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Leselupe.de > Erzählungen
Küstennebel
Eingestellt am 29. 05. 2015 16:11


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Eberhard Schikora
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2012

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Küstennebel
oder
Das gestohlene Glück


Die Fähre legte an, der Zubringer-Bus zur Utersumer Kurklinik wartete schon. Was würde dort auf mich zukommen? Für mich war es der erste Kuraufenthalt. Da wir ziemlich spät ankamen, passten die Neuankömmlinge nicht mehr ins Routineprogramm der Abendmahlzeit. Daher wurden wir in einem kleinen separaten Nebenraum abgespeist, und nach Kurzinstruktionen für den nächsten Tag ging es aufs Zimmer.
Am Frühstückstisch erwarteten mich skeptische Blicke. Da saß ich nun mit Wolfgang, Jürgen und Frank. Die Steckbriefe unserer Tischrunde waren schnell ausgetauscht. Wolfgang (ca. 35, verheiratet), ein etwas cholerischer Glatzkopf, war Bankkaufmann. Als er erfuhr, dass ich Chemiker sei, musste er die Bemerkung „Aha, Akademiker“ loswerden. Ich ließ mich aber nicht provozieren. Jürgen war ein besonderer Fall. Ihm hatte das Schicksal einiges auferlegt. Er hatte einen ziemlich verwachsenen Rücken, kürzer gesagt einen Buckel. Er hatte sich von einer wohl recht niederträchtigen Frau getrennt und hatte schließlich Halt bei Jehova gefunden. Im Übrigen waren ihm seine beiden gut geratenen Kinder ein gewisser Trost. Gelegentliche Kummerattacken hatte er recht gut im Griff, sodass man ihn zeitweise sogar für eine Frohnatur halten konnte. Frank fühlte sich absolut nicht wohl. Seine Asthma-Kur war für die Katz, er konnte die Raucherei nicht aufgeben. Nach einer Woche verabschiedete sich Frank und machte Platz für Claudia (ca. 25, Sprechstundenhilfe). Zwischen ihr und Wolfgang hatte es sehr bald gefunkt.
Bald kamen wir auf die neuimportierten Damen zu sprechen. Mir entgingen dabei nicht gewisse begehrliche Blicke. Von den Tischkollegen erfuhr ich, dass sich die pflichtgemäß zu absolvierenden gesundheitssportlichen Übungen in dieser Saison in Grenzen halten würden, weil viele Angebote wegen größerer Umbauarbeiten gar nicht zu realisieren waren. Damit stand deutlich mehr Freizeit als üblich zur Verfügung.

Mir lagen Gedanken an „Damenbekanntschaften“ zunächst völlig fern. Ich musste eine mir selbst gestellte Aufgabe zu Ende bringen. Ich wusste damals schon, dass ich nur noch zwei Monate Berufsleben vor mir hatte und dass man mich zum 1. Juli 1991 in den Vorruhestand schicken würde. Da mein Nachfolger nicht in der Lage gewesen wäre, meinen hoch spezialisierten Job ohne spezielle Rahmenanweisungen zu übernehmen, nahm ich mir vor, diese in aller Ausführlichkeit auszuarbeiten, wobei mir der eingeschränkte Kurbetrieb durchaus zustatten kam,
Meine Tischgenossen mochten das etwas wunderlich finden. Die Erklärung war einfach – ich war quasi mit meinem Beruf verheiratet.
Nach etwa einer Woche war es so weit: Meine mir selbst gestellte Aufgabe war erledigt. Ich fühlte mich wie ausgebrannt. Doch ich spürte, dass sich irgendetwas Elementares ereignen würde. Jetzt war ich anfälliger denn je für Versuchungen des Lebens. Ich wollte mich zwar nicht extra darum bemühen, ich würde ihnen aber nicht ausweichen.


Jürgen wollte noch ein bisschen spazieren gehen. Marijke käme auch mit.
Ich schloss mich euch beiden an. Worüber wir an diesem Nachmittag geplaudert haben, weiß ich nicht mehr. Du nahmst mich mit Deinem putzigen holländisch eingefärbten Deutsch sofort gefangen. Es war mir klar: wenn schon Kurschatten, dann nur Du! Irgendwie hatte ich mitgekriegt, dass Du eine Frau Mitte dreißig und in Osnabrück verheiratet seiest.
Mit einem netten „Man sieht sich“ verabschiedeten wir uns.


Trotz des großen Klinikgeländes liefen wir uns – von meiner Seite manchmal ein wenig forciert - oft über den Weg. Aus der Zweisamkeit wurde allerdings meist eine Dreisamkeit, denn Jürgen war ständig in der Nähe. Irgendwann gefiel uns das nicht mehr, und so kamen wir überein, dass wir Dich mehr oder weniger geregelt zwischen uns teilten. Das musste ja zu Komplikationen führen, und die Eifersucht ließ trotz unseres sehr kameradschaftlichen Verhältnisses nicht lange auf sich warten.

Mein erster Spaziergang mit Dir allein war bestimmt von den Gesprächsthemen „Wie finden sich Männlein und Weiblein auf dieser Welt?“ und „Wo mag sich wohl auf dieser weiten Welt der wirklich ideale Partner befinden?“. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass Du wohl auch einen Versuch wert gewesen wärst, wenn Du den Erdball zwei Jahrzehnte früher betreten hättest. Bei der Frage nach dem wirklich idealen Partner wurdest Du auch ein bisschen nachdenklich. Dabei erfuhr ich, dass Hans Dein zweiter Mann war. Dein erster hatte dauernd eine andere gehabt …
Und dann gingen wir „eingehenkelt“ wieder auf die abendlichen Fleischtöpfe der Klinik zu.
An das kulinarische Angebot der Klinikküche kann ich mich zwar kaum noch erinnern, aber immerhin noch an die herrliche Rote Grütze, die in einem großen Kübel zur Verfügung stand.


Am nächsten Morgen waren wir wieder topfit für den Frühsport am Wasser. Unsere fast schon betagte Vorturnerin hielt uns auf Trab. Und dann kam die Übung mit dem Sich-gegenseitig-Warmklopfen. Ich stellte mich zwar in Deine Nähe, aber Dein anderer Nachbar war schneller. Irgendwann würde es klappen, und eines Tages ging die Rechnung auf. Da haben wir uns sehr gefühlvoll verprügelt. Wie hab’ ich das genossen!

Worüber unterhält man sich, wenn die erste Beschnupperung stattgefunden hat? Meist dreht es sich um Berufliches und Hobbys. Ich berichtete Dir, dass ich den Beruf eines Chemikers erlernt hatte, dann aber umgesattelt habe und Bibliothekar geworden bin (als Leiter einer Fachbibliothek in einem Chemieunternehmen im Odenwald). Mehr interessierte Dich allerdings meine früheste Bekanntschaft mit der Chemie, als ich noch als Oberschüler ziemlich gefährliche Schauversuche vor Klassenkameraden startete.
Du erzählest mir von Deinem Job als Röntgenassistentin. Und dann schimpftest Du auf die Ausbeutung durch die Arbeitgeber. Du wolltest Dir das nicht länger gefallen lassen. Entweder billigte man Dir eine Teilzeitbeschäftigung zu oder Du würdest kündigen. Schließlich hatte ja Dein Mann den beneidenswerten Beruf eines Lehrers. So viel Ferien! Du warst wirklich neidisch auf ihn, zumal er die viele Freizeit nutzte, um sich nebenbei als Reiseleiter zu betätigen. Manchmal durftest Du ihn als Assistentin begleiten, manchmal aber auch nicht. Da war er Deiner Kontrolle entzogen.
Als wir wieder mal auf dem großen Deich spazieren gingen, erzählte ich Dir von meinen musikalischen Neigungen. Das interessierte Dich lebhaft, und Du berichtetest von Deinem Zitherspiel. Auch über Literatur unterhielten wir uns, wobei ich Dein Interesse für Eugen Roth wecken konnte (sein ’letzter Mensch’, den ich Dir als Bettlektüre auslieh, hat Dir wohl wirklich gefallen). Wir plauderten ein wenig über unsere Verwandtschaft, ja und nun kamen uns schon wieder gute alte Bekannte aus der Klinik entgegen, die meine Zweisamkeit störten (Deine auch? – Ich glaube nicht, denn Du hast Dich sehr schnell von der Gesellschaft vereinnahmen lassen). Ich fühlte mich nur noch als Randerscheinung.

Nachmittags war es dann wieder richtig nett. Ich war gerade ein Viertelstündchen im Hallenschwimmbad, als sich eine junge attraktive Dame den Fluten anvertraute. Ich war wieder mal etwas aufgeregt, doch Du übernahmst souverän die Gesprächsführung. Aber wir waren ja weniger zum Quasseln hierher gekommen sondern vielmehr zur körperlichen Ertüchtigung. Du hast mich beim Wettschwimmen dauernd abgehängt. In einem besonders publikumswirksamen Moment führtest Du ein unnachahmliches Kunststück vor. Du nahmst einen kräftigen Schluck aus der Pulle (Wasserbecken) und spiest eine herrliche mehrstrahlige Fontäne in die Luft. Ich bin nicht dahinter gekommen, wie Du das fertig gekriegt hast.

