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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Küss mich nicht irgendwie!
Eingestellt am 17. 04. 2004 18:31


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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

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Pia knallte den Brief auf den Tisch, als wäre er ein unerhörtes Beweisstück. Ein winziger Blick genügte mir, um die Brisanz der Situation zu erfassen. Dennoch erlaubte ich mir ein freundliches Hallo, denn immerhin war es einige Stunden her, seit wir uns zuletzt gesehen hatten.
„Lenk nicht ab, Henry“, sagte Pia.
„Hinreißend siehst Du aus“, sagte ich ohne jede Übertreibung. Aus der blonden Fülle, zu der Pia ihr Haar hochgesteckt hatte, fielen zwei, drei spiralförmige Strähnen herab. Ihr dunkler Rock zeigte mehr von ihren Beinen, als er verbarg. Dazu Stiefel, schwarz und elegant, deren Schäfte bis ans Knie reichten.
„Schuft!“, sagte Pia.
„Moment“, sagte ich und öffnete beschwichtigend die Hände. „Es ist nur ein Brief.“
„Nur ein Brief“, wiederholte Pia und lachte hell auf. Der Zorn stand ihr wunderbar.
„Sei bitte nicht kindisch, Pia“, sagte ich und fragte mich insgeheim, wie Lillys Brief in Pias Hände gekommen sein könnte. Dass Pia in meinen Taschen stöberte, setzte eine Neugier voraus, die ich ihr nicht zutraute. Also kam nur Achtlosigkeit meinerseits in Betracht.
„Kindisch?“ rief Pia, schnappte den Brief und zitierte fortissimo:
„Darf ich sagen, es war eine zauberhafte Nacht? Ich weiß jetzt, Du bist nicht nur in deinen Briefen ein Jongleur, sondern auch im Leben. Wie schön, dass wir uns nicht nur in unseren Worten begegnet sind. Es war ein Rausch, wie ich noch keinen erlebt habe. Aber halt, ich will, ich kann, ich darf nicht die realen Konstellationen, in denen Du lebst, zerstören. Und doch verbietet mir mein Gefühl, dich nicht ganz und gar zu wollen.“

Händeringend wies ich auf die Regale ringsum, die voller Bücher mit Geschichten standen, in denen alles Fiktion war. Was hatten die Worte, diese zu Zeichen geronnenen Wünsche und Fantasien, mit der Wirklichkeit gemein? Und wer, wenn nicht Pia, die täglich Recht suchte und aussichtsreiche wie aussichtslose Fälle verteidigte, besaß die Fähigkeit, das einzusehen?
„Lass es dir erklären“, setzte ich an.
„Lügner“, fauchte Pia und hob ihr Kinn so kämpferisch, dass ihr luftig arrangiertes Haar zitterte.
„Es ist nichts Reales, es ist nur eine Idee“, erklärte ich. „Es sind Szenen, die, wenn alles glückt, eine Art Briefroman ergeben.“
„Lächerlich!“ sagte Pia und ließ den Brief aus ihren spitzen Fingern gleiten. „Ich glaube dir kein Wort.“




„Es ist ein Spiel“, beharrte ich, während das Blatt schaukelnd zu Boden fiel. „Und es ist erst der Anfang.“

Voller Verachtung hob Pia ihre fein gezeichneten Brauen und klappte ihre Handtasche auf. Ich sah auf ihre erstaunlich dünnen Finger, die eine hektisch wirkende Aktivität entfalteten: Ein Plastikfeuerzeug kam zum Vorschein und eine angebrochene Gauloisesschachtel, aus der sie eine Zigarette zog. Der Daumen drehte das Rädchen, und ein blaues Flämmchen sprang heraus.
Mit dem ersten Zug warf sich Pia in den Sessel. Ihre Rechte fuhr hinunter, um die Lederstiefel zu öffnen. Überraschend, dass sie sockenlos darin ging. Mit zwei harten Akzenten trafen die Absätze auf den Boden. Pia schlug ihre Beine übereinander, so dass der rechte Fuß ein Stück über dem Parkett schwebte. Bloße, gebräunte Haut bis hin zum Ansatz des Rocks.
Es war die Chance.
Leichthin beugte ich mich hinab, um Lillys Brief aus dem Blickfeld zu schaffen. Pias Zehen wippten vor meinem Gesicht, die Nägel hellrot lackiert. Ich sah zu ihr auf – Rauchschleier stiegen aus ihrem Mund – und eine seltsame Heiterkeit überkam mich. In einem Anflug von Leichtsinn berührte ich ihren verführerischen Fuß, der irritiert zurückwich. Meine Hand fasste die schlanke Fessel und die Lippen senkten sich hinab, zählten die Zehen und strichen über den Spann, unter dessen dünner Haut die erhitzten Venen einem feinen ausgreifenden Wurzelwerk glichen.

