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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurzgeschichten
Eingestellt am 01. 09. 2017 18:34


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Mondviole
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2017

Werke: 5
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Angekommen

Jenny stellt ihre Sporttasche auf den Boden, steckt den HaustĂŒrschlĂŒssel ins SchlĂŒsselloch und öffnet leise die TĂŒr. Sie schiebt die große schwere HolztĂŒr nur soweit auf, dass sie gerade hindurchschlĂŒpfen kann und atmet tief durch. Sie lauscht. Stille! Nur leise dringt der LĂ€rm der vorbei-fahrenden Autos von der Straße bis zu ihr. Sie dreht sich um und will die TĂŒr schließen. Die Klinke rutscht ihr aus der Hand und krachend fĂ€llt die TĂŒr ins Schloss. Mist! Genau das wollte sie verhindern. Wieder horcht sie gespannt. Doch im Hausflur bleibt alles ruhig. Das alte Stadthaus trĂ€gt noch die Spuren von reichen und vornehmen Besitzern aus vergangenen Zeiten. Die Reste der Jugendstilmalerei, die den Hausflur einst schmĂŒckte, sind noch zu erkennen. Ein Löwe aus Marmor bewacht die breite Treppe, die nach oben fĂŒhrt. Er war frĂŒher einmal weiß. Jetzt ist er schmutzig grau und die linke Pfote ist ihm abhanden gekommen. Trotzdem wirkt er immer noch furchterregend, wie er da so in LebensgrĂ¶ĂŸe auf seinem Sockel sitzt und die Treppe bewacht. Jenny hat ihn Simba getauft und streichelt ihm manchmal liebevoll seine Löwennase, aber nur, wenn es niemand sieht. Heute streift ihr Blick ihn nur flĂŒchtig. Im Hausflur ist es immer noch still. Jenny sieht durch das handgeschmiedete Treppen-gelĂ€nder nach oben bis zur Wohnung im dritten Stock. Auf der Treppe ist niemand zu sehen. Sie atmet noch einmal tief durch und rennt dann schnell die Treppe hinauf. Oben angekommen, öffnet sie die WohnungstĂŒr einen Spalt, zwĂ€ngt sich hinein und schiebt von innen den Riegel vor. In der KĂŒche lĂ€sst sie sich auf einen Hocker fallen und nachdem sie ein Glas Mineralwasser getrunken hat, geht ihr Puls wieder normal. Lange halte ich das nicht mehr durch, denkt sie und hofft, dass Ben bald nachhause kommt. Kurz darauf ist er da. „Gibt's Abendbrot?“,
fragt er und steckt seinen Kopf durch die KĂŒchentĂŒr. Er bekommt keine Antwort.
„Ist er da und hat er wieder GĂ€ste?“, fragt Jenny stattdessen.
„Es ist alles ruhig und außerdem habe ich nicht darauf geachtet.“ Ben betritt die KĂŒche, lehnt sich an den KĂŒhlschrank und sieht sie an.
„Ewig kann das nicht so weiter gehen. Wenn du Angst hast mĂŒssen wir uns eine andere Wohnung suchen.“ Jenny kĂ€mpft mit den TrĂ€nen. Sie ist mit Ben glĂŒcklich in dieser Wohnung und diesem Haus, seit zwei Jahren. Bis auf den Hausflur mit seinem alten Charme sind alle sechs Wohnungen komplett renoviert und modern. Mit schickem Bad, großen Fenstern, Heizung und Balkon. Auchh eine tĂŒrkische und eine
vietnamesische Familie wohnen hier. Man sieht sich hin und wieder auf der Treppe, grĂŒĂŸt und das war`s. Nie gab es Ärger. Und jetzt dieser Abdullah. Vor zwei Wochen ist er eingezogen. In die Wohnung genau gegenĂŒber. Er ist sehr schlank, fast schon schmĂ€chtig, mit dunklen Augen und einer schmalen Nase, die ein wenig schief in seinem braunen Gesicht sitzt. Jenny ist ihm nur einmal begegnet. Er hatte sie kurz angesehen, so etwas wie „Hallo“ gemurmelt und war dann schnell hinter seiner WohnungstĂŒr verschwunden. Sie bekam mit, dass ihn zwei- bis dreimal in der Woche Freunde besuchen. Sie bleiben ein paar Stunden und verschwinden dann wieder. Jenny beobachtete sie durch das Guckloch in der TĂŒr und hat seit dem Angst. Wer waren sie? Tunesier, Afghanen oder Syrer? Diese Abdullahs! Was, wenn sie von denen im Hausflur begrapscht wird oder in die Wohnung gezerrt? Man hörte ja so viel. Sie umfasst von hinten Bens Schultern, drĂŒckt ihre Wange an seine und seufzt:
„Ob wir die Polizei holen?“
„Quatsch, er und seine Freunde verhalten sich doch völlig ruhig.“
„Ja muss denn immer erst `was passieren?“
Ben ĂŒberlegt: „Heißt er wirklich Abdullah?“
„Mir doch egal, die heißen doch alle so Ă€hnlich.“ Jenny putzt sich die Nase. Ben steht auf. Er ist er einen Meter achtzig groß, sehr krĂ€ftig, durchtrainiert und wer in sein kantiges Gesicht mit den schrĂ€gen grauen Augen sieht, kann ihn fĂŒr einen russischen Mafioso halten.
„Ich gehe jetzt rĂŒber!“
„Bist du wahnsinnig“, - will Jenny noch sagen, da ist Ben schon aus der TĂŒr und klingelt gegenĂŒber. Als sich der SchlĂŒssel im Schloss dreht, hat er doch ein Ziehen in der Magengegend und sein Puls geht schnell. "Abdullah" öffnet und will die TĂŒr sofort wieder schließen, aber Ben steht schon auf der Schwelle. Seinem GegenĂŒber steigt Angst in die Augen. Die TĂŒr zum Wohnzimmer steht offen. Auf dem Fußboden sitzen noch vier „Abdullahs“ mit BĂŒchern auf den Knien und einem Pappbecher mit Kaffee in der Hand. Langsam stehen sie auf. In dem Moment stottert Ben „Salam alaikum“ und hofft, dass es „Guten Tag“ heißt. Der „Abdullah“ atmet erleichtert auf, zeigt ins Wohnzimmer und fragt: „Coffee?“.

