrod ĂŒber starke mentale KrĂ€fte verfĂŒgte (Komma) und so wurde er auch darin gefördert.
Nachdem er eine umfassende Grundbildung erhalten hatte, wurde ihm endlich das vermittelt weshalb (vermittelt Komma wofĂŒr) er fĂŒr (um) seine Aufnahme an der Akademie bei seinen Eltern gebettelt hatte. (Der zweite Halbsatz sollte besser heißen: ... das vermittelt, wofĂŒr er seine Eltern so eindringlich um die Aufnahme an der Akademie gebeten (oder angefleht) hatte.„Gebeten“ klingt reifer als „gebettelt“)
Finrod wurde in das Kriegshandwerk eingeweiht. Der Junge lernte alles in Rekordzeit (Behauptung. Muss viel konkreter herausgestellt werden). MillitÀrgeschichte, Umgang mit leichten und schweren Waffen und Strategie.
WĂ€hrend dieser Ausbildung lernte er seinen besten Freund kennen. Sein Name war Jarvid.
Jarvid stammte wie er selbst aus Cyriell. Wie auch in Finrods Augen glomm auch in Jarvids Augen (Doppelung) der Hass. Hass auf den entarteten (Behauptung) Bruder. Anders als Finrod hatten sie (wer „sie“? Der Bruder? Der Feind, der die Schwester entfĂŒhrt hat?) Jarvid alles genommen. Seinen Vater, seine Mutter und seine Geschwister. Jarvid hatte alles mitangesehen - alles.


Ich hoffe, Dir und damit auch einige anderen AnfÀngern geholfen zu haben.

Schreibhexe

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Dominik Klama
Guest
Registriert: Not Yet

Sozusagen als Einzel-Episode aus einem riesigen Fantasy-Kriegsepos erleben wir, wie der Dunkelelf Finrod, ein telepathisch begabter Elitesoldat, SpĂ€her und Sniper, sich daran macht, seinen Ausbildungskameraden und besten Freund Jarvid, einen Drachenreiter, aus der Sklaverei des Feindes zu befreien. Feinde sind hier die Menschen, allerdings auch „Brudervolk“ genannt. Deren HeerfĂŒhrer General Fayermann sowie den Thronfolger Prinz Vargas, einen dicken, tĂŒckischen JĂŒngling, tötet Finrod, wobei er Vargas einen blauen Edelstein abnimmt, einen von zwei Zwillingssaphiren, die fĂŒr die Verbindung mit Jarvid stehen. Der Saphir hat besondere KrĂ€fte und dient folgich mehr oder weniger als Navi-GerĂ€t zu dem Bergwerk, in dem Jarvid einstweilen noch schmachtet.

Dass Kreator es darauf anlegt, uns dermaleinst drei bis zehn BĂ€nde eines weiteren „Herren der Ringe“ oder von „Eragon“ zu schenken, eine Gabe, die ich als eingefleischter Fantasy-VerĂ€chter (ich lese hier, weil es mir als „Werk des Monats“ ans Herz gelegt wurde) fĂŒr ĂŒberaus ĂŒberflĂŒssig erachte, ist schon klar, wie andererseits auch, dass Derartiges herzustellen etliche anerkennenswerte literarische Talente, viel Disziplin und Durchhaltevermögen voraussetzt.

Von daher könnte die ausgesprochen unausbalancierte Textmassenverteilung verstehbar werden. Zu unserer gewissen EnttĂ€uschung stellt sich die lange Geschichte am Ende als Auftakt von etwas nicht ErzĂ€hltem heraus, der Befreiung Jarvids. Denn natĂŒrlich fordern die zu entwerfenden Welt- und GeschichtsrĂ€ume reichlich Raum. Wir mĂŒssen etwas ĂŒber Dunkelelfen, Menschen und Orks wissen, etwas ĂŒber KriegszĂŒge, Gipfeltreffen, die sich als Fallen herausstellen, Kaiser, die getötet werden.

Aber mĂŒssen wir dermaßen viel ĂŒber einen „an sich ja irgendwie guten“ Soldaten Laurant inmitten der Streitmacht des „Bösen“ lesen, wenn dieser Laurant am Ende fast gar nicht agiert, im Grunde keinen Konflikt mit dem Helden zu bestehen hat, sondern ihm als eines vieler Hilfsmittel nur kurz mal dienlich ist? Und sollten wir nicht wesentlich mehr von Jarvid lesen, wenn Finrods Freundschaft zu Jarvid diesen allerletzten Satz der Story produziert: „Er wĂŒrde Jarvid da rausholen... Und wenn er noch hundert Menschen dazu töten musste, er wĂŒrde es tun“?

Das, mit Verlaub, finde ich, zumindest als letzten aller SĂ€tze, einen zum Speien! Das erfĂŒllt mich keineswegs mit Ergriffenheit vor so viel mĂ€nnlichem Mut, so viel Einsatzbereitschaft und Opferwille (vor allem Wille, fĂŒr die eigenen Ziele die Anderen zu opfern!), sondern es kommt mir vor wie aus einem Landserheft ĂŒber „Die letzte Schlacht um Stalingrad“ oder wie aus einem zwischen 1933 und 1945 in Deutschland herausgebrachten Jungenroman oder wie aus einer Festschrift von Al Keida: Ein so hehres Ziel wie das Unsrige rechtfertigt sĂ€mtliche Opfer! Vor allem die von denen, die anders als „wir“ sind.

