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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurzgeschichte/ P.S.
Eingestellt am 19. 07. 2004 20:38


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kristina
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2004

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Der Zug hĂ€lt mit einem lauten Kreischen am Bahnsteig. Es steigt kaum jemand aus, alle wollen weg aus dieser Einöde. Auch ich erklimme die Stufen zum Abteil, ein Blick zurĂŒck, niemand, der mich kennt. Keiner, der Fragen stellen und VerstĂ€ndnis heucheln mĂŒsste, fĂŒr das, was ich vorhabe zu tun.
Ein Ruck, der Zug setzt sich in Bewegung und ich mich gedankenverloren auf eine rote, lederbezogene Sitzbank. Nervös fahren meine Finger ĂŒber ein StĂŒck Papier, zerknĂŒllen, glatt streichen, zerknĂŒllen ..., ein Brief, vielmals gelesen.
Kleinere StĂ€dte, Wiesen und Weiden, Dörfer, Bauernhöfe, WĂ€lder und Felder ziehen am Fenster vorĂŒber, ich habe keinen Blick dafĂŒr.
Wir ĂŒberschreiten die Grenze, die keine mehr ist, hinter der keine Gefahr droht und ich mich nicht eingesperrt fĂŒhlen muss. Der Zug bringt mich nĂ€her an mein Ziel, meiner alten Heimat entgegen, die fĂŒr mich schon lange keine mehr ist.
Ich höre das Rattern der RĂ€der auf den Gleisen unter mir, gleichmĂ€ĂŸig und melodisch, dazu das Pfeifen des Windes durch den Spalt des geöffneten Fensters, das Geplauder der anderen FahrgĂ€ste, die sich auf den GĂ€ngen zusammengefunden haben - eine Sinfonie voller Leben.
Ich nehme sie nur am Rande war, stattdessen drĂ€ngen Erinnerungsfetzen an die OberflĂ€che. GerĂ€usche, Bilder und GerĂŒche wandern durch meinen Kopf.

Ich blicke zurĂŒck auf eine Kindheit in einer Plattenbausiedlung.
Unsere Wohnung befand sich im sechsten Stock des ersten Blockes, der in diesem Teil erbaut worden war. Wenn ich aus dem Fenster blickte, konnte ich noch den restlichen Wald sehen, den sie ĂŒbrig gelassen hatten. Dazwischen lag die Straße, notdĂŒrftig befestigt. Meine Gummistiefel, ohne die ich das Haus nicht hĂ€tte verlassen können, verursachten bei jedem Schritt ein glucksendes GerĂ€usch, angesaugt von dem Schlamm, der spĂ€ter begehbaren Wegen weichen wĂŒrde.
Ich war auf dem Weg in die neueröffnete Schule, welche unter den Horden wilder Kinder bald zu einem alten GebĂ€ude verkommen wĂŒrde.
Jeden Tag ging ich hier entlang - manchmal war er weit, manchmal nur ein paar Schritte, manchmal so nah vor mir, dass ich das Glucksen seiner Gummistiefel hören konnte. Er wohnte im gleichen Block nur einige HauseingÀnge von mir entfernt.
Ein, zwei Jahreszeiten lief er vor mir und ich schlenderte hinter ihm her, er war jĂŒnger als ich und lernte eine Klasse unter mir. In dem riesigen SchulgebĂ€ude bekamen wir uns kaum zu Gesicht, oft endeten seine Stunden frĂŒher als meine, so sah ich ihn nur auf dem Weg von unserem Block bis hin zur Schule.
Nach einer Zeit in der wir einen Gruß, ein schĂŒchternes LĂ€cheln tauschten, kam es zu einer zufĂ€lligen Begegnung vor der HaustĂŒr - so wurde es unser Weg.

