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LL-Kolumne Nr. 20: Die Reformreformierer
Eingestellt am 24. 09. 2004 08:49


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M├Â├čner, Bernhard
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(LL-Kolumne Nr. 20)

Die Reformreformierer

Eine Reform sei, so hei├čt es in meinem Lexikon, "eine Ver├Ąnderung und Verbesserung des Bestehenden." Reformatoren sind somit irgendwie in die Kategorie der Systemverbesserer einzuordnen. Doch w├Ąhrend sich das deutsche Reformatoren-Urgestein Martin Luther mit einer Reform als Lebenswerk begn├╝gte, w├╝rde unser umtriebig regierender Bundeskanzler abends doch niemals aus seinem Amt nach Hause gehen, ohne seine Minister zu fragen: "Haben wir heute schon eine Reform reformiert?"
Angela Merkel, seine gro├če, wenn nicht gar seine einzige, ihm verbliebene Verehrerin, sch├Ątzt ihn daf├╝r so sehr, dass sie ihre Partei mit der ├Ąu├čerst listig ausgegebenen Order vor ├╝berfl├╝ssigem Handeln bewahrt: St├╝rzt mir um Himmels Willen nicht den Gerhard, bevor der mit seinen Rot-Gr├╝nen nicht alle unsere Ziele durchgesetzt hat!
Nur ein paar politisch v├Âllig unbedarfte BILD-Leser, sowie der manchmal etwas befriffstutzige Eddy aus M├╝nchen haben diese Strategie noch immer nicht so recht begriffen.
So l├Ąsst die mit allen Oderw├Ąssern gewaschene Politdomteurin, unseren Regierungschef wie einen folgsamen Tanzb├Ąren weiter kr├Ąftig von innen an den Gitterst├Ąben seines goldenen K├Ąfigs r├╝tteln, den er in seinen Sturm- und Drangjahren einmal f├╝r das Tor zuz Macht gehalten hat. Sie bel├Ąsst ihm seine Illusion, er w├╝rde diesen Staat regieren und reformieren und ihre christdemokratische Partei verbreitet unter ihren W├Ąhlern und Anh├Ąngern, ohne rot zu werden, als falscheste aller Falschmeldungen, die CDU m├Âchte Schr├Âder als Regierungschef besser heute als morgen abl├Âsen.
Freunde, wir leben alle in undurchsichtigen Zeiten! Eine Reforminfasion ohnegleichen ist ├╝ber uns hereingebrochen! Schon ├╝berlegen einige bekannte Sachbuchverlage, ob sie nicht ein Lexikon aller derzeit im Bundestag und -rat beratenen und geplanten Reformen auf den Markt bringen sollen. Der Bedorf daf├╝r w├Ąre enorm! Trotzdem m├╝ssen wir t├Ąglich in den Medien lesen und h├Âren, wie dringend es w├Ąre, endlich unsere typisch deutsche Reformunwilligkeit zu ├╝berwinden, Reformoffensiven zu starten und Reformpakete zu schn├╝ren.
Welche und wie viele Gesetze und Regelungen es in n├Ąchster Zeit noch zu reformieren gilt, ahnen vielleicht manche Politiker, wir und die G├Âtter wissen es nicht! Allerdings gilt es abzuwarten, ob unsere in die Jahre gekommenen Altparteien bei den n├Ąchsten Wahlen nicht doch noch an der F├╝nfprozenth├╝rde scheitern werden. Momentan aber sind die allsommerlichen Buddeleien an unseren Autobahnen nur ein Klacks gegen die unendlichen Dauerbaustellen, an denen unsere Regierung samt Opposition an allen denkbaren Reformentw├╝rfen herum murkst. Man sollte sie alle wegen Pfusch am Bau verklagen! Zu ihrer Versuchsabteilung geh├Ârt nicht nur der ewige Agrarhaushalt, auch an der Justiz, der Bildung und dem Steuerrecht wird flei├čig und immerw├Ąhrend herumlaboriert, aber am allerliebsten basteln die teils gew├Ąhlten und teils selbsternannten Reformer an den Renten- und Krankenkassen herum. Ihre partei├╝bergreifenden Prognosen und L├Âsungen lauten ├╝bereinstimmend: Wer alt und krank wird, ist selber schuld!
Unser Armen und Kranken hatten doch Zeit und Gelegenheit, zur Vorsorge alles Lebensnotwendige zu erwerben, wie zum Beispiel Aktien, Immobilien oder ganze Industriekonzerne. Unsere Post h├Ątten sie kaufen k├Ânnen, sogar die komplette Bundesbahn, samt Gleisen, Z├╝gen und Beamten, alles wurde dem Volk zum Kauf angeboten! Doch die Zauderer von heute sind die Armen von morgen. Denn wer nichts kauft, kann auch nichts besitzen. H├Ątten sie zeitig Mut bewiesen, k├Ânnten sie es sich sp├Ąter leisten, alt oder krank zu werden, sie k├Ânnten im Alter ihre Gebisse renovieren lassen, formsch├Âne Brillen tragen und zuletzt sogar teuer und w├╝rdig zu sterben!
Zum Gl├╝ck ist die Lage f├╝r unsere Armen momentan zwar ernst, aber nicht hoffnungslos: Aufgepasst, die Schn├Ąppchenjagd geht ja noch munter weiter. Schulen, Unis und Kliniken, Banken, Stra├čen und Autobahnen, die Polizei, sowie Bundes- und Feuerwehr, alles das wird, wie man aus gew├Âhnlich gut unterrichteten Kreisen h├Ârt, demn├Ąchst reformiert und privatisiert und an interessierte B├╝rger, wie Arbeiter und Rentner verscherbelt. In diesem Falle hei├čt es: rechtzeitig zugreifen! Senioren, Werkt├Ątige und Arbeitslose: Wappnet euch f├╝r kommende Reformen, zerrei├čt euren Sparstrumpf, investiert eure Euros und reiht euch ein in die Klasse der kommenden Reformgewinnler!
__________________
-Bernhard M├Â├čner-

