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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurzgeschichte
Eingestellt am 04. 10. 2000 17:07


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Eveline Quipipa-Dias
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Freitag

Donnerstag, 8:30 Uhr morgens. Lotte legte sich unter ihren Stammplatz, den Couchtisch, und lauschte dem best├Ąndigen Brummen ihres Frauchens. Frauchen summte einen ihrer Lieblingsm├Ąrsche. 'Auf in den Kampf...' oder so ├Ąhnlich begann die erste Strophe. Zwischendurch schl├╝rfte Frauchen lautstark an ihrem Verdauungsf├Ârderungsmittel. Den Tee hatte ihr der Arzt verschrieben, um dem tr├Ągen Darm der betagten Dame Beine zu machen.
Darm. Lotte glaubte, dass es nun an der Zeit war, Frauchen ans Gassi gehen zu erinnern. Anders als bei Frauchen hatte sich n├Ąmlich bei Lotte das Hundefutter schon ganz nach unten vorgearbeitet. Sie kl├Ąffte ihr typisches Langhaardackelbellen. Doch seit dem Unfall vor einem guten Jahr musste sie sich schon ganz sch├Ân ins Zeug legen, um sich bei Frauchen Geh├Âr zu verschaffen.
Jeder hatte sein Fett abbekommen als der schwarze VW in den dunkelroten Opel Kadett von Frauchen hinein gekracht war. Frauchen war fast taub (zumindest Lottes Meinung nach) und Lotte hatte ein schweres H├╝ftleiden abbekommen. Aber am schlimmsten war es doch mit Liese, Lottes Schwester, gewesen. Wieder mal nicht angeschnallt war sie bei dem Aufprall in hohem Bogen durch die Windschutzscheibe gesegelt und wie ein Pfeil im Wind spitz auf dem Asphalt gelandet. Der Tierarzt hatte Liese nur noch ins Tierkrematorium fahren k├Ânnen.
Nach dem ersten Schock hatte Frauchen sich furchtbare Vorw├╝rfe gemacht, dass sie Liese nicht angeschnallt hatte. Leider war es eine Tatsache gewesen, dass Liese sich partout niemals anschnallen hatte lassen und zu Lebzeiten lieber frei auf dem Vordersitz neben Frauchen weilte w├Ąhrend die Fahrt dauerte. Lotte hatte diesen Anspruch ihrer Schwester auf einen Logenplatz neben dem Frauchen damit begr├╝ndet gesehen, dass Liese eine halbe Stunde fr├╝her geboren war als Lotte. Rein biologisch hatte ihr die F├╝hrung des Schwesternteams zugestanden und bis zu ihrem Tod im vergangenen Dezember hatte sie ihre Herrschaft geb├╝hrend in Anspruch genommen.
Nun war es still geworden im Leben der beiden betagten Damen. Dies dachte Lotte auch wieder als sie unter dem Couchtisch des Apartments im Souterrain von Frauchens Solarium sa├č, der einzigen Einnahmequelle die Gerda Brombe hatte. Dieses Solarium war ein kleiner Selbstbedienungsladen mit Automaten, die an die Au├čenw├Ąnde kleiner Kabinen angebracht waren und die man mit 5-Markst├╝cken f├╝tterte, um es sich dann auf einer der f├╝nf Sandwichliegen nackt bequem zu machen. Seit gut 15 Jahren f├╝hrte Frauchen nun schon den Laden und Lotte hatte unter der F├╝hrung von Liese jeden Kunden mit wackerem Bellen und drohendem Z├Ąhnefletschen empfangen. Die Hundedamen waren der Ansicht gewesen, dass man es der Kundschaft nicht zu leicht machen sollte. Nur die Tapfersten unter den Zweibeinern schafften es an ihr Ziel bis zum Automaten. Frauchen war immer in heller Aufregung gewesen, wenn Liese und Lotte ein besonders feiges Exemplar umzingelt und ihm dann das F├╝rchten beigebracht hatten. Sie war auf die Idee gekommen, den beiden kampftauglichen Dackeln durch Anbringung eines waagerechten Holzbrettes den Zugang von der Souterrainwohnung zu den im Erdgeschoss befindlichen Sonnenkabinen zu verwehren. Dies ├Ąrgerte Liese ihr Leben lang, denn es unterstrich den wohl einzigen Schwachpunkt der sonst so formvollendeten Hunderasse: Die mangelnde Sprungkraft ihrer Dackelbeine. Vergeblich waren Liese und Lotte auf ihren kurzen Vorderbeinen an dem vermaledeiten Brett gehangen und hatten die dreist ein- und ausmarschierenden Schuhpaare der Kunden und Kundinnen mit w├╝tenden Hundeaugen verfolgt. Selbstverst├Ąndlich wurden die Beine mit h├Âllischem Gebell begleitet. Seit Liese jedoch von ihnen gegangen war, hatte es kein drohendes Kl├Ąffen und Bellen mehr gegeben. Lotte und Frauchen waren zu betroffen gewesen von dem Verlust, um sich noch um die schwachbr├╝stige Kundschaft zu k├╝mmern. Ja, Lotte bemerkte oft noch nicht einmal den Wechsel der Kommenden und Gehenden.
