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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kutte und der kleine Feigling
Eingestellt am 30. 12. 2000 09:36


Autor
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Karl Reichert
Bl├╝mchendichter
Registriert: Dec 2000

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Morgens ging er brav zur Arbeit, nicht aus Passion, eher aus Gewohnheit. Manchmal aber vielleicht doch ein wenig lieber als sonst, da es viele nicht mehr taten.
Er stromerte gerne kurvige Wege lang, aber eigentlich hatte es sich nur so ergeben, dass er den Schlenker durch den Humboldthain, einen Park, mitten im Herzen seiner Stadt, nahm.
Wenn Kutte an seiner Bank vorbeikam und er kam vorbei, sah er immer, wie sein Baum leicht die Krone neigte und mit den Bl├Ąttern raschelte, so, als ob er fl├╝chtig aus der Ferne ein Hallo her├╝berriefe. Doch Kutte musste sich m├Ąchtig sputen. Raus aus dem Park und die Stra├če gewechselt, denn F├╝nf vor, stand bei Wolle, einem Kiosk, schon sein kleiner Feigling parat. Ohne gro├č Worte zu verlieren steckte er ihn weg und ging forsch weiter. Die Schicht wartete nicht.
Zum 2. Fr├╝hst├╝ck nahm Kutte den kleinen Feigling aus der Arbeitstasche, stellte ihn auf den Tisch. Er war nicht nur sein pers├Ânlicher Muntermacher, sondern in gewisser Weise auch seine Betschwester, Leidensgenosse, M├╝llabladeplatz und sein Guru. Wenn man so will, sein Alter Ego oder auch einfach nur sein schlechteres ├ťber-Ich. Manchmal hatten sie auch Streit, besonders wenn es um schwierige Dinge ging, die nicht konkret, sondern sowohl so, als auch so gesehen werden konnten. Da gab es schon mal Stunk und bestimmte Worte waren schnell gesagt.
Wenn Kutte einen richtigen Brass auf seinen Duzfreund hatte, brauchte er ihn nur einen kleinen Feigling nennen und die Stimmung war auf Null. Da verstand er keinen Spa├č, obwohl er sonst sehr ausgelassen sein konnte. Das w├Ąre so, als wenn man einen wei├čen Schimmel sattelte. So was machte man in ihren Kreisen einfach nicht.
Kutte konnte sich keine Sentimentalit├Ąten mehr leisten, packte resolut zu, st├╝rzte den Inhalt des Flachmannes, den kleinen Feigling, in einem Zug runter, zog sich die BZ n├Ąher ran und ├╝berflog die rei├čerischen Schlagzeilen.
Einige Tage danach brach die Sonne in den sch├Ânsten Farben das Licht und W├Ąrme brachte seinen Kreislauf ordentlich auf Touren. Doch auf dem Nachhauseweg durch den Humboldthain f├╝hlte sich Kutte irgendwie schlapp und daneben. Er musste sich sofort setzen, und da kam ihm seine Bank gerade recht. Er schmiss seine Tasche achtlos ins Gras und fl├Ązte sich hin und streckte alle Viere weit von sich.
Seit acht Jahren kam er hier vorbei und noch nie hatte er auf dieser Bank gesessen. Sein K├Ârper tastete die Holzlatten ab. Die ganze Schwere seines Lebens brachte sie zum knarren. Kutte sp├╝rte wie sein Herz in rhythmisch-pulsierenden St├Â├čen pumpte.
Sein Blick wurde klarer, die Pupillen weiteten sich. Kutte schmiegte sich eng an die R├╝ckenlehne und wagte einen Rundblick. Dann sah er seinen Baum mit der dichten, m├Ąchtigen, symmetrischen Krone.
Wie von einem Magneten gezogen, stand er auf, schlug das Geb├╝sch auseinander und ging mit federnden Schritten, durch das schon feuchte Gras, auf dieses St├╝ck gewaltige Natur zu.
Als er langsam n├Ąher kam sah er, dass es nicht ein, sondern vier B├Ąume waren, die so geschickt gepflanzt waren, dass sie eine gleichm├Ą├čige und harmonische Krone bildeten. Kutte trat andachtsvoll unter die vier im Quadrat arrangierten St├Ąmme und richtete seinen Blick nach oben ins Firmament.
Durch das buschige, dunkelgr├╝ne Bl├Ątterwerk konnte er das tanzende Blau nur als funkelnde Fata Morgana eines Bildes deuten, dass den Vergleich mit den opulenten Fresken eines Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle nicht zu scheuen brauchte.














































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