Wenn christliche (!) Innenminister in diesem Lande es an der Zeit finden, angesichts des Terrors in der Welt und der technischen Möglichkeiten, ĂŒber welche der verfĂŒgt, mĂŒsse man ins Grundgesetz einfĂŒgen, dass in Zukunft die Regierung ohne RĂŒckfrage bei ReprĂ€sentanten des Volkswillen ein- bis zweihundert harmlose Touristen, die das Pech hatten, in ein Flugzeug zu geraten, das von Terroristen gekapert wurde, vom Himmel schießen lassen kann, wenn gilt, noch mehr unschuldige Menschenleben vor Schaden zu bewahren. Wenn also die Entscheidung ĂŒber Menschenleben zu einem simplen Zahlenvergleich gemacht wird, wenn 100 Tote 1.000 angeblich vor dem Tode Gerettete aufwiegen, wenn hier sogar 100 Leben nicht so kostbar sind wie das 1 von Jarvid... Dann wĂŒrde ich schon gerne mal erfahren, was diesen einen Jarvid so wichtig gemacht hat, was er fĂŒr ein ĂŒbermenschliches Techtelmechtel mit Finrod am Laufen hat. Das sollte noch reingeschrieben werden in diese Story.

Die Frage stellt sich, ob man in einem selbstredend vollstĂ€ndig fiktiven Werk, einem, das sich unmissverstĂ€ndlich als „Fantasy“ prĂ€sentiert, in einer feudalen Fantasiewelt angesiedelt ist, die nun eben gerade nicht „bĂŒrgerlich republikanisch“, „demokratisch“ und also auch nicht den in der westlichen Welt seit der französischen AufklĂ€rung geltenden sogenannten „Menschenrechten“ verpflichtet ist, - und solche Gesellschaftsordnungen hat es, wie wir alle wissen, in der Geschichte wiederholt und an vielen Orten gegeben -, implizit einen Wertekanon des kriegerischen Mannes etablieren darf, der sich so artikulieren darf:

„Diese Karawane gab ihm Schutz und fĂŒhrte ihn bis an die Grenze zu seinem Heimatland. Eines Abends traf er seine Entscheidung und tötete in der Nacht sĂ€mtliche Mitglieder der Karawane. WĂ€hrend seiner Reise hatte er zwei Dinge kennengelernt. Den Hunger und den Feind. Finrod wollte nie wieder hungern mĂŒssen und auch nie wieder unter dem Feind leben.“

Kein Mensch will hungern. Kein Mensch (oder auch Dunkelelf) will unter einem Feind leben. Jeder EinzelkĂ€mpfer-Soldat, der extrem gefĂ€hrliche PionierauftrĂ€ge hinter den feindlichen Linien ausfĂŒhren muss, wird wohl auch gegnerische KĂ€mpfer töten mĂŒssen. Das wird sich auf seinen Charakter auswirken. Das wird seine FĂ€higkeit zum MitfĂŒhlen in Leidenschaft ziehen. Das versteht sich. Aber an dieser Stelle vermisse ich doch einen winzigen Hinweis darauf, warum harmlose Kaufleute, sagen wir einfach mal: zehn, ermordet werden mussten, die dem Helden ĂŒberhaupt nichts getan haben, außer ihm hilfreich zu sein zu seiner Rettung.

Nun, wird man sagen, das ist eben Fantasy, das ist eben Krieg, das ist nicht unsere Welt des Friedens (?) heute und momentan. Sondern es ist eine Welt, in der andere Existenzen mit ihrem Leben spielen - allein schon auf Grund ihrer Vorhandenheit und ihres So-Seins. Denn sie sind nicht allein Feinde in einem tobenden Krieg, sie beleidigen auch noch die Nase unseres Helden. Sie stinken! Da frage ich mich aber, ob Kreator, als er das schrieb, bekannt war, dass körperlich Ekel erregender Geruch, entweder rassisch bedingt oder durch „bekannte“ Unsauberkeit verursacht, allemal ein wesentliches Kriterium war und ist, wenn Faschisten und Rassisten ihre Überlegenheit ĂŒber lebensunwertes Leben aussprechen. In solchen FĂ€llen heißt es nĂ€mlich: „Neger stinken. Juden stinken. Zigeuner stinken. TĂŒrken waschen sich zu wenig. Die Armen sind nicht umsonst arm, die waschen sich nĂ€mlich auch nicht gern.“ Und so weiter und so fort.