Gerda Brombe hatte leise mit ihren runzeligen Lippen gepustet. Lotte nahm es ihr nicht ├╝bel, dass sie noch nicht einmal pfeifen konnte. Sie wusste was das verungl├╝ckte S├Ąuseln in der Luft zu bedeuten hatte und zerrte ihren alten K├Ârper unter dem Couchtisch hervor. Toilettenzeit! Die beiden Seniorinnen watschelten in Zeitlupe die drei Stufen zum Solarium empor und den Ausgang hinaus auf die kleine Stra├če. Lotte legte ihr Ei nahe am Eingang. Es schadete nie, wenn man eine Nachricht gleich neben seinem Quartier hinterlie├č. Die Stadt war voll von Hunden und eigentlich gab es keine wirkliche Territorialaufteilung mehr. Das wenige was man besa├č, musste man mit Z├Ąhnen und Krallen verteidigen.
Dann schleppten sich die Ladies die Stra├če entlang. Lottes lange Nase strich dicht ├╝ber den Boden hinweg und filterte die interessantesten Meldungen des Tages aus dem t├Ąglichen M├╝ll heraus. Aha! Zwei besonders verhasste Hunde aus der n├Ąheren Umgebung waren bereits auf ihrem Gassi hier gewesen. Eine gro├če Doggen und der kleine Rehpinscher von nebenan. Allesamt Produkte menschlicher Fehlz├╝chtung. Einmal mehr schritt Lotte mit W├╝rde an Frauchens Seite und zeigte der schlappen Donnerstagmorgenwelt die Schokoladenseiten eines reinrassigen Dackels: langer R├╝cken, edles Gesicht, ein beeindruckender Fuchsschwanz.
Sie kamen in den Park, den Frauchen so liebte und von dem Frauchen dachte, dass Liese und Lotte ihn auch so liebten. Dabei war dieser Park ein Dschungel! Es gab wohl kaum einen gef├Ąhrlicheren Fleck auf der Erde f├╝r einen Hund als diesen Park. Erstens war das Angebot an Markierungen und kryptischen Geruchsnachrichten so ├╝berw├Ąltigend, dass man sich auf das Herannahen von Gegnern gar nicht mehr konzentrieren konnte. Au├čerdem war dieser Park von Menschen derart beherrscht, dass man jede Minute bef├╝rchten musste, von einem Fahrradfahrer oder einem Jogger niedergewalzt zu werden. Trotzdem humpelte Lotte brav auf ihren Stummeln hinter dem schlurfenden Frauchen einher. Sie w├╝rden es schon irgendwie ├╝berstehen. Wie auch in den vergangenen 15 Jahren.
Lotte und Frauchen hatten ihre ├╝bliche Tour um den kleinen See gedreht und waren dann zum Solarium zur├╝ckgekehrt. Zum Gl├╝ck f├╝r Lotte hatte Frau Obstler bereits ungeduldig vor der Glast├╝r gewartet, weil sie ihrem graubraunen Teint vor dem n├Ąchsten Urlaub noch einen leichten Touch Solariumsbraun verabreichen wollte. Diese Gelegenheit hatte Lotte gleich beim Schopf gepackt und bedrohlich nahe an Frau Obstlers Krampfadern hin gebellt. Frau Obstler war umgehend in Angstschwei├č ausgebrochen und hatte Frauchen darauf hingewiesen, dass Lotte das 'einzige st├Ârende Element' in dem sonst so 'heimeligen und einladenden Etablissement' sei. Frauchen hatte Lotte daraufhin schimpfend nach unten in die Wohnung verbannt. Unter dem Couchtisch nun tr├Ąumte Lotte davon nur einmal so richtig kr├Ąftig in die bestrumpften Krampfadernkn├Âdel von Frau Obstler hineinbei├čen zu d├╝rfen. W├Ąhrend sie tr├Ąumerisch vor sich hind├Âste, bewegten sich ihre Kiefernmuskeln rhythmisch zum virtuellen Bisserlebnis. Testen m├╝sste man das halt mal k├Ânnen! Wie das ist, wenn man seine Z├Ąhne in so ein Menschenbein hineingrub. Oder meinetwegen auch in eine menschliche Arschbacke. Aber man m├╝sste es halt einmal probiert haben in seinem kurzen Hundeleben! Lotte jaulte winselnd im Schlaf und Frauchen tr├Âstete Lotte, dass auch ihr der Tod von Liese immer noch nahe ging.
