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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurzgeschichte
Eingestellt am 16. 09. 2001 15:04


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Fledder
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2001

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Ja, ich lebe in D├╝sseldorf!

D├╝sseldorf ist an sich eine sch├Âne Stadt. Ich wohne fast im Zentrum D├╝sseldorfs, der Stadtteil nennt sich Flingern. Flingern war fr├╝her einmal Ackerland und vor zig Jahren pr├Ągten hochherrschaftliche Geb├Ąude das Stadtteilbild. Nach dem Krieg sah das nat├╝rlich anders aus, denn Flingern ist ganz sch├Ân zerbombt worden. Ich lebe direkt an der B8, das ist die Bundesstra├če, die direkt nach Rom f├╝hrt :-))) Verst├Ąndlich, wenn es laut wird, wenn vierspurig die Lkw vor dem Haus entlangrattern und zweispurig die Stra├čenbahn. Aber es hat auch was f├╝r sich, ich wohne zentral.

D├╝sseldorf hat viel zu bieten und ist ziemlich abwechslungsreich. F├Ąhrt man ein bi├čchen aus der Stadt heraus findet man noch immer viel Ackerland und Wiesen. Ansonsten ist unser "Naherholungsgebiet" der Vater Rhein. Oft gehe ich im Sommer dort grillen, wenn es mal lecker warm ist. Es gibt dort Sandstr├Ąnde wie am Meer und wenn man seinen Grill dort aufstellt, ist man nie alleine. Im Sommer gibt es jedes Jahr eine riesige Kirmes, die auf der anderen Rheinseite aufgebaut wird- auf der falschen Rheinseite, wie die D├╝sseldorfer sagen. Die falsche Rheinseite hei├čt, da├č auf dieser Seite K├Âln liegt. Das ist immer ein kleiner Kampf zwischen D├╝sseldorfern und K├Âlner, keiner wei├č warum, denn eigentlich sind die K├Âlner gut drauf. Aber es ist eben so und wird auch augenzwinkernd gepflegt.

Auf jeden Fall endet die Kirmes immer mit einem bombastischen Feuerwerk, von dem man von der Kirmes aus selbst nichts sieht. Deshalb findet sich Gott und die Welt dann auch beim Grillen auf der RICHTIGEN, auf unserer Rheinseite ein. Nach und nach gesellen sich immer mehr Gr├╝ppchen in exakt 15 m Abstand dazu, um das Feuerwerk zu genie├čen. Das ganze Spektakel - verbunden mit dem obligatorischen Altbier, das auch oft in F├Ąssern dort angeschleppt wird - geht dann bis in die fr├╝hen Morgenstunden.

Es gibt ansonsten noch die M├Âglichkeit, sich in der Altstadt zwischen tausenden von Menschen zu betrinken. Es ist eben Geschmacksache. Das sch├Âne ist, da├č man sich aussuchen kann, wohin man gehen m├Âchte. Selbst in der Altstadt, die mittlerweile von Touristen ├╝berf├╝llt ist, findet man hier und da noch Kneipen, in denen alles noch so l├Ąuft wie fr├╝her. Die einschl├Ągigen Brauereien sind sehr gem├╝tlich und man wird oft von den Kellnern, die sich hier K├Âbesse nennen, rauh aber herzlich bedient. Dort kann man dann das absolut frischeste Alt genie├čen.

Die D├╝sseldorfer sind ein geschw├Ątziges, aber freundliches Volk. Nicht so wie die Hanseaten, denen eher strenge Zur├╝ckhaltung nachgesagt wird. Der rheinische Frohsinn zeigt sich gerne an den D├╝sseldorfer Tresen, denn jeder wird von jedem angequatscht. Und wehe wenn ein D├╝sseldorfer herausfindet, da├č er jemandem gegen├╝bersteht, der von ausw├Ąrts kommt...

Ich habe eine Delegation von Chinesen beobachtet, die zur Messezeit in D├╝sseldorf weilten. Diese gesellten in einer D├╝sseldorfer Brauerei zuf├Ąllig an einen "heiligen Stammtisch", der mit den "D├╝sseldorfer Jongens" besetzt war. Dies ist ein Verein, der noch den Brauchtum D├╝sseldorfs pflegt. Die Chinesen begriffen anfangs gar nicht, warum sie sofort angesprochen wurden und gleich mehrere Gl├Ąser Altbier vor sich vorfanden. Sie kicherten peinlich ber├╝hrt und grinsten und verbeugten sich mehrmals. "Kumm", sacht einer von den D├╝sseldorfer Jongens, "d├Ąm Chinesen bringe m┬┤r jetz en Liedsche bei." Und kurzerhand wurde sich bei den Chinesen untergehakt, ein Liedchen angestimmt und geschunkelt. Die Chinesen waren vollends verwirrt, sangen aber irgend etwas mit. Sp├Ąter wurde mit H├Ąnden und F├╝├čen ├╝ber Gott und die Welt diskutiert, ich denke die Jongens sprachen ├╝ber die erh├Âhten Bierpreise und die Chinesen ├╝ber ihr Wirtschaftswachstum - aber irgendwie verstand man sich.

