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Leselupe.de > Humor und Satire
Kurt und die Nummern
Eingestellt am 28. 12. 2006 12:54


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Elbbatz
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Kurt surfte oft und lange im Internet. Als freiberuflicher technischer ├ťbersetzer fand er dort nicht sachlich-fachliche Zusammenh├Ąnge, sondern auch Hinweise auf die richtige Terminologie. Besonders aus Foren, an denen Berufskollegen unentgeltlich und gro├čm├╝tig ihr Wissen bereitstellten, zog er gro├čen Nutzen. Und selbstverst├Ąndlich hielt er seinerseits nicht hinterm Berge mit allem, was er in seinem langen Berufsleben gelernt hatte.
Nur eines verdross ihn. Die Verbindung ├╝ber das Modem war unerh├Ârt langsam. Und seine Frau konnte nicht telefonieren, w├Ąhrend er surfte. Immer wieder h├Ârte er sie klagen, sie sei total von allem Sch├Ânen in der Welt abgeschnitten, nur weil er stundenlang nach der englischen Bezeichnung f├╝r irgendeine Spezialmuffe fahnde.
Da entschloss er sich, zu DSL ├╝berzugehen, und besah sich die Angebote. Eine Riesenfirma gab sich magentarot und gro├čz├╝gig. Doch Kurt wollte gern seine Mailadresse behalten und wandte sich deshalb telefonisch an seinen bisherigen Provider.
Er schilderte sein Anliegen und bat eher nebenhin darum, mit Inkrafttreten des neuen Vertrags den alten zu l├Âschen. Die Firma, in Gestalt einer Altstimme nach vier Minuten Chopin, sagte nein. Wenn Kurt aus irgendwelchen Gr├╝nden keine zwei Vertr├Ąge wolle, dann m├╝sse er schon selbst aktiv werden, online verstehe sich. Er solle sich in die Vertragskundenseite der Firma einloggen, dort auf "Gegenw├Ąrtiger Vertrag" klicken und das Men├╝ abarbeiten.
Kurt fragte, warum man nicht einfach den Vertrag storniere, statt komplizierte Erl├Ąuterungen abzugeben. Anstelle einer Antwort kam ein bisschen Mozart. Viele Noten. Da loggte er sich denn doch ein und sa├č bis weit nach Mitternacht geduldig ├╝ber dem Men├╝.
Zwei Tage sp├Ąter erhielt er mit der Post den neuen Vertrag und stellte entsetzt fest, dass man ihm eine neue E-Mailadresse zugewiesen hatte.
Er rief beim Provider an. Zun├Ąchst gab es sieben Minuten Brahms, danach einen Sopran, der, wie der mittlerweile leicht verst├Ârte Kurt es erlebte, seine Koloraturen doch noch unterbrach und Kurt nach seinem Begehr fragte. Nein, man k├Ânne keine Ausnahme machen , nur weil Kurt sich und seinen Freunden die Umstellung auf eine neue Adresse ersparen wolle. Mit einem neuen Vertrag werde eine neue numerische Adresse vergeben, basta. Die alte Adresse erl├Âsche mit dem Erl├Âschen des alten Vertrags, basta, basta. Sie k├Ânne nicht anderweitig vergeben werden, basta, basta, basta. Kurt fragte, ob das auch gelte, wenn der andere Kunde derselbe Kunde sei. Als Antwort ward ihm Beethoven.
Tags darauf rief Kurt noch einmal an. Er sei, sagte er einem Bassbariton nach neun Minuten Schubert, doch auch unter Kurt@soundso.de zu erreichen. Viel-leicht k├Ânne er wenigstens diese handliche Alias-Adresse behalten?
Der Bassbariton verneinte. Die Alias-Adresse Kurt@soundso.de sei fest an die numerische Erstadresse 3344-772@soundso.de gekoppelt und k├Ânne nicht auf die numerische Erstadresse 6859-131@soundso.de ├╝bertragen werden.
Ehe Robert Schumann oder irgendein anonymer Rhapsode ihm ins Wort fallen konnte, erw├Ąhnte Kurt, er habe im neuen Vertrag seine alte Kundennummer entdeckt; das sei ja wohl ein Versehen.
Keineswegs, erwiderte der Bassbariton nicht ohne Entr├╝stung. Selbstverst├Ąndlich behalte ein Kunde immer dieselbe Nummer. Ein Leben lang, auch ├╝ber Riester hinaus. Sinnlose und kostspielige ├änderungen k├Ânne sich die auf Effizienz bedachte Firma nicht leisten.

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