Als Imitatorin von Tiergeräuschen machtest Du ebenfalls großen Eindruck auf mich. Besonders hatten es Dir die Fasanenmännchen angetan, die morgens die Klinikinsassen unsanft aus dem Schlaf weckten. Wenn die Fasanenhähne Deiner Imitation hätten lauschen können, würden sie sicher mit einiger Berechtigung die Meinung „Das sind wir nicht“ vertreten haben. Schade, dass die vielen Inselkaninchen keine akustischen Lebensäußerungen von sich gaben. Dazu wäre Dir sicher auch was eingefallen.
Ein andermal machtest Du dich damit interessant, dass Du Deine graugrünen Handschuhe im Park verlorst. Ich will mir einfach einbilden, dass Du sie extra für mich verloren hast, damit ich sie Dir überreichen konnte.

Das Prinzip, uns nur selten für Gemeinsames fest zu verabreden – in der von mir gehegten Hoffnung, dass wir uns ja doch irgendwie begegnen würden – bewährte sich nicht immer. Zweimal ging es gründlich daneben..

Ich hatte Wind davon bekommen, dass Du nach Wyk radeln wolltest, um dort Besorgungen zu machen. Ich spähte aus meinem Zimmerfenster und meinte, Dich zu sehen. Schleunigst begab ich mich zum Fahrradkeller, um Dir zu folgen. Als nach anstrengender Strampelei (Gegenwind) die ersten Häuser von Wyk auftauchten, war meine Stimmung nicht mehr die beste. Ich konnte nur ahnen, dass Du mich als durchtrainierte Radlerin einfach abgehängt hattest. Am Ortseingang standen ein paar einladende Bänke. Dort wartete ich geduldig, denn hier musstest Du auf jeden Fall wieder vorbeikommen. Dacht ich …
Irgendwann dachte ich es nicht mehr, sondern strampelte zurück, wie zum Hohn wieder bei Gegenwind. Des Rätsels Lösung? Die Klinikausfahrt in Richtung Wyk hattest Du zwar benutzt, bist aber ins Dorf abgebogen, um etwas anderes zu erledigen. Das soll einer ahnen!

Und dann bin ich einmal besonders früh aufgestanden. Es war Sonntag, organisierte Morgengymnastik fand da nicht statt. Weil sehr schönes Wetter war, hegte ich den Verdacht, Du könntest mit Jürgen unterwegs sein. Ich wusste zwar, dass er ein Langschläfer war, doch in Erwartung eines romantischen Sonnenaufgangs traute ich euch alles zu. Es wäre sicher keine reine Freude für mich gewesen, euch zu begegnen.

Als ich etwa 1 km am Strand entlang gelaufen war, erschienen am Horizont zwei Gestalten, die ich nur mit euch in Verbindung bringen konnte. Ich täuschte mich. Da waren zwei andere auf ähnliche Gedanken gekommen. Es waren Wolfgang und Claudia.. Dass sie ein schlechtes Gewissen hatten, zeigte sich, als ich sie ablichten wollte. Claudia meinte „Nur kein kompromittierendes Foto! “ Diese salopp hingeworfene Floskel war doch wohl ernster gemeint, denn ich musste glaubhaft versichern, dass ich das Foto wirklich nur für meine private Erinnerung gebrauchen würde.

Einmal habe ich Dir gestanden, dass ich eifersüchtig auf Jürgen war. Das konnte Dir aber (in Verkennung meiner wahren Verfassung) nur die herzlose Bemerkung „Dann bist Du gesund“ entlocken.
Der Höhepunkt meiner Eifersucht wurde erreicht, als ich bereits beim Betreten des Speisaals Jürgen an Deinem Tisch sichtete. Sein angefangenes Frühstück gammelte vor sich hin, sein Kaffee wurde kalt. Ihn störte das nicht, war er doch mit Dir beschäftigt. Da meinten Wolfgang und Claudia „Eigentlich müsste man ihm ja sein Frühstück“ rübertragen. Erwartungsgemäß griff ich in meiner überstrapazierten Stimmung diese Idee sofort auf und balancierte Jürgens Utensilien quer durch den Saal. Ich wurde mit den Worten „Das wäre aber nicht nötig gewesen“ empfangen. Immerhin war es mir Genugtuung, dass Jürgen diese Bemerkung nicht ganz so weltmännisch, wie sie klingen sollte, über die Lippen kam. Er ärgerte sich offenbar doch, und das sollte er auch. Hinter her stellte ich mir vor, was passiert wäre , wenn ich mit dem ganzen Kram gestolpert wäre.

Da fällt mir noch ein Verehrer von Dir ein. Das war Stefan, der Slowene. Sein holpriges Deutsch hatte in der Tat etwas Liebenswertes, sogar als er mich eines Abends im „Eckhüüs“ (Treffpunkt der Kurschatten-Szene) beschimpfte, weil er mit irgendeiner meiner Ansichten nicht einverstanden war. Aber dann hatte er es sich anders „übergelegt“ und wurde wieder friedlich, wohl auch unter dem dämpfenden Einfluss des Alkohols.
Als ich ein paar Tage später, von Wyk kommend, an der Bushaltestelle der Klinik ausstieg, warst Du dabei, den Stefan auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden. Du reichtest ihm den Koffer in den Bus und drücktest ihn kräftig ab. Jawohl, ich habe es gesehen: Die Marijke mit dem großen guten Herzen, das allen gehörte.

Ständig warst Du von Leuten umgeben, die sich in Deinem Frohsinn sonnten. Andererseits hatte ich oft den Eindruck, dass Du Dich gezielt mit weiblichem Schutzpersonal umgabst, um Dir lästige Kerle vom Leib zu halten.
Machtest Du bei mir und Jürgen eine Ausnahme? Es war nicht dahinterzukommen.

Eines Tages tat ich etwas ganz Böses. Ich saß wieder mal mit meinen Leuten am Mittagstisch, als ich mich stillschweigend erhob und auf leisen Sohlen davon stahl. Mein Ziel war die Garderobe und Dein mit Recht dort vermuteter roter Anorak. Mich interessierte Deine Zimmer-Nr. Natürlich gehörtest Du zu den vorsichtigen Damen, die ihre Zimmerschlüssel immer bei sich trugen. Hinterher habe ich mich aber recht geschämt und hätte mich wie ein Wattwurm im Schlick verkriechen können. Dabei wollte ich doch nur einen Blick in Dein Zimmer werfen.

Ich zerbrach mir den Kopf, wie ich mal so richtig ungestört mit Dir allein sein konnte. Und dann hatte ich d e n Einfall:
Er bescherte uns unser intimstes Erlebnis


Im Separee

Per Zufall hatte ich mitbekommen, dass ein älterer Mitinsasse und Asthma-Leidensgenosse Zugang zum klinikeigenen Flügel hatte, der hinterm Vorhang der Bühne des Speisesaals stand. Es ergab sich, dass dieser ältere Herr nach wenigen Tagen seinen Kuraufenthalt beendete und ich den Schlüssel zum Flügel übernehmen durfte. Ich freute mich riesig, und als ich mich von der Qualität des Instruments überzeugt hatte, kam ich sehr bald auf den Gedanken, Dich mit meinem Spiel zu umgarnen.
Ein paar Tage zuvor, war an einem Kulturabend ein abgehalftertes Künstlerehepaar hier aufgetreten, das nun sein Brot durch Auftritte an zweitklassigen Bühnen verdiente. Ich fand den Pianisten trotzdem toll. Vor allem seine Bearbeitung von Smetanas „Moldau“ hatte es mir angetan. Mit einigem Erfolg gelang es mir, ihn zu „imitieren“. Ich übte fast täglich wie ein Besessener, nur mit dem Ziel, Dir recht bald ein ausgedehntes Ständchen bieten zu können, um dann wirklich mit Dir allein zu sein. Dann war es soweit.
Ich machte Dich mehr oder weniger zurückhaltend darauf aufmerksam, dass Du mir mal „heute zwischen 15 und 17 Uhr“ zuhören könntest. Du nahmst es zustimmend zur Kenntnis. Aber es blieb für mich doch eine Ungewissheit zurück, ob Du wirklich erscheinen würdest. Zur angegebenen Zeit begann ich also, in die Tasten zu greifen, um mein inzwischen recht umfangreiches Repertoire erschallen zu lassen. Nun war es schon 15:30 Uhr, und von Dir war immer noch nichts zu sehen!
Aber dann hörte ich eine Tür klappen und Treppen knarren. Nun warst Du da und ich spielte ohne Unterbrechung weiter, Du holtest Dir einen Stuhl, ich war selig. Als ich bei den „Tulpen aus Amsterdam“ angekommen war, konnte ich vor Erregung nicht weiter. Wir sahen uns in die Pupillen. Deine sonst so wachen Röntgenaugen hatten einen ganz verträumten Ausdruck angenommen. Ich hätte aufspringen und Dich küssen, küssen und immer wieder küssen können. Doch es geschah nicht. Eine Abweisung von Dir wäre einer Vertreibung aus dem Paradies gleichgekommen. Das hätte ich nicht ertragen. Dabei waren die Umfeldbedingungen so günstig gewesen! Stattdessen verließen wir ganz brav die Bühne und gingen im Park spazieren (wie mir schien, für Dich das Natürlichste von der Welt – in mir sah es allerdings ganz anders aus).

