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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Kunst
Eingestellt am 18. 12. 2011 23:14


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HerbertKalk
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2011

Werke: 18
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Kunst

Lauf, ein schmuckes Städtchen an der Pegnitz. Immer wieder erstaunt mich seine schlichte Schönheit, wie Sonnenschein nach Regen. Das Pflaster glänzt, die Luft vibriert, und scheint durchwirkt von Silberfäden. Es ist ein Ort der Ruhe und des Friedens, einerseits.
Auf der anderen Seite macht er mir Angst. Ich fürchte, zu versagen. Es ist eine wilde, unbändige Panik, die von mir Besitz ergreift, eine Art Prüfungsangst. Ich bin nicht gekommen, um die Landschaft zu genießen. Ich gehe zur Mappenberatung. Das ist ein Service der AdbK-Nürnberg. Dorthin bringt der Kunststudent in spe seine gesammelten Werke, und die Dozenten prüfen sie auf Herz und Nieren. Die Bilder werden dann im Kreise der Bewerber diskutiert und kritisiert. Denn Kunst ist nicht gleich Kunst.
Manche Träume platzen. Es ist ein hartes, mitleidloses Pflaster.
Nichtsdestoweniger habe ich mir in den Kopf gesetzt, Kunst auf Lehramt zu studieren. Ich will Kunsterzieher werden. Ich habe alles dabei, meine Mappen, Bilder und Leinwände.
Und so erscheine ich, beladen mit meinem Leben, meiner Kunst …
Es ist die Schlossinsel eins, hier findet die Beratung statt. Hinüber führt ein Brückchen, die Dielen knarzen unter meinem Tritt. Dann bin ich im Innenhof, ringsum kalter, nackter Stein, und hier und da ein Fensterchen. Eine Hand drückt die schweren Flügeltüren auf, die andre schiebt die Bilder nach.
Und mich, bevor sie schließen.
Der erste Stock ist überlaufen. Fast fünfzig Künstler tummeln sich hier dicht an dicht. Und mittendrin die Profs, ältliche Herren mit Flicken auf den Tweed-Jacketts, eine staubige, verstockte Gesellschaft. Der Längste macht den Anfang.
Es gibt eine kurze Begrüßung, gefolgt von vagen Worten. Dem schließt sich ein Dicker an, wessen Faden wiederum ein Dritter aufnimmt. Schließlich ein Crescendo, der Höhepunkt … und fine, die Worte ebben ab.
Wir verteilen uns im Schloss und legen unsre Bilder aus, ein bunter Mix aus graphischem Design, Akten und Portraits …
Immer mehr Akademieanwärter strömen in die Burg, der Ansturm nimmt kein Ende, die Schlange wächst und wächst. Ich wandere umher, überfliege die Bilder meiner Konkurrenten, kommentiere hier und deklariere da. Natürlich habe ich keine Ahnung, eine Meinung ja, aber nicht die leiseste Ahnung, was wirklich gut ist. Es gibt kein Richtig, gibt kein Falsch, nur Aussage und Wirkung …
Umso erstaunter bin ich, als ich unter all dem Tand und Einerlei ein richtiges Kunstwerk entdecke: Es ist ein Mädchen, klein, süß und voller Energie.
„Na?“ frage ich sie unbefangen. „Auch hier?“
Sie lächelt. „Natürlich“, erwidert sie, „meine Sachen sind da drüben!“
Sie zeigt mir ihre Bilder, surreale Welten von einem kindlich naiven Charakter, sehr bunt, Fuchs und Hase, die sich gute Nacht sagen, ein Palast, aus dessen Festen Wurzeln werden, und Türme, die in Gliedmaßen übergehen. Eine nackte Frau im Hintergrund.




