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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Kriminelle Chaoten
Eingestellt am 07. 03. 2017 15:28


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Kriminelle Chaoten

Et passieren tÀglich schreckliche Dinge. Blöd nur, wenn se einen selbst betreffen.

Mitte Januar rief mich ihre MajestĂ€t, der OrtsbĂŒrgermeister, an und meldete en Einbruch in unsere JagdhĂŒtte. Er hĂ€tte bereits die Polizei verstĂ€ndigt, ich sollte möglichst sofort kommen. Berta und ich machten uns sogleich auffe Socken.
Die Kripo war mit zwei Beamten vor Ort, sicherte Spuren.
Die mehrfach gesicherte EingangstĂŒr war mit ner KettensĂ€ge kreisrund ausgesĂ€gt, so dass ne erwachsene Person ohne MĂŒhe durch dat Loch kriechen konnte. Die HĂŒtte sah entsetzlich aus!
Etliche Rotweinflaschen hatte man brutal geköppt und den guten Inhalt inne HĂŒtte verspritzt. Die WĂ€nde, die Betten und der Teppich sahen aus wie nach em Blutbad. En Zeiss-Fernglas und mein teuret NachtsichtgerĂ€t hatten obendrein den Besitzer gewechselt.
Dat war schon schlimm genug. Et kam aber noch entsetzlicher. Alle TrophĂ€en wie Keilerwaffen, Geweihe und Gehörne hatte man mit ner Brechstange in tausend StĂŒcke geschlagen und mit Rotwein ĂŒbergossen!
Ich hatte verstanden! Mir blieb fast die Luft weg. Son Anblick geht anne Nieren, dat kann ich Ihnen sagen. Ich hab mich umgedreht und musste mir en paar TrÀnen wegwischen.
Bertas Augen verrieten große Wut. „So eine verfluchte Saubande!“, schrie se, „dieset Dreckspack gehört fĂŒr immer eingesperrt. Willi, unternimm endlich wat, steh nich so tatenlos herum!“
„Berta, beruhige Dich, ich kann im Moment nix tun. Ich bin noch total gelĂ€hmt. Dat war hier kein normaler Einbruch, auch keine blinde Zerstörungswut. Dat stinkt hier gewaltig nach Chaoten, die mehr im Sinn hatten!“ Ich hatte den grauenhaften Verdacht kaum ausgesprochen, da ĂŒberreichte mir en Polizist son Bekennerschreiben: Lesen Se ma selbst:

„Die Kampfgruppe ‚Zornige Frischlinge’ lĂ€sst alle Tiermörder herzlich grĂŒĂŸen.

RACHE FÜR JEDES ERMORDETE TIER!