F├╝r einen alten Menschen wie auch f├╝r einen alten Hund ist Zeit etwas sehr Merkw├╝rdiges. W├Ąhrend man in fr├╝hen Jahren v├Âllig bedenkenlos mit der Zeit um sich geworfen und sprichw├Ârtlich im ├ťberfluss der Zeit gelebt hatte, so knechtet die Zeit in sp├Ąten Jahren den m├╝den Geist. Man ist ihr untertan und huldigt ihr, indem man jeden ihrer einzelnen Abschnitte einem bestimmten unumst├Â├člichen Ritual zuschreibt. Nur der Tod oder Gewalt von au├čen k├Ânnen diese Einheit zwischen Zeitpunkt und Ritual ersch├╝ttern. So war es zum Beispiel f├╝r Frauchen ein Muss um 11:00 Uhr den kleinen Fernsehapparat anzudrehen und 'Dr. Schl├╝ter r├Ąt' anzusehen. Lotte ├Âffnete ihre alten, zerquetschten Hundeaugen und schielte auf das Chaos, dass der Wunderkasten, genannt TV, t├Ąglich in ihrem Wohnzimmer verbreitete. Frauchen sa├č in ihrem Sessel und rauchte ihre Zigaretten w├Ąhrend sie den Hergang des Tohuwabohus von 'Dr. Schl├╝ter r├Ąt' verfolgte. Ebenso war es selbstverst├Ąndlich, dass Frauchen um 12:00 Uhr den Apparat wieder abdrehte und dann vor sich hinstarrend weiter rauchte. Die Uhr vertickte die z├Ąhfl├╝ssige Zeit, in der verlebte Kreaturen wie Frauchen und Lotte sich ins Nichts aufzul├Âsen drohten.
Ab halb eins erlebte das Frauchen mit ihrem Sonnengesch├Ąft einen unerwarteten Konjunkturaufschwung. Auf und zu fiel die Glast├╝r. Gegen Ein Uhr waren alle f├╝nf Kabinen besetzt und die Sonnenr├Âhren liefen auf vollen Touren. Der Strom der Anbeter von Frauchens k├╝nstlicher Sonne lie├č bis um drei Uhr nachmittags gar nicht nach und dies hatte zur Folge, dass Lotte alleine in der Souterrainwohnung vor sich hinbr├╝ten musste, weil das Frauchen alle H├Ąnde voll weiter oben zu schaffen hatte. Zur Abwechslung konnte Lotte nur traurig an dem Holzbrett h├Ąngen, das den Aufgang zum Solarium verbarrikadierte.
Frauchen holte in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden aus der kleinen K├╝che ihrer Kellerwohnung frisch in Essig getr├Ąnkte Handt├╝cher, mit deren Hilfe die Kunden ihre aufgeheizten und gebr├Ąunten Leiber ein wenig k├╝hlen konnten. Es war keine Vorschrift, dass Frauchen k├╝hle T├╝cher zur Verf├╝gung stellte, aber damit pflegte sie das Image ihres 'heimeligen und einladenden Etablissements', wie es die Obstler zu nennen pflegte. Gegen 16:00 Uhr hatte Frauchen dem letzten Kunden ihre frischen Essigt├╝cher sowie ihr geduldiges Ohr geliehen. Sie war eine bewundernswerte Zuh├Ârerin und dies war auch wieder vonn├Âten gewesen. Denn beim letzten Kunden hatte es sich um den manisch-depressiven Andreas B. gehandelt, einem Mann um die vierzig, der gleich ├╝ber dem Solarium wohnte. Nicht, das Gerda Brombe ihn so genannt h├Ątte: manisch-depressiv. Gegen├╝ber Lotte nannte sie ihn einfach nur 'ein bisschen dusselig'. Seine Versponnenheit f├╝hrte Frauchen darauf zur├╝ck, dass er immer nur 'M├Ąnner' bei sich hatte, 'mit denen er ja doch nichts Vern├╝nftiges anstellen konnte'. Und sie glaubte, wenn er nur die richtige Frau f├Ąnde, dann k├Ânnte man seine 'Versponnenheit' doch noch wieder gerade biegen. Lotte war immer sehr verwirrt, wenn Andreas B. in die Souterrain-Wohnung eindrang, um mit Frauchen einen Kaffee zu trinken und ├╝ber seine manischen Depressionen zu plaudern. Er war der erste Hodenmensch mit einem ungew├Âhnlich weiblichen Verhalten und Lotte widerstand nur schwer der Versuchung, ihm das F├╝rchten beizubringen.
