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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Krokant
Eingestellt am 23. 02. 2016 17:36


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Friedrich Malinowski
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2016

Werke: 9
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Das Drolsufer war Teil, der sĂŒdlich, im prĂ€chtigen Fluss Delta gelegenen Elfrieden Schanze, an dessen AuslĂ€ufern, durch dichte Waldungen umgeben, sich majestĂ€tisch der Sankt Eberhard erhob.
Hier, in dieser abgeschiedenen Idylle, auf fruchtbarem Terrain, tauchte eines Tages ein Kater auf.
Krokant war eine stattliche Erscheinung mit schokoladenfarbigem Fell, welches oberhalb der SchulterblĂ€tter eine Melange aus dunklen Gelbtönen aufwies. Die Pfoten waren eine Schattierung dunkler, nur an den Krallenwulsten massierte sich ein tiefes Braun. Er war von krĂ€ftiger Statur, etwas fĂŒllig vielleicht, hatte ein selbstbewusstes, ja schon fast aristokratisches Auftreten und erfreute sich unter seinesgleichen großer Beliebtheit. Wenn man Krokant sah, konnte man meinen, fĂŒr ihn habe sich der Schöpfer mehr Zeit gelassen.
Der Ziegenmelker, der gerade von der Nachtschicht kam und noch an einem Schnabelkerfer kaute, hatte ihn zuerst entdeckt und gab die Nachricht mit vollem Mund weiter.
„Wer ist tot?“, fragte der SteinschmĂ€tzer, der nicht ganz verstanden hatte. Er war die Ordonnanz des Kolkraben. Über ihn liefen alle Informationen, die mit der Inneren Sicherheit im Zusammenhang standen.
„Eindringling auf Planquadrat 24!“ Das war deutlich!
Sofort formierte sich die heimische Vogelschar.
Eindringlinge waren hier an der Tagesordnung. Nur ĂŒberprĂŒfen musste man sie schon. Waren sie harmlos und verließen das Revier wieder, hatte man keine EinwĂ€nde. Blieben sie allerdings, um hier auf Beute zu gehen, konnten die Reaktionen recht ungemĂŒtlich werden.
In Windeseile wurden die strategisch wichtigen Punkte unter Kontrolle gebracht. Jeder dieser Posten war mit Spezialisten besetzt. Die SpĂ€her gingen auf Spurensuche und stellten Nachforschungen an, die Analytiker sichteten das Material und gaben die Ergebnisse an die FĂŒhrungsebene weiter. Die traf die Entscheidung!
„Hast du ihn schon vermessen? “, fragte der Kolkrabe.
„Sekunde, ich bin grad dabei.“
Clori, der Buntspecht ritzte noch schnell ein paar Zahlen in die Zeder, dann rief er Pica, die Elster, denn Mathe & Physik konnte er nicht, da war er grad auf Brautschau, sagte er jedenfalls. Pica sah sich das Gekritzel kopfschĂŒttelnd an.
„Also, das ist nur trĂ€ge Materie, nach Newton muss die angeschoben werden, wenn die Zahlen hier stimmen.“
„Und wie sieht es mit der Stoffmengenkonzentration aus?“
„Alles im grĂŒnen Bereich, unter einem Mol.“
„Trotzdem, behaltet den Kerl im Auge, dieser Spezies ist nicht zu trauen. Und Frugi soll fĂŒr alle FĂ€lle schon mal die FĂ€hrte legen.“
Frugi, die SaatkrÀhe, alt eingesessenes Mitglied der Maiskolbenkolonie, war schlau, kannte alle Schliche und wurde besonders bei verdeckten Aktionen eingesetzt.
Die Maschinerie lief auf vollen Touren.
Derweil markierte der unternehmungslustige Krokant, der in der Tat unter Gewichtsproblemen zu leiden hatte, behĂ€big, aber wohlgemut, sein neues Revier. Die Böschungen entlang der Ufer-Promenade mit der anschließenden, von Schilfdickicht umgebenen kleinen Halbinsel und seiner natĂŒrlichen Artenvielfalt, waren ein Biotop so recht nach seinen WĂŒnschen.
Ein GerĂ€usch ließ ihn die Ohren spitzen.
Er schlich sich weiter heran. Das hörte sich wie ein Rotkehlchen an. Oder? Die Ungewissheit veranlasste ihn, weiter in das Dickicht einzudringen. Sicher war er sich nicht. Es könnte auch ein Buchfink sein. Streng genommen war das alles Kokolores, was er da dachte, denn von Haus aus kannte er eh nur die Kanarien und die auch nur vom „Vor dem KĂ€fig sitzen.“ Allerdings, wenn er unter seinesgleichen war, wie frĂŒher, mit Felidae oder Bob dem Streuner, dann markierte er gern den großen Macker und protzte mit seinen ornithologischen Kenntnissen.
Es war ein Wohlfraß! Nur einen Fangsprung entfernt.
Er konzentrierte sich, warf noch einen kurzen Blick auf seine Krallen, verlagerte sein Gewicht auf die HinterlĂ€ufe und schnellte mit einem mĂ€chtigen Sprung in Richtung Beute. In der Luft noch, erkannte er die Falle, aber es war zu spĂ€t. Die Beute war weg, der Boden gab nach, Krokant saß in der Falle.
Frugi meldete Vollzug. Sie hatte ganze Arbeit geleistet.
Krokant saß in der Patsche
Patschen sind kleine, raffiniert angelegte Fallen, ungefĂ€hr zwei Meter tiefe Sumpflöcher aus Matsch, Schlick-Schlamm und Moderlehm. Speziell fĂŒr StraftĂ€ter der I. Kategorie.
Krokant konnte sich glĂŒcklich schĂ€tzen, nicht an die II. oder gar III. Kategorie geraten zu sein. Von Delinquenten, die hier einsaßen, so erzĂ€hlte man sich, hĂ€tten nur wenige ein normales Leben weiterfĂŒhren können, die meisten jedoch liefen mit einem riesigen Satthals durch die Gegend.
Mit diesen „BĂŒĂŸer-Patschen“ hatte es eine besondere Bewandtnis. Vor einiger Zeit wurden hier zwei Katzen ausgesetzt, die die ganze Gegend unsicher machten. Aus Sorge um die Arterhaltung und um den Brutbestand zu schĂŒtzen, wurden auf Anordnung des Kolkraben, entlang der Vogelfluglinie solche Patschen, die ja letztlich nur der eigenen Sicherheit und zur Abschreckung dienen sollten, eingerichtet.
FĂŒr Krokant waren diese entwicklungsgeschichtlichen Betrachtungen zunĂ€chst von untergeordneter Bedeutung, schließlich stand ihm die Pampe bis zum Hals. Verzweifelt ruderte er aus LeibeskrĂ€ften bis seine Krallen einen festen Widerstand fanden und er sich an einer Seitenwand hochziehen konnte.
Viel Aristokratisches war nicht geblieben. Krokant sah erbarmungswĂŒrdig aus.
WĂ€hrend er seinen Schwanz einzog und sich seitwĂ€rts in die BĂŒsche schlug, jubilierten auf der Galerie die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen.

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Frima

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