Der Duft von frisch gehauenem Klee wehte an mir vorĂŒber. Ich fĂŒhlte die harte Querstange seines Fahrrades unter meinem dĂŒnnen GesĂ€ĂŸ, er nahm mich mit ins nĂ€chste Schwimmbad. Der Hitze entflĂŒchten, die das Terrain zwischen den HochhĂ€usern eisern im Griff hielt. Schnell und sicher nahm er die Kurven, ich klammerte mich nicht an ihn, das wĂ€re zu weit gegangen. Aber sein LĂ€cheln hinter mir, das spĂŒrte ich ganz deutlich.
Die Jungen sprangen haarscharf neben mir in das Schwimmbecken. Wasserbomben machen, nannten sie es. Er tat ihnen gleich, beobachtete und passte auf. Ich schluckte Wasser, versuchte die rettende Beckenwand zu erreichen, lachte. HĂ€nde packten mich, zogen mich aus dem Wasser. Manchmal berĂŒhrten sich unsere Arme, seine Haut, warm an meiner kalten, wenn wir uns nebeneinander zum Ausruhen auf den heißen, nackten Asphalt legten.
Der Geruch von Chlor in meinem Haar, meine Augen, die ich vor MĂŒdigkeit kaum offen halten konnte, zurĂŒck zur Siedlung auf seiner Fahrradstange.

Im Winter streunten wir durch den Wald, der auf der anderen Seite der Straße begann, versanken in Schneewehen, bauten Eishöhlen, lutschten an Eiszapfen, trieben uns in den muffigen Kellern der HochhĂ€user rum, wĂ€rmten uns auf, bevor es weiterging hinaus in bittere KĂ€lte.
Gemeinsam wurden wir Ă€lter, sahen die Jahreszeiten ins Land ziehen und wieder verschwinden, hörten wie die Menschen auf die Straßen gingen, spĂŒrten wie sich die Zeit zu wenden begann.
Wir sprachen nicht darĂŒber, wir hatten unsere FahrrĂ€der, den Sommer, das Schwimmbad und den Wald. Es war unsere Zeit, alles andere interessierte uns nicht.
Sie verging, schneller als wir glaubten, ob wir wollten oder nicht. Nach einem kĂŒhlen Herbstabend, den ich mit ihm durch den Wald gestreift war, kam ich nach Hause. Ich spĂŒrte sofort, dass etwas nicht stimmte.
Koffer, bepackt mit dem Nötigsten, stapelten sich im Flur, ausgerÀumte und zum Teil verkaufte, verschenkte SchrÀnke in leeren Zimmern ohne Bilder an den WÀnden.
> Wann?< Beinahe tonlos formte sich die Frage in meinem Kopf, doch sie wurde gehört und beantwortet.
> Übermorgen!<
> Nein!<
> Weißt du, es ist besser so, dort wird der Weg dir offen stehen ..., wenn wir jetzt nicht gehen, gehen wir niemals!<
Am nĂ€chsten Tag schwĂ€nzte ich die Schule, wartete an unserem Baumhaus bis er kam. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, mir jedes Detail von ihm einzuprĂ€gen, wollte ihn berĂŒhren, doch ich traute mich nicht, sagte, was ich immer sagte, tat, als wĂŒrde unsere Zeit nie enden.
An diesem Abend erreichten wir erst in der Dunkelheit die HaustĂŒr, hinter der ich gleich verschwinden musste. Wir schwiegen, eigentlich gab es nichts mehr zu sagen, was wir nicht schon im Wald besprochen hĂ€tten. Ich wollte nicht gehen, wollte mich nicht verabschieden. Er trat dicht an mich heran, drĂŒckte mir ein StĂŒck Papier in die Hand. Ich umschloss es fest mit meiner Faust, blickte ihm hinterher. Er rannte davon, als wĂŒrde er sich auf die Flucht begeben mĂŒssen, sein dunkelgrĂŒner Strickpullover mit den weißen eingestickten Rentieren leuchtete unter einer Straßenlaterne auf, dann war ich allein. Es herrscht Ruhe.
Mit dem Daumen strich ich meinen Mund entlang, auf dem ich noch den Druck seiner weichen Lippen zu verspĂŒren meinte. Eine flĂŒchtige BerĂŒhrung. Er musste etwas geahnt haben.

Die TĂŒr des Abteils wird mit einem Ruck aufgerissen, der Schaffner, welcher meine Fahrkarte zu sehen verlangt, holt mich ins Hier und Jetzt. Ich frage, ob es noch weit sei. Nein, nicht mehr weit, nicht mehr weit.