Nach Andreas B. hatten also Lotte und Frauchen eine Pause eingelegt und waren ein wenig an die frische Luft gegangen. Nur um den H├Ąuserblock. Aber schon das kurze St├╝ck Weg war Lotte zuviel gewesen. In der halben Stunde, in der die beiden betagten Wesen ├╝ber den Asphalt scharrten, fuhr Lotte hart mit sich zu Gericht und forderte von sich eine Rekapitulierung aller ihr noch verbliebenen Musen. Am Ende musste Lotte sich eingestehen, dass das einzige Vergn├╝gen, dass ihrem verbrauchten Hundek├Ârper noch einen Lebenskitzel entlockte, die Vorstellung von einem gelungenen ├ťberfall auf ein paar Menschenbeine war. Wie jeden Tag ihres Lebens zogen auch jetzt in Abst├Ąnden hier und da ein paar lukrative Zweibeiner an Lotte vorbei, doch sie konnte sich einfach nicht dazu entschlie├čen, einem Verlangen nachzugeben, dass zwar seit Gedenken in ihr schlummerte, aber zeitlebens von Frauchen unterdr├╝ckt worden war. Zu untergeordnet und abgerichtet war sie, die Lotte, um ihren Urinstinkten spontan zu folgen. Doch die Idee des Reinbei├čens an sich manifestierte sich immer unausl├Âschbarer in dem spitzen Kopf der Dackeldame.
Noch weitere f├╝nf Stunden musste das Sonnenstudio von Gerda Brombe ge├Âffnet bleiben, denn ein kleines Schildchen an der Glast├╝r versprach den Kunden eine ├ľffnungszeit von t├Ąglich 10:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Frauchen indessen hatte auf einmal einen Putzrappel bekommen und die kleine Wohnung zu s├Ąubern begonnen. Gegen die Glast├╝r des Solariums trommelte ein heftiger Regen, der sich schon den ganzen Tag ├╝ber mit dicken, grauen Wolken angek├╝ndigt hatte. Gerda Brombe stellte das gesamte Mobiliar der Kellerwohnung - au├čer dem Couchtisch, den Lotte mit einem Knurren verteidigte - in das Solarium hinaus und fegte und putzte, dass die Schwarten krachten. Lotte hatte im mittleren Feld ihrer putzenden Besitzerin den Dackelhintern zugekehrt, um damit auszudr├╝cken, dass ihr dieser Hygieneanfall sehr ungelegen kam. Frauchen lie├č sich von Lottes Ungezogenheit nicht beirren, sondern schichtete den Dreck der Souterrainwohnung emsig mit einer, alten Menschen zueignen Kurzsichtigkeit von einem Eck in das andere, so dass sie eine erfrischende Umverteilung des ├╝ber Jahre angesammelten Hausstaubs erreichte.
Nach einer Stunde hatte Gerda Brombe die ihr zur Verf├╝gung stehenden Energien ersch├Âpft und fand gerade noch gen├╝gend Kraft, um ihre M├Âbel wieder in die Wohnung zu zerren. Gleich darauf lie├č sie sich in ihren Fernsehsessel fallen und rauchte eine 'nach der Arbeit' Zigarette. Sie hatte sich das Abendprogramm des Fernsehers angemacht und nickte ziemlich nach Beginn der Show 'Alles oder weniger' ein. Eine halbe Stunde sp├Ąter ert├Ânten aus dem Sessel W├Ąnde ersch├╝tternde Schnarchger├Ąusche, die Lotte ganz und gar nicht erschreckten. Denn sie wusste, dass Frauchen seit ein paar Jahren zu den ungew├Âhnlichsten Tages- und Nachtzeiten f├╝r ein oder zwei Stunden fest einnickte. Trotzdem trottete sie zu dem Sessel, um zu ihrer eigenen Belustigung einen Blick auf die schnarchende Karikatur zu werfen, die ihre Brotgeberin im schlafenden Zustand abgab. Wie immer entlockte ihr der Anblick des schief im Sessel h├Ąngenden ausgetrockneten Leibes der alten Dame ein Hundegrinsen. Als sie sich vom schnarchenden Frauchen abwandte, stach Lotte noch etwas Erfreulicheres ins Auge: Das Brett, dass den Aufgang zum Solarium verwehrte, lag neben der T├╝r am Boden. Frauchen musste vergessen haben, es wieder vor den Eingang zu stellen. Und da stand nun Lotte und starrte die einladenden Treppen hinauf zum verbotenen Solarium. Sie spitzte die Ohren und stellte mit Befriedigung fest, dass Frauchen noch im Tiefschlaf lag. Sofort trippelte sie nach oben und ├╝berquerte mit einem Anflug von Feierlichkeit die verbotene Grenze.
Das Sonnenstudio lag wie ausgestorben im Halbdunkel da. Nur die unabl├Ąssig vom Himmel fallenden Regentropfen veranstalteten ein wildes Trommelkonzert an den Glasscheiben des Eingangs. Lotte spazierte frei und munter in alle offen stehenden Kabinen. Sogar in den zweiten Stock, dort wo sich die Super-Turbo-Br├Ąunerkabine befand, wagte sie sich noch hinauf und beschn├╝ffelte jeden Quadratmeter. Bald wurde ihr die freie Einsamkeit ein bisschen zu langweilig. Sie beschloss wieder artig unter ihren Couchtisch zu gehen und so zu tun als w├Ąre sie niemals im verbotenen Sonnenstudio gewesen. Da ging die Glast├╝r auf und eine triefend nasse Gestalt im Regenmantel trat in das Sonnenstudio. Lotte beobachtete von der Balustrade des zweiten Stockes aus, wie die Gestalt - ein Mann, wie sich heraus stellte - seinen tropfenden Mantel ablegte und diesen an der Kleidergarderobe aufh├Ąngte. Sorgf├Ąltig studierte der Mann die einzelnen Tafeln jeder Kabine, die angaben welche St├Ąrke der Br├Ąuner dieser Kabine zur Verf├╝gung stellte. Da Lotte bef├╝rchten musste, dass er sich f├╝r den Super-Turbo-Brauner entschied, watschelte sie mit klopfendem Herzen unter die Sandwichbank der obersten Br├Ąunerkabine. Tats├Ąchlich h├Ârte sie schon kurz darauf die herannahenden Schritte des Mannes, mit denen er die Treppe auf der Suche nach einem st├Ąrkeren Solarium nach oben erklomm.