Lustmörder in GrĂŒn werden von uns gnadenlos ausgerottet.“


Ich trommelte den Jagdvorstand zusammen, dat er sich en Bild von der VerwĂŒstung machen sollte. Einer nach dem anderen kam angerauscht. Sie waren fassungslos. Son kriminellen Vorfall mit „TierschĂŒtzern“ hatte dat Dorf noch nich erlebt.
Berta ging beherzt auf den Jagdvorsteher zu und verlangte Rache. „Jupp“, sachte se, „jetz kannze beweisen, ob Du mein Freund biss, ich verlange, dat Ihr auch en Betrag fĂŒr die Ergreifung der TĂ€ter aussetzt. Ich opfer 500 Euro vom Haushaltsgeld.“
TatsĂ€chlich legte der Jagdvorstand noch mal 500 Euro dazu und versprach, die Belohnung im Verbandsgemeindeblatt extra groß platzieren zu lassen.
Noch am Abend erfuhr ich, dat nich nur unsere HĂŒtte zerstört wurde. Insgesamt vier Fischer- und zwei JagdhĂŒtten inne Umgebung hatten ebenfalls Besuch von diese Herrschaften.
Einbruch-Diebstahl- und Vandalismus waren durch meine Hausratversicherung gedeckt, aber wat war mit dem ideellen Wert von meine JagdtrophĂ€en? So wat Einzigartiget kann man nich mit Geld regulieren! Meine Erinnerungen an jedet erlegte StĂŒck hatten diese Verbrecher fĂŒr immer und ewig zerstört!
Berta schrie hysterisch: „Kommt endlich inne GĂ€nge und quatscht nich so lange hier rum, ich will, dat die Bande geschnappt wird, ich will die im Zuchthaus schmorn sehn!“
Ich rief noch vier NachbarpÀchter und ihre Jagdaufseher an, um mit ihnen ne gemeinsame Aktion gegen die Jagdgegner auszuarbeiten.
Wir trafen uns am folgenden Freitag mit dem Leiter der Kripo beim Schweinejupp. Hauptkommissar Grooz war selbst JĂ€ger und kannte unsere Probleme. Er erklĂ€rte, ohne seinen Rotzkocher aussem Hals zu nehmen, dat et Jagdgegner in den radikalsten Formen gĂ€be, denen demokratische Grundregeln offensichtlich fremd wĂ€rn. „Das sind keine harmlosen Körnerfresser, sondern Öko-Faschisten!“, betonte er, „denen ist jedes Mittel Recht. Je spektakulĂ€rer ihre Aktionen, umso mehr Spenden gehen bei deren Tarn-Organisationen ein. Das ist der verdammte Zeitgeist, weil das Töten von Tieren inne Bevölkerung gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig abgelehnt wird!“
Dat konnte ich einfach nich begreifen, dat bei so zweifelhaften Organisationen Millionen von Euro inne Kassen flossen. Waren die Spender denn alle verrĂŒckt? Am Kotelett, wat die KnalltĂŒten schmatzen, hing doch auch ma en lebendiget Schwein dran!
Wir besprachen unser gemeinsamet Vorgehn und verstĂ€ndigten uns darauf, von jedem verdĂ€chtigen Fahrzeug kĂŒnftig dat Kennzeichen zu notieren und ĂŒberprĂŒfen zu lassen. Bei jedem Ansitz sollten von wegen die Beweiskraft und eigene Sicherheit immer zwei Kanzeln besetzt werden.
Die Belohnung zum Schnappen der TÀter wurde viermal ganzseitig im VerbandskÀseblÀttchen veröffentlicht. Leider meldete sich noch immer kein VerrÀter.
Mit NachtsichtgerĂ€ten beobachten wir fast zwei Monate lang dat Revier. Et tat sich nix. Wir hatten lediglich LiebespĂ€rchen mit Sternkes inne Augen „erwischt“ und ab und zu besoffene junge Burschen auf ner „Alkoholschleichroute“.
Eines Nachts aber wurde et echt heiß:
Uli und ich saßen Samstagnacht getrennt auf Wildschweine an, die mehrfach die Felder umgedreht hatten. So gegen 2.00 Uhr fiel ihm en GelĂ€ndewagen mit ausgeschaltetem Scheinwerfern auf. Er rief mich an und gab die Fahrtrichtung durch. Jetz musste et schnell gehn.
Runter vom Hochsitz, Revolver eingesteckt, Taschenlampe umgehĂ€ngt und mit Abblendlicht hinter dem Fahrzeug her. Ruck zuck hatten wir den verdĂ€chtigen Wagen blockiert. Blitzschnell sprangen wir aus den Autos, blendeten den Fahrer mit die Taschenlampen, rissen seine WagentĂŒr auf und peilten auf ne mĂ€nnliche Person, die uns entsetzt anstarrte. Ich hielt ihm meinen Jagdschutzausweis und Revolver vor die Nase. „Guten Morgen, Jagdschutz! Kannze uns ma erklĂ€ren, wat Du um diese Zeit hier im Revier zu suchen hass? Und warum hasse dat Licht an Deiner Kiste aus?“
Der Kerl wollte nich mit die Sprache raus. Ich wurde ungeduldig: „Lass Dir nich allet ausse Nase kitzeln, raus mit die Sprache!“
Der Uli fackelte nich lange, packte ihn beim Kragen, zerrte ihn aussem Auto und schrie: „Mach das Maul auf!“
„Ich nix verstehn,.“ „Ach“, sachte ich, „gebrochen Deutsch sprechen kannze ja, dat iss aber schön. Uli, mach ma den Kofferraum auf.“
Ich hatte richtig getippt. Zwei blutverschmierte Messer und en Fleischerhaken, an dem en Hase hing, fand er in einer Aldi-PlastiktĂŒte. Der Hase war noch warm. „Willi, ihn den Revolver vor die Nase und fass nix an, dat iss en Wilderer, ich rufe die Polizei und hole Gummihandschuhe aus dem Auto von wegen FingerabdrĂŒcke! Beobachte die Umgebung, der Kerl ist vielleicht nicht allein!“
Dat SchĂ€rfste fanden wir aber nich im Kofferraum, sondern im Handschuhfach. Ne geladene russische “Makarov Pistole“. Und auffem Beifahrersitz lagen unter ner grauen MilitĂ€rdecke ne SchonzeitbĂŒchse, Kaliber .22 mag mit nem aufgeschraubten „Schallschlucker“, en Suchscheinwerfer und en russischet NachtsichtgerĂ€t. „Towaritsch!“, schrie ich, „beide HĂ€nde auf dat Autodach und die Beine auseinander! Wat meinze wat wir in Deinem Auto gefunden haben? Kuck ma, wat ich hier inne Hand hab. Dat iss ne geladene Pistole. Du biss vorlĂ€ufig festgenommen.“ Ich vermutete bei dem Typ auch ne Waffe am Balg. „Uli, taste den Kerl ab, der iss nich koscher.“ Laut fluchend ließ der Strolch die Leibesvisite ĂŒber sich ergehn. „Willi, der ist sauber.“
„Wat, sauber soll der sein? Der hat schwer Dreck am Stecken!“ Ich fragte nach dem Personalausweis, FĂŒhrerschein, Jagdschein und der Waffenbesitzkarte. „Ich nix verstehn.“ Dann spuckte mir der Mistkerl auch noch voll int Gesicht. Mir wurde fast ĂŒbel. Jetz war Schluss mit lustig! „Junge, merk et Dir, Willi PĂŒttmann aussem Ruhrpott spuckt niemand an.“
„Ich nix verstehn.“
„Dein Spucken war ne vorsĂ€tzliche Körperverletzung, deshalb muss ich jetz leider in Notwehr handeln. Vielleicht verstehsse dann besser. Ich holte aus und haute dem Drecksack die rechte Faust voll inne Magengrube. Wenn der Uli mich nich zurĂŒckgehalten hĂ€tte, wĂŒsste ich nich, wat ich mit dem Schweinehund sonst noch gemacht hĂ€tte.
Innerhalb von fĂŒnfzehn Minuten saß der Kerl mit Handschellen inne „Blauen Minna“. Vorher aber kloppte er wie irre auf die Polizeibeamten ein. Damit fing er sich auch noch ne Anzeige wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein.
Bei die weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dat sein Fahrzeug gestohlen war und et sich bei ihm um en vorbestraften Dieb handelte, der jahrelang inne Umgebung geklaut und gewildert hatte.
Die Festnahme sprach sich wie en Lauffeuer im Landkreis herum.

