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Leselupe.de > Kurzgeschichten
La Jeunesse
Eingestellt am 29. 03. 2005 12:18


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Annabeth
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Oct 2004

Werke: 11
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La Jeunesse

Ich war pĂŒnktlich dort, sogar ein paar Minuten zu frĂŒh, genau wie damals. Vor der TĂŒr standen im unwirschen DĂ€mmer die Raucher, weiße Wolken waberten um ihre Gesichter. Nervös strich ich mein neues Sweatshirt glatt und versuchte, im NĂ€herkommen zu erkennen, wer es war. Ich entdeckte Mona. In ihren blondierten StrĂ€hnen steckte unnötigerweise eine Sonnenbrille und die lackierten FingernĂ€gel schimmerten.
Hastig rĂŒckte ich meinen weichen Stoffhut zurecht und steckte die schwitzigen HĂ€nde in die Hosentaschen.
„Hallo“, sagte ich.
Die rauchenden Gestalten sahen auf. Monas geschminkte Mandelaugen glitten an mir herunter als wĂ€re ich aus Glas. „Ah“, machte sie.
„Wenn du zum Klassentreffen willst, die sind alle da drinnen“, meldete sich eine MĂ€nnerstimme zu Wort. Ich brauchte eine Sekunde, bis ich das unrasierte Kinn mit einem Bild in meinem Kopf verbinden konnte. „Hallo, Alex!“, sagte ich und lĂ€chelte. Alex brummte, hustete. Seine schmalen Augen waren entzĂŒndet. Er schĂŒttelte trotzdem eine weitere Zigarette aus der Packung, als er mit der einen fertig war. Das glĂŒhende Ende zertrat er nicht.
Da keine Reaktion mehr auf mein LĂ€cheln kam, ging ich an den Rauchern vorbei, die mit jedem meiner Schritte tiefer in die Dunkelheit rĂŒckten. Ein paar MĂŒcken schwirrten um die Lampe vor dem Lokal und ich spĂŒrte einen feinen Stich im Nacken.
„Autsch! Blödes Vieh“, murrte ich, mit der Hand danach schlagend, doch die MĂŒcke war bereits verschwunden. Ich beeilte mich, von der Lampe wegzukommen, und betrat das Lokal. Im Gang war es dunkel. Meine AbsĂ€tze knallten auf dem steinernen Boden. Vor den GastrĂ€umen schwebte gedĂ€mpftes GelĂ€chter herum und aus einem TĂŒrrahmen brach plötzlich Licht, als jemand herauskam und weiter den Gang hinab torkelte.
Vorsichtig öffnete ich diese TĂŒr einen Spalt weit und sah einen halb leeren Gastraum, in dem eine Handvoll Leute um einen Tisch herum saßen.
Sarahs hĂŒbsches Gesicht strahlte aus der Runde hervor. Sie hatte noch immer lange Haare und trug sie kunstvoll hochgesteckt, genau wie ich es in Erinnerung hatte. Erleichtert, dass ich sie gefunden hatte, trat ich ein und blinzelte mir das stechende Licht der Lampen aus den Augen.
„Hallo!“, rief ich. Eine blonde Frau drehte sich kurz um und nickte mir zu. Diese Geste war mir so nah, dass ich mich einen Moment in die Vergangenheit zurĂŒckversetzt fĂŒhlte, doch ihr Name fiel mir nicht mehr ein.
„Anna ist da“, sagte sie.
„Anna? Welche Anna?“
Sarahs wĂ€chserne Stimme. FĂŒr einen Moment dachte ich, sie hĂ€tte einen Witz gemacht, aber dann sah ich den verwirrten Ausdruck in ihren Augen. „Na ich“, wollte ich spöttelnd sagen, als jedoch niemand auf Sarahs Frage einging, hĂ€ngte ich still meine Jacke ĂŒber eine Stuhllehne und setzte mich hin.