„Mein Gott“, sagte Pia kaum hörbar. Hinter ihr leuchtete der Hibiskus in einem unverschämt prachtvollen Rot. Meine Zungenspitze zeichnete feuchte Mäander über ihren Fuß und erfand spielerische Formen. Ein leichtes Zucken, das ich als Reflex deutete. Sollte ich Nachsicht erwarten dürfen? In meiner Haltung kam ich mir wie ein Bußfertiger vor.
„Mein Gott“, sagte Pia wieder und zog an ihrer Zigarette. Spitz ragte ihr Knie vor mir auf. Wie in Großaufnahme sah ich winzige Narben, leicht erhaben und seltsam fremd auf dem exponierten Gelenk und der sonst makellosen Haut. Ich küsste sie, ich dachte an Straßenstaub, an Hitze und Wind. Als enthielten die blassen Kindheitsnarben eine mitteilbare Erinnerung an eine Vergangenheit, in der das Leben wildes Spiel und Abenteuer gewesen war.
Langsam wanderte meine Zunge die Schenkel bis zur Rockgrenze hinauf. Von oben hörte ich ein mildes, resignatives Seufzen.
Für Sekunden schloss Pia ihre Augen und zeigte das grünliche Schimmern ihrer gefärbten Lider. Mit einer sanften Bewegung, die mehr verführerisches Kalkül als Impuls war, schob ich ihre Beine auseinander. Ihr Kopf fiel in den Nacken, meine Anklägerin sah in den Himmel, der nicht vorhanden war. Nur eine musterlos weiße Zimmerdecke. Ich griff unter ihren Rock, zog, kaum mehr rücksichtsvoll, den elastischen Slip unter ihr weg und warf ihn dorthin, wo sich meine Manuskripte stapelten.
Meine Zunge kroch an ihren Oberschenkeln hinauf und glitt über das spröde Haar ihres Schoßes. Als Antwort folgte ein gedehnter Laut. Ich legte meine Rechte an Pias Bauch und ließ meine Zunge spielen, ein Züngeln der Spitze, die in die Spalte drang und eine leichte Bitterkeit schmeckte. Die Zunge streckte sich, ein wilder Muskel, der in der Tiefe alles Erdenkliche an Beweglichkeit probierte. Ein Wahn hatte sie ergriffen, eine Gier, mit der sie Pia aufwühlte. Pia, meine sich kühl Gebende, meine Zornige, meine Anklagende, meine Zwiespältige. Ihr Atem war zu schnell, ihr Herz zu unruhig, ihre Lippen zu trocken, ihre Haut zu heiß. Ein Stöhnen über mir, dort, wo Pia eben noch als Ungerührte und Unberührbare gethront hatte. Jetzt war sie das Opfer meiner Zunge, ganz und gar. Ich suchte mit den Lippen die empfindlichste Partie, die unter all der Weichheit spürbar war, und quälte sie lustvoll, begierig und ungestüm, ich spielte und hörte das lauter werdende Seufzen – es war meine Revanche.
Ein Beben ging durch Pias Körper, und ihr Unterleib schlug gegen mein Gesicht. Eine Folge halb erstickter Vokale verriet, dass sie verloren war. Ich sah auf und hatte wieder das leuchtende Rot des Hibiskus im Blick. Die sich weit öffnenden Blüten, aus deren Mitte ein opulentes Gebilde ragte. Mit einem gelben Flaum dekoriert und strotzend vor Farbe und Leuchtkraft.

