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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurzgeschichte
Eingestellt am 23. 05. 2002 15:36


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peutz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Michael Schmill

Die Warnung

Irgend etwas hatte ihn geweckt.
Er brauchte einen Moment, um sich zu besinnen, dann schlug er die Augen auf und lauschte. Es war nichts zu h├Âren. Nur der Wind streifte leise an den Fenstern vorbei. Nicht einmal das gleichm├Ą├čige Atmen seiner Frau war zu h├Âren.
Er erinnerte sich daran, dass er getr├Ąumt hatte, aber der Inhalt dieses Traumes war mit einem Male wie weggeblasen. Ger├Ąusche, die real waren, hatte er schon h├Ąufiger mit in den Traum eingearbeitet. Aber das erging wohl jedem Menschen so, das wu├čte er.
Sein Blick suchte die Digitalanzeige der Uhr, die auf dem kleinen Schr├Ąnkchen gegen├╝ber stand. Er kniff die Augen zusammen, bis er die Leuchtanzeige erkennen konnte. Es war drei Uhr drei├čig.
Ermattet legte er sich wieder zur├╝ck. Obwohl er schon f├╝nf Stunden geschlafen hatte, f├╝hlte er sich unwohl und leicht ger├Ądert. Eine unerkl├Ąrliche Unruhe machte sich breit. Er st├Âhnte und drehte sich auf die Seite. Die Gestalt seiner Frau konnte er nicht ausmachen. Bestimmt hatte sie sich tief in die Kissen zur├╝ckgezogen. Das machte sie gerne, wenn es einer dieser kalten und ungem├╝tlichen N├Ąchte war. Aber irgendwie war es diesmal anders als sonst. Er konnte es sich nicht erkl├Ąren, aber sein Gef├╝hl t├Ąuschte ihn nur selten.
Er sah genauer hin├╝ber.
Sein Herzschlag wurde schneller, urpl├Âtzlich war er hellwach.
Das Bett war nicht nur leer, es war auch gemacht worden. Es wirkte wie unber├╝hrt, als w├Ąre seine Frau die ganze Nacht nicht hiergewesen. Er konnte deutlich das Muster der Tagesdecke erken-nen.
Er schaltete die Nachttischlampe auf seiner Seite ein und sah wieder auf die Tagesdecke, als k├Ânne er die Realit├Ąt nicht fassen.
Kein Zweifel, seine Frau mu├čte still und heimlich das Bett gemacht haben. Also war sie irgend-wann aufgestanden. M├Âglicherweise war auch sie unruhig gewesen. Hing es vielleicht auch mit dem gestrigen Streit zusammen? Es kam selten vor, dass sie sich aus diesem Grund einen anderen Schlafplatz suchte.
Er erinnerte sich, wie sie abends wortlos zusammen ins Bett gegangen waren. Jeder hatte noch eine Zeitlang in seiner eigenen Lekt├╝re gebl├Ąttert. Er war allerdings mehr mit seinen eigenen Gedanken besch├Ąftigt als mit der Lekt├╝re. Aber irgendwann hatten sie schlie├člich das Licht ausge-knipst.
Er sah zur T├╝r. Sie war geschlossen, aus dem Flur drang kein Lichtschimmer herein.
Was war los, wo war sie hin? Hatte sie vielleicht die Wohnzimmercouch dem Ehebett vorgezogen? Er mu├čte der Sache auf den Grund gehen.
In diesem Moment zuckte er zusammen, ein dumpfes Ger├Ąusch drang aus der unteren Etage zu ihm herauf. Es war, als w├╝rde ein K├Ârper schwer zu Boden fallen. Weitere kleinere Ger├Ąusche folgten schnell hintereinander, ein Schleifen, Zerren, St├Âhnen, dann war es wieder still.
Still und unheimlich.
Er schlug die Bettdecke zur├╝ck, zog hastig seine Hausschuhe an und ging zur T├╝r. Er ├Âffnete sie vorsichtig, als w├╝rde er direkt hinter der T├╝r Gefahr vermuten.
Er horchte.
Nichts war zu h├Âren, auch Licht war nirgendwo eingeschaltet.
Er f├╝hlte ein merkw├╝rdiges Kribbeln im Bauch und entschlo├č sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Es blieb ihm im Prinzip auch nichts anderes ├╝brig, schlie├člich konnte er sich nicht einfach wieder ins Bett legen und sich einreden, es w├Ąre nichts geschehen.
Er schaltete das Licht an und stieg die Treppe zum Erdgescho├č hinab. Auf der untersten Stufe konnte er einen kleinen Blutfleck entdecken. Ihm war sofort klar, dass es nur Blut sein konnte. Er wu├čte nicht warum, es war nur ein Gef├╝hl.