Version vom 01. 09. 2017 18:34
Version vom 03. 09. 2017 17:46

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xavia
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2017

Werke: 16
Kommentare: 245
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Liebe Mondviole,

deine Geschichte gefÀllt mir sehr gut. Ich kann mir Jenny und ihre Wohnsituation gut vorstellen und war gespannt darauf, wie sich das weiter entwickeln wird. Schöner Schluss!

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen, die du vielleicht noch Àndern willst:

hindurch schlĂŒpfen --> hindurchschlĂŒpfen
denkt sie und hofft, das Ben bald nachhause kommt.
--> denkt sie und hofft, dass Ben bald nach Hause kommt.
einer schmaler Nase --> schmalen
hat seit dem Angst --> seitdem
Wenn Ben steht, ist er einen Meter achtzig groß --> (sonst nicht?)

Du hast den ganzen Text zentriert und keine AbsĂ€tze gemacht, das finde ich (beides) ziemlich unĂŒbersichtlich. Wenn der/die Handelnde wechselt, ist das immer eine gute Stelle fĂŒr einen Absatz, z. B. an diesen drei Stellen, jeweils vor den AnfĂŒhrungszeichen:
da. „Gibt's
Antwort. „Ist er
stattdessen. „Es

Wenn du möchtest, dass die Zeile nach dem Absatz eingerĂŒckt ist, kannst du das mit der Taste links neben dem Rot erreichen.

Und schließlich der Titel deiner Geschichte:
Bei der Eingabe musst du den unter »Thema« eintragen, also dort nicht »Kurzgeschichten« hinschreiben, obwohl das ja das Thema ist, unter dem deine Geschichte erscheinen soll. Nun hast du dort »Kurzgeschichten« stehen und kannst es nicht mehr selbst Ă€ndern. Aber du kannst DocSchneider bitten, das fĂŒr dich zu tun, dann ist deine Geschichte in der Liste der Kurzgeschichten mit ihrem Titel zu sehen.

Ich freue mich auf weitere Werke von Dir!
LG Xavia.

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Soean
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2017

Werke: 1
Kommentare: 62
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Hallo Mondviole,

ich kann mich Xavia nur anschließen. Ein Schöner Text, der Spass macht zu lesen. Man fragt sich die ganze Zeit wovor Jenny Angst hat und es gibt eine schöne Auflösung.

Bei den anderen Sachen gebe ich Xavia Recht. Sehe auch gerade dass Du alles bereits ĂŒberarbeitet hast.

Eine Runde Geschichte
__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer wagt, dem wird gesagt: Er spinnt!

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

Werke: 70
Kommentare: 224
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Hallo Mondviole,

eine sehr schöne Geschichte ĂŒber Vorurteile und dadurch entstehende Ängste.
Gut geschildert auch das alte, jetzt renovierte Stadthaus; man kann sich das vorstellen!
Dadurch entsteht der Gegensatz von Geborgenheit und Panik, die durch Bens Initiative als unbegrĂŒndet erkannt wird.

Freundlichen Gruß
Maribu

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