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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
L'homme-objet - Über das Schwelgen in Namen (Leselupen-Kolumne Nr. 29)
Eingestellt am 11. 08. 2005 01:36


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sohalt
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Johnny Depp.
George Clooney.
Jude Law.
Etc, etc.


Ein Forums-Evergreen: Welche Männer findet ihr schön? Ich kann Stunden damit zubringen, das zu lesen, diese Listen sind für mich das schönste Gedicht. Ich kann mich ewig darüber unterhalten. Und dabei ist es nichts als die Aufzählung von Namen. Man sagt sie sich gegenseitig vor, um sich Anlass zu geben für zustimmende Seufzer, wenn wieder ein Name fällt, der einem selbst auf die Schnelle nicht eingefallen ist. Das ist dann, als ob ein Kind beim Spielen einen Schatz findet, den es im letzten Sommer versteckt hat – man freut sich über die Entdeckung; fast hätte man vergessen, dass es so etwas Schönes gibt.

Etwas Schönes. Ja: etwas, nicht jemand. George ist für mich kein Mann - George ist ein Bild von einem Mann. Natürlich, irgendwo da draußen gibt es einen Mann George Clooney, aber den kenne ich nicht und der ist mir auch egal. Was ich von ihm will, ist das Bild - von anderen Männern will ich anderes. Angeblich verdanken wir diese Objektivierung des männlichen Körpers den Homosexuellen und ihrer zunehmenden gesellschaftlichen Relevanz. Als ob dieser reduzierende Blick so lange ein männliches Vorrecht gewesen wäre, dass eben erst von Männern auch Frauen die Tür dazu geöffnet werden konnte. Falls das zutreffen sollte: Danke, liebe Homos!

Und das meine ich nicht sarkastisch. Ich bin nicht nur eine Freundin ausgleichender Ungerechtigkeit, sondern auch durchaus für die sporadische Befriedigung niederer Bedürfnisse. Manchmal macht es mir eben Spaß, Männer auf ihren Körper zu reduzieren. Ich mache mir nicht die geringsten Illusionen, warum: Wie nicht gerade wahnsinnig schwierig zu erraten, geht es dabei vor allem um Macht und Rache, Überkompensation der eigenen Minderwertigkeitskomplexe und, bei Beaux aus dem näheren Umfeld, zweifellos auch um die alte Geschichte vom Fuchs, dem die Trauben zu hoch hingen. Wobei letzteres allerdings sehr selten schlagend wird, weil ich diesen speziellen Blick in der Regel ohnehin nur jenen angedeihen lasse, die sich praktisch ihren Lebensunterhalt damit verdienen, als Projektionsfläche herzuhalten – nein, gar nicht mal für Sehnsüchte, eher für die Lust an der Oberflächlichkeit. Und ich hege den starken Verdacht, dass Freddy Prince Junior es verkraften wird, wenn ich seine Attraktivität für allgemein überbewertet halte. Natürlich finde ich mich bei all dem erbärmlich. Aber ich kann damit leben, denn mit einer gewissen Grunderbärmlichkeit habe ich mich schon ganz gut abgefunden.

Neben all diesen finsteren Motiven gibt es noch die unschuldige Freude an der reinen Ästhetik, die nicht im Mindesten mit sexueller Anziehungskraft zu tun haben muss. Ja, tatsächlich – die gibt es.

Doch unlängst hat mich eine – allzu ehrliche, aber wozu hat man sie sonst? – Freundin, schwer getroffen. Wie man denn, wenn man selbst vor lauter Unbehagen bei der Vorstellung, nach seiner Erscheinung beurteilt zu werden, die meiste Zeit so gründlich wie möglich die Tatsache verdrängt, sichtbar zu sein, mit solchem Genuss über die Erscheinung anderer urteilen könne, wollte sie wissen.

Ich wusste dem natürlich so einiges zu entgegnen, unter anderem, dass ich bestimmt keinen Wert auf die Erscheinung lege, sondern einfach nur einen Wert an sich anerkenne, dass ich sehr wohl differenzieren kann zwischen Bild und Mann, Bewunderung aus der Ferne und tatsächlicher Attraktion und dass so ein gelegentlicher kontrollierter Oberflächlichkeitsexzess beim Schwelgen in Namen durchaus hilfreich sein kann, wieder bis auf Weiteres einen gesunden Überdruss an der Sache zu entwickeln und den Kopf frei zu bekommen für Wesentliches. Ja, denn ich kann das kontrollieren, weil ich es durchschaue.

Aber die Vorstellung, dass jemand glaube könnte, ich durchschaue es nicht, sodass er daraus schließe müsste, ich würde tatsächlich auf einen George Clooney warten und idiotische Ansprüche stellen, die ich selbst nicht erfüllen kann, die Vorstellung also, es könnte mich jemand tatsächlich für so d u m m halten – die ließ mich dann doch erwägen, die schlechte Gewohnheit abzulegen.

Bloß ahnte ich da noch nicht, wie schmerzhaft ich den Verlust empfinden würde. Meine Freundin hatte mir etwas weg genommen, an das ich mich verzweifelter geklammert hatte, als mir klar gewesen war. Denn: Manchmal ist das Schwelgen in Namen das Einzige, was mir bleibt. Klar würde ich lieber seine Seele ergründen als die Symmetrie seinen Gesichtes. Aber dazu muss er mich erst einmal nahe genug an sich ran lassen. Aus der Ferne geht eben nur unreifes Anschmachten.

Da kann ich nämlich Namen aufzählen und dabei seufzen, was ich will – das sind nicht meine Prioritäten. Eines weiß ich: Ich könnte mich niemals in einen dummen Mann verlieben. Und das muss wahr sein. Weil es mir unbequem ist.

Ich würde mich gern öfter verlieben.



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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de différence entre les hommes. (Pascal)

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jon
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„Aus der Ferne geht eben nur unreifes Anschmachten. Und diese Ferne liegt bestimmt nicht daran, dass ich mit den Gedanken zu oft in Hollywood weile."
…hier ist mir der logische Faden gerissen. Kann es sein, dass du hier einen zu großen Sprung machst – von der "Ferne zu Cloony (& Co)" zu "Ferne zum Traummann nebenan"? Bzw. dass diese beiden Ebenen generell zu bunt gemischt sind in diesem Absatz?
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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sohalt
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Stimmt.

Pass nicht.
Der Satz sollte eigentlich nur dem Vorwurf vorbeugen: Na, wenn du dauernd die Taube auf dem Dach angaffst, entgeht dir natürlich der Spatz in der Hand.
Aber warum das überhaupt nicht stimmt, habe ich an sich ausführlich erklärt, also ist das vielleicht unnötig.
Und die Ebenen stimmen tatsächlich nicht überein.
Also weg damit.
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zola
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Wenn Du Dich fragst, ob Du Dich verlieben könntest, hast Du die Frage bereits beantwortet.

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sohalt
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Weil es einen zu treffen hat wie der Blitz, aus heiterem Himmel, sodass man vorher weder links noch rechts schauen kann.
Jaja.
Schon klar.
Vielleicht sollte ich allerdings wirklich "könnte" durch "würde" ersetzen.
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zola
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Nichts und nie ersetzen oder korrigieren. Einfach so bleiben und dazu stehen - das reicht für jedes Wunder.
Wirklich!

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