Er gab keinen Laut von sich, war nicht f├Ąhig, nach seiner Frau zu rufen. Den Gedanken an eine lauernde Gefahr wurde er nicht mehr los.
Eine dumpfe Ahnung beschlich ihn, als er nach kurzem Z├Âgern auf die Wohnzimmert├╝r zuging. Sie war geschlossen und er konnte sich nicht erinnern, dass er oder seine Frau jemals nachts die Wohnzimmert├╝r geschlossen hatten. Dann sah er den zweiten Blutfleck, direkt auf der T├╝rklinke.
Sein Herz schlug nun wild, laut, pochend, fast schmerzhaft.
Verdammt, was war hier passiert?
Sein Atem ging sto├čweise, als er die T├╝r ├Âffnete und auf jede ├ťberraschung gefa├čt war.
Aber nichts geschah.
Er schaltete auch hier das Licht ein und wu├čte sofort, dass seine Frau nicht in diesem Raum war. Es war kein Geruch verbrauchter Luft zu vernehmen, wie er f├╝r jeden Raum, in dem ein Mensch schlief, typisch war.
Jetzt rief er zum ersten Mal nach seiner Frau. Leise, unsicher, fragend.
Keine Antwort.
Er machte kehrt und ging in die K├╝che. Seine Schritte wurden schneller. Alles war am Platz wie immer. Nichts deutete darauf hin, dass sich hier jemand zu schaffen gemacht hatte.
Er stand vor einem R├Ątsel.
Wo sollte er jetzt suchen?
Seine Frau hatte sich anscheinend dazu entschlossen, zu ihren Eltern zu fahren, die nur zwanzig Autominuten in der n├Ąchsten Stadt wohnten. Wom├Âglich hatte sie sich noch etwas zu essen gemacht und sich dabei in den Finger geschnitten.
Ja, so musste es gewesen sein.
Er ├Ąrgerte sich, das hatte er nicht verdient. Sie h├Ątte ihm ruhig Bescheid geben k├Ânnen. Kein Hinweis, keine Nachricht.
Sein K├Ârper entspannte sich wieder. Er l├Âschte kopfsch├╝ttelnd das Licht und ging auf die Treppe zu, als er ein klirrendes Ger├Ąusch aus dem Keller vernahm.
Sofort danach kehrte wieder Ruhe ein.
Das unbehagliche Gef├╝hl war sofort wieder da. Seine Augen waren weit aufgerissen, das Kribbeln kehrte zur├╝ck.
Wahrscheinlich war seine Frau doch noch nicht unterwegs. Durch den Keller konnte man in die Garage gelangen.
Der Schl├╝ssel steckte und die T├╝r war abgeschlossen. Also konnte sie nicht im Keller sein. Sie schlossen die T├╝r zum Keller immer ab, eine reine Vorsichtsma├čnahme.
Dennoch kam das Ger├Ąusch eindeutig aus dem Keller, da war er sicher.
Als er die T├╝r ├Âffnete, kam ihm ein kalter Luftzug entgegen und unten fiel eine T├╝r laut kra-chend ins Schlo├č. Das Licht anschalten und die Treppe hinunter rennen war eine Sache von ein bis zwei Sekunden. Unten angekommen, verharrte er vor Schreck mit weit aufgerissenen Augen.
Der Blutfleck an der Wand war riesengro├č. Das hatte nichts mehr mit einem kleinen Schnitt zu tun, hier mu├čte jemand viel Blut verloren haben.
Er starrte er auf die Wand, unf├Ąhig, einen klaren Gedanken zu fassen.
Aus den Augenwinkeln konnte er eine Bewegung wahrnehmen, die aus einem der drei gro├čen R├Ąume auf ihn zuzukommen schien. Er wirbelte herum. Was er sah, w├╝rde in diesem Moment kein Mensch auf der Welt erkl├Ąren k├Ânnen.
Das Werkzeug schien einfach nur in der Luft zu schweben. Eine Sichel, mehrere Schraubenzieher, sein neuer kleiner Hammer und seine alte S├Ąge, der verrostete Fuchsschwanz, t├Ąnzelten ungef├Ąhr zwei Meter vor ihm in Augenh├Âhe leicht durch die Luft.
Unf├Ąhig zu reagieren, verfolgte er fasziniert diese Szene. Unbewu├čt vergewisserte er sich dabei mit einem endlosen langsamen Blick nach oben, dass dieses Werkzeug nicht vielleicht doch an einem Faden an der Decke hing und das Schaukeln nur durch den Wind zu erkl├Ąren war. Er wu├čte instinktiv, das es sinnlos war.
Es war nichts zu sehen, das Werkzeug schwebte nach wie vor allein in der Luft, leicht hin und her wiegend, als w├╝rde ein unsichtbarer Mensch diese Dinge mal in die eine, mal in die andere Hand werfen. An seine Frau, die Garage oder den Blutfleck dachte er in diesem Moment nicht mehr.