Erschöpft sank Pia in ihrem Sessel zurück. Vorsichtig richtete ich mich auf und angelte ihren seidenen Slip vom Schreibtisch. Matt lächelnd nahm sie ihn entgegen und blieb, wie sie war, die Hitze und die Nacktheit ihres Schoßes genießend. Hatte sie mir fürs Erste verziehen? Vor mir lag, leicht verknittert, das verräterische Schriftstück: Küss mich, aber küss mich nicht irgendwie, küss mich wieder und wieder, wo und wie es dir gefällt.
Pia schaute aus halb geschlossenen Augen her. Ich nickte sacht. Immer noch sah sie hinreißend aus.


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poppins
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Hallo Anonymous –

toll geschrieben, eine ziemlich originelle Ausrede :-D und ein gewieftes Ablenkungsmanöver ...
schöne Szene!

Paar Kleinigkeiten:

„Ich sah zu ihr auf – Rauschleier stiegen aus ihrem Mund ...“
Rausch-Leier *G* oder Rauschl-Eier (österlich)*GGG* - Rauchschleier wohl ;-)

„Von oben hörte ich ein mildes, resignatives Seufzen.“
... resigniertes ... oder resignierendes


Hat richtig Spass gemacht, das zu lesen!
__________________
Verschiebe nicht auf morgen, was auch bis übermorgen Zeit hat.
(Mark Twain)

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Lotte Werther
Guest
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An Anonymous

Weisst du, was für mich das Erregendste war an dieser toll geschriebenen Geschichte?

Wie du den Hibiskus ins Spiel bringst. Erst nur kurz erwähnt.

Hinter ihr leuchtete der Hibiskus in einem unverschämt prachtvollen Rot...

Dann, später, parallell zum Zungenspiel, eine erotisierende Beschreibung der Blüten.

Ich sah auf und hatte wieder das leuchtende Rot des Hibiskus im Blick. Die sich weit öffnenden Blüten, aus deren Mitte ein opulentes Gebilde ragte. Mit einem gelben Flaum dekoriert und strotzend vor Farbe und Leuchtkraft.

Nun weiss ich, warum ich Hibiskusblüten schon immer mochte, nicht nur als Tee.

Lotte Werther

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Monfou Nouveau
???
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Hi poppins,

wirklich schön, dass die Story gefällt. Danke für die Hinweise! Über das „resignative“ hatte ich vorher schon nachgedacht: resigniert, resignativ, resignierend, schwierige Frage, aber vielleicht ist „resignierendes Seufzen“ die beste Variante. Die „vertippten“ Rauchschleier sind korrigiert.


Hallo Lotte Werther,

ja, der Hibiskus, diese Blüte sieht wirklich verdammt erotisch aus. Was die Natur so hervorbringt an Pracht. Herzliches Danke fürs interessierte Lesen!

Mit aprilfrischen Grüßen
A.

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IKT
Guest
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Hi A., auch ich kann nur lobende Worte finden. Beim Lesen spürt man erst die "wutgeladene" Stimmung von Pia, die dann umschlägt in knisternde Erotik. Mit einem kleinen Augenzwinkern nur eine Frage: Den Slip einfach wegziehen, wenn sie doch sitzt? Aber ich nehme an, da war sie schon entgegenkommender? (Schmunzel)
Liebe Grüße und schönen "Restsonntag! IKT

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Monfou Nouveau
???
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Hi IKT,

finde ich gut auf den Punkt gebracht: Wut schlägt um in Erotik.

Danke für den Slip-Detail-Hinweis, den ich interessant finde. Ohne die Beschreibung aufschwellen zu wollen, kann ich das vielleicht, wenn mir was einfällt, durch eine kleine sprachliche Wendung hinkriegen. Es muss sich natürlich ganz selbstverständlich ergeben, sonst wäre es "Gefummel".

Viele Grüße
A.

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Gunnar Zimtstick
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Hallo Anonymous,

zunächst einmal: stilistisch ist der Text Spitze, nichts zu meckern.

