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Leselupe.de > Humor und Satire
Kyrie Eleison - Hommage an coxews Idee
Eingestellt am 20. 08. 2005 22:59


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Marius Speermann
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Der nachfolgende Text wurde mit Zustimmung der Leselupenautorin "coxew" anhand ihres Ur-Motives und hier veröffentlichten Geschichte "Kyrie Eleison" verfasst. Ich fand ihre Idee so reizvoll, dass ich mich selbst daran versuchen wollte.

Interessanterweise dr√§ngen sich am Christkindlmarkt die meisten Leute immer vor den Punsch- und Speckbrotstandln. Als ich meinen Kollegen Zacki ebendort antraf, dr√§ngte er fleissig mit und hielt einen Punsch in seinen zittrigen H√§nden. Aber irgendetwas stimmte mit ihm nicht. Gehetzt sah er sich um, seine Augen flackerten irr, die Weihnachtskl√§nge bl√∂kten aus dem Lautsprecher. Die sieben leeren Punschbecher und die f√ľnfte Wiederholung von "Maria durch ein Dornwald ging" hatte ihm offensichtlich schon b√∂s' zugesetzt.

Ich gab ihm einen freundlichen Klaps auf den R√ľcken. Er riss verschreckt die H√§nde in die H√∂he und wimmerte. Als er mich durch seinen glasigen Blick erkannte, beruhigte er sich und wischte hastig den Punsch von seinem Revolver. "Bist Du des Wahnsinns knusprige Beute?", kr√§chzte er heiser, "Beinahe w√§re mir die Munition nass geworden."

"Wozu brauchst Du denn einen Revolver?", frug ich ihn launig. "Du wirst doch nicht die arme Bank dort ausrauben wollen, jetzt wo alle ihre Sparkonten f√ľr Weihnachtseink√§ufe gepl√ľndert haben? Ausserdem: bei dem Betrieb, der hier herrscht, ist bei einem Punschstandlraub ungleich mehr zu holen." Diese humoristische Pointe machte mich vor Entz√ľcken √ľber meine Schlagfertigkeit leicht benommen.

Er stierte mich scharf an. "Wer hat Dir erzählt, dass ich eine Bank ausrauben will?" Seine Augen durchbohrten mich fragend. "Doch nicht Schorsch, dieser Schuft? Was geht das ihn an, wenn ich mit der Frau meines Chefs ein Techtelmechtel habe?"

"Du hast ein Verh√§ltnis mit diesem Drachen? Sag bloss nicht, es ist gar ein erotisches?" Zacki war ein unverbesserlicher Romantiker. Sein Herz flog den Frauen zu, wie die Schmeissfliege auf den Dung, aber das beruhte niemals auf Gegenseitigkeit. Die Frauenwelt ignorierte ihn. Die einzigen Bekanntschaften, die Zacki machte, waren die seiner Nase mit den F√§usten der Gatten von verehrten Frauen. Diesmal schien aber eine angebissen zu haben, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen wirkte er noch weniger locker als √ľblich. "Ich dachte, Du seist gerade hinter der neuen Sekret√§rin her?"

"Zur Zeit bin ich hinter 50.000 Euro her, damit Schorsch nichts √ľber unser romantisches Verh√§ltnis ausplaudert. Dieser Mistkerl!" Er spuckte ver√§chtlich aus und leerte das Punschglas auf einen Zug. "Es ist immer nett mit Dir zu plaudern, aber ich gehe jetzt besser Geld abheben", lallte er entschlossen und atmete tief durch. Der alkoholgeschw√§ngerte Hustenanfall verging und er stapfte auf die Bank auf der anderen Strassenseite zu.

Nach zwei Ausrutschern auf dem Glatteis und einer Beinahekollision mit einem Lieferwagen betrat er wackelig die Bank. Noch bevor ich ihn erreichen und wieder auf die Strasse zerren konnte, war er schon mittendrin, sein Vorhaben trittsicher schwankend umzusetzen. "Her mit der Marie, sonst schiesst's!", keuchte er.
Niemand r√ľhrte sich. Sein Selbstvertrauen begann leicht zu leiden. "Geld hoch, H√§nde her!", winselte er schw√§cher. Aber niemand r√ľhrte sich. Er reichte vorsichtig seinen mitgebrachten Geldsack zum Fr√§ulein hinter den Schalter.

Die Bankangestellten und Kunden starrten ihn interessiert an. "Bitte, das Geld hier rein, oder es kommt zu Euch kein Christkind.", flehte er jetzt schluchzend.
Diese Drohung wirkte. Sofort nachdem sie Kaffee getrunken, die N√§gel gefeilt hatte und schnell auf der Toilette war, fing das Schalterfr√§ulein an, einige Notenb√ľndel wohlgeordnet in den Sack zu legen. Kaum fertig, griff Zacki gierig nach dem Sack und tr√§umte bereits verkl√§rt von Punsch, Weib und "Maria durch ein Dornwald ging", aber ein scharfer Schmerz liess ihn davon Abstand nehmen. Der meisterhaft eingesetzte Gehstock einer √§lteren Dame hatte ihn in die Realit√§t zur√ľckgebracht und seine Finger blutrot anlaufen lassen. "Du alte Hexe, was f√§llt‚ĶAuuh!" Aus seinem Blick sprachen Schrecken und Anzeichen von Verbl√∂dung. Sein Ohr war pl√∂tzlich zwei Meter l√§nger geworden. Die √§ltere Dame hatte ihn daran gepackt und zum besseren Meinungsaustausch ihrem Gesicht gen√§hert.

"Was glaubst Du Rotzbub eigentlich!?". Die nachfolgende Ohrfeige bekr√§ftigte unmissverst√§ndlich den Wunsch nach einer baldigen Antwort. "Eine Bank ausrauben, mitten am hellichten Tag. So ein L√ľmmel!", rief sie zornig bebend. "Hast Du denn nichts ordentlich gelernt?" Ein gezielter Tritt aufs Schienbein liess es ihm schwarz vor den Augen werden. Der Geldsack entglitt seinen H√§nden.

"Loslassen!", wimmerte Zacki √§ngstlich, seine Wangen ger√∂tet, ob des Ohrfeigenstakkatos. "Ist nur eine Schreckschusspistole! Ich mach's auch nie wieder." Zappelnd befreite er sein knallrotes Ohr und humpelte durch die T√ľr ins Freie, wo ihn das Christkindlmarktgedr√§nge und ein erneutes "Maria durch ein Dornwald ging" verschluckten und am anderen Ende wieder auf dem Glatteis ausspien.

Die √§ltere Dame hob den Geldsack auf, feuerte mit dem Gehstock einmal in die Deckenverzierung und stelzte kopfsch√ľttelnd durch die T√ľr. "Zu bl√∂de und besoffen, eine einfache Bank auszurauben. Und solch einen Taugenichts habe ich grossgezogen!"

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flammarion
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ich

will ja nicht meckern, aber deine variante ist wesentlich schwächer als das original.
lg
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Old Icke

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Marius Speermann
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Atmosphäre dichter

coxew hatte das zwar weniger schl√ľssig, aber atmosph√§risch irgendwie dichter, gell? Vielleicht muss ich es noch eindampfen und nicht soviel palavern...

Mario

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