Den Brief las ich einmal und legte ihn dann an die unterste Stelle in einem Karton, in dem ich meine Post aufbewahrte. Hier ruhte er viele Jahre. Bis ich ihn vor kurzem wiederfand, herauskramte, in meinem Eifer Altes gegen Neues zu tauschen.
Es war kein glĂŒhender Liebesbrief, wie man ihn sich als junges MĂ€dchen wĂŒnscht; er wollte, dass ich glĂŒcklich werde in einer anderen Welt, bat mich, unsere Zeit nicht zu vergessen. Wie hĂ€tte ich jemals gekonnt?
Ganz unten, ein letzter Satz, mehr ein Hilferuf, als ein Versprechen, in der krakeligen Schrift eines Jungen, dem Schönschrift ein Fremdwort ist. Ein Tintenklecks vervollstÀndigte die persönliche Note, verwischte das
> ich werde auf dich warten <, lÀsst es beinahe verschwinden, nichtig erscheinen.
Ich stellte mir vor, wie er beim Schreiben die Buchstaben vor sich hin murmelte, ein leiser Fluch, als sich der blaue Klecks neben dem, was ihm wichtig erschien auszusprechen, breit machte und es belanglos wirken lÀsst, aber keine Zeit mehr, einen neuen Versuch zu starten.
Ich werde auf dich warten, das hatte er geschrieben.
Auf mich warten? All die Jahre, die ich in einem bayrischen Dorf erwachsen werden wĂŒrde, inmitten von grasenden KĂŒhen, umgeben von idyllischen Ferienorten? Jahre, in denen ich die Schule beenden, mich auf einem Heuboden entjungfern lassen wĂŒrde, Bier trinken und in einem neuen Dialekt zu sprechen lernen wĂŒrde?

Plötzlich finde ich die Idee absurd, mich auf die Suche nach einem Mann zu begeben, den ich wahrscheinlich nicht wieder erkennen werde.
Der Zug fĂ€hrt in den Bahnhof ein, hĂ€lt an, die TĂŒren quietschen beim Öffnen. Ich steige aus. Ein Hotel ist schnell gefunden. Ich lasse mir vom Portier einen Stadtplan geben, den nichts scheint mehr hier so, wie es einst war. Die Stadt, die ich wie meine Westentasche zu kennen glaubte, ist nicht mehr vorhanden.
HĂ€user wurden abgerissen und neu erbaut, PlĂ€tze gepflastert, Parks angelegt und Straßennamen umbenannt. Ich setzte Fuß vor Fuß, staune und gucke. Lange laufe ich durch die mir unbekannte Stadt, lasse mich von der Menge treiben bis hin zu einem Park, in dem ich mir eine Gelegenheit zum Ausruhen suche.
Ich sehe der Nacht dabei zu, wie sie den Tag zwingt, seinen Hut zu nehmen und sich zu verabschieden.
Was tue ich hier? Ich weiß es nicht.
Jeglicher Mut weicht von mir, ich sitze auf einer eisernen Bank, wickle den Parka fester um mich und verschrÀnke die Arme vor der Brust.
Was will ich hier? Was erhoffe ich mir?
Ein Erkennen, eine Nacht etwa, die mir verwehrt geblieben war, ausgetauschte Erinnerungen, gemeinsames Lachen?
Ist es Nostalgie? Der Wunsch in die Vergangenheit zurĂŒckzukehren, um etwas nachzuholen oder eine Zukunft zu erblicken, die meine hĂ€tte sein können? Oder bin ich hier, um etwas zu beenden, dass endlich beendet werden sollte?
Doch was werde ich vorfinden?
Einen Mann, an dessen Finger ein goldener Ring glitzert; einen SĂ€ufer, dessen strĂ€hniges Haar ins Gesicht hĂ€ngt, mit verquollener Nase und geplatzten Äderchen; einen Autofreak mit einem tiefergelegtem und mit HosentrĂ€gergurten ausgestatteten Audi?
Oder einen Mann, der in meinen Gedanken aus diesem Jungen hatte werden sollen?
Ich muss es wissen, so einfach ist das!
Nervös knĂŒllen meine Finger den Brief in der Jackentasche zusammen. Ich beschließe einen schnellen Kaffee zu trinken und unbemerkt wieder zu verschwinden. Nur einen Blick zu erhaschen, einen Blick auf lĂ€ngst vergangene Jahre.
>Er ist Barkeeper, im Luna, du weißt schon, an der Ecke ...<, hatte mir ein alter Bekannter auf meine Frage hin geantwortet, die ich erst nach unzĂ€hligen, abgemĂŒhten Telefonaten zu stellen mir traute.
Nun stehe ich vor dem Cafe, besagtem Luna, und wage mich nicht hinein. Ich warte schon eine halbe Ewigkeit, kratze meine spĂ€rliche Reste Mut zusammen, beobachte die Menschen, die fröhlich ins Innere strömen. Das Licht des Cafes, welches sich durch die breiten Fenster auf die Straße ergießt, wirkt wie ein Magnet auf mich, verspricht mir wohlige WĂ€rme.
Eine weitere halbe Stunde spĂ€ter husche ich hinter einer Gruppe junger MĂ€nner in das Cafe. Ich kĂ€mpfe mit den Knöpfen meines Parkas, lege ihn ĂŒber eine Heizung und setze mich auf einen Barhocker, der an einem hohen Tisch platziert ist, umgeben von einer Traube Menschen. Eingeschlossen in ihre GesprĂ€che und ihrem Lachen, komme ich mir vor wie von einer Blase umhĂŒllt, schwebend vom Boden abgehoben. Ich blicke um mich, vergoldete, bis zur Decke reichende Spiegel hinter SĂ€ulen, welche die Mauern stĂŒtzen.
Ich sehe ihn nicht kommen, er fragt nach meinem Wunsch - ein flĂŒchtiger Blick, mehr nicht, als ich meine Bestellung aufgebe. Er wiederholt, sieht mir fragend ins Gesicht. Ein Flackern hinter seinen Augen, kurz und unscheinbar, ich nicke und er verschwindet hinter der Theke.
Die schmale LĂŒcke zwischen seinen oberen ZĂ€hnen, bestĂ€tigt nur, was ich schon vermutet habe. Er ist es, er erkennt mich nicht.
Den Kaffee serviert eine andere Bedienung, sie fragt mich, ob ich Lust auf eine dolcezza habe, eine kleine SĂŒĂŸigkeit, die zum Kaffee gereicht werde. Ich blicke zum Tresen. Mit geĂŒbter Bewegung spĂŒlt er zwei GlĂ€ser, rasches Auf und Ab an der BĂŒrste. Eine Blondine kĂŒsst ihn im VorĂŒbergehen auf die Wange, er lĂ€chelt, ich sehe wieder die LĂŒcke.
Nein, danke, ich verspĂŒre keine Lust auf dolcezza, ich will zahlen und dann gehen. Ich trinke aus, schmecke nichts, ziehe meinen verwaschenen Parka ĂŒber und entschließe mich ins Hotel zurĂŒckzukehren.
Ein letzter Blick durch das Fenster des Cafes, ich kann ihn nicht entdecken, laufe vorwÀrts ins Dunkel der Nacht hinein.