Ja was haben wir sonst noch getrieben? Da war z.B. gemütliches Beisammensein bei „Klaar Kimming“ (gemeint war aber „vernebelter Horizont“). Mit von der Partie waren Jürgen und noch ein paar Mannsleut’ und Weibsbilder von unserer Bande. Ich hatte nur Augen und Ohren für Dich. Von klarer Sicht konnte bei mir schon lange keine Rede mehr sein.
Auf dem Wege hierher war uns recht kalt geworden. Wir heizten erst mal kräftig ein, mit einem schönen heißen Tee (mit viel Zucker und einem tüchtigen Schuss Rum). Damit die Wirkung länger anhielt, genehmigten wir uns eine Spezialität der Region: den sogenannten ‚Küstennebel’, ein trübe, scharfe, aber wohlschmeckende Angelegenheit. Beim Verlassen des Lokals war die Gesellschaft ziemlich beschwipst.
Wir drei, Jürgen, Du und ich, waren auch ziemlich angesäuselt. Wir blieben ein bisschen zurück und erinnerten uns an das hübsche Kinderspiel ’Flieg Engelchen, flieg … Jürgen und ich fassten Dich Leichtgewicht unter die Arme und ließen Dich schweben. Dabei wäre ich beinah über meine eigenen Beine gefallen. Oh waren wir albern! Dem ’Küstennebel’ sei Dank!

Aber da war noch ein recht trauriger Tag. Der Vormittag war wie meist von den von der Klinik verordneten Anwendungen bestimmt. Nachmittags hatte sich Jürgen was vorgenommen. Für mich war klar, dass er wieder mit Dir auf (Fahrrad)achse sein wollte. Na ja, dachte ich, lass die beiden heute mal allein. Ich fuhr mit dem Bus nach Wyk und trieb mich dort lustlos herum.
Abends verlief ich mich ins Haus des Gastes. Und wer saß dort? Jürgen vor einem Bier, wie deutlich zu erkennen, in deprimierter Stimmung. Er hatte sich am Nachmittag etwas anderes vorgenommen. Er war der Meinung, dass i c h mit Dir allein sein wollte. Er hatte ja so recht gehabt! Da saßen wir nun, wir zwei Strategen. Irgendwie hatte jeder Wut auf den anderen. Weil es so traurig war, ersäuften wir unsern Kummer und wünschten uns zum Schluss gegenseitig herzliches Beileid.

Ja, unser Jürgen! Du hast für ihn vielleicht noch mehr bedeutet als für mich. Du hast ihm über seine schmerzliche Trennung von seiner Frau hinweggeholfen. Er war immer ganz high und happy, wenn wir von Dir sprachen. Er erkannte Dich sogar an den Abdrücken Deiner Schuhe. Du trugst die Marke „Ecco“.
Nur mit seinem Gott Jehova ging uns Jürgen immer wieder mal auf die Nerven.

Ein Abend im Haus des Gastes (bei Pitt) ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Du warst sehr um ein paar schöne Stimmungsbilder von der schwindenden Abendsonne bemüht. Während Du draußen Deine Fotos geschossen hast, ging mir im Gedanken an meine verblassende Jugend ein bekanntes Drama von Gerhart Hauptmann durch den Kopf – mit dem lausigen Titel „Vor Sonnenuntergang“. Man sollte eigentlich alle ernsthaften Dichter verbieten, die einem die Laune verderben.

Dann war da noch eine Episode, die sich auf unserm Schiffsausflug nach Hallig Hooge abspielte. Als wir drei, Du, Jürgen und ich an Deck beieinander saßen, pirschte sich auf einmal ein etwa achtjähriges Mädchen an uns heran. Ihre nette, wissbegierige Art war einfach lieb. Was sich da zwischen der kleinen Maria und euch beiden anbahnte, habe ich fast als Familienidylle empfunden. Ihre Eltern hielten sich im Hintergrund, hatten aber auch wohl ihren Spaß dran. Zu mir war Maria auch nett und freundlich, aber euch beide hatte sie ins Herz geschlossen. Ein paar Tage später hat Jürgen das liebe Friesenmädchen sogar noch bei ihren Eltern besucht und mit ihr eine Fahrradtour gemacht.

Eines Tages erhielt ich Post von meinem Schwager. Er wollte mich besuchen und mit Frau und Tochter meiner Einsamkeit entgegenwirken. Ich konnte ihm sehr bald klar machen, dass ich so einsam nicht wahr. Denn gerade, als ich mit meinem Besuch die Kussallee entlang spazierte , sah ich Dich mit dem Fahrrad auf uns zukommen. Lachend und winkend bist Du an uns vorbei geschossen. „Mein Kurschatten“ erklärte ich wahrheitsgemäß. Mein Schwager sah Dir mit Stielaugen nach, doch Dein in der Ferne verschwindender Rücken war nicht mehr aufschlussreich. Eine länger währende Vorderansicht hätte ihn auch nicht befriedigt. Du hattest Dich wieder hinter Deiner grässlichen Sonnenbrille versteckt.
Meine Nichte sah mich nach dem Vorfall herausfordernd an und verkniff sich mit Mühe eine bösartige Bemerkung. Umso wohltuender empfand, dass mir meiner Gattin Bruder abends bei einem Bier Absolution für meine „Affäre“ erteilte.

Die Halbzeit unseres Klinikaufenthalts war längst überschritten, als eine Wattwanderung von Föhr nach Amrum aufs Programm gesetzt wurde. Als wir uns trafen, war es verdammt kalt, aber die Mehrheit stimmte für Stattfindenlassen. Hinweise auf spätere Schnupfenattacken wurden in den immer stärker werdenden Wind geschlagen. Etwa zwanzig Leute setzten sich in Marsch. Nachdem wir die Hälfte der Strecke hinter uns hatten, wollte einer umkehren. Der Wattführer brachte ihn davon ab. An eine Umkehr sei wegen der steigenden Flut nicht mehr zu denken. Automatisch beschleunigte die Gesellschaft ihre Schritte. Der Wattführer feixte.
Und dann musste mal eine ganz schnell „für kleine Mädchen“. Ausgerechnet jetzt! Doch das war kein Problem. Die Solidargemeinschaft der Mitschwestern nahm die Bedrängte in ihre Mitte. Aber wir Männer hätten sowieso weggeguckt, und die über uns hinweg pfeifenden Austernfischer (auch Wattstörche genannt) nahmen keine Notiz davon.
Die Amrumer „Aufwärmstuben“ waren eine Wohltat. Es wurde wieder ’Küstennebel’ gereicht.
Natürlich gab es Tage, an denen ich allein mit dem Fahrrad die Insel durchstreifte. Diese hübschen Friesennester wie Alkersum oder Midlum hatten es mir angetan. Besonders gut gefiel mir die imposante Mühle in Oldsum und ein wunderschönes Straßenbild in Nieblum. In der Süderender Kirche lauschte ich einem Orgelkonzert. Ich genoss die Eigenart der Landschaft, den Frühlingssturm und sogar gelegentliche Regenschauer. Mich überkamen dabei unbeschreibliche Glücksgefühle, die umso stärker wurden, je mehr ich in die Pedale trat und je schneller Baum und Strauch, Schilf und Binsen an mir vorbei glitten. Ich kam mir vor, wie mein eigener Rauschgiftproduzent. Meine Gedanken waren ständig bei Dir. Wie würde es weitergehen, wenn unsere Inselromanze zu Ende war? Ich wollte, dass Du mich im zukünftigen Leben noch eine Weile begleitest. Natürlich konnte es nur ein geistiger Austausch sein. Doch ich konnte sie mir gut vorstellen, Deine Brieflein, die sicher mit lustigen Deutschfehlern gewürzt sein würden.
Gedanken eines Diebes, der sich sein Glück stiehlt. Ob die Rechnung aufgehen würde?

Mir fielen wieder die kritischen Momente bei meiner pianistischen Darbietung hinter dem Vorhang ein. Was wäre geschehen, wenn Du Dich wirklich von mir hättest küssen lassen? Danach hätte ich sicher nicht mehr so leicht Distanz wahren können. Du hättest das auch nicht verstanden. Dann wäre ein Versteckspiel unmöglich und die Wahrscheinlichkeit eines abrupten Endes ziemlich groß geworden.
Hypothesen. Der Teufel sollte sie holen.

Kaum hatte ich an den Teufel gedacht, war er schon zur Stelle. Meine Gedankenspaziergänge machten mich so unaufmerksam, dass ich an einer Wegegabelung den Lenker nicht mehr richtig im Griff hatte. Da lag ich nun, die linke Kniescheibe schmerzte gewaltig.
Der Klinikarzt empfahl mir, die Sache wegzutrainieren. Die nächsten Radtouren waren keine reine Freude mehr und ich stellte mich auf ein bleibendes Andenken ein.

Eine andere einsame Fahrradtour bescherte mir eine seltsame Mahnung. Ich fuhr an einem Friesenhaus vorbei, an dem in großen Lettern der Spruch „Lewer dood as Sklaav“ zu lesen war. Die meisten hätten diese Worte wohl einfach zur Kenntnis genommen. Mich aber hatten sie regelrecht aufgewühlt … Ich wusste nicht, warum.