Neugierig studierte ich die einzelnen Gesichter. Sie waren lĂ€nger und schĂ€rfer als die aus meiner Erinnerung. Ich konnte die meisten Namen nennen... Valerie, Charlotte, Caro, und die Jungs: Chris, Andi und Florian. Auf einmal wusste ich auch wieder, wie die Blonde hieß: Verena. Ich wollte mich ihr gerade zuwenden und sie fragen, was sie denn so machte, als mir die Bedienung ein großes Glas Bier hinstellte.
„Oh... Moment! Das habe ich gar nicht bestellt“, sagte ich. Die Bedienung schien mich nicht gehört zu haben und verschwand ohne ein Wort in der KĂŒche.
„Also, wenn du das nicht trinkst, nehme ich es eben“, beschloss Verena und zog mir das Glas weg.
„Wo arbeitest du?“, fragte ich. Auf der anderen Tischseite stob GelĂ€chter hoch und ich musste mich anstrengen, um Verenas Antwort mitzubekommen.
„Gar nicht!“, erwiderte diese und trank in großen Schlucken das halbe Glas leer. „Keine Lust.“
Ich dachte, dass das Thema vielleicht unangenehm fĂŒr sie war, und erkundigte mich nach Familie.
„Nee“, machte Verena. Sie schnalzte mit der Zunge. „Ich war eine Zeit lang mit Caros Ex-Mann zusammen, aber es hat nicht so geklappt.“
„Das tut mir leid.“
Sie lachte laut und rasch und das GerĂ€usch klang wie ein rauer Husten. Wortlos fischte sie eine zerdrĂŒckte Schachtel Zigaretten aus ihrer Jackentasche und fluchte, weil das Feuerzeug nicht gleich funktionierte. „Ich dachte, ihr geht zum Rauchen raus?“, sagte ich.
„Ach, die wollen bloß allein sein da draußen“, seufzte Verena und beugte sich zu mir. Ihr Pony fiel ihr ĂŒber die wolkigen blauen Augen, die mich vertraulich anblickten. „Mona ist beleidigt, weil wir uns ĂŒber ihren Freund lustig gemacht haben.“ Sie grinste schief und kicherte. „Er ist aus dem Osten.“
Ich nickte vorsichtshalber, auch wenn ich nicht verstand, was so lustig daran war, und versuchte, heraus zu hören, worĂŒber die anderen redeten. Eine weitere Explosion brĂŒllenden GelĂ€chters erschĂŒtterte den Tisch. „Was ist?“
„Der Felix ist am Klo und kotzt!“, rief Charlotte mit dröhnender Stimme. Ihre Brust bebte unter dem geblĂŒmten Spaghettikleid.
„Was? Dann muss doch einer nach ihm sehen“, warf ich ein, doch die anderen hörten nicht.
„Der hat noch nie viel vertragen“, sagte Verena und zuckte mit den Schultern. Eine Rauchwolke aus ihrer Zigarette behĂ€ngte meine Haare und ich rutschte auf meinem Stuhl ein StĂŒck zur Seite. Der Stich in meinem Nacken fing an zu jucken.
„Hee, Anna, gibt’s deinen Freund eigentlich noch? Wie hieß der? Michl?“, prustete Charlotte plötzlich. Ich widerstand dem Drang, mich zu kratzen.
„Michel, und er war Franzose“, antwortete ich leicht lĂ€chelnd. „Nein, wir waren beide der Meinung, dass das mit uns...“
„Er hat dich sitzenlassen?!“, kreischte Sarah und schĂŒttelte sich vor Kichern. Ihr glasiger Blick schwirrte im Raum herum wie eine erschöpfte Fliege. Charlotte schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, nach Luft schnappend. Einige ihrer rot gefĂ€rbten Haare schlĂŒpften in ihr leeres Bierglas, als sie sich vornĂŒber neigte.
„Nein, wir haben...“, protestierte ich – zu spĂ€t. Andi deutete auf Charlottes Haare und fiel beinahe vom Stuhl vor Lachen. Charlotte angelte sich ein herumstehendes Bierglas und schĂŒttete ihm den letzten Schluck ĂŒbers Hemd. Es machte WAMM und der Stuhl war umgekippt, Andi jedoch machte keine Anstalten, wieder aufzustehen, sondern rief mit schwankender Stimme „Du Ossi!“ und kicherte am Boden weiter.
