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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurzgeschichte
Eingestellt am 29. 07. 2002 13:13


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karin78
Wird mal Schriftsteller
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F├╝nf vor Zw├Âlf

Ich gehe die lange dunkle Gasse in schnellem Tempo entlag. Ich laufe fast und trotzdem kommt es mit vor als w├╝rde ich viel zu langsam sein. Ich habe Angst. Ich f├╝hle mich v├Âllig alleine. Pl├Âtzlich ein Ger├Ąusch. Ein Klirren. Ich erschrecke und drehe mich um. Nichts. Ich gehe noch schneller. Mein Herz rast wie ein Motor bei h├Âchster Leistung. Ich drehe mich noch einmal um. Wieder nichts und trotzdem habe ich pl├Âtzlich das Gef├╝hl, als w├╝rde mich jemand verfolgen. Die Stra├če scheint immer l├Ąnger zu werden. Die Fenster in den H├Ąusern der Gasse sind alle schwarz. Es scheint, als w├Ąre diese Gasse wie ausgestorben, als w├Ąre niemand zu Hause, als w├Ąre die ganze Stadt durch eine Epidemie ausgerottet worden.

Meine Angst ist noch immer nicht verflogen. In meinem Kopf schwirren seltsame Gedanken. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo ich bin und was ich getan habe, bevor ich diese Stra├če betreten habe. Ich wei├č nicht mehr wer ich bin. Ich kann mich nicht mehr an meinen eigenen Namen erinnern. Ich wei├č nicht mehr wer meine Eltern sind und ich habe keine Ahnung wo ich hinwollte und wie lange diese ewige Stra├če noch ist.

Es ist kalt. Ich sp├╝re feine Wassertropfen auf meiner Stirn. Es beginnt zu regnen.

Was habe ich getan, bevor ich diese Stra├če betreten habe. Vielleicht laufe ich schon ewig diese Stra├če entlang und bemerke es erst jetzt, dass ich nichts anderes tue und v├Âllig alleine in dieser Realit├Ąt bin. Wie kann ich mir sicher sein, dass da ein Ende der Stra├če existiert, wenn ich keines sehe. Wie kann ich wissen, dass ich nicht ganz einfach tr├Ąume und bald als Thomas, Peter, Fritz oder Hugo in meinem Bett aufwache? Wie kann ich mir sicher sein, dass ich ├╝berhaupt existiere?

Es regnet st├Ąrker. Ich f├╝hle, wie die Kleidung, die ├╝ber meinem K├Ârper liegt, immer mehr Feuchtigkeit annimmt und langsam beginnt, sich an meine Haut zu kleben. Ich laufe weiter. Die Schritte, die ich glaubte zu h├Âren sind nun weg. Es ist totenstill!

Jetzt bin ich noch mehr verunsichert. Die Schritte machten mir zwar Angst, aber trotzdem, w├Ąren die Schritte real gewesen, w├╝sste ich, dass ich nicht v├Âllig alleine bin. Jetzt denke ich, dass die ganze Situation nicht real sein kann. Es ist unm├Âglich! Alleine! Alles dunkel! Nur die flachen Lichter der Stra├čenlaternen. Ich kann keine Autos, keine Menschen, keine Tiere, ich kann einfach keine Ger├Ąusche h├Âren, au├čer meinen Atem und das Klacken meiner Schuhe am Asphalt.

Es sch├╝ttet! Ich m├Âchte wissen, wie lange ich diese Stra├če schon entlang laufe. Es ist weder eine Abzweigung noch ein Ende dieser Stra├če in Sicht. Ich bleibe stehen und blicke auf meine Armbanduhr. F├╝nf Minuten vor zw├Âlf.

Ich drehe mich blitzschnell um. Es kommt mir vor, als w├╝rde ich diese H├Ąuser, die sich um mich herumdr├Ąngen sch├Ân tausendmal gesehen haben. Seltsam.

Es hat aufgeh├Ârt zu regnen.



Ich wei├č nicht mehr was ich tun soll. Pl├Âtzlich habe ich eine Idee. Ich gehe zur n├Ąchsten Haust├╝re und versuche sie zu ├Âffnen. Das Haus hat die Nummer 512. Ich nehme den Knauf vorsichtig in meine Hand und versuche ihn zu drehen. Er l├Ąsst sich nicht bewegen. Ich gehe zum n├Ąchsten Haus und blicke wieder auf das Hausschild. 512! Das kann nicht sein. Das Haus sieht genau so aus, wie das Haus davor. Es hat die gleiche Hausnummer. Das kann nicht sein. Ich versuche es noch einmal, die T├╝re zu ├Âffnen. Wieder nichts! Ich beginne an der T├╝r zu r├╝tteln und zu schreien. Niemand regiert auf mein Schreien und die T├╝re bleibt verschlossen.
Ich blicke wieder auf meine Uhr. F├╝nf Minuten vor zw├Âlf. Meine Uhr ist stehengeblieben. Das kann nicht sein, denn der Sekundenzeiger bewegt sich weiter. Ich f├╝hle mich hilflos. Niemand mit dem ich reden kann, niemand den ich um Hilfe bitten kann, niemand den ich fragen kann, wo ich bin, oder was mit mir passiert ist.

Ich breche zusammen!


Als ich meine Augen wieder ├Âffne, sehe ich weiche wei├če W├Ąnde die mit einer Art Gummi ├╝berzogen sind. Ich kann meine H├Ąnde nicht bewegen und sehe keine Ecken in dem Raum...

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flammarion
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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. deine geschichte l├Ą├čt schon fr├╝h ahnen, da├č es sich um einen traum handelt, aber dann das erwachen in der gummizelle, das ist stark. bin gespannt auf weitere werke von dir. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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