Und dann kam der Tag, an dem Du Jürgen und mich darauf vorbereitetest, dass Dein Mann im Anmarsch war. Wir wussten, dass unsere Idylle ein Ende haben würde, aber ich verdrängte die nüchterne Tatsache, solange ich konnte. Dann war „er“ da, und ich stellte mich als „der eine von zwei Kurschatten“ vor. „Zwei sind besser als einer“, stellte Dein Hans sachkundig fest. Natürlich hattest Du uns längst an ihn brieflich verraten.
Dein Mann nahm uns auf eine unwahrscheinlich nette , wenn auch belustigte Art zur Kenntnis. Er war Deiner ganz sicher.

Unaufhaltsam nahten die letzten Tage. Da war es dann doch eine große Überraschung, als ihr beide Jürgen und mich zu einem letzten Spaziergang am Watt eingeladen habt. Im ersten Moment empfand ich das fast als Grausamkeit, aber schließlich überwog die Freude, noch mal in Deiner Nähe sein zu können. Irgendwo kamen wir auf einmal nicht mehr weiter. Wasser versperrte den Weg. Schuhe aus und durch? Aber da hatte Jürgen schon eine Reihe passender Steine entdeckt. Er baute uns eine Brücke, die wir mit schwankenden Gefühlen betraten. Wir kamen gut hinüber.

Wir steuerten auf ein Cafe zu. Unterwegs betätigte Dein Hans fleißig die Filmkamera, um die drei Sünder für immer im Bild festzuhalten. Nachdem wir uns ausgiebig gelabt hatten, suchten wir noch Mitbringsel in einem Andenkenladen. Die eindrucksvollste Erwerbung war eine Schiffermütze, die sich Jürgen verpasste.

Zwei Tage vor Ablauf meiner Kurzeit fand ein Kegelabend statt, für den ich Dich aber nicht begeistern konnte. Es wurde auch ohne Dich ganz interessant. Star des Abends war Wolfgang, der die Kugel wie ein Besessener durch die Gegend ballerte. Er musste seine Wut rauslassen. Schuld war ein gewaltiger Krach mit Claudia.

Er war da, der unwiderruflich letzte Tag, der mit einem gemeinsamen Abendessen in einer urigen Kneipe endete. Ich trank ein bisschen über den Durst, schuld waren jede Menge gemischte Gefühle. Als wir das Lokal verließen, beglückwünschte ich Deinen Hans zu seiner prachtvollen Frau, was er mit „Darum habe ich sie ja auch geheiratet“ quittierte. Er nahm Dich in die Arme, gab Dir demonstrativ einen herzhaften Kuss – und verabschiedete sich in sein Quartier.
Noch eine Gnadenfrist! Wir beide marschierten/schwankten eingehenkelt in Richtung Kurklinik. Der Sturm war vorüber. Noch ein paar belanglose Worte, und jeder fiel in das für ihn bestimmte Bett.

Der Tag der Abreise begann – wie gut – mit einer ernüchternden Überraschung. Ich fand keinen Gürtel zu meiner Hose. Der war mit dem im Voraus aufgegebenen Koffer nach Bensheim unterwegs. Not macht erfinderisch. So musste das Kabel meines Elektrorasierers als Gürtel herhalten. Du und Jürgen, ihr wartetet bereits an der Bushaltestelle, um mich zu verabschieden. Da präsentierte ich euch meine eigenartige Bauchbinde, was die Stimmung sichtlich lockerte. In buchstäblich letzter Minute gelang es mir, Dir Deine Osnabrücker Wohnadresse zu entlocken. Wir beide nahmen uns in die Arme, übrigens das erste Mal in den drei Wochen. Ich sah Dir noch einmal tief in die Augen (die am frühen Morgen noch nicht benötigte grässliche Sonnenbrille machte es möglich), und dann – Utersum ade!
Auf der Fähre nach Dagebüll öffnete ich die Verpackung Deines mir am Bus überreichten Abschiedsgeschenks, das mich zwang, zumindest das ganze Jahr 1991 an Dich zu denken.
Es war ein hübscher Kalender mit stimmungsvollen Impressionen von „unserer Insel“.

In Hamburg-Altona hatte ich längeren Aufenthalt. Mir fiel ein, dass ich ja bei Pitt im Haus des Gastes noch ein Fläschchen ‚Küstennebel’ erwerben wollte. Hier am Bahnhofskiosk bot sich die letzte stilgerechte Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Ich kaufte zwei Fläschchen.

Ich saß zwar im Zug, war aber mit meinen Gedanken noch ganz woanders. Wie konnte das alles bloß geschehen? Als alter Knabe hatte ich gewissermaßen „die erste Liebe in zweiter Auflage“ erlebt (die erste Auflage überfiel mich mit 14 Jahren im Tausendjährigen Reich in Form eines Pflichtjahrmädchens, das meiner Mutter als Haushaltshilfe genehmigt worden war).
Als gut bis glücklich Verheirateter hätte ich eigentlich ein furchtbar schlechtes Gewissen haben müssen. Doch ich konnte mir die gemeinsamen Stunden mit Dir einfach nicht übelnehmen, obwohl ich mein Zuhause mindestens drei Tage vollkommen vergessen hatte.


Ich hatte Elke aus der Kur zwei Briefe geschrieben, in denen ich auch Deine Existenz erwähnte. Der Antwortbrief fiel recht gelassen aus, aber zwischen den Zeilen las ich doch, dass sie verstimmt war. Als sie mich vom Bahnhof abholte, spürte ich es deutlich. Die nächsten Tage verliefen in irgendwie gespannter Atmosphäre. Dennoch ließ ich mich nicht davon abhalten, Dir zu schreiben.

Auf dem Wohnzimmertisch lag ein Brief. Normalerweise holte ich die Post aus dem Briefkasten. Diesmal war mir Elke zuvor gekommen. „Willst Du ihn nicht öffnen?“, fragte sie. „Nein“, sagte ich zu ihrer Überraschung, „mach ihn ruhig auf, du darfst ihn sogar lesen“. Sie ließ sich das nicht zweimal sagen, aber dann schien sie doch etwas aus dem Konzept gebracht.
„Deine(!) Marijke ist ja wohl wirklich ein lieber Kerl“, meinte sie, um im gleichen Atemzug zu erklären, dass ich trotzdem ein Strolch sei. Dass auch Dein Mann grüßen ließ, änderte nichts an ihrer Meinung. Zwecks Beruhigung der strategischen Lage hielt ich es für ratsam, den Briefwechsel mit Dir vorerst nicht allzu intensiv zu betreiben. Ein Geburtstagsbrief musste aber auf jeden Fall geschrieben werden.

Dass ich Deinen Geburtstag überhaupt erfahren habe, verdankte ich besonderen Umständen. Vage Hoffnungen hatten mich zu einem Telefonat mit der Utersumer Klinik veranlasst. Ich war von vornherein nicht sehr optimistisch. Wie vermutet, verschanzten sich pingelige Bürokraten hinter dem Datenschutzgesetz. Ärgerlich legte ich den Hörer auf und dachte lange nach. Da fiel mir die Stationsschwester ein, die mir noch Modell für ein Abschiedsfoto gestanden hatte. „Liebe Schwester Imke“, sagte ich, „hier meldet sich ein Verehrer von Ihnen. Aber da war eine Kurteilnehmerin, die ich noch ein bisschen mehr verehrt habe, und diese Dame hat demnächst Geburtstag. Die bösen Buben von der Verwaltung wollen diesen nicht preisgeben. Können Sie mal in der Kartei spionieren“. Nach erfolgter Namensnennung belustigte Laute am anderen Ende der Leitung. Schwester Imke erinnerte sich, dass ich ein Foto von ihr gemacht hatte. Eine halbe Stunde später Rückruf: „18.4. Jahreszahl wird nicht verraten, viel Erfolg!“

Dem Geburtstagsbrief fügte ich einen Werbeprospekt von meinem idyllisch gelegenen Wohnort Bensheim bei.

Wochen später. Ich harrte noch immer auf ein Echo zu meinem wunderschönen Prospekt. Weil Du Dich nicht rührtest, rief ich bei Jürgen an und fragte, ob er noch was von Dir hören würde. Ja, er hätte noch Kontakt. Nicht gerade aufschlussreich. Ich lud Jürgen zu mir ein.

Jürgen beschenkte mich mit einer Spezialbibel aus dem Hause Jehova und nahm gleich wieder, anlässlich eines Spaziergangs, seine Überzeugungsarbeit auf, mit der er auf der Insel nicht weit gekommen war. Obwohl ich mich im Stillen lustig machte, sah ich andererseits, dass Jehova ihm wirklich einen Halt bot.
Seine kaputtgegangene Ehe setzte ihm noch immer zu, aber hatte wenigstens seinen biblischen Strohhalm. Ich bedauerte meine eigene Glaubensunfähigkeit. Und dann erzählte Jürgen, dass er per Anzeige eine nette Frau in Süddeutschland kennengelernt habe, mit zwei Kindern. Noch drei Strohhalme mehr. „Da hast Du also Deine Schiffermütze aufgesetzt und bist nach München gefahren“, sagte ich ein wenig spöttisch. Jürgen grinste.
Doch seine aufkeimende Euphorie stimmte mich bedenklich. Was würde er sich da aufladen? Jürgen machte trotz seiner guten Laune einen ziemlich kranken Eindruck, und er griff einige Male zu seinem Asthmaspray. Auf Föhr war es ihm schon besser gegangen.
Wir waren auf Dich zu sprechen gekommen. „Am besten, Du vergisst sie“, sagte er. Ich begriff es nicht.
Als sich Jürgen verabschiedete, fragte ich mich, ob ich ihn wohl wiedersehen würde.