Seine F├╝nf-Markst├╝cke plumpsten mit einem dumpfen Ger├Ąusch in die gut gef├╝llte Automatenkasse. Dann sperrte der Mann sich in die Kabine ein, unter dessen Sandwichbank Lotte mit bangem Herzen harrte, und machte sich hastig daran, seinen K├Ârper aus den Kleidern zu sch├Ąlen. Man konnte bereits h├Âren, wie die R├Âhren des Br├Ąuners sich summend zur erforderlichen Hitze aufw├Ąrmten. Lotte verzog sich tiefer unter die Sandwichr├Âhre und versuchte weniger laut zu hecheln. Pl├Âtzlich wurde sie sich ihrer Chance gewahr. Ein bedeutsames Ereignis, ein Entscheidungsschritt stand ihr also bevor und ihr Herz schlug zum Zerbersten laut. Vor ihr bewegten sich die Beine des Mannes hin und her. Auf dem Boden fielen nach und nach Pullover, Hemd und Unterhemd. Dann machte sich der Mann an seinen Schuhen zu schaffen. Ein Gl├╝ck war es hier f├╝r Lotte, dass der Mann seine Brille zuvor abgelegt hatte und nun recht kurzsichtig an seinen Schn├╝rsenkeln herum fummelte. Mit Sicherheit h├Ątte er sonst die vor Jagdlust funkelnden schwarzen Augen Lottes ersp├Ąht. Die Zeit dr├Ąngte und daher riss der Mann ungeduldig an seinen Hosenbeinen, seinen Unterhosen und schlie├člich den Socken. Ein unwiderstehlicher Duft entstr├Âmte diesen Socken und stachelten Lottes Kampfeslust bis ins Unertr├Ągliche an. Es war eine Gelegenheit wie keine zuvor und diese Waden, die so provozierend vor ihr auf und abmarschierten, raubten ihr jede M├Âglichkeit zu rationeller Entscheidung. Sie schoss ganz einfach mit der ganzen geballten Kraft ihres alten Dackelk├Ârpers unter der Liege hervor und haute ihre Z├Ąhne in das rechte Bein des Mannes.
'AHHHHH'
Der Mann schrie lauter als jedes Kind, dass Lotte jemals in ihrem Leben geh├Ârt hatte. Trotzdem h├Ârte Gerda Brombe ihn nicht sofort, denn der Super-Turbo-Br├Ąuner hatte nun eingesetzt und tauchte die Umgebung mit beachtlicher Ger├Ąuschentwicklung in lilafarbenes Licht. Die noch weit aufklaffenden H├Ąlften der Sandwichliege bestrahlten den Oberk├Ârper des Mannes, dessen Wunsch nach mehr Br├Ąune sp├Ątestens in dem Moment gestillt worden war, als sich ein altes Zottelmonster, dass urpl├Âtzlich aus dem Nichts erschienen war, sich in sein Bein verbissen hatte. Mit aller Macht versuchte er in einem Indianertanz diesen tasmanischen Teufel loszuwerden. Lotte indessen, machte das Beste aus ihrer einmaligen Chance und grub ihre Z├Ąhne tiefer in das weiche Wadenfleisch des Mannes. Erst als ein kreischendes 'LOTTE' von Frauchen ert├Ânte, lie├č die Dackeldame von ihrem jungfr├Ąulichen Beinbiss ab und nudelte, so schnell es eben ging, zur Kabine hinaus, die Treppen hinunter.
Gerda Brombe, die den gellenden Schrei mit einigem Unbehagen vernommen hatte, eilte ebenso schnell von der Souterrainwohnung zu den Kabinen hoch. Auf dem Treppenabsatz kam ihr Lotte mit blutbefleckter Schnauze entgegen und sie musste auf halber Strecke keuchend halt machen, um die schrecklichen Vorahnungen, die sich ihr beim Anblick des Blutes aufdr├Ąngten, zu verarbeiten.
Aus der Kabine ert├Ânte neben dem brummenden Summen des Br├Ąuners das immer schw├Ącher werdende St├Âhnen eines nackten Mannes, der ohnm├Ąchtig zu werden drohte.

