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Leselupe.de > Humor und Satire
Künstlerkatzen
Eingestellt am 18. 10. 2004 13:17


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catsoul
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Künstlerkatzen

cat / 30.08.2004

Neulich kam eine Freundin mit einem tollen Buch an, welches sie vor Kurzem geschenkt bekommen hatte, in dem es sehr ernsthaft über Katzen als Künstler geht.
Katzen sind meine Lieblingstiere und ich sammele alles, auf dem eine Katze abgebildet ist. Nicht allein deshalb neugierig, hab ich das Buch gleich mal ansehen, durchblättern und durchlesen müssen.
Die Katzen, über die darin berichtet wird, malen Bilder, machen Installationen und bilden Kunstwerke.
Für den Laien mag das so aussehen, dass weniger schmackhafte Teile von Mäusen in der Wohnung verteilt werden und Mobiliar bearbeitet - vordergründig dankbar modellierbare Medien wie Textilien oder Polstermöbel. Die Palette ist sehr umfangreich und überzeugend.
Mich wundert, dass in diesem Buch die künstlerische Verteilung von nicht ganz so genehmem Edelfutter oder gar dessen Verdauungsprodukten keinen Eingang gefunden hat.
Nein, es bleibt bei einer durchgehenden Ästhetik, die Fotos sind fast alle von hervorragender Qualität und eigentlich der einzig künstlerische Aspekt.
Was mich ein wenig beunruhigte, war, dass viele dieser Wesen Muster malten, die im Nachhinein Rückschlüsse auf Ereignisse zuließen.

Aber als moderner Mensch dauernd mit Dingen konfrontiert, die einen vom vernünftigen Denken abhalten, faszinierte mich der Gedanke kätzischer Kunst. Warum sollten nur Menschen Künstler sein?

Ich gebe zu, seit ich etwas von Katzenkunst weiß, schaue ich unsere Katze Alina mit ganz anderen Augen an. Als vorige Woche zwei tote Mäuse auf der Treppe lagen, konnte mein Freund mich gerade noch davon abhalten die beiden mit Haarspray einzusprühen, damit sie haltbarer würden. Unsere Digitalkamera entrang er meinen Händen und meinte, ich solle die Viecher wegräumen... ach ja, Männer haben doch echt keinen Kunstverstand!
Ich musste also auf die nächste Maus warten...

In der Zwischenzeit war ich schon versucht Farben für Alina zu kaufen. Leider kenne ich mich mit Farben überhaupt nicht aus. Also ging ich in ein Farbenfachgeschäft – auch Baumarkt genannt. Die größte Schwierigkeit bestand darin einen Verkäufer zu finden, der mir beratend zur Seite stehen könnte. Nach gut einer Stunde konnte ich endlich meine Frage an den sehr kompetent wirkenden Verkäufer loswerden:
„Welche Art von Farben können sie mir für meine Katze empfehlen?“
„Für Ihre Katze? Sie wissen aber schon, dass Katzenfärben Tierquälerei ist? Tut mir leid, am besten wenden sie sich an einen Katzenfriseur!“
Es nützte auch nichts, dass ich dem jungen Mann versicherte, meiner Alina würde kein Leid geschehen, im Gegenteil, es wäre für eine künstlerische Aufarbeitung ihres Jugendtraumas. Alina war mit knapp acht Wochen ihrer Mutter entrissen und zu mir in den Haushalt gebracht wurden. Dort musste sie nach einem halben Jahr ihr Revier gegen einen Kater verteidigen, der sehr frech und schlau war. Als erstes hatte Moritz nämlich Alinas Stammplatz ganz oben auf dem Kratzbaum eingenommen. Selbst hartnäckiges Fauchen und Schlagen brachten ihn nicht davon ab. Ein paar Tage später mochten sich die beiden sehr, aber der Anfang der Beziehung könnte ja noch Nachwirkungen haben...
Der junge Mann ließ mich einfach stehen, noch bevor ich zu Ende erzählt hatte... also diese Jugend von heute! Keinen Anstand und keine Zeit mehr für die Kunden.

Seufzend machte ich mich wieder auf den Weg. Zu Hause wälzte ich das Örtliche und danach, da ich dort nichts fand, die gelben Seiten. Aber auch da stand nirgendwo der Name eines Katzenfriseurs.
Als ich meinem Freund von meiner vergeblichen Suche erzählte, meinte er lachend, ich solle doch mal zu meinem Friseur gehen. Natürlich! Dass ich da nicht gleich selber dran gedacht hatte.
Gleich am nächsten Morgen machte ich mich auf und mein Friseur war sehr erfreut mich zu sehen. Einladend wies er auf den freien Sessel am Fenster und während er meine Haare behandelte, erzählte er mir den neuesten Klatsch und Tratsch. Als ich endlich zu Wort kam, um meine Frage loszuwerden, war ich fertig frisiert und die nächste Kundin wartete bereits hinter meinem Sessel, um darin Platz zu nehmen.
Mein Friseur empfahl mir, mich doch einmal mit meinem Tierarzt in Verbindung zu setzen. Besser wäre es aber meinen Hausarzt aufzusuchen. Auf meine Frage:
„Warum das denn?“, erhielt ich keine Antwort mehr...