Juni 1992. Du bedanktest Dich freundlich – sehr verspätet – für meine Geburtstagsglückwünsche. Noch immer kein Wort zu meinem Prospekt! Das ging mir aufs Gemüt. Und als mir dann eine Erzählung mit dem sinnigen Titel „Ehe die Spuren verwehen“ in die Hände fiel, ging es mir gar nicht mehr gut. Elke verfolgte diese Entwicklung mit Aufmerksamkeit.

Aber dann überraschtest Du mich mit der Ankündigung, mit Hans eine Woche Urlaub in Lindenfels machen zu wollen. In Deiner „Alles – und – nichts – Schublade“ hattest Du meinen „Werbe(um Dich)prospekt“ wiederentdeckt. Nun war ich natürlich high. Der Empfang war entsprechend. Am meisten wunderte es mich, wie gut ihr euch beide, Elke und Du, miteinander verstanden habt. Das machte mich noch froher.
Doch auf dem anschließenden Spaziergang zur Heppenheimer Starkenburg erhielt ich von Dir einen deutlichen, unerwarteten Dämpfer. Wir waren ein bisschen hinter Hans und Elke zurückgeblieben. Ich fragte Dich, ob Du mir vielleicht etwas zu sagen hättest, was sich per Brief nicht so gut erledigen ließ. Ohne direkt darauf einzugehen, sagtest Du nur, dass ich mir nicht zu viel vorstellen dürfte (eine Antwort, die ich nach den Kostproben meiner blühenden Fantasie in meinen Briefen gut begreifen konnte). Aber ich hatte auch sonst verstanden. Da war eben ein Zaun aufgerichtet worden. Gut so.

Wieder zurück am Kaffeetisch, erfuhr ich, dass Du einst Dein Herz in Heidelberg an Hans verloren hast. Fast ebenso interessant war mir, dass Du schon einmal zur Kur in Utersum warst. Wer wohl damals Dein glücklich/unglücklicher Kurschatten gewesen ist? Davon hättest Du mir wirklich früher erzählen können. Oder sollte Elke recht haben, dass ich immer nicht richtig zuhöre?

Natürlich versäumte ich nicht, Dir und Hans mein neues Keyboard vorzustellen. Die „Tulpen aus Amsterdam“ standen allerdings nicht mehr auf dem Programm. Die waren Schnee von vorgestern (?). Und dann leerten wir gemeinsam ein Fläschchen ‚Küstennebel’ (das zweite, von den in Hamburg-Altona erworbenen).

Fast hätte ich vergessen, Dein Geschenk für mich zu erwähnen: ein wunderhübscher kleiner Porzellanschirm mit bunten Bändern. Er hat einen Ehrenplatz in unserm Wohnzimmerschrank.

Dass Du hier eine Asthmaattacke hattest, war schon fast makaber. Mein behandelnder Arzt konnte sich eines süffisanten Lächelns nicht erwehren, als ich ihm ein paar Tage später offenbarte, dass er „vorige Woche“ meinen Kurschatz aus einer Notlage befreit hätte.
Was ich meinem Arzt nicht verriet: Hin und wieder meldete sich noch immer mein Knie, Folge meines geistesabwesenden Sündenfalls auf einer einsamen Fahrradtour auf Föhr.

Am nächsten oder übernächsten Tag verabredeten wir vier uns zum Kaffee in einem schönen großen Hotel in Winkel (unterhalb von Lindenfels gelegen). Dann hieß es Abschied nehmen.
Bei mir stellte sich ein eigenartiges Gefühl der Leere ein. Aber nur vorübergehend.

Wenige Tage später entstand ein Gedicht:

Metamorphose

Vielleicht hätten auch wir
zusammengepasst;
vielleicht, vielleicht.
Fragwürdige Folgerung aus Briefen.

Überraschender Besuch:
Sie kam mit ihm.
Gewagte Begegnung –
Momente prickelnder Spannung,
und doch ein gelungener Nachmittag.

Vier Menschen,
die wieder zurückkehrten
in bewährte Gewohnheit.
Man soll nichts aufs Spiel setzen.

Aber ich habe
eine späte Schwester gewonnen.

September 1992. Gleich nach eurer Rückkehr nach Osnabrück liefertest Du uns einen zusammenfassenden Bericht über den Rest eurer Lindenfelser Tage. Ganz in meinem Sinne warst Du des Lobes voll über die schöne Odenwälder Landschaft. Ganz selbstverständlich war das nicht, weil Du und Hans als begeisterte Globetrotter schon viel von der Welt gesehen hattet.

Der Briefwechsel entwickelte sich zu einem vertieften Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Auch Deine Verwandtschaft und Bekanntschaft lernte ich kennen. Deine Briefe waren so herrlich anschaulich. Deine Schwestern, Cousinen, Nichten und Neffen, Dolly und Daisy (eure beiden Stubentiger) und die Schwiegermutter – ich konnte sie mir alle recht gut vorstellen, auch den bunten Garten. Aber das Schönste an Deinen Briefen: Sie waren meist mit hübschen Bildchen (meist Katzen) geschmückt. Manchmal hatte ich dabei das Gefühl, dass du Dich hinter einer Katze verstecktest.

Unser Briefwechsel. Er hatte so seine eigene Note. Was ich schrieb, verheimlichte ich Elke (es macht einfach keinen Spaß, sich auf die Finger gucken zu lassen). Die Post, die ich von Dir erhielt, wurde großzügig offenbart. Wie war das denn bei Dir?
Ich hatte Dich darum gebeten, mir ab und zu Briefe in der „Nederlandse taal“ zu schreiben, aber Du gingst nicht recht darauf ein. Ich gab nicht auf. Irgendwann würde ich sie schon rumkriegen – die zuster.
Meine Niederländisch-Studien machten gute Fortschritte. Das verdankte ich u.a. einem alten Freund Klaus, der sich nach vielen Jahren aus Spanien gemeldet hatte, wo er mit einer Niederländerin liiert war. Als ich ihm von unserm Kuraufenthalt berichtete, fragte er: „Was je de grote zoon?“ Unverschämter Kerl!
Vorerst wollte ich meine Sprachkenntnisse im Verborgenen ausbauen. Irgendwann wollte ich Dich damit überraschen.

Du hattest eine größere Schreibpause eingelegt. Um Dich wieder zu aktivieren, ließ ich mir das folgende Gedicht einfallen:

Wintermärchen

O, wie ist es kalt geworden
und wie traurig, öd und leer,
raue Winde weh’n von Norden,
gestört ist auch der Postverkehr.

Briefe, die mein Herz erwärmten,
kommen nur noch äußerst spärlich;
in meiner Seele, der verhärmten
regiert der Fru(o)st, ich sag es ehrlich.

Du glaubst mir meine Trübsal nicht?
Du bist halt doch ein kluges Kind!
Ist nicht viel dran an der Geschicht’,
Du weißt ja, wie die Männer sind.

Und außerdem – ich muss nicht frieren,
die Frau sorgt für des Nestes Wärme,
und trotzdem kann sie nicht verhindern,
dass ich für Zusatzheizung schwärme.

Zurzeit jedoch, wie ich schon sagte,
strahlt ziemlich matt die Nebensonn’
man grad mit Heizungsstufe eins,
viel hat man wirklich nicht davon.

Doch Stufe drei wär auch bedenklich,
dann käm die Frau in schnellem Trab,
und stellte meinen Nebenwärmer
mit Sicherheit postwendend ab.

Du amüsiertest Dich über mein Wintermärchen und ließt Dich sogar zu einem längeren, in Holländisch verfassten Kommentar hinreißen. Ich nahm das zum Anlass, meine diesbezüglichen Sprachstudien zu intensivieren.
Der Zeitpunkt war gekommen, Dich mit einem langen, in Niederländisch geschriebenen Brief zu überfallen. Ich war mir recht sicher, dass er auch in grammatikalischer Hinsicht bereits höheren Ansprüchen genügte. Mein fließend holländisch sprechender „spanischer“ Freund Klaus, der einen Heidenspaß daran hatte, meinen Briefflirt zu unterstützen, war ein guter Lehrmeister gewesen. Und nun kam – leider nur für kurze Zeit – der ersehnte niederländische Briefwechsel in Gang. Ich lieferte wie bisher die von Dir empfangene Post meiner Frau aus, die sie nun verständlicherweise nicht mehr so leicht durchschauen konnte. Sie nannte mich wieder einen Strolch, nun sogar einen hinterlistigen, aber irgendwie amüsierte sie sich doch. Und Dir war sie nicht böse, sie vertraute Dir.

Aber ich selbst geriet aus dem Gleichgewicht. Über Deine Muttersprache warst Du mir auf einmal unerklärlich und unbeschreiblich nah. Ich lernte Dich plötzlich noch viel mehr kennen, aber ich merkte auch, dass mir Elke allmählich abhanden kam.

