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Leselupe.de > Kurzprosa
Kurze Notiz
Eingestellt am 10. 02. 2005 19:05


Autor
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Justina
???
Registriert: Jun 2004

Werke: 5
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45 Quadratmeter Heimat. Die W├Ąnde schm├╝ckten verblichene Fotos von Sizilien und von italienischen Nationalspielern, die schon lange nicht mehr aktiv waren. Die Zimmer waren sp├Ąrlich eingerichtet, das Mobiliar billig. Die Teppiche und Tapeten erinnerten an die 70ger Jahre.

Massimo Cambio war 1967 als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Ein unauff├Ąlliger Mann, der in einer Eisenh├╝tte arbeitete und dessen einziges Hobby der Fu├čball war. Als er j├╝nger war, spielte er in der Betriebsmannschaft. Irgendwann fing er an, die Jugendmannschaft des italienischen Fu├čballclubs zu trainieren. Das tat er, bis er einen leichten Schlaganfall erlitt; da war er 55 Jahre alt. Er wurde Fr├╝hrentner.

Das Rentnerdasein gefiel ihm. Zweimal monatlich traf er seine alten Fussballfreunde im Vereinslokal. Er montierte eine Satelittensch├╝ssel, die ihm bei Bedarf Bilder und T├Âne aus seiner Heimat ins Haus brachte, und er sorgte f├╝r eine Katze, die zwar keinen Namen hatte, ihm aber viel bedeutete. So lie├č es sich leben.

Der Vermieter war aufmerksam geworden, als die Nachbarn sich beschwerten. Aus Herrn Cambios Wohnung dringe ein f├╝rchterlicher Geruch, sagten sie. Er hatte daraufhin mehrfach versucht, Herrn Cambio pers├Ânlich oder telefonisch zu erreichen. Es gelang ihm nicht. Nach zwei Tagen rief er die Polizei an, bat darum, die Wohnungst├╝r aufzubrechen. Man fand Herrn Cambio im Bad. Er war bereits mehrere Tage tot. Die Katze sa├č verschreckt in einer Ecke; ├╝berall lagen ihre Exkremente. Die Obduktion ergab, da├č Herr Cambio an den Folgen eines Schlaganfalles verstorben war, aber m├Âglicherweise noch einen vollen Tag bewegunsunf├Ąhig gelebt hatte. Er wurde 65 Jahre alt.

Die Katze kam ins Tierheim. Die Entr├╝mpler hatten wenig zu tun. Da es keine Angeh├Ârigen gab, mu├čte beim Abtransport der M├Âbel keine R├╝cksicht auf Befindlichkeiten etwaiger Erben genommen werden. Es wurde schnell und pr├Ązise alles in kleine St├╝cke geschlagen und vom Fenster aus in den bereitstehenden Container geworfen. Die Arbeit war schnell getan. Nach 2 Stunden war Massimo Cambios Wohnung leer.

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
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F├╝nfundvierzig Quadratmeter Heimat ODER Massimo Cambio

Hallo Justina!


Mit einem Minimum an Aufwand beschreibst du ein Maximum an Katastrophe. Ein gelungenes St├╝ck Prosa. Der erste Satz gef├Ąllt mir. Man k├Ânnte ihn fast zum Titel machen. Den letzten Satz streiche. Oder besser: verwandle ihn etwas. Verstehst du: Es geht noch mehr darum, das Lakonische selbstverst├Ąndlich wirken zu lassen.

ÔÇ×Kurze NotizÔÇť als Titel betont mir zu sehr, was es ohnehin ist. Hat man den Text gelesen, wirkt das ÔÇ×Kurze NotizÔÇť fast anklagend, moralisch. Dass nach zwei Stunden nichts mehr an den Menschen erinnert, ist sicher richtig, aber auch hier steckt noch Gef├╝hl (zu viel Gef├╝hl f├╝r den Text) drin. Ich w├╝rde nur schreiben (Jetzt nur dem Sinn nach, nicht endg├╝ltig formuliert!): Nach zwei Stunden war die Wohnung leer. Oder: Die Entr├╝mpelung dauerte zwei Stunden. Fertig. Aus. So w├╝rdest du den Leser noch h├Ąrter zur├╝cklassen und mit diesem dokumentierten Schicksal konfrontieren. (Obwohl es auch gut ist, dass der Text mit dem Namen des Menschen endet.)

Ja, die Katze ist auch wichtig.
Dass der Mensch dann noch nach dem Schlaganfall dalag, da w├╝rde ich auch noch einmal ├╝ber die Formulierungen nachdenken. "Die ├ärzte meinten...". Das klingt, als solle man jetzt arg von dieser Situation getroffen sein. Da wird etwas handwerklich zu offensichtlich an Information eingebracht. Das m├╝sste vielleicht noch selbstverst├Ąndlicher kommen, meiner Meinung nach. Aber sonst, Kompliment!


Liebe Gr├╝├če

Monfou

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Justina
???
Registriert: Jun 2004

Werke: 5
Kommentare: 86
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Hallo Monfou,

├╝ber Deine positive Kritik habe ich mich sehr gefreut. Die Verbesserungsvorschl├Ąge kann ich nachempfinden, daher habe ich den letzten Satz schon ge├Ąndert.
Mir f├Ąllt leider noch keine Alternative zu "Die ├ärzte meinten..." ein. Denn auch hier gebe ich Dir recht: diese Formulierung passt nicht, wirkt wie ein Stilbruch. Ich hoffe, ich finde daf├╝r noch was Passendes.

Liebe Gr├╝├če
Justina

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MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
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Vielleicht: "Die Obduktion ergab, da├č er an den Folgen eines Schlaganfalles verstorben war, aber m├Âglicherweise noch einen vollen Tag bewegunsunf├Ąhig gelebt haben mu├č..."
__________________
Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

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Justina
???
Registriert: Jun 2004

Werke: 5
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Hallo MD Spinoza,

danke f├╝r den Tip. Ich habe die entsprechende Stelle umge├Ąndert und hoffe, sie liest sich nun besser.

Gru├č+Dank
Justina

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