„Ich hab noch mehr“, ergänzt sie, und zückt ein Telefon, „aber ich wollte erst mal schaun, wie’s hier so läuft!“ Dann zeigt sie mir die Fotos. „Bauernmalerei“, erklärt sie, „wahrscheinlich nicht Dein Ding, aber …“
„Quatsch!“ unterbreche ich, die bemalte Bank bewundernd. „Da steckt viel Liebe drin!“
Sie strahlt.
Und steckt mich an.
„Woher kommst Du?“
„Würzburg“, erwidere ich, „und Du?“
„Regensburg.“
Das kam etwas schmerzlich.
„Was ist los?“ frage ich.
„Nichts.“ Sie schüttelt den Kopf. „Zeigst Du mir Deine Bilder?“
Ich nicke. „Komm mit!“
Tatsächlich ist sie hin und weg. „Also, wenn Du nicht genommen wirst, fress‘ ich’n Besen!“
„Danke!“ sage ich und lache.
„Oh!“ Sie fährt herum. „Ich verpasse meine Beratung!“
Wir laufen zu ihren Bildern. Dort steht die lange Latte, den Leib über ihr Werk gebeugt. Er erinnert mich an einen Baum. Er schaut sich ihre Bilder an und sagt, sie solle sich beschränken, auf die Metamorphosen, wissenschaftlich vorgehen, solche Übergänge genauer ausarbeiten, und nachvollziehen, wie so eine Transformation vonstattengehen kann.
Während sie weiter mit dem Alten spricht, übergehe ich sie mit Blicken, vom Scheitel bis zur Sohle, sozusagen. Und verweile auf ihrem Hintern. Es ist ein schöner, voller Arsch, und die Jeans sitzt wie angegossen. Ich will sie ficken!
Dann ist das Gespräch vorbei, und der Dozent zieht weiter.
„War doch toll!“ lobe ich. „Er hatte gar nichts auszusetzen!“
Sie wirkt etwas enttäuscht. Trotzdem nickt sie.
„Alles okay?“ erkundige ich mich.
Sie senkt den Blick. Schließlich zuckt sie mit den Achseln.
„Ich verstehe, Du musst gehen …“
„Ja.“
Wir stehen dicht beisammen, unentschlossen. Es knistert.
Ich seufze. „Also dann …“
Irgendwie bringt sie ein Lächeln zustande. „Du musst mir dann unbedingt sagen, ob Du genommen wurdest!“ Sie packt zusammen. „Hoffentlich!“ fügt sie noch hinzu, und winkt zum Abschied.
Dann ist sie verschwunden.
Ich stehe da und starre in die Leere. Was war das? Wer war dieses Mädchen? Wie durch einen Schleier vernehme ich die Worte des Dozenten: „Und wem gehören diese düstren Welten?“ Doch bin ich längst woanders.
Ich stürze los.
Auf dem Brückchen hole ich sie ein. „Ich kenne nicht mal Deinen Namen!“ rufe ich.
Sie lacht. Doch antwortet sie nicht. Stattdessen fragt sie: „Ist das so wichtig?“
Ich grinse, schüttle den Kopf. Das ist es nicht. „Gehen wir was trinken!“ beschließe ich, und sie hakt sich bei mir ein.
Das Café liegt etwas außerhalb, umschlossen von Gesträuch und hohen Bäumen inmitten eines kleinen Parks. Sie bietet mir ein Mentos an, und endlich weiß ich um ihr Geheimnis, es ist ihr frischer Atem, er ist es, der verlockt und jedes ihrer Worte wie in Watte kleidet, eine Verführung, sehr subtil, doch immer noch Verführung.
Wir reden, schweifen ab, verlieren uns und finden einander wieder. Sie kommt näher, rückt an mich heran, und jedes Wort verführt. Ich muss sie küssen!
Und so beuge ich mich über sie und lege meine Lippen auf die ihren …
Die Welt verschwimmt und wird zur Nebensächlichkeit. Es gibt nur noch den Kuss: Ich stoße vor, streife das Gebiss und erforsche diesen süßen, unbeschreiblich leckeren Mund. Die Zeit steht still. Ich will mehr, mehr noch … ich will sie!
Da lässt sie ab von mir, sieht mich an mit ihren Augen, die grau sind wie Eis auf einem See, und weiß es.
Und will es auch.
Raif hängt an den Bäumen. Es ist kalt, aber unser Verlangen größer …
Ab ins Gebüsch!
Eine Rangelei entsteht, als wir aneinander zerren. Krachend schlägt sie gegen einen Baum. Ich sinke auf die Knie, will ihren Mund, ihren anderen, ungleich köstlicheren Mund, reiße ihr die Jeans vom Leib und presse meinen Mund auf ihren. Ihre Lippen sind wie Flügel, fein und filigran. Heiß schmeckt dieser Kuss, und sie erbebt unter meinem Zungenschlag.
Ich schmecke den Wald, eine schwere, sumpfige Süße.
Wie etwas Dunkles, Böses komme ich über sie. Weg mit der Jacke, den Strümpfen und den Schuhen! Endlich ist sie frei, befreit von all den Dingen, mit denen sich die Menschen schmücken, nicht mehr als ein nackter, bloßer Leib ohne Gesicht.
Sie geht zu Boden.
Ich dringe ein.
Immer wieder stoße ich ihn in sie, diesen harten, roten Stab der Lust, schlage klatschend auf und verwandle ihre Scham in Feuer.
Meine Finger furchen ihren Leib, hinterlassen rote Striemen. Ich bin ein Tier, ein wildes Ding aus den Tiefen des Waldes. Wir aalen, winden uns, rollen über den Boden, Wurzeln, Zweige zerschrammen unsre Haut. Es ist kalt, so bitterkalt, und die einzige Wärme, erst eine Flamme, schließlich ein Inferno, entsteht zwischen uns. Wir suhlen uns im Schlamm, verwandeln uns in Tiere.
Ich werfe sie herum und nehme ihren vollen, runden Arsch!
Wieder schreit sie, und es sind Laute von ganz unten, tiefe, gutturale Klänge. Wir sind ein Fleisch, eine wilde, sich windende Bestie, eine wüste, unbändige Naturgewalt. Krämpfe schütteln ihren Leib, sie schreit „Gott!“ und ich … komme, berste, entlade mich in ihren Darm, bunte Bilder vor den Augen, aus meinem Hals ein schwerer, dumpfer Schrei. Die Welt vergeht, schwindet, ist nicht mehr, und es gibt nur noch Gut und Böse, die sich umeinander winden wie zwei Schlangen.
Dann öffne ich die Augen. Und sehe:
Wir sind schwarz. Glänzend.
Und Kunst.

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