Im Juli 1993 musste ich wegen einer komplizierten Nebenhöhlenerkrankung ins Krankenhaus.
Ein schöner Brief von Dir tröstete mich.
Gegen Ende meines Krankenhausaufenthalts erzählte ich einer Patientin von meiner Beziehung zu Dir. Ich redete und redete und steigerte mich in regelrechte Lobeshymnen auf Dich. Und dann kam der Schock:

Hilde, die Patientin fragte mich aus heiterem Himmel: „Haben Sie eigentlich Ihre Frau geliebt, als Sie heirateten?“ Mir war hundeelend. Ich faselte was vom Zahn der Zeit und davon, dass man sich nach langen Ehejahren nicht mehr viel Überraschendes zu sagen hätte. Aber da kam ich bei Hilde gar nicht gut an. „Freilich, wenn man sich keine Mühe gibt, kommt es so“, meinte sie. Ich war vollkommen durcheinander.

Eine Woche später schrieb ich Dir einen folgeschweren Brief. Ich schlug Dir eine 3-jährige Schreibpause vor. Du warst sehr traurig und einfach enttäuscht, dass ich zu einer ehrlichen und herzlichen Freundschaft offenbar nicht in der Lage sei.

In der Folgezeit beschränkte sich unser Kontakt auf ziemlich nichtsagende Urlaubskarten. Aber es kam wieder mal Dein Geburtstag. Ich schrieb Dir einen längeren Brief, in ernüchtertem Deutsch zwar, doch ich traf wohl den richtigen Ton, denn Deine Antwort war durchaus erfreulich. Jedenfalls hatte sich Grundlegendes geändert. Ein einschneidendes Ereignis trug noch wesentlich dazu bei:
Ich erhielt einen Anruf von Jürgens Mutter, die mir mitteilte, dass er sich das Leben genommen hatte. Auch Du erhieltst die Nachricht und ich hatte mit Dir ein längeres Telefonat. Das traurige Ereignis verband uns fortan noch tiefer, aber nun in anderer Weise. Wir schrieben uns seltener. Jeder wusste, wo er hingehörte. Trotzdem war ich vor Rückfällen in alte Sentimentalitäten nicht sicher. So verfasste ich eines Tages wieder ein Gedicht (das ich jetzt aber für mich behielt):

Unausgewogenes Verhältnis

Einige hundert Kilometer
trennen uns.

Wir hatten mal
einen Urlaubsflirt.

Du nahmst ihn als solchen,
mich packte es tiefer.

Auch heute
lässt Du Dich noch anrufen,
aber unsere Beziehung
lebt überwiegend
von meiner Initiative.

Immerhin bekomme ich
noch Urlaubsgrüße,
wenn Du mit Deinem Mann
wieder mal
die Kanarischen Inseln
unsicher machst.

Lass gut sein.
Ich bin genügsam.


Elke gelang das Kunststück, mich fast völlig von unhaltbaren Illusionen zu befreien, indem sie mir ein anderweitiges romantisches Erlebnis bescherte. Ich schwärmte schon lange davon, mal mit einem Heißluftballon mitfahren zu können. Hinter meinem Rücken hat sie alles eingefädelt. Eines Abends erklärte sie mir. „Morgen müssen wir sehr früh aufstehen. Ich hab was mit dir vor“. „Morgen“ war mein Geburtstag, und so fragte ich nicht weiter. Sie schickte mich allein auf die Reise, ich winkte von oben. Es war ein berauschendes Gefühl. So sanft dahinzuschweben.
Nach etwa einer halben Stunde kehrte ein einstmals verirrt-verwirrter „Fliegender Holländer“ weitgehend geläutert auf festen Boden zurück. Es wäre übrigens fast eine Bruchlandung geworden. Beim Landeanflug streifte der Korb einen Apfelbaum.

April 1996. Soeben hatte ich Dir meine telefonischen Glückwünsche übermittel. Soviel gute Laune Deinerseits hatte ich nicht erwartet. Fast wie in alten Zeiten! Nur mit dem Unterschied, dass wir jetzt über den Dingen standen. Nun also doch „Brüderchen und Schwesterchen? Fast geschafft, aber noch nicht ganz.
Einen Tag später. Ich dachte über meine Hobbyschriftstellerei nach. Sie hatte ein Stadium erreicht, wo ich mir ein gewisses Talent nicht mehr absprechen wollte. Aber war es wirklich nur Talent? Nein, Du hattest ganz wesentlichen Anteil daran. So gelangen mir in den 90er Jahren auch viele Schöpfungen, die nicht direkt mit Dir zu tun hatten. Beflügelt hast Du meinen Pegasus auf jeden Fall. Ich wandelte gewissermaßen auf den Spuren von Johann Wolfgang. Ich musste grinsen und gebar einen Vierzeiler:

Stein auf Schwein

Der Goethe, der hatte nur Schwein gehabt,
weil e r einst Frau von Stein gehabt.
Und i c h verdanke mein Dichterglück
nur meiner Muse in Osnabrück.

Ich hatte mein Gleichgewicht wiedergefunden. Der Haussegen würde auch nicht mehr ins Rutschen kommen, selbst wenn ich die schon einmal geäußerte Absicht, Dir und Hans einen Gegenbesuch abzustatten, in die Tat umsetzen würde. Seit euerm Besuch in Bensheim waren immerhin schon vier Jahre vergangen. Mal sehen, vielleicht Ende des Jahres …


Ende November 1996 (ein Reisebericht)
„Ich fahr mal eben zum Reisebüro, ich muss mich nach den günstigsten Anschlüssen erkundigen“, sagte ich. „Aha“, sagte Elke, „du bist wirklich nicht zu bremsen“. Im Stillen dachte sie wohl: Der kommt kuriert aus Osnabrück zurück.
Auch wenn es mir keiner glaubt: Es war in erster Linie Neugier, Dein Zuhause kennenzulernen, das ich ja nur aus Briefen kannte. Neugier war eine meiner ausgeprägtesten Eigenschaften.
Nun hatte ich ja so meine speziellen Vorstellungen von Romantik. Diesen Vorstellungen kam die Deutsche Bundesbahn mit ihrem freundlichen Angebot des 35DM-Wochenend – Tickets besonders entgegen. So würde mir eine strapaziöse Autobahnfahrt erspart bleiben. Ich rief in Osnabrück an und hatte Hans an der Strippe, Er redete es mir aus, die Nacht von Samstag auf Sonntag im Hotel verbringen zu wollen. Unter besonderen Umständen könne man auch einem „Nebenbuhler“ Obdach gewähren! Irgendwie wurmte es mich ein bisschen, dass mich Hans wohl nicht ganz für voll nahm. Die Freude, Dich wiederzusehen zu können, verdrängte die unguten Gefühle. Letzten Endes hatte Hans diese auch nicht verdient.
Da ich mit dem Wochenend – Ticket nur Bummelzüge benutzen durfte, hatte ich fast eine Weltreise vor mir – gemessen an der voraussichtlichen Fahrzeit. So malte ich mir im Stillen das folgende Reise-Szenario aus:

Sentimental Journey
oder
Zur ’Schwester’ nach ’Chikago’

Es hat die Deutsche Bundesbahn
für Vagabundus was getan.
Per Sparpreis fährt er durchs Gelände,
der Tipp heißt ’Schönes Wochenende’.
Für DM 35 nur
begibt er sich auf große Tour.

Ab Bensheim geht’s so kurz vor 8,
nach Frankfurt hat man ihn gebracht.
Da ist es dann so zehn vor 9,
der Anschluss klappt, er kann sich freun.
Halb 12 ist er nun schon in Kassel,
doch bald ereilt ihn der Schlamassel.
In Warburg (Westf) bleibt er prompt stecken,
es geht nicht weiter ums Verrecken.
Der Zug, den er jetzt nehmen wollte
Soeben aus dem Bahnhof rollte.

Nun – Warburg ist ’nen Bummel wert,
solang’ der nächste Zug nicht fährt.
So denkt er, doch er denkt daneben.
„Ihr Bild“ schiebt sich vor „Warburg“ eben.
Er ist verträumt und schon bei ihr,
der Billigfahrpreis-Passagier.

Na endlich geht’s nach Altenbeken,
o Wunder – bleibt er hier nicht steken,
um 19:00 Uhr winkt Osnabrück,
da hatt’ er aber wirklich Glück.

Wie will der nach ’Chikago’ kommen?
So fragt ihr euch und seid beklommen.
Ihr haltet’s für Allotria?
Ich sage euch: er ist schon da!
Hätt’ er den Jumbo-Jet bestiegen,
weil komfortabler ist das Fliegen,
hätt’ er erreicht mit Leichtigkeit
CHIKAGO in der gleichen Zeit.

Doch andrerseits für wen’ger Geld,
sieht man fast mehr von dieser Welt.