Seine Starrheit l├Âste sich erst, als einer der Schraubenzieher ohne Vorwarnung hervorpreschte und ihm einen schmerzhaften Stich in den Oberarm zuf├╝gte. Sofort nahm der Schraubenzieher wieder die Ausgangsstellung ein. Sein Aufschrei kam so pl├Âtzlich, dass er mehr ├╝ber seinen eigenen Schrei erschrak als ├╝ber die Tatsache, dass sich sein Werkzeug selbst├Ąndig gemacht hatte und eben im Begriff war, sich auf ihn zu st├╝rzen. Er pre├čte seine Hand auf die Wunde, sah, wie sich ein roter Fleck ausbreitete.
Pl├Âtzlich ein Schaben aus dem anderen Kellerraum.
Er drehte den Kopf und beobachtete, wie sich sein kleines Beil und die alte, verrostete, ehemalige K├╝chenschere von ihrer Halterung in der Wand l├Âsten und langsam, wie in Zeitlupe, auf ihn zukamen, drohend, unwirklich, bedr├╝ckend.
Ohne sich dessen bewu├čt zu sein, st├╝rmte er auf die T├╝r zu, die in die Garage f├╝hrte. Er brauchte nur den Schl├╝ssel, der immer von innen steckte, umzudrehen und die T├╝r zu ├Âffnen. An der T├╝r angekommen, merkte er, das es ein Fehler war. Der Schl├╝ssel war verschwunden, die T├╝r abgeschlos-sen und der Weg zur Treppe nach oben durch das schwebende Werkzeug schon versperrt.
Angstvoll schaute er sich hektisch um, sein Blick fiel wieder auf den gro├čen Blutfleck an der Wand. Die Angst um seine Frau geriet mit einem Male wieder in den Vordergrund. Was war mit ihr passiert, wo war sie? Hatte sie sich noch in Sicherheit bringen k├Ânnen, lag sie vielleicht irgendwo verletzt und wartete auf seine Hilfe? Oder lebte sie vielleicht gar nicht mehr? Der Gedanke dar-an versetzte ihn in Panik.
Er ri├č die Arme nach oben, als die S├Ąge ihm eine Verletzung am anderen Arm zuf├╝gte. Es passierte so schnell, dass er keine Gelegenheit hatte, zu reagieren, sich zu sch├╝tzen. Woher er pl├Âtzlich den Mut nahm und laut schreiend auf die Treppe zu rannte, wu├čte er selbst nicht. Mehrere Stiche in den R├╝cken begleiteten diesen R├╝ckzug. Ein h├Ą├čliches Knirschen und Rei├čen von Stoff war zu h├Â-ren, als sein Schlafanzug in Fetzen zerrissen wurde.
Als er nach oben rannte, bemerkte er, wie das Blut warm an seinem R├╝cken herunter lief. Oben angekommen, rief er laut und wie befreit den Namen seiner Frau, schlo├č die Kellert├╝r und zuckte zur├╝ck, als er sah, das auch hier der Schl├╝ssel inzwischen verschwunden war. Er konnte die T├╝r also nur ins Schlo├č fallen lassen, ohne sie endg├╝ltig abzuschlie├čen.
Das neue Silberbesteck, das sich seine Frau und er vor einigen Wochen neu gekauft hatten, wartete schon an der K├╝chent├╝r auf ihn. Ungl├Ąubig starrte er auf die Szenen, als ihm mit aller Wucht bewu├čt wurde, dass Gefahr ├╝berall im Haus auf ihn lauerte.
Alle R├Ąume waren pl├Âtzlich hell erleuchtet, heller als sonst. Glei├čend, brennend, wirkte das Licht auf seine Augen. Die Birnen summten in einem gr├Ą├člichen Ton. Tr├Ąnen rannen ihm die Wangen hinunter.
Das Besteck schien Spa├č daran zu haben, ihn mit aller Macht zu traktieren. Kein Stich, kein Schnitt war tief genug, um ihn lebensgef├Ąhrlich zu verletzen. Aber daf├╝r war es umso schmerzhafter und es hinterlie├č ├╝berall Blutflecken.
Seine Frau antwortete nicht, immer wieder rief er ihren Namen. Er stand jetzt unmittelbar neben der Haust├╝r und versuchte, sie zu ├Âffnen. Es gelang ihm nicht, sie war wie zugeklebt, auch hier war der Schl├╝ssel verschwunden. Die Messer und Gabeln lie├čen pl├Âtzlich von ihm ab. Daf├╝r quoll unter der Kellert├╝r langsam und schmatzend, eine schwarze, schimmernde Masse hervor, die sofort einen ├╝blen Gestank verbreitete.