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dubidu
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Lieber Bernhard,

Zun├Ąchst einmal sind mir einige Rechtschreibfehler aufgefallen, z.B. "zuz Macht, Reforminfasion"

Dein Stil ist fl├╝ssig und der Text ist gut zu lesen.

Das Thema ist interessant, denn eine gewisse "Reformm├╝digkeit" ist nachvollziehbar.

Allerdings fehlt der Grund f├╝r die Reformen vollst├Ąndig; mein Freund Montgelas w├╝rde sagen: das Geschichtliche fehle!

quote:
...an unseren Autobahnen nur ein Klacks gegen die unendlichen Dauerbaustellen, an denen unsere Regierung samt Opposition an allen denkbaren Reformentw├╝rfen herum murkst. Man sollte sie alle wegen Pfusch am Bau verklagen...

Ja warum haben wir denn diese Baustellen?

Weil unsere damaligen Sozialapostel wie Bl├╝m & Konsorten vor 10 bis 20 Jahren die Situation v├Âllig falsch eingesch├Ątzt hatten: "...die Rende sinn sicher!"

Weil unsere Kanzler-Birne alle damals schon notwendigen Reformentw├╝rfe abgeschmettert hatte.

Weil wir uns alle selbst belogen haben: Weiter so, es wird schon nicht schiefgehen!"

Weil wir alle dachten, die DDR gebe es zum Nulltarif und es wird sich schon von selbst finanzieren!

Das fehlt, insofern ist dein "Essay" unvollst├Ąndig!



Darum sind Reformen heute notwendig und absolut unverzichtbar!
__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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LuMen
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treffsicher

Hallo Bernhard,

mutig und treffsicher gestritten! Ein zus├Ątzlicher Seitenhieb auf die neuen Bundesl├Ąnder bzw. den
Reform(un)geist der "Wiedervereiniger" h├Ątte nat├╝rlich noch einen weiteren Kampfschauplatz er├Âffnet, aber mit dem Mehrfrontenkrieg ist das ja so eine Sache.