Schritte, knapp neben mir, die dicht vor mir stehen bleiben.
Ein scheues LĂ€cheln. Ich sehe nur die LĂŒcke.
>Ich habe auf dich gewartet!< Ein Satz, den man sich wĂŒnscht zu hören, den man schreibt als ein P.S. unter einen Brief, den man vielleicht auch so meint, aber den man nicht glauben kann, weil er so schön ist.
>Ich habe lange gebraucht!< Ein anderer Satz, einer der passiert, weil man die Welt, einen Ort oder auch wahlweise sich selbst erst finden muss.
>Ja, aber nun bist du da!< Eine Antwort, die deutlicher nicht sein kann, eine, welche die KĂ€lte eines verregneten Oktoberabends zur GleichgĂŒltigkeit verkommen lĂ€sst; eine, die Heimat, die ein zu Hause verheißt; eine, welche die Jahre des Sich Dahintreibens ausmerzt.
Nur ein paar Worte, nichtig und klein.

__________________
ka

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Kasoma
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Kristina,

schöne Geschichte, je lÀnger Du schreibst, desto besser kommst Du in Fahrt, der Text gewinnt zum Ende hin, der Anfang ist etwas gewöhnlich...

Trotzdem: Hat mir gut gefallen und ich lese gern mehr von Dir,wenn Du noch etwas schreibst...
Lieber Gruß von Kasoma

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Alexander Rahm
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2004

Werke: 5
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Hallo Kristina!