En Wilddieb hatten wir hinter Schloss und Riegel gebracht, aber noch niemanden von den autonomen Tierrechtlern.
Wegen der ausgesetzten Belohnung und der großen Aufmerksamkeit, die uns wegen dem Wilddieb die Presse bescherte, gaben wir doch fĂŒr die BrĂŒder dat ideale Feindbild ab.
Trotz sorgfĂ€ltigster Revierbeobachtung, war et aber unmöglich, jede der achtunddreißig Jagdeinrichtungen rund umme Uhr zu schĂŒtzen.

Et waren gerade ma vier Monate nach dem Einbruch inne HĂŒtte verstrichen, da kam die nĂ€chste Hiobsbotschaft: An vier Schlafkanzeln waren sĂ€mtliche StĂŒtzholme angesĂ€gt und die Kanzeln mit em GelĂ€ndewagen zum Einsturz gebracht worden. Totalschaden! Überall im Revier fanden wir FlugblĂ€tter:

„Wir sind DIE NAGENDEN BIBER, nagen besonders gern an Pfahlbauten.
Wir sind AnwĂ€lte rechtloser Tiere!“


DarĂŒber hinaus hatten die „Biber“ an sechs Ansitzleitern die oberen zwei Sprossen angesĂ€gt.
Der Schaden betrug etwa dreitausendfĂŒnfhundert Euro. Den beglich keine Versicherung, denn et gibt bis heute keine GebĂ€udeversicherung fĂŒr „Pfahlbauten“.