Er war unf├Ąhig, sich zu bewegen, verfolgte dieses Gebilde, das unaufh├Ârlich auf ihn zu gekrochen kam. Jetzt konnte er Einzelheiten erkennen, viele kleine Tiere, Insekten, irgendwelche K├Ąfer, was auch immer, waren nun klar zu unterscheiden.
Der Gestank wurde unertr├Ąglich, als die schwarze, z├Ąhe Masse bis auf einen Meter an ihn heran-gekommen war. Dann ri├č ihn sein eigenes Schreien wieder aus der Erstarrung. Er floh die Treppe hinauf, nahm mehrere Stufen auf einmal, rannte ins Schlafzimmer. Auch hier grelles, bei├čendes Licht. Er schlo├č die T├╝r, gerade noch im letzten Moment, denn schon bohrten sich Messer, Gabeln, Schraubenzieher und Sichel von au├čen in die T├╝r. Es h├Ârte sich an, als w├╝rden gro├če Hagelk├Ârner auf das Dach prasseln.
Er stellte sich mit dem R├╝cken an die Wand neben sein Bett, da sah er, wie das Beil immer und immer wieder in die T├╝r schlug, bis er es kaum noch aushalten konnte, diese dumpfen dr├Âhnenden Schl├Ąge sp├╝rte, als w├╝rden sie in seinen K├Ârper eindringen.
Dann blieb das Beil mit einem Male wie kraftlos in der T├╝r stecken und er sah, wie die schwarze Masse unter der T├╝r hervorquoll, immer noch langsam, unaufh├Ârlich schmatzend.
Sein Schreien verst├Ąrkte sich, hektisch blickte er auf das Bett. Der Anblick lie├č ihn w├╝rgen, jeden Moment mu├čte er sich ├╝bergeben.
Seine Frau lag in ihrem Bett, blut├╝berstr├Âmt und sie sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Kleine schwarze K├Ąfer kamen aus ihren Augen, ihren Nasenl├Âchern, ihrem Mund. Sofort wurde ihm bewu├čt, dass sie tot war und er jeden Moment das gleiche Schicksal erleiden w├╝rde wie sie. Keinen Gedanken konnte er mehr daran verschwenden, wie seine Frau ├╝berhaupt wieder ins Bett gekommen war.
Die Masse bewegte sich auf ihn zu. Mit einem riesigen Satz und unerh├Ârtem Kraftaufwand, wie man ihn nur in Todesangst erf├Ąhrt, sprang er ins Bett und zog wie ein ver├Ąngstigtes Kind, mehr wimmernd und kr├Ąchzend als schreiend, die Decke ├╝ber den Kopf.
Wie w├╝rde es sein, zu sterben? Langsam, qualvoll oder schnell?
Das Bett bewegte sich, etwas ergriff seine Beine, lastete wie ein schwerer K├Ârper auf ihm. Das Schreien ebbte ab, er bekam keine Luft mehr. Beinahe ergeben wollte er sich seinem Schicksal f├╝gen.
Pl├Âtzlich summte der Wecker, ein Summen, wie er es schon tausendmal geh├Ârt hatte.
Die Ger├Ąusche waren verschwunden. Kein Schmatzen, kein Pochen, kein Knirschen von Messern, die sich in die T├╝r bohrten. Sein Wimmern, es hatte aufgeh├Ârt.
Das Summen des Weckers verstummte so pl├Âtzlich, wie es begann. Die anschlie├čend eintretende Ruhe war unheimlich.
Schwei├č ├╝berstr├Âmt lauschte er angestrengt. Nur noch das heftige Pochen seines Herzens war zu vernehmen. Langsam zog er die Bettdecke vom Gesicht, die Augen weit aufgerissen.
Neben ihm st├Âhnte seine Frau, sie lebte also doch noch, dachte er als erstes.
Erschrocken drehte er sich zu ihr um, sah, wie sie g├Ąhnte und sich streckte. Das viele Blut aus ihrem Gesicht und die vielen K├Ąfer, alles das war verschwunden.
Blinzelnd sah sie ihn an, das erste Tageslichtes fiel durch das Fenster auf ihr Gesicht. Er richtete sich auf und sah sich im Raum um. Keine K├Ąfer, keine Messer, keine Schraubenzieher. Die T├╝r, sie war geschlossen, das Beil verschwunden.
Erst jetzt wurde ihm klar, dass alles nur ein b├Âser Traum gewesen war. Seufzend schloss er die Augen und lie├č sich langsam ins Kissen zur├╝ck gleiten. Er h├Ârte nicht die Frage seiner Frau, was ihn so pl├Âtzlich erschreckt hatte. Er brauchte fast zehn Minuten, bis sein Herz einen ann├Ąhernd normalen Puls erreicht hatte. Seine Frau war w├Ąhrenddessen aufgestanden.
Im Verlauf der n├Ąchsten Stunde sprachen sie nicht viel miteinander. Noch immer lag eine gewis-se Spannung zwischen ihnen. Aber er war froh, hier neben ihr am Fr├╝hst├╝ckstisch zu sitzen und einfach nichts zu sagen.