Aber: er ist (noch) keine Geschichte, die Handlung ist viel zu dünn. Der Text müsste unbedingt ausgebaut werden.
Denn die wichtigste Stelle, nämlich dort, wo die Wut in Erotik umschlägt, da holpert es. Ich kann diesen Übergang anhand von dem, was ich bisher weiß, einfach nicht nachvollziehen.
Der Charakter der Pia wird nämlich nicht genau umrissen. Es fehlen mir viel zu viele zusätzliche Informationen, um den Text einordnen zu können, damit er für mich plausibel wird.

Zur Veranschaulichung ein paar Fragen:
Was ist zwischen ihm und Lilly wirklich gelaufen? Die Ausrede 'Briefroman' ist mir viel zu dünn. Und das dann ausgerechnet einer Rechtsanwältin klar machen zu wollen. (Wo war Pia eigentlich? In dem Outfit kann sie doch nicht in der Kanzlei oder im Gericht gearbeitet haben.) (Und wie kann er eine Nacht weggewesen sein? Ein Wochenendseminar? Wohnen Pia und er nicht zusammen (sie war offenbar nur ein paar Stunden weg)? Sie wirft sich in den Sessel, als ob sie dort zu Hause ist.)
Welche Beziehung besteht zwischen ihm und Pia? Lilly schreibt: "reale Konstellationen", er wundert sich aber darüber, dass Pia "überraschend" "sockenlos" in den Stiefeln geht, also kennt er Pia doch nicht so gut. Oder muss ich hier etwas anderes hinein interpretieren?
Warum hat er eine zweite Freundin, wenn er die Pia so toll findet?
Ist Pia wirklich eifersüchtig? Wie eifersüchtig ist sie? Wenn sie sehr eifersüchtig wäre, würde sei sich da einfach nicht in den Sessel werfen, sondern neben ihm stehen bleiben, und einen anklagenden Monolog führen, bis er sich nicht mehr retten kann. Sie ist schließlich Rechtsanwältin. Also muss da eine Erklärung rein, dass sie müde oder erschöpft ist, ein Grund dafür, dass ihre Konzentration nachlässt und sie sich gehen lässt.
Warum gibt sich Pia also so schnell zufrieden, oder tut sie nur so? Macht er das vielleicht jeden Tag so? Ist das nur ein Spiel, ein Ritual? (Bitte nicht, das wäre langweilig.) Was bedeutet der Satz: "Es ist ein Spiel ... und das ist erst der Anfang."?

Was beim Umgang mit einer eifersüchtigen Person stimmt, ist auf sie einzugehen, ihr zu schmeicheln, ihr zu sagen, dass sie die beste ist ..., also die Wand der aggressiven Anklage und der gleichzeitigen, in sich zurückziehenden Verteidigung abzubauen. Der Partner einer eifersüchtigen Person darf sich nicht von dieser Wand abschrecken lassen. Das ist eine verdammt schwierige Aufgabe. Wenn die Person wirklich eifersüchtig ist, dauert das Abbauen dieser Wand bei einem Fall von solch einer Schärfe (es handelt sich ja vermutlich um einen Seitensprung) Stunden behutsamer Beziehungsarbeit.
Das macht er also ansatzmäßig richtig.
Bei einer sehr eifersüchtigen Person geht das in diesem Text allerdings viel zu schnell.
Wie er da vor ihr kniete und bei ihrem Temperament (zornig, anklagend), hat er wahnsinniges Glück, dass sie vorher ihre Stiefel ausgezogen hat. Ihr könnt euch ja vorstellen, was sie getroffen hätte - vermutlich irgendwelche Weichteile.

Noch eine Undeutlichkeit:
Was macht sie mit ihrer Zigarette? Wann legt sie diese weg? In diesem Zustand eine Zigarette in ihrer Hand, kann sehr gefährlich werden. Sie greift zu seinem Kopf, zieht ihn zu sich heran und er hat irgendwo eine Brandblase im Gesicht.

Was ist eigentlich mit "Revanche" gemeint?

Bei so vielen offenen Fragen schaffe ich es (noch) nicht, den Text mit Freude zu lesen. Momentan 6 Punkte.
Aber das lässt sich ja noch ändern. Aus dieser Szene - und mit deinem Schreibstil - kannst du eine wirklich schöne Geschichte für die Anthologie entwickeln. Ich würde mich wirklich freuen, wenn du dich dazu aufraffen könntest.

Gruß
Gunnar

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