So kann es "Ausw├Ąrtigen" ergehen.

F├╝r jeden Geschmack gibt es etwas, sei es f├╝r Hardrock-Freaks, f├╝r Yuppies, f├╝r Techno-Leute, f├╝r Rapper, f├╝r Schlagerfans oder f├╝r Leute, die anstatt zum Ballermann auf Mallorca fahren, einfach zum Ballermann in die Altstadt. Da gibt es das gleiche in gr├╝n wie auf Mallorca - darauf sind sogar viele D├╝sseldorfer stolz, ich kann jedenfalls nichts daran finden.

Seit einigen Jahren haben wir auch eine Uferpromenade, die sich auch gro├čer Beliebtheit erfreut. Man kann dort den Schiffen nachsehen, die 10 m weiter an einem vorbeifahren oder einfach nur in die Wellen schauen. Jung und alt flaniert dort, aber man mu├č etwas sportlich sein, um den Rollerblade-Scatern auszuweichen.

Flanieren kann man nat├╝rlich auch auf der K├Â. Ich hasse die K├Â. Ein teures Gesch├Ąft reiht sich an das andere und sonntags kann man tolle Sachen dort erleben. Menschen, die so sch├Ân sind, da├č es kaum zum Aushalten ist, schieben sich mit ca. 0,0002 km/h die K├ rauf und runter. Wenn man nicht gerade eine Supermodellfigur hat und halbnackt gehen kann, ist es selbst bei 30 Grad im Schatten dringend erforderlich, da├č man wenigstens dann einen Nerz tr├Ągt. So schreiten "Herr und Frau Kabeljau" dann einher und man sieht und wird gesehen. Dann und wann mu├č man sich Schaufenster betrachten und lauthals vor einem Schmuckgesch├Ąft kundtun, da├č dort wahrhaftig in der Auslage der gleiche Ring liegt, genau dieser f├╝r 39.000 DM, liegt, den "Schatz" Ihr letztens noch zur Royce-Royce-Einweihung geschenkt hat.

Ich habe einmal einen Kaffe auf der K├ getrunken (drau├čen nur K├Ąnnchen). Da das K├Ąnnchen 15,00 DM kostete, gab ich 17,00 DM - zwei Mark Trinkgeld, weil die Kellnerin so freundlich war. Sie schaute ├╝berrascht. Ich sagte: stimmt so, sie ging fort, kam dann wieder, ob ich mich nicht vertan h├Ątte, das K├Ąnnchen kostet doch nur 15,00 DM. Nee, nee, meinte ich, es ist doch schon OK... Und die Frau konnte es nicht fassen. Ich habe mir auch ├╝berlegt, ob dort nur Menschen einen Kaffee trinken, die nerz- und klungerbehangen einen Monat f├╝r ein K├Ąnnchen Kaffee sparen m├╝ssen. Irgendwie pa├čt es nicht zusammen.

Ansonsten ist D├╝sseldorf sehr hektisch, sehr voll - aber das ist alles Empfindungssache. Ich finde oft erst nach einer 3/4 Stunde Herumkurven (!) abends einen Parkplatz, von dem ich zumindest zu Fu├č meine Wohnung aufsuchen kann. Eine Garage zu finden, die in der N├Ąhe liegt, gleich einem Lottogewinn. Den mu├č man allerdings auch haben, damit man dann die Garage finanzieren kann. Ansonsten finanziere ich unser Stra├čenverkehrsamt, denn es ist ein hoher Aufwand, meine Kn├Âllchen zu verwalten.

Ich wei├č ja nicht, ob das ├╝berhaupt mal einer liest und woher er dann kommt. Aber vielleicht kommst Du ja mal zu einem Kurztrip in unsere Landeshauptstadt - wirst schon sehen... Dann schreib mir doch Deine Eindr├╝cke - ich w├╝rde mich freuen!!!

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Walter Walehn
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2001

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Hallo Fledder,

eine sch├Âne und gelungene Beschreibung. Bin zwar kein D├╝sseldorfer aber ├Âfters mal dort, nur so zum Vergn├╝gen...und es gef├Ąllt mir!

Liebe Gr├╝├če
Walter

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