Gru├č zur Nacht

LuMen

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M├Â├čner, Bernhard
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Die Reformreformierer

Lieber dibidu,
es hat mich nat├╝rlich gefreut, dass du meinen Beitrag samt Tippfehlern aufmerksam und kritisch gew├╝rdigt hast.
Nat├╝rlich habe ich auch deine tiefgreifende Analyse ├╝ber den Fieber-Patienten Deutschland gelesen. Dein Konzept ist im ganzen fl├╝ssig, wenn ich auch nicht ├╝berall deiner Meinung bin.
Ich glaube kaum, dass wir den Reichen und Unternehmern in Deutschland grunds├Ątzlich zuviel abkn├Âpfen. Dies gilt h├Âchstens f├╝r mittelst├Ąndische Handwerksbetriebe, f├╝r die wirklich Reichen haben die Lobbysten mit deutscher Gr├╝ndlichkeit steuerrechtliche Nadel├Âhre geschaffen, durch die jedes biblische Kamel ins Himmelreich der Steuerfreiheit durchschl├╝pfen kann.
Was uns beim Schreiben grunds├Ątzlich unterscheidet, ist, dass ich nicht den Ehrgeiz habe, in diesem Forum Tatbest├Ąnde gr├╝ndlich zu wiederholen, die ich alle Tage in meiner Tageszeitung, im Spiegel oder anderen Kommentaren zu lesen bekomme.
Ich versuche, Dinge, die nicht nur mich st├Âren, mit mehr oder weniger Erfolg zu glossieren, das Kommentieren ├╝berlasse ich politologisch geschulten Schreibern, die leider meist ihr Parteibuch nur unzureichend kaschieren k├Ânnen. So gesehen, passe ich nicht so recht in dieses Forum.
Ob meinem Beitrag der geschichtliche Hintergrund fehlt?
Vielleicht bin ich, obwohl schon 25 Jahre Inhaber eines rot eingebundenen Parteibuches, nicht mehr naiv genug, bei geplanten Ver├Ąnderungen immer an das f├╝rsorgliche Denken meiner Parteioberen zu glauben, denn in der Regel z├Ąhlte ich bei den bisherigen "Reformen" weniger zu den Nutzern, sondern zu den Zahlern. Und je mehr Reformen zur├╝ckreformiert werden, desto schlimmer wird die Lage!
Trotzdem habe ich dieser Regierung bisher die Treue gehalten, denn nach Lage der Dinge tat sie das, was sie in dieser Lage tun musste! Sie hatte keine Wahl und viel zu wenig W├Ąhler, um wirklich handlungsf├Ąhig zu sein.
Den vorherigen Regierungschef als reformunwillige Birne zu bezeichnen, halte ich nicht nur f├╝r primitiv, sondern auch f├╝r Geschichtsklitterei. Wir sollten nicht vergessen, dass uns unser Parteifreund Lafontaine lange und mit Erfolg vorgegaukelt hat, h├Âhere L├Âhne, k├╝rzere Arbeitszeiten und mehr Steuern f├╝r Unternehmen f├╝hrten uns zu mehr Wachstum und Wohlstand. Wozu dann Reformen?
Hinterher sind wir alle schlauer! Hoffentlich!

__________________
-Bernhard M├Â├čner-

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dubidu
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Lieber Bernhard,

es hei├čt "dubidu" und nicht dibidi!

Danke f├╝r deine Antwort. Auch wenn deine Ironie ins Leere geht (da ich weder f├╝r den Spiegel noch f├╝r die SZ schreibe), so ist deine Antwort f├╝r mich auf der sachlichen Ebene nachvollziehbar. Ich stimme deiner Beurteilung der Reformfreudigkeit unseres Kanzlers Kohls zu: diese war wirklich primitiv. Obgleich ich wei├č, dass einige der wenigen Ref├Ârmchen kurz nach der Wahl von Schr├Âder & Co. zur├╝ck genommen wurden. Nachdem die Linke, namentlich Lafontaine, abserviert worden war, wurde die Reform der Ref├Ârmchen wieder r├╝ckg├Ąngig gemacht.

Aber egal, wer von uns beiden in der Einsch├Ątzung der politischen Lage richtig liegt; eins steht fest: die Ursache f├╝r die (Notwendigkeit der) Reformen wurde in deinem Text (m.E.) schlicht und einfach vergessen.

Viele Gr├╝├če
gez. das dubidu
__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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