_______________


Der Tag war endlos. Bei der Arbeit hatte er ernsthafte Konzentrationsschwierigkeiten. Er war froh, als er nach einem anstrengenden Tag abends wieder zuhause war. Er hatte sich vorgenommen, den Streit mit seiner Frau nicht fortzusetzen, sondern sich mit ihr auszusprechen. Er wollte nicht noch einmal unzufrieden und nerv├Âs ins Bett gehen und wom├Âglich einen ├Ąhnlichen Traum 'erleiden' m├╝ssen.
Zu seiner vollsten Zufriedenheit erging es seiner Frau ebenso und an diesem Abend sprachen sie sich aus. Zwar war er anschlie├čend m├╝de, aber gleichzeitig zufrieden und entspannt. Trotzdem lag er noch eine Weile wach, ehe er sein Buch zur Seite gelegt hatte und relativ schnell einschlief.
Als er aufwachte, wu├čte er sofort, dass er durch ein lautes Ger├Ąusch geweckt worden war. Er ├Âffnete die Augen und lauschte, aber au├čer dem leise pfeifenden Wind war nichts zu h├Âren. Langsam hob er den Kopf, schaute auf die Uhr auf dem kleinen Nachttisch gegen├╝ber.
Es war drei Uhr drei├čig ...

__________________
Viele Gr├╝sse
Michael Schmill
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chrissi
Hobbydichter
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hallo !

deine geschichte fand ich von der ersten bis zur letzten zeile sehr fesselnd und spannend. hat mich irgendwie ein wenig an stephen king erinnert...

nichtsdestotrotz (oder vielleicht auch gerade deshalb) fand ich es sehr gut. eine klitzekleine kleinigkeit fiel mir auf: im ersten drittel hast du in zwei s├Ątzen nacheinander "sofort" benutzt. (->"sofort danach kehrte ruhe ein. das unbehagliche gef├╝hl war sofort wieder da..."). Vielleicht k├Ânntest du das "sofort" im zweiten satz durch "auf der stelle" oder "augenblicklich" o.├Ą. ersetzen.

das ist aber wirklich eine kleinigkeit und tut der qualit├Ąt deiner story weiss gott keinen abbruch !!!