Die reale Reise verlief natürlich völlig anders. Auf der Fahrt von Bensheim nach Frankfurt begleiteten mich Scharen von Krähen, die mir beim Blick aus dem Zugfenster die Laune verderben wollten. Sie hatten sich zu Hunderten auf den vorbei eilenden Feldern niedergelassen. Diese Galgenvögel!
Nach dem Umsteigen kam er schnell auf andere Gedanken, und zwar durch einen fröhlichen Arbeitslosen, der sich, von einem Kasten Bier begleitet, auf seine Weise ein schönes Wochenende bereitete. Er mache das schon eine ganze Weile so. Bier und Bahn fahren, das sei sein Ding. Und immer so viele neue Leute, mit denen er ins Gespräch käme! Er berichtete überaus anschaulich von seinen Tagen beim Bund, wo man ihm das Saufen erst richtig beigebracht habe. Hoch lebe die Bundeswehr! Und dann unterbreitete er den interessierten Mitreisenden seine Vorstellungen von einer gerechteren Welt. Da der Vortragende wohl erst zwei Flaschen getrunken hatte, konnte man an dem schwadronierenden Philosophen durchaus seinen Spaß haben. In spätestens zwei Stunden würde er blau sein, doch das erlebte ich nicht mehr, weil ich umsteigen musste.
Es ergab sich, dass ich nun mit fünf Herren aus Mittelafrika zusammen saß. Die Mitreisenden schimpften mächtig über die überfüllten Abteile, doch jeder war sich zu schade, sich neben Neger zu setzen. Selber schuld. Ich fand meine rabenschwarze Gesellschaft recht amüsant, obwohl ich der in einem kuriosen Französisch geführten Unterhaltung natürlich nicht folgen konnte.

Abermals hieß es umsteigen. Nun wurde ich Teilhaber an einem Mutter/Kind-Idyll. Eine Bella Madonna (Napoli?) nährte ihren Säugling an stolzgeschwellter Mutterbrust. Warum auch nicht, wenn das Baby Hunger hat … Der zugehörige Vater starrte teilnahmslos aus dem Zugfenster.

Weitere Überraschungen ergaben sich nicht. Der Zug lief gegen 19:00 Uhr in Osnabrück ein. Ich wurde von Dir und Hans am Bahnhofsausgang erwartet. Im ersten Moment empfand ich eine Spur von Fremdheit, die Du aber sofort mit Deiner fröhlichen Art überbrücktest. Ich wurde ins Auto verladen und bald trafen wir am Ziel meiner Wünsche ein. Dort empfing uns Hans’ Mutter, die sich aber gleich wieder zurückzog.
Während Hans sich umzog, stießen wir beide schon mal mit einem Glas roten Sekt an. Du hattest eine von Deinen beiden Katzen auf dem Schoß, und ich schoss zwei Fotos von Dir. Eines davon ohne Katze aber mit Sektglas, mit dem du mir zugeprostet hast. In diesem Moment kam Hans wieder, wir stießen nochmals gemeinsam an, und dann mahnte Hans zum Aufbruch – zum Abendessen in einem netten Lokal in der Innenstadt. Auf dem Wege dahin kamen wir über einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Nach unserer Rückkehr gönnten wir uns noch zwei gemütliche Stunden am Kamin. „Was macht die Dichtkunst?“ fragte Hans. Darauf war ich vorbereitet. Hinter der Tür stand mein Koffer, unter dem Kofferdeckel lag ein Umschlag. Sollte ich es wagen? Einen Moment befürchtete ich, Du könntest mir das Gedicht übelnehmen, doch ich hoffte auf Hans, der damit vermutlich keine Schwierigkeiten haben würde.


Ein Verheirateter an seine ebenfalls
verheiratete Brieffreundin

Mein Weib hat Deinen Brief gelesen,
sie hat ihn schmunzelnd akzeptiert,
doch leider wird – Erfahrung lehrt es –
die Toleranz schnell strapaziert.

Die Eifersucht, auch wenn gezähmt,
liegt ständig wachsam auf der Lauer,
doch mit den Jahren wird man auch
auf diesem Sektor etwas schlauer.

Obwohl es nicht ganz einfach ist,
so seh’ ich doch in der Balance
der Wortwahl unsrer Schreiberei
eine durchaus gute Chance.

Ich seh’ uns beide als Artisten,
als Jongleure mit Ideen,
und wenn Du die geschickt verpackst,
wird sie ’ein Dritter’ kaum verstehen.


Und außerdem – gibt’s Telefon,
ich weiß, wann Du allein zu Hause;
dann flirte ich mit Dir intim
in schallgedämpfter Postamtsklause.

Es folgte eine bedenkliche Pause. „Also so stimmt das nicht“, bemerktest Du etwas ungnädig, „wann hab ich schon mal mit dir am Telefon geflirtet“. Ich musste Dich leider korrigieren. „Dreimal mindestens“, stellte ich fest. Über die Jahre gesehen, war das weiß Gott zu vernachlässigen. Trotzdem spielte Hans den Eifersüchtigen. „So, so“, sagte er zu Dir, das hätte ich dir gar nicht zugetraut“. „Ach du“, kontertest Du, „und was war mit deiner hübschen Polin?“ Jetzt kam’s raus. Auch Hans war mal kurzzeitig exotischen Reizen erlegen. Schuld war wohl auch hier das eigenartige Flair, das oftmals von gebrochenem Deutsch ausgeht.
Nachdem die schmutzige Wäsche gewaschen war (was der guten Laune durchaus keinen Abbruch tat), stellte mich Hans auf die Probe, ob ich neben meinen eigenen Werken auch noch andere kannte. Als Konrektor einer Mädchenschule besaß Hans sicher eine recht umfassende Allgemeinbildung, und ich hätte mich ungern blamiert. Ich war auf einiges gefasst. Hans verlas eine kleine, aber wirklich lustige Geschichte, bei der ich bezüglich des Autors große Zweifel hatte. „Tucholsky“ sagte ich. Es stimmte.

Wir kamen auf das Wochend-Ticket der Bundesbahn nebst den damit verbundenen Perspektiven zu sprechen. Du und Hans, ihr hattet zwar schon von dem farbenfrohen Lotterleben in den Abteilen gehört, doch mein Reisebericht bewirkte, dass ihr euch bei passender Gelegenheit auch mal unter die Zigeuner mischen wolltet. Natürlich kam ich nicht umhin, meine Schöpfung „Sentimental Journey“ vorzutragen. Die „Schwester aus Chikago“ kringelte sich vor Lachen.

Dann wurde sie auch allmählich müde, und sie geleitete mich zu dem für mich vorgesehenen Schlafgemach. Die beiden Katzen folgten sofort die Treppe hinauf. Sie waren genauso neugierig wie ich. Auf der Türschwelle wünschten wir uns beide eine gute Nacht und dachten vermutlich an dasselbe, an die nicht ausgetauschten Zärtlichkeiten „im Separee“. Doch da waren wir ja längst drüber hinaus. Zudem wäre es hier Hausfriedensbruch gewesen …

Hingestreckt auf mein Lager, schaute ich mich erst mal intensiv in Deinem „Jungmädchenzimmer“ um. Mit den Augen stehlen durfte ich ja. Ich spürte die Kunstliebhaberin und überhaupt Deinen Sinn für Harmonie und Schönheit. Ein Blick auf die Titel in deinem Bücherschrank verriet mir noch mehr. Im Grunde entsprachen meine Eindrücke den Vorstellungen, die ich mir schon immer gemacht hatte. Mir kamen Deine selbstgemalten Aquarell-Karten in den Sinn, die Du oftmals Deinen Briefen beifügtest.
Auf dem Nachttisch fand ich einen für mich bestimmten Umschlag: Fotos aus der gemeinsamen Zeit auf der Insel. Ich lag lange wach.

Der Wecker rasselte. Halb acht. Frühstück war für 8:00 Uhr angesagt. Da eine ausgiebige Sightseeing-Tour vorgesehen war, hielten wir uns nicht mehr lange auf. Du führtest mir noch Deine Zither vor, die ich ja auf jeden Fall noch begutachten wollte. „Marijke am Instrument“ wurde natürlich per Fotoschnappschuss festgehalten. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren (am frühen Nachmittag ging mein Zug), packte ich gleich meinen Koffer mit ins Auto.

In der Nähe eines mittelalterlichen Straßenzuges wurde geparkt. Wir studierten die Inschriften und die kunstvollen Verzierungen an sorgfältig restaurierten Häuserfassaden. Wir schlenderten auch am Hase-Flüsschen entlang, und ich erzählte einige Neuigkeiten von meinen beiden Töchtern, vor allem von unserm schwarzen Schaf Martina, meinem Schmerzenskind, unserm Adoptivkind, das fast meine Ehe gesprengt hätte.

Wir passierten den Weihnachtsmarkt. Und dann war Mittagszeit, die wir aber umfunktionierten Wir hatten Appetit auf Kaffee und Kuchen, und in einem sehr gemütlichen Cafe war man auf unsere „unzeitgemäßen“ Wünsche eingestellt. Apfelkuchen mit frischer Schlagsahne ist immer was Gutes. Im Cafe trafst Du natürlich wieder interessante Leute. Du warst eben überall bekannt wie ein bunter Hund. Ein jeder mochte Dich, und ich hatte das Gefühl, dass auch Dein Hans froh und glücklich darüber war.

