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Leselupe.de > Gereimtes
Krisis - Hybris
Eingestellt am 09. 12. 2006 22:21


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zyranikum
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Krisis - Hybris

Sattle fest, du selig Schiff,
Dein Ruder hier auf rauher See,
Die Wellen schlagen gar zu hoch,
Inmitten all dem Wohl und Weh,
Das uns nicht etwa friedlich wiegt,
Im Rhythmus der Gef├╝hlsgezeiten,

Da Hypnos uns den Traum versagt,
Von jenen Lyra-warmen Saiten,
Die l├╝stern der Satyr ergreift,
Um seinen Bocksgesang zu heben,
In Sph├Ąren, die selbst Phaeton st├╝rzten,
Hinab vom Gott...
...zum irdischen Erleben.
__________________
Hohe Geister wollen schaffen, lieben und untergehen...(Nietzsche)

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JoteS
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Krisis!

Hallo. Statt "sattle fest, du seelig Schiff" w├Ąre auch noch "setz die Segel, du edles Ross" ganz lustig gewesen.

Freund Phaeton war der Legende nach buchst├Ąblich ein Tiefflieger, was die Metapher doch sehr relativiert und was schliesslich auch der Grund war, weswegen Zeus ihm mit einem Blitz abschoss. F├╝r ein Ger├╝cht halte ich es , dass je ein Sph├Ąre jemanden gest├╝rzt h├Ątte, wie Du uns suggerieren m├Âchtest.

Insgesamt empfinde ich Dein Gedicht als gestelzt und wegen der unsinnigen Metaphern und gramm. Bez├╝ge missgl├╝ckt.
Viel Schein, wenig Sein.

Gruss

J├╝rgen
__________________
Oh lodernd Feuer! (Ustinov als Nero)

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zyranikum
Wird mal Schriftsteller
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hm, mit grichieschischer mythologie scheinst du es wohl nicht zu dicke zu haben, wenn du meinst eine sph├Ąre h├Ątte wohl noch nie wen gest├╝rzt. die sph├Ąre, in die wohl auch phaeton eindrang, ist nun mal nicht f├╝r den menschen bestimmt. dass er sich den sonnenwagen borgt, steht seinem status nicht zu. es ist wohl auch eines der hauptthemen griechischer trag├Âdien, dass der zum fall kommt, welcher sich durch die hybris zum gott emporschwingt und von dort aus kl├Ąglich zur├╝ck auf den boden der irdisch-menschlichen realit├Ąt geschleudert wird. ein ├Ąhnliches sinnbild ist das des ikarus...das war mir aber eben zu ausgelutscht...

und wieso gestelzt? ist damit jegliches thema das die antike aufgreift (kuck dir mal die klassik an) gestelzt? f├╝r mich muss ein gedicht nicht immer eine klare aussage haben. man kann auch danach suchen und sogar auch garkeine einbauen und sich nur am wohlklang der worte erfreuen. wer hier nicht so durchkuckt beim klassichen stoff, sollte viel lieber mit kantischem "interessenlosen wohlgefallen" vorgehen...
__________________
Hohe Geister wollen schaffen, lieben und untergehen...(Nietzsche)

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HFleiss
gesperrt
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Krisis - Hybris

Ich glaube nicht, dass es gute Gedichte gibt, die absolut keine Aussage haben. Selbst die Nonsens-Gedichte haben sie. Mir f├Ąllt es schwer, dahinterzukommen, was die Aussage ist. Im ersten Vers wird das Schiff aufgefordert, seine Ruder zu satteln (merkw├╝rdiger Vorgang). Das Wohl und Weh wiegt uns nicht etwa wohlig. Nichts gegen den Stabreim, dann aber ein anderes Adverb, auch anderen Inhalts, denn Wohl ist nun mal wohlig. Du beziehst dich aber nur auf das Weh.

Im zweiten Vers bist du bei den Griecheng├Âttern. Mir leuchtet nicht ganz ein, wenn die Leute sich auf dem Schiff schlecht f├╝hlen (seekrank?), welchen Anlass es gibt, dass sie dann gleich darauf kommen, g├Âttergleich sein zu wollen. Also der logische Zusammenhang fehlt mir doch ein bisschen. (Ja, es ist richtig, die Phaeton-Sage hat eine ├Ąhnliche Aussage wie der Ikarus, nur unterscheiden sich beide doch erheblich: Phaeton wollte es aus selbsts├╝chtigen Gr├╝nden dem Vater gleichtun, w├Ąhrend Ikarus lediglich ein bisschen voreilig war in seinem jugendlichen Eifer - falls ich die Sagen noch richtig im Kopf habe.)

Die Aussage "Hochmut kommt vor dem Fall" scheint mir in diesem Gedicht nicht ausreichend begr├╝ndet. Sprachlich m├╝sste an diesen Versen meiner Ansicht nach auch noch ein bisschen gearbeitet werden (siehe die gesattelten Ruder).