Du hast Dir mit Deiner Geschichte sehr viel MĂŒhe gegeben. Sie hat AtmosphĂ€re. Der Ansatz fĂŒr einen Spannungsbogen ist auch vorhanden: Frau trifft alte Jugendliebe. So was interessiert (fast) jeden: Was ist aus ihm geworden? Wird er sie immer noch lieben? - Leider schöpfst Du das Potential nicht aus: Du verlierst Dich zu sehr in die Vergangenheit ("wie warÂŽs?") und erzĂ€hlst relativ wenig ĂŒber die Begegnung ("wie ist es jetzt?").
Außerdem wirkt alles traumhaft fern und etwas abstrakt. Das liegt wohl daran, dass Du viele Substantive verwendest und zu oft etwas im Passiv und in indirekter Rede formulierst. Ein Beispiel:

quote:
Der Zug fĂ€hrt in den Bahnhof ein, hĂ€lt an, die TĂŒren quietschen beim Öffnen. Ich steige aus. Ein Hotel ist schnell gefunden. Ich lasse mir vom Portier einen Stadtplan geben, den nichts scheint mehr hier so, wie es einst war.
Das wĂŒrde ich so formulieren:
Der Zug fĂ€hrt in den Bahnhof ein und hĂ€lt an. Ich öffne die TĂŒren, sie quietschen. Ich steige aus und schaue mich um. Ein Hotel finde ich schnell, aber die Stadt ist mir fremd. "Können Sie mir einen Stadtplan geben?", frage ich den Portier, der...
Mitunter bremst Du Dich durch umstÀndliche Formulierungen aus, z.B.
quote:
Die TĂŒr des Abteils wird mit einem Ruck aufgerissen, der Schaffner, welcher meine Fahrkarte zu sehen verlangt, [das braucht nicht erwĂ€hnt zu werden. Fahrkarten zu kontrollieren ist sein Job] holt mich ins Hier und Jetzt. Ich frage, ob es noch weit sei. Nein, nicht mehr weit, nicht mehr weit.[die indirekte Rede lĂ€sst alles in weite Ferne rĂŒcken, sie entzieht dem Ganzen Lebendigkeit]

Hier und da habe ich noch Bedenken:
quote:
Ich höre das Rattern der RĂ€der auf den Gleisen unter mir, gleichmĂ€ĂŸig und melodisch, dazu das Pfeifen des Windes durch den Spalt des geöffneten Fensters, (...) Also, wenn ich in einem Bahnabteil mit offenen Fenstern saß, hat der Wind nie gepfiffen; es war eher ein lautes Rauschen.
quote:
Der Duft von frisch gehauenem Klee wehte an mir vorĂŒber. "Haut" man Klee wirklich "ab"? Das trifft doch eher auf BĂ€ume zu...
quote:
Ich fĂŒhlte die harte Querstange seines Fahrrades unter meinem dĂŒnnen GesĂ€ĂŸ, (...) Hmm, auf der Querstange zu sitzen ist eher ein unĂŒblicher Ort (es sei denn man ist Masochist). Als Sozius sitzt man doch eher auf dem GepĂ€cktrĂ€ger, manchmal auch auf der Lenkerstange. Aber nun gut...

So, jetzt habe ich viel "gemeckert". Am Schluss möchte ich aber noch mal ausdrĂŒcklich betonen, dass Du schriftstellerisches Potential hast. Du kannst es. Dir macht es Spaß. Wenn Du bestĂ€ndig an Deinem Stil feilst, kann daraus was Großes werden.

Viele GrĂŒĂŸe,
Alexander
__________________
www.alexanderrahm.de

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Polly Patent
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Kristina,
mir gefĂ€llt die Geschichte ziemlich gut - bis auf den Schluß. Sie ist sehr atmosphĂ€risch, sinnlich beschrieben, es macht Spaß, sie quasi mitzuerleben - also sehr lebendig erzĂ€hlt.
Der Schluß allerdings - na ja, der ist mir zu einfach, zu sehr Happy - End. Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, dass das Ganze vage bleibt, vielleicht ein Erkennen, ja, aber es ist so viel Zeit vergangen... Als Leser will ich mir da lieber selbst ĂŒberlegen, ob das nun weiter gehen kann oder nicht (natĂŒrlich weiß ich auch bei deinem Schluß noch nicht sicher, wie es weiter geht, aber die Aussagen sind mir zu deutlich - und immerhin hat SIE zumindest bis zum letzten Moment gezaudert...vielleicht ist dein Schluß eher ein Traum oder eine Projektion ihrerseits? Eine solche Traumsequenz könnte dann von SEINEM wirklichen Erscheinen unterbrochen werden, und wie er dann reagiert, bleibt offen? Sowas in der Art...)
Auf jeden Fall bin ich gespannt auf deine weiteren Geschichten.
Viele GrĂŒĂŸe,
Polly

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