„Er sah die Truppen des Feines obwohl er noch sehr weit entfernt war... er konnte sie beinahe riechen.“ „Finrod hoffte das sie tot war. Sonst musste sie wahrscheinlich immer noch den bestialischen Gestank dieser Primitiven ertragen.“ „Wie hatte man dieses laute und stinkende Geschlecht tolerieren können?“ Oh, pardon! Der dritte Gestank ist weder aus dieser Story noch von diesem Autor. Ihn bekam ich gerade angezeigt, als ich im Monumental-PDF aller bis jetzt bei Leselupe erschienenen Prosa nach „stin“ suchen ließ. Unter Fantasy-Autoren ist man sich offenbar sehr sicher, dass das Böse nicht gut duften kann. Also in den millionengetĂ€felten Manageretagen unserer Banken und Versicherungen absolut keine Chance hat.

Aber jetzt mal was Andres. KĂŒmmern wir uns mehr ums Handwerk: „Er sah die Truppen des Feines obwohl er noch sehr weit entfernt war... er konnte sie beinahe riechen. In seiner schwarzen LederrĂŒstung war er mit dem nĂ€chtlichen Wald verschmolzen und nahezu unsichtbar fĂŒr die mehr als unaufmerksamen FernspĂ€her des nahenden Heeres.“ Das ist ungeschickt geschrieben. Mit den einfĂŒhrenden SĂ€tzen hatte Kreator bis hierhin eine ErzĂ€hlperspektive etabliert aus dem Inneren seines Helden heraus. Wir erfahren, was er weiß, was er denkt, wir sehen, was er sieht, wir riechen, was er riecht, wir fĂŒhlen mit ihm. Nun verschiebt sich innerhalb eines einzigen Satzes die Sichtweise zu den Feinden hinĂŒber: Sie sind „mehr als unaufmerksam“. Eine Wertung ĂŒber zahlreiche Leute, die Finrod, wĂ€hrend er sich in den Schatten duckt, ĂŒber die große Ferne hinweg vielleicht tatsĂ€chlich treffen könnte, die, meinem Geschmack nach, aber dennoch die GlaubwĂŒrdigkeit seiner Innensicht-Fiktion leicht zu stören in der Lage ist.

„Der Elf drehte sich um und verschmolz mit dem Chaos um ihn herum.“ Das mag ich nicht, weil ich finde, dass eine durch „Verschmelzen“ mit der Umgebung unsichtbar werdende Figur im „inneren Auge“ des Lesers eine statische Vorstellung hervorruft. Etwa wie die verschlossene Pforte eines dĂŒsteren Kerkers, vor dem eine bleiche Statue still steht, dann sich allmĂ€hlich verflĂŒssigt oder zu Nebel oder Dampf wird, um endlich nicht mehr da zu sein, wĂ€hrend hintendran die kalte Mauer immer noch steht und schweigt. Ein zugegeben sehr vom Filme-Sehen geprĂ€gtes Bild. Aber Romane lesen, ohne innerlich einen Film zu „sehen“, geht heute fast gar nicht mehr. Und bei Fantasy sowieso nicht. Chaos aber ist immer Unordentliches, schwer zu Überblickendes, oft auch sich wirr in verschiedene Richtungen Bewegendes. Das ist immer so durcheinander, dass man „schmelzen“ in aller Ruhe gar nicht richtig kann. Was mir Kreator auch prompt bestĂ€tigt: „steuerte das Pferd durch das brodelnde Chaos des Heeres.“ Schmelzen und brodeln passen nicht zusammen. Brodeln ist hektisch, schmelzen ist ĂŒberaus bedĂ€chtig.

„Ihre Waffen schepperten metallisch in ihren Scheiden.“ Dann haben sie aber ganz grausam inkompetente Schmiede gehabt. Die Ehre eines Waffenschmiedes von Rang liegt ja wohl genau darin, Scheiden zu fertigen, die dem Einstecken der Waffe keinerlei Widerstand in den Weg legen, aber der gesteckten Waffe danach auch keinen Spielraum zum Klappern lassen.

„Der Drachen schlug hart in einen Wald ein, aber die Baumkronen dĂ€mpften den Sturz ab.“ Wenn ich’s richtig verstanden habe, war der Drache schon tot, bevor er unten aufschlug, anfĂ€nglich schien durch diesen Sturz der Reiter zu Tode gekommen zu sein, stellt sich spĂ€ter aber doch noch als gerettet heraus. Von daher mag es nötig gewesen sein, den Sturz etwas abzufedern. Wozu Baumkronen sich aber schlecht eignen.

Kreator, flieg du mal mit einem Segelflieger ĂŒber einen deutschen Eichenwald und lass dich in die Baumkronen hinunter fallen, wo die Äste dich gedĂ€mpft dann empfangen werden. Nein, das werden sie nicht, sie werden dir im Leib alle Knochen zerschmettern. DĂ€mpfend in Empfang nehmen könnten dich oben die BlĂ€tter, weiter unten das Moos. Aber durch die BlĂ€tter fliegst du einfach nur durch, bis du auf das Holz knallst - oder weiter unten auf den Boden. In den US-Filmen Ă  la Spiderman ĂŒbernehmen Markisen, MĂŒllcontainer und TaxidĂ€cher diesen Job immer. Dort kann man aus zehn, zwanzig Meter Höhe draufknallen, das ĂŒberlebt man locker. (Nicht zur Nachahmung empfohlen.)

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