Man kam nicht gleich auf Lotte zu sprechen. Erst war der Notarzt da. Dann die Polizei. Alldieweil ignorierte Frauchen ihre Lotte, die br├╝tend unter dem Couchtisch hockte und sich das Blut ableckte.
Der Jagdrausch war l├Ąngst verklungen und Schritt f├╝r Schritt war Lottes Vernunft wieder zur├╝ckgekehrt. Und mit der Vernunft auch die Angst vor den Konsequenzen. Was wohl mit ihr passieren mochte? Sie hatte des ├Âfteren davon geh├Ârt; von der Strafe f├╝r Menschenbei├čer, die Einschl├Ąfern genannt wurde. Und dabei ├Ąrgerte Lotte am meisten, dass es sich so gar nicht gelohnt hatte. Alles was sie sich von diesem Biss versprochen hatte, war nicht eingetreten. Das j├Ąmmerliche Schreien eines Opfers, das sogar nicht kaputt gehen wollte, hatte den Dackel im besten Fall irritiert, aber nicht am├╝siert. Es hatte sich nicht gelohnt. Und all das Blut. Man sollte ihr noch einmal sagen das Schweine bluten. Sie wusste es ab heute besser. Und nun kam wohl unweigerlich dieses Einschl├Ąfern. Hatte sie das gewollt? Um diesen Preis?

W├Ąhrend die Helfer von der Ambulanz den st├Âhnenden nackten Mann auf einer Liege zum Wagen trugen, winselte Lotte vor lauter Selbstmitleid in schrillen T├Ânen unter dem Tisch hervor. Lange lag sie so da und bereute.
Selbst als Frauchen mit der Polizei am Couchtisch sa├č, um einige Papiere zu unterschreiben, richtete sie nicht einmal das Wort an Lotte. Auch als Gerda Brombe unter Tr├Ąnen den Hergang von Lottes ├ťberfall schilderte, ignorierte sie die einsame Dackelin unter dem Tisch.
Sp├Ąter als die Polizei fort war, sa├č Frauchen in ihrem Sessel und rauchte. Stille Tr├Ąnen liefen ├╝ber ihr altes Gesicht und Lotte empfand die wohl tiefste Schuld ihres Lebens. Sie schlich reum├╝tig unter dem Couchtisch hervor und strich um Gnade bettelnd an Frauchens Hosenbeinen entlang. Doch Gerda streckte die Hand nach ihr nicht aus. Ihre Stimme zitterte vor Trauer und Schmerz als sie das Wort an Lotte richtete: "Was hast du dir denn dabei gedacht? Wozu habe ich dich all die Jahre so gut erzogen, dass du jetzt - wo wir doch nich' mehr lange sein m├Âgen - auf einen Menschen los gehst? Wei├čt du nicht was du deinem Frauchen angetan hast? Sie werden kommen und deinen Dummkopf einschl├Ąfern, du r├╝cksichtsloses Ding! Du dummes Ding. Ach..." Frauchen ergoss sich in bitteren Tr├Ąnen, die ihr jedes weitere Wort versagten. Lotte wusste nur ihren warmen Dackelk├Ârper tr├Âstend an Frauchens Beine zu dr├Ąngen und mit ihr zu winseln.
Bald fand Frauchen wieder ihre Stimme und sie sagte, nicht mehr weinend, doch um so trostloser.
"Ach Gottchen, armes Ding! Kannst ja auch nichts daf├╝r. Hast ja keinen Verstand, du armes, armes Ding." Sie schnaufte h├Ârbar auf. " mit'n Wagen wird er dich nu' f├╝r immer von mir wechnehmen. Was haste dir denn bei gedacht, den armen Mann in die Beine zu bei├čen?"
So sa├čen die beiden betagten Gestalten an ihren Lieblingspl├Ątzen und lamentierten vor sich hin: Gerda Brombe, weil sie sich schon ihren zweiten Hund begraben sah und Lotte, weil sie immer noch verzweifelt nach einem Weg aus ihrem t├Âdlichen Dilemma sann.
Es hatte zu regnen aufgeh├Ârt. Die Nacht zog leise und gewaltlos ├╝ber die D├Ącher der Stadt.
Der gesch├Ądigte Solariumbesucher hatte eine sofortige Eliminierung des mit Sicherheit von Tollwut befallenen bissigen Subjekts gefordert. 'Sofern seinem Wunsch unwiderruflich Folge geleistet w├╝rde', hatte der Solariumbesucher ge├Ąu├čert bevor ihm die Krankenschwester eine Tetanusspritze verabreicht hatte, 'w├╝rde er von einer weiteren Klage gegen die Hundebesitzerin absehen k├Ânnen'. Die Polizei hatte den Vorschlag f├╝r so vern├╝nftig gehalten, dass sie ihn gleich Frau Gerda Brombe unterbreitete. Da Gerda nichts au├čer einem miserabel laufenden Solarium besa├č und sie m├╝de und schwach war, willigte sie auf den Vorschlag ein. Noch in derselben Stunde wurde ein ortsans├Ąssiger Tierarzt mit dem Einschl├Ąfern des Dackels beauftragt.