Gru├č
Hanna

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JoteS
Foren-Redakteur - tippende Inquisition
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Zyriakum

Soso, ich habs nicht mit den ollen Griechen....
Nein, Du hast es nicht mit der deutschen Sprache. Eine Sph├Ąre (Sache, inaktiv) kann nicht (aktiv) jemanden st├╝rzen.
Nochmal: Zeus hat ihn mittels Blitz gest├╝rzt. Hinzu kommt, dass Phaeton mit dem Sonnenwagen NICHT ├╝ber die Himmelssph├Ąre lenkte, sondern eben wegen seiner begrenzten menschlichen M├Âglichkeiten nicht dorthin kam und zum Tiefflieger wurde.
Er kann also, selbst wenn die Sph├Ąre zum Leben erwachen w├╝rde, nicht von dieser gest├╝rzt werden weil er sie gar nicht erst erreicht hat.

Wie Hanna und ich bereits erw├Ąhnten ist es ein ├╝beraus merkw├╝rdiger Vorgang, wenn ein Schiff selbst seine Ruder sattelt. Das ist nicht geschliffen, das ist fast schon peinlich. Das klingt gestelzt, wobei ich mit gesteltz "gewollt und nicht gekonnt" meine, womit wir wieder bei der Hybris w├Ąren.
Sp├Ątestens hier wirds grotesk. Hier hat sich tats├Ąchlich jemand in seiner Hybris in zu hohe Sph├Ąren gewagt und ist abgest├╝rzt. Kleiner Tipp: Phaeton wars nicht.

Gruss

J├╝rgen
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Oh lodernd Feuer! (Ustinov als Nero)

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zyranikum
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also gut, bevor ihr es jetzt v├Âllig zerpfl├╝ckt, versuch ich mal sinn und zweck des ganzen zu erl├Ąutern. man muss das ganze, was sich ja in 2 strophen trennt, jeweils den beiden w├Ârtern des titels zuordnen. die erste strophe bezeichnet demnach die krisis, die aus der hybris entstehen kann, n├Ąmlich ein gef├╝hlschaos, bei dem man sich an das ruder (hier: die prinzipien) klammern muss, um sich selbst (das schiff stellt das betroffene individuum dar) im wirrwarr seiner emotionen zu verlieren.

anmerkung hier: was ist daran schlimm "ein ruder festzusatteln?" dass man sich eigentlich auf einem gaul festsattelt, wei├č ich selbst. ich verstehe nicht, warum man sich keine w├Ârter aus fremden thematiken entleihen sollte, um etwas deutlicher darstellen. ich meine, wenn man sich an seinem ruder festgurtet, wie den sattel auf einem gaul, muss man sich relativ stramm an seine prinzipien (das ruder) krallen. au├čerdem gibt es auf yachten teilweise wirklich bindgurte, halt f├╝r die sitzfl├Ąche und nicht f├╝r das ruder.

dann: ich gebe HFleiss recht darin, dass das wort "wohlig" ersetzt werden m├╝sste. danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.

dass diese, durch die hybris angeregten ambivalenten gef├╝hle, dargestellt durch die "gef├╝hlsgezeiten", sich nicht "wohlig" ├Ąu├čern werden entspricht dem wesen dieser krise.

hypnos, selbst ein gott, versagt dem menschen eben jenen traum, der sich so wohlig anf├╝hlen m├╝sste, dieser traum vom gottesdasein. d.h., nicht einmal das gottessein wird einem nicht geg├Ânnt, sondern auch der traum ein gott zu sein, den gott zu spielen, wird einem von oben herab verg├Ąllt. genau so tat es phaeton. er hat den gott nur f├╝r einen tag spielen wollen und ist aber untergegangen.

das ende des ganzen, das w├Ârtliche zur├╝ckfallen auf die erde des phaeton, muss man auch dem inneren gef├╝hl des falles bei der hybris gleichsetzen. das ganze bildet dann einen rahmen zur├╝ck zur krisis, zu den irdischen problemen, zu den emotionen. durch das festklammern an die prinzipien kann eine erneute hybris dann gef├╝ttert werden. dadurch sollte sich ein inhaltlicher rahmen am ende des gedichts zu seinem anfang bilden...

anmerkung hier: auch ich kann passiv von aktiv unterscheiden, doch es wirft sich mir schon die frage auf, was das mit meinen deutschkenntnissen zu haben sollte. sind dir auch andere gedichte aufgefallen, die man mit dem duden grammatikalisch und inhaltlich zerfleischen k├Ânnte, wenn man wollte? ich meine, dass es diese zuhauf gibt, was ihnen aber keinerlei dissonanz anh├Ąngen muss. an lyrik ist eben das sch├Ân, dass man nicht mit den scheuklappen eines deutschlehrers beim diktat rangehen muss.

die hybris darf man auch nicht einfach mit ├╝bermut ├╝bersetzen. dahinter steckt viel mehr, darunter auch ein schaffensdrang ganzer kulturen, der auch deren untergang bedingte (s. antikes griechenland). sie gleicht mehr einem pfeil den man nach oben schie├čt. er geht alles schnell, dann langsamer, bruchpunkt und wieder rapide abw├Ąrts...das kann man auf so vieles ├╝bertragen, dass es m├╝├čig w├Ąre, hier aufz├Ąhlungen zu machen...


ich wei├č auch schon, was ihr sagen werdet. ich schmeisse nachtr├Ąglich eine interpretation meines eigenen gedichts in den raum. k├Ânnt ihr denken, vielleicht k├Ânnte man aber auch vor dem motzen einfach mal fragen, was das ganze soll. oder etwa nicht?
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Hohe Geister wollen schaffen, lieben und untergehen...(Nietzsche)

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