Dat mit die angesĂ€gten Sprossen war en eindeutig vorsĂ€tzlichen und hundsgemeinen Angriff auf unser Leben! TierschĂŒtzer wollten dat sein! Und wat war denen en Menschenleben wert? Verbrecher warn dat! Dat waren auch keine Geisteskranke. Nee, dat waren gewissenlose „Jagdterroristen“!
Jeder Politiker wĂŒrde bei nem Terrorakt hysterisch werden und sofort nach dem starken Arm vom Vater Staat winseln. Den Terror gegen uns JĂ€ger nimmt aber kaum en Regierungsheini wahr. Wat iss dat fĂŒr ne schreiende Ungerechtigkeit!
Wir waren im Landkreis nich dat einzige Revier, in dem die Terrorbande zugeschlagen hatte. Dat tröstete uns keineswegs. Im Gegenteil!
Wieder kam die Polizei, sicherte Fahrspuren und abermals hab ich Anzeige erstattet. Berta sah rot: „Wenn die Saubande so brutal iss, mĂŒssen wir die Belohnung um weitere fĂŒnfhundert Euro anheben, auf insgesamt 1500 Euro. Irgendwann kriegen wir die Misthunde!“
Dieset Mal brachte sogar die ĂŒberregionale Presse en ausfĂŒhrlichen Bericht vonne Tat und der beachtlichen Belohnung. Beide FlugblĂ€tter wurden riesengroß abgedruckt.
Da wir Sorgen vor weiteren „Biber-FeldzĂŒgen“ hatten, wurden tĂ€glich die Reviereinrichtungen auf Sicherheit ĂŒberprĂŒft. Dat machte zwar viel Arbeit, war aber besser fĂŒr unsere Gesundheit. Bei jedem Reviergang hatten wir ne Kurzwaffe einstecken. So weit war et schon gekommen!

Nun halten Se sich fest:
Der Abdruck vonne FlugblĂ€tter und die fette Belohnung waren höchstwahrscheinlich der SchlĂŒssel fĂŒr ne Reihe von spektakulĂ€ren Festnahmen:
Ein zwölfjĂ€hriger SchĂŒler aussem Nachbardorf entdeckte en Paket mit den Biber-FlugblĂ€ttern und ne Aktionsliste von geplanten und verĂŒbten AnschlĂ€gen, einschließlich einer „Biber-Mitgliederliste“.
Raten Se ma wo? Inne Aktentasche von seinem Klassenlehrer! Beim Stöbern nach seinen Zensuren wurde er zufĂ€llig fĂŒndig. Der clevere Junge hatte natĂŒrlich sofort die fette Belohnung im Kopp. Er mauste die Listen, scannte die in den Klassencomputer ein und sendete allet schön per E-Mail anne Polizei. Vorsichtshalber kopierte er noch die BeweisstĂŒcke und legte die „Korpus-Deliktus-Sachen“ schön stiekum zurĂŒck inne Aktentasche. Vorsichtshalber telefonierte er inne Pause noch mit die Polizei und erzĂ€hlte seine Story.
Ne halbe Stunde spĂ€ter fĂŒhrte man dat erste „Schulidol“ ab. Zwei weibliche „Vorbilder“ derselben Schule folgten ne Stunde spĂ€ter.
In den nĂ€chsten Tagen kam et zu achtzehn Festnahmen von FĂŒhrungsaktivisten/Innen in Rheinland-Pfalz und ĂŒber hundertzwanzig Verhören von MitlĂ€ufern/Innen in mehreren BundeslĂ€ndern. ErwartungsgemĂ€ĂŸ fand man bei Hausdurchsuchungen erheblichet Belastungsmaterial, unter anderem auch en interessanten Wisch, einen „Verhaltenskodex fĂŒr Tierrechtler“.

Nach den Festnahmen fiel uns en dicken Stein vonne Seele.

Die Übergabe der Belohnung haben wir mit die Eltern und dem mutigen Jungen wĂŒrdig gefeiert. Heute iss Christian Z. en tĂŒchtigen Metzgergeselle und hat gerade die JĂ€gerprĂŒfung erfolgreich abgelegt. SelbstverstĂ€ndlich wird Christian sein erstet Wild im Revier Bassenhausen erlegen!

Herrschaften, ich sach Ihnen wat, am liebsten hÀtte ich nach all diesen Ereignissen die Brocken hingeschmissen und die Jagd aufgegeben. Hab ich aber nich. Dann hÀtten die Chaoten den Sieg inne Tasche gehabt! Den Gefallen rÀumen wir den Armleuchtern nich ein. Niemals!
Leider dĂŒrfen wir diesen Jagdterroristen nur in Notwehr die Jacke voll haun. Trotz ihrer niedertrĂ€chtigen Kampfansagen und Provokationen sollten wir immer schön dat Gesetz inne Pupille haben. Sonst sind wir nicht besser als die ideologisch verkorksten Typen.


__________________
Wolfgang M. A. Bessel
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