Über den Hexensteg („gleich kommt eine Hexe und nimmt dich mit“, sagtest Du zu mir) ging es zurück zum Auto – und zum Bahnhof. Es war schwierig, mich loszuwerden. Hans fand keinen Parkplatz. Nach einigen Sonderrunden erspähtest Du einen. „Kurz und schmerzlos“ verabschiedeten wir uns. Du stecktest mir aber noch eine Tafel Schokolade als Reiseproviant zu. Ein Rippchen davon ist noch immer in meinem Bücherschrank versteckt.

Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass wir auf Föhr immer gutes klares Wetter hatten? Von Küstennebel also keine Spur (abgesehen von einem zweibeinigen).

__________________
schi

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aligaga
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Hallo @Eberhard,

man kämpft sich durch den Text und hofft, dass nach den ersten paar Seiten, die ein bisschen nach Schüler-Erlebnisaufsatz klingen, wirklich ein Erlebnis kommt. Aber dann - Fehlanzeige. Es geschieht rein gar nix. Es liest sich wie ein nicht enden wollender Vorspann zu einer Geschichte, die irgendwo anders passiert, nur halt nicht da, wo der Leser gerade sitzt. Der blättert und blättert: Es geht so über Jahre dahin und man wundert sich, ehrlich gestanden, gar nicht, dass das Mädel nicht den langweiligen Ich-Protz genommen hat, sondern einen vielleicht ein klein bisschen weniger langweiligen Hans.

Verdammt - warum hatte dein schüchternes lyrisches Ich denn nicht wenigstens ein Mal das da auf dem Plattenteller liegen, dann wäre alles okay gewesen!

Der Untertitel "gestohlenes Glück" legt eine völlig falsche Fährte. Der Protagonist wird doch gar nicht "bestohlen" - er ist nur zu dumm und zu feige, das "Glück" aufzuklauben, das ihm vor den Füßen herumkullert. Und: Er scheint mir ein gnadenloser Langweiler zu sein. Er unternimmt von sich aus nichts (außer, dass er mal ein paar altmodische Schlager auf dem Klavier klimpert), und schaut im Übrigen zu, wie die von ihm Begehrte allerlei zuwege bringt.

Man bedauert den "Bestohlenen" ganz bestimmt nicht, sondern belächelt ihn ob seines permanenten Wehleides. Wäre er ein Mannsbild, hätte er sich erklärt. So aber ...

Tipp, @Eberhard: Mach aus der langweiligen und langweilig erzählten Spießer-Nummer etwas Spannenderes. Lass den Ich-Protz angreifen! Lass ihn mit den anderen Männern um die Gunst des Frauenzimmers kämpfen und entweder obsiegen oder grandios scheitern. Und geh ein bisschen näher ran an die Personen! Die Erotik, die bei derartigen Kurschatten-Idyllen immer im Spiel ist, muss man bei dir mit der Lupe suchen und findet doch nichts. Ein bisschen Körpergrundflüssigkeits-Austausch macht sich literarisch immer gut!

Einen Wunsch ganz am Schluss: Komm uns jetzt bitte nicht mit dem "Das ist aber alles so gewesen"-Holzhammer. Falls doch: Lass das Ding ins "Tagebuch" verschieben. Da gehörte es dann nämlich hin und würde nicht so kommentiert wie ebengerade.

Gruß

aligaga





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ThomasQu
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Hallo Eberhard,

auf den ersten Blick möchte man aligaga vielleicht noch recht geben, auf den zweiten Blick aber nicht mehr. Er wünscht sich Spannung, Action, Sex & Crime, das alles kann deine Geschichte nicht bieten. Spannung vielleicht, ein kleines bissel.
Du beschreibst ganz wunderbar und sehr einfühlsam eine platonische Dreiecks-Liebesbeziehung zwischen Marijke, Jürgen und deinem Ich-Erzähler, der in dieser Handlung auf einem sehr schmalen Grad wandern muss und du lässt dem Leser erkennen, dass Marijke dabei niemals ernstere Absichten hatte. Insgeheim war der Ich-Erzähler auch froh darüber.
Aligaga hat recht, wenn er schreibt, dass dein Prot. gar nicht bestohlen wird. Nein, er stiehlt, und wenn er “DAS DA“ auf den Plattenteller gelegt hätte, wäre alles vorbei gewesen.
Deinem Protagonisten ist klar, dass er von allen Seiten belächelt wird, er nimmt es in Kauf, über viele Jahre hinweg, nur um sich sein kleines bisschen Glück stehlen zu können.
Obwohl es eine objektiv gesehen unglückliche Liebesgeschichte ist, wirkt der Text weder weinerlich, noch melancholisch, sondern stets optimistisch auf mich.
Du hast ein feines Beziehungs- und Gefühlsgeflecht gesponnen, auch sprachlich sehr schön, das sollte man nicht vergessen, und je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt es mir.

Großes Kompliment

Thomas

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aligaga
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Sorry, @Thomas,

dass @ali da ganz entschieden widerspricht. Der Autor thematisiert mit keiner Silbe die offenkundige Unfähigkeit seines Ich-Protagonisten, eine Frau für sich zu gewinnen. Für jemanden, der seiner Angebeteten immer nur hinterherradelt (und dabei dauernd über den schlimmen Gegenwind jammert), hätte der Leser aber nur Verständnis, wenn sich der Protagonist dabei ironisch in Frage stellte. Das tut er aber ganz und gar nicht. So gähnt man sich durch die endlosen Zeilen; außerhalb dieses Forums hätte @ali die "Geschichte", in der rein gar nichts passiert, nie zu Ende gelesen.

Es bleibt in diesem Bericht alles im "Scheinheiligen", das so weit führt, dass man allen Ernstes der Ehefrau die Briefe des verhinderten Kurschattens zu lesen gibt, um zu "beweisen", dass da nichts gewesen sei. Dabei stimmt das ja gar nicht - der Typ hat sich bis über alle beiden Ohren verknallt in das Mädel. Schrecklich!

Wir sehen hier kein süßes Beben, das wegen widriger Umstände keine Erfüllung findet, sondern einen drögen Bericht über einen Kuraufenthalt und eine Zeit danach, wo eine Grazie mit ein paar Rentnern kokettiert. Da geht nix wirklich unter die Haut. Von einem "Beziehnungsgeflecht keine Spur.

Wie man's besser macht, kann man bei Mann, bei Zweig oder bei Zuckmayer nachlesen. Da lernt man, dass es bei der Darstellung von Zweier- oder Dreiecksbeziehungen keineswegs plumpen Sexandcrime braucht, um spannend zu werden. Die Action ensteht dadurch, dass sich die Protagonisten erklären, statt nur heimlich in die hohle Hand zu hüsteln. Schon Nina Hagen wusste, dass "rangehn" muss, wer scharf auf den anderen ist. Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass man nicht zurückgewiesen wird. Aber dann wär's ja nicht spannend ...

Tipp: Lesen!

Gruß

aligaga

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ThomasQu
???
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@aligaga

Eines solltest du bedenken, er spielt auf seinem Klavier nicht Nina Hagen, sondern Rosen aus Amsterdam!
Es kommt halt auch auf die Mentalität der Menschen an, nicht jeder ist so ein Draufgänger wie du.
Nein, Spaß beiseite! Vielleicht sind ja unsere beiden Sichtweisen legitim.
Ich habe in der Geschichte das Gefühl, dass dieses Oranje Girl auf den Prot. ein bisschen wie Rauschgift wirkt. Er kann nicht mehr ablassen und wenn er sich mehr davon genehmigen wollte, bekäme er gar nichts mehr. Umso härter wäre der Entzug. Er sieht einfach ein, dass er sie nicht bekommen kann und macht das Beste daraus. Wie du schon sagst, eine Grazie, die mit einem Rentner kokettiert. Darum handelt er klug und gibt sich mit dem kleinen gestohlenen Glück zufrieden, das er hat. Immerhin sind beide trotz allem glücklich verheiratet.
Für mich ist der ganze Plot lebensnah und stimmig.
Wahrscheinlich liest der Eberhard mit und lacht sich schon einen Ast über uns.
Apropos Nina Hagen, Das Album “Nun Sex Monk Rock“ kann ich dir wärmstens empfehlen, das erste, das sie in Amerika aufgenommen hat, GENIAL, nur für den Fall, dass du da ein Fan bist.

Gruß Thomas

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aligaga
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Dass der Plot lebensfremd und unstimmig wäre, @ThomasQ, hat niemand behauptet. Er ist vielmehr typisch für eine verklemmte, ängstliche und fantasielose Spießbürgerwelt; geschrieben ist ist er ebenso langweilig.

Der Rat war, aus dem Gähn-Stück etwas Lesenswertes zu machen. Der Hint mit Nina Hagen, Mann, Zweig und Zuckmayer sollte Anreiz geben. Sie zeigten allesamt, wie man mit dem Thema umgehen kann, ohne dass die Rezipienten wegschnarchten. Der Autor kann die Tipps annehmen oder es sein lassen - wir sind ja nicht in der Schule.

Was @ali, der Autor oder du für Typen sind, spielt keine Rolle. Es ging hier um die fade Geschichte, um sonst gar nichts.

Und über Nina, the mother of punk, musst du @ali nicht beleeren. Er hat die LP "Nina Hagen Band" im Schrank. Nina wusste schon 1978 sehr genau, was spannend ist und was nicht ...

Gruß

aligaga

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