viele gr├╝sse

chrissi

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peutz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Hallo Chrissi,

ich bin f├╝r jeden Tip dankbar, der meine Geschichten noch besser erscheinen l├Ą├čt. Manchmal merkt man gewisse stilistische "Unebenheiten" gar nicht mehr, wenn man den Text immer wieder und immer wieder gelesen hat. Vielen dank f├╝r die, in meinen Augen, positive Kritik. Demn├Ąchst erscheint noch mehr von mir...
__________________
Viele Gr├╝sse
Michael Schmill
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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Lieber Michael,
beim Lesen Deiner Geschichte habe ich eine Art Wechselbad durchlaufen. Die Sache mit den Werkzeugen fand ich originell und spannend - die mit den K├Ąfern weniger, das ist Geschmackssache, ich fand es ein bi├čchen zu King-m├Ą├čig, bin auch kein so gro├čer King-Fan - und da├č es dann doch alles ein Traum war, ist ein bi├čchen, entschuldige, abgedroschen. Aber da├č sich das Ganze dann wiederholt, ist wiederum ein feiner Dreh ins Absurde, der mir gef├Ąllt.

Ein paar Kleinigkeiten:

Im zweiten und vierten Satz zweimal "war zu h├Âren..."

"Ger├Ąusche, die real waren, hatte er schon h├Ąufiger mit in den Traum eingearbeitet. " Klingt irgendwie technisch, wie eine Schlafanleitung - da w├╝rde ich lieber etwa setzen "Schon ├Âfter hatte er reale Nachtger├Ąusche unbewu├čt in seine Tr├Ąume eingearbeitet" oder so.

"Leicht g
er├Ądert" gibts nicht - halte Dir mal vor Augen, was "ger├Ądert" eigentlich hei├čt, das ist immer schwer! Lieber etwa schlapp, steif oder wie auch immer. Oder, wenn es richtig hart sein soll, eben doch "wie ger├Ądert".

"Den Gedanken an eine lauernde Gefahr wurde er nicht mehr los.
Eine dumpfe Ahnung beschlich ihn..." - das ist irgendwie doppeltgemoppelt, wenn er schon vorher an eine lauernde Gefahr denkt, dann kann ihn nicht noch mal eine Ahnung beschleichen.

"Was er sah, w├╝rde in diesem Moment kein Mensch auf der Welt erkl├Ąren k├Ânnen. " - Das ist ein bi├čchen verungl├╝ckt. Was er da sieht, kann auch in jedem anderen Moment kein Mensch erkl├Ąren. Vielleicht lieber ein bi├čchen schlichter: "was er da sah, war einfach unglaublich" oder so.
Ein bi├čchen w├Ârtliche Rede, z.B. ein kurzer Dialog mit der Frau, t├Ąte vielleicht auch gut.

Aber sonst: gut ausgedacht, und, was f├╝r mich pers├Ânlich immer wichtig ist, geduldig, ohne Hektik und liebevoll erz├Ąhlt.
Liebe Gr├╝├če,
Zefira

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. auch ich finde deine geschichte spannend und gut erz├Ąhlt, freue mich auf weitere werke von dir. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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eiros
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

Werke: 6
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Hallo!
Wie alle habe ich Deine Geschichte gefesselt gelesen und konnte nicht mehr aufh├Âren. Nun gut, manche Dinge kennt man schon, z. B. die Idee mit den fliegenden Messern hab ich auch schon irgendwo geh├Ârt,auch die Aufl├Âsung mit dem Traum. Aber man kann wohl nicht vermeiden, manches Geh├Ârte oder Aufgeschnappte mal einflie├čen zu lassen. Das tut der Wirkung keinen Abbruch. Du hast die Geschichte so spannend erz├Ąhlt, dass man sich beim Lesen nicht klar wird- man ist nur gefsselt, und das soll wohl das Ziel einer jeden Geschichte sein. Wirklich Gut!
eiros

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peutz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 3
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Eure positiven Kritiken

Hallo Literaturfreunde,

wenn euch die obige Geschichte gefallen hat, lest doch bitte mal die zweite Kurzgeschichte, die ich eingestellt habe. Mich w├╝rden eure Eindr├╝cke einmal interessieren, denn in dieser Kurzgeschichte ist nichts, was schon mal irgendwie bekannt vorkommt. Glaub ich jedenfalls...
Titel: T├Âdliches Spielzeug
Viel Spass
__________________
Viele Gr├╝sse
Michael Schmill
www.watahni.de.vu

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