Da ich nun einmal in der Stadt war, konnte ich genauso gut auch beim Tierarzt vorbei schauen. Leider hatte er an diesem Nachmittag keine Sprechstunde und ich musste unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen.

Alina empfing mich maunzend und zeigte mir eine winzig kleine Maus, die sie wohl soeben erlegt haben musste. Die Installation der Maus befand sich in unserem Garten und Alina schien ganz stolz auf das geschaffene Werk zu sein.
Ich war mir sicher, das würde der Durchbruch für die Katzenkunst auch in unseren Breiten sein!
Die tote Maus lag ganz anmutig zwischen blauen Veilchen und roten Mittagsblumen. Ein imposantes Farbspektrum. Dieses helle Braun in dem satten Grün der Wiese, umrahmt von Blau und Rot. Einfach beeindruckend! Fast ehrfürchtig stand ich davor.
Nach ein paar Minuten konnte ich mich von dem überwältigenden Anblick losreißen. Schnell eilte ich ins Haus, um die Digitalkamera zu holen. Diese wunderbare Installation musste im Bild für die Nachwelt erhalten werden!
Als ich zurück kam, sah ich gerade noch das letzte Stück Mäuseschwanz in Alinas Maul verschwinden. Ganz geknickt ließ ich mich im Gras nieder. Alina kuschelte sich zufrieden in meinen Schoß und schnurrte wohlig.

Meine Enttäuschung war nur von kurzer Dauer. Ich nahm Alina hoch und redete ihr ins Gewissen. Das nächste Mal solle sie doch bitte warten, bis ich wenigstens ein Foto vom Ergebnis ihrer künstlerischen Tätigkeit gemacht hätte. Schnurrend gab mir Alina zu verstehen, dass eine neuerliche Installation mit einer Maus nicht lange auf sich warten lassen würde. Zufrieden setzte ich Alina ins Gras und begab mich an meinen PC, um Internetrecherche zu betreiben.
Tatsächlich fand ich ein oder zwei Seiten, die sich mit künstlerisch begabten Katzen befassten. Aber eine Antwort auf meine wichtigste Frage, die der Farbenauswahl, konnte ich nicht finden...
Mir blieb nur noch ein Weg - ich musste das Buch meiner Freundin ausleihen. Leider war diese gerade zu einer Urlaubsreise aufgebrochen. Da fiel mir ein, ich könnte ja den Titel des Buches bei Google eingeben, sicher würde ich etwas entsprechendes finden...
Dummerweise fiel mir der Titel nicht ein, also schrieb ich einfach ‚Katzenkunst’ als Suchbegriff. Uff, 716 Treffer!
Drei Stunden später stand Alina maunzend vor meinem Sessel und verlangte nach Streicheleinheiten, mein Freund rief, es gäbe Essen... als ob ich jetzt an Essen denken könnte, so kurz vor dem Ziel!
Zwei Stunden und 200 Internetseiten später fielen mir die Augen zu. Alina hatte die ganze Zeit auf meinem Schoß gelegen und geschnurrt. Ohh, ich liebe dieses Schnurren, es beruhigt unheimlich. Ich wollte die nächste Seite im PC anklicken, aber meine Hand blieb unbeweglich liegen. Ich schlief...

Alina reckte und streckte sich, sprang auf die Tastatur und schaute mich ganz ernsthaft an. Leise aber eindringlich begann sie zu sprechen:
„Hör mal, ich weiß, du willst immer nur das beste für mich. Aber dein Kunstwahn geht etwas zu weit. Ich will mein Leben genießen, schließlich bin ich erst eineinhalb Jahre alt! Zu jung um das Leben mit Arbeit zu vergeuden! Also schmink dir eine Künstlerkarriere für mich ab!“
Drohend blinkerten ihre Augen und sie fauchte kurz.

Als ich erwachte tat mir jedes Körperteil weh. Alina lag auf meinem Schoß und streckte sich, schnurrte leise und sprang hoheitsvoll hinab.
Ich schlich mich ins Bett und kuschelte mich an meinen Freund.
Am nächsten Morgen rief mich meine Freundin an und meinte, da mich dieses komische Katzenbuch so sehr zu interessieren schien, hätte sie es im Urlaub für mich gekauft und sicher würde es bald mit der Post kommen...

Als drei Tage später der Postbote ein Paket meiner Freundin brachte, schaffte ich es unausgepackt auf den Speicher.

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flammarion
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hm,

eine sehr nette geschichte. ich bin auch große katzenfreundin, also sammle ich auch solche katzengeschichten.
lg
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Old Icke

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