Als Dr. Winsel gegen 22:20 Uhr an die Klingel des Solariums dr├╝ckte - der Betrieb war seit 21:00 Uhr geschlossen - war er schon in besserer Laune als zum Zeitpunkt des Anrufes von Frau Brombe. Allein die Tatsache, dass man heutzutage f├╝r das Einschl├Ąfern eines Hundes DM 150.- kassierte, hatte ihn dazu veranlassen k├Ânnen, den Auftrag von Frau Brombe zu ├╝bernehmen. Winsel ├╝berlegte, welchen Prozentsatz die DM 150,- auf die Abzahlung seiner neuen Jamaha ausmachen w├╝rde. Der devote Motorradfan rechnete emsig der Erf├╝llung seines Traumes entgegen. Mehr von diesen l├Ąstigen ÔÇÜau├čer Haus' Behandlungen und er k├Ânnte sich sogar noch Zubeh├Âr leisten. Bei sauberer Kalkulation war sogar zu ├╝berlegen, ob man nicht einen sogenannten 24 Stunden- Express Einschl├Ąferservice in der Praxis einrichten sollte. Bissige Hunde gab es ja gen├╝gend in der Stadt. Gerda lie├č sich ordentlich Zeit mit dem Heranschlurfen an die T├╝r. Sie wusste wohl, wer da an der T├╝r klingelte und dem Sensemann brauchte man keine Minute zuviel schenken. Auch Lotte zogen sich instinktiv vor lauter Angst die Eingeweide zusammen. Sie hatte das Gef├╝hl, jeden Moment auf den gr├╝nen Teppich machen zu m├╝ssen. Trotz der erb├Ąrmlichen Reaktion ihres Metabolismus hatte die alte Lotte jedoch einen klaren Plan gefasst, wie sie am Ende doch noch ihren Kopf aus der Schlinge ziehen k├Ânne. Ruhig und gelassen wollte sie bleiben und brav dem Frauchen bis zum Ausgang folgen, wenn der Schl├Ąchter eintr├Ąte. Doch bevor sie in sein Auto stiegen, w├╝rde sie nach links ausscheren, tief durchatmen und laufen so schnell sie ihre Stummelbeine in ihrer Angst trugen. So Gott wollte, w├╝rde sie ihren Peinigern entkommen und sich im Stadtpark verstecken. Frauchen k├Ânnte ihr dann, wenn die Menschen ihre Hetzjagd auf sie eingestellt hatten, heimlich Asyl gew├Ąhren bis Gras ├╝ber die Sache gewachsen war. Ja, so k├Ânnte es funktionieren.
Dr. Winsel hatte auf einer Leine bestanden. Nach 10-min├╝tiger Suche hatte Gerda Brombe endlich eine der Hundeleinen gefunden, die seit Jahrzehnten achtlos in der Ecke gelegen hatten. Frauchen hatte die beiden Hunde nicht gro├č anzuleinen gebraucht. Genau aus diesem Grund hatte Lotte diesen Tick, den die Menschen mit der Leine f├╝r Hunde hatten, bei der Ausarbeitung ihres Fluchtplanes nicht bedacht. Es lief ihr siedend hei├č ├╝ber den R├╝cken, als ihr das Frauchen mit zitternden H├Ąnden das Halsband um den Dackelkopf zog und Dr. Winsel die Leine reichte. Weil sich Lotte nun mit aller Kraft wehrte, war es um die Standhaftigkeit von Gerda Brombe geschehen. Mit einem ergreifenden Aufschluchzen lie├č sich die Greisin auf ihrem altbew├Ąhrten Sessel nieder. Dr. Winsel beschloss darauf hin, den Hund ohne die alte Dame mitzunehmen. Gerda willigte unter Tr├Ąnen ein. Abgerechnet w├╝rde per Rechnungsstellung, erkl├Ąrte der Doktor. In Gedanken bei seiner Jamaha zerrte Winsel die fette Dackeldame hinter sich her. Lotte gab sich alle M├╝he, die Schwerkraft ihres ansehnlichen Hintern zu unterst├╝tzen und Winsels Zugkraft zu trotzen.
Schnell hatte der Tierarzt den Hund zur T├╝r hinaus geschleift. Sein Kofferraum stand bereits weit ge├Âffnet, um den Patienten in Empfang zu nehmen. Lotte sah f├╝r sich schon keinen Ausweg mehr. Doch als sie ihren Kopf im Widerstand hin und her schleuderte passierte das Unerwartete. Die Schlinge rutschte ├╝ber ihre Ohren und entlie├č Lotte in die Freiheit.
Es dauerte keine Sekunde f├╝r die alte H├╝ndin um ihre Chance zu wahrzunehmen. Sofort sauste sie so schnell los, wie sie ihre alten Hundebeine lie├čen. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte ihr der Umstand zum Gl├╝ck verholfen, dass sie eine ├Ąltere und gr├Â├čere Schwester gehabt hatte. Denn mit Sicherheit war das Halsband nicht jenes von Lotte gewesen.
Ihre Lungen drohten zu platzen, als Lotte im Zickzack die Stra├čen zum Park hinunter jagte. Sie h├Ątte niemals gedacht, dass der m├╝rrische, fettwanstige Tierdoktor ihr mit soviel Pfeffer hinterher stieben w├╝rde. Allein die Tatsache, dass Lotte die Gegend noch besser als die Unterseite ihrer Pfoten kannte, verhalf ihr zu einem beachtlichen Vorsprung vor ihrem Schl├Ąchter. Und als sie im Dickicht des riesigen Parks verschwand, blieb Dr. Winsel nach Luft schnappend wie ein Fisch und w├╝tend wie ein Stier vor der Parkeinfahrt stehen. Lotte lief noch ein ganzes St├╝ck weiter in den finsteren Park hinein trotz der Schmerzen in Hals und Brust. Sie wollte sicher gehen, dass ihr der Todesarzt am Ende nicht doch beikam. Geschafft. Unter Atemringen erkannte Lotte den gl├╝cklichen Ausgang dieses unseligen Tages. Als sie dann an einer Gabelung stehen blieb, um zu verschnaufen, wurde sie zum ersten Mal des schaurigen Nebels gewahr, der sich ├╝ber die Parklandschaft gelegt hatte. Lotte fr├Âstelte. Unsicher tastete sie sich ein paar Schritte weiter in den Park hinein. Die H├╝ndin fragte sich, wie lange sie wohl in diesem unwirtlichen Dschungel ausharren musste, bis sie zu ihrem Frauchen zur├╝ck kehren konnte. Mit h├Ąngenden Ohren machte sie sich auf eine lange Nacht gefasst.
Gerda Brombe mag wohl eingenickt sein. Verwirrt erlangte sie das Bewusstsein und fand sich wie gewohnt in ihrem Fernsehsessel. Ein Gef├╝hl der Zeitlosigkeit irritierte Gerda m├Ąchtig. Irgendwann zwischen Weinen und Jammern musste sie wohl ins Schlummerland abgedriftet sein. Als sie sich in ihrem Sessel regte, taten ihr alle Glieder weh, so als h├Ątte sie Hochsport betrieben. Mit blinkenden Augen glotzte sie zun├Ąchst weiterhin nur verwundert um sich und fragte sich warum sie ├╝berhaupt aufgewacht war. Ein Ger├Ąusch hatte sie aus ihrem Schlaf geschreckt. Die Hausklingel oder das Telefon. Es war schwer zu sagen. Wer immer das sein mochte, Gerda Brombe war es ohnehin egal. Sie hatte kein Interesse mehr an ihren Mitmenschen. So viel Kummer und Leid war allein an diesem Tag geschehen; und das auf ihre alten Tage hin. Sie w├╝nschte anderen wei├č Gott nichts schlimmes. Nur, musste denn ausgerechnet dieser Ungl├╝cksmensch partout an ihrer T├╝r pochen und ein Drama anrichten?! Mit seinem vermaledeiten Bein. Gerda w├╝nschte sich dieses Bein sehnlichster weg als alles andere auf der Welt. Sie sah wieder deutlich den nackten Mann am Boden, in Pein sein rechtes Bein haltend, dessen Wade recht ├╝bel zugerichtet war. Sie konnte noch von Gl├╝ck sagen, dass der Mann keine Strafanzeige gegen sie stellte. Eingesperrt mit 78. Ja, das w├Ąre die Kr├Ânung ihres verh├Âhnten Lebens. Was hatte sie dem lieben Gott getan, dass er sie so schm├Ąhte?
Doch f├╝r Tr├Ąnen fand Gerda nicht mehr genug Selbstmitleid in sich. Sie war nun still geworden und hatte nur noch einen Wunsch: sich fertig f├╝rs Bett zu machen und schlafen zu gehen. Am Spiegel des alten Toilettentisches lachten ihr Photos von Liese und Lotte entgegen. Gerda nutzte diesen feierlichen Moment und hielt inne in ihrer gewohnten Prozedur. Sie strich mit zittrigen alten Fingern ├╝ber die Photos ihrer Dackelinnen und f├╝r einen Moment beneidete sie Lotte um die Ewigkeit, in die sie sicherlich schon eingekehrt war. Um f├╝r immer bei ihrer Schwester zu sein. Ein erhellender Gedanke schoss Gerda durch den Kopf, der sie tr├Âstete wie schon lange zuvor nichts mehr. Sie w├╝rde sich ihnen bald anschlie├čen. Ja. Das wollte sie tun. Sie w├╝rde nicht mehr weiter ihre Zeit hier unten vertr├Âdeln, in diesem trostlosen Solarium mit diesen bedeutungslosen Menschen. Sie w├╝rde zu ihren Dacke

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