„Ich spiele jetzt in einem Orchester“, bemerkte ich. Keiner beachtete mich. Der karge Gastraum bot ebenfalls keinen Halt fĂŒr meine Aufmerksamkeit und so wartete ich, unauffĂ€llig an dem MĂŒckenstich kratzend, bis sich die anderen ein wenig beruhigt hatten. „Was macht ihr denn jetzt alle so?“, erkundigte ich mich.
„Saufen!“, brĂŒllte Andi unter dem Tisch hervor und zog sich hoch. In seinen Rastalocken klebte Kaugummi und das GelĂ€chter schwoll wieder an wie eine Lunge, die gerade einen Atemzug getan hatte.
Der MĂŒckenstich platzte unter meinen kratzenden FingernĂ€geln auf und ich zuckte zusammen. Nun kam der Zigarettenrauch auch von links. Valerie, die bislang neben mir mit Caro ĂŒber ihren Freund diskutiert hatte, steckte ihr silbernes Feuerzeug ein und nestelte an ihren Haaren herum. Sie waren strĂ€hnig und hart vom Gel und die schwarze Farbe wuchs langsam heraus.
„Ich bin gleich wieder da“, murmelte ich und erhob mich.
Der Gang war angenehm leer von Rauch und Stimmen. Ein kĂŒhler Luftzug umfing mich wie eine enge Umarmung und ich atmete tief durch. Sachte tupfte ich mit einem Taschentuch das Blut von dem Stich weg, da hörte ich, wie jemand eine KlospĂŒlung betĂ€tigte, und aus einer schmalen TĂŒr gegenĂŒber kam Felix heraus gestolpert. Er wischte sich ĂŒber den Mund.
„Servus Anna“, grĂŒĂŸte er mit schwacher Stimme.
„Haben sie dich wieder abgefĂŒllt?“, fragte ich mitleidig.
Seine zahmen Augen schielten unter seinem wirren Pony hervor. Die Nase war etwas krumm geworden und sein Mund hing leicht offen. „Nee, das war das andre Zeug, das wir vorhin geraucht haben. Geht’s dir gut, Anna? Spielst du immer noch dieses Ding, dieses Instrument... du weißt schon, Anna, dieses Instrument“, nuschelte er gefĂ€hrlich wankend.
„Ja, Felix, ich spiele noch Cello. Du solltest ein Glas Wasser trinken.“
„Ich will einen Schnaps“, meinte er bloß und schlurfte zurĂŒck zu den anderen. Ich hörte, wie er drinnen rief: „Wer will Schnaps? Ich geb‘ einen aus!“
Seufzend schlĂŒpfte ich in meine Jacke und tappte leise ins Freie. Die junge Nacht floss in die Ritzen meiner Kleidung und ich atmete sie erleichtert ein. Schweigend lief ich an den Rauchern vorbei, von denen zwei sich inzwischen heftig kĂŒssten, zog eine flĂŒchtige Grimasse und ging zum FahrradstĂ€nder an der Hofeinfahrt. WĂ€hrend ich das Schloss aufsperrte, warf ich noch einmal einen Blick zurĂŒck und dachte: Manche Leute werden eben nie Ă€lter.

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 108
Kommentare: 471
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Profil

hallo Annabeth,

deine Geschichte gefÀllt mir eigentlich ganz gut.
"Eigentlich".

Was mir das Lesen ein wenig verleidet hat sind die Bilder die du etwas inflationÀr benutzt. Sie lassen den ErzÀhlfluss einfach so dahinplÀtschern und nehmen die Dichte, die Spannung etwas heraus.

l.G. Hans

__________________
Was sind das fĂŒr Zeiten, wo ein GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ĂŒber so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Annabeth,
ich störe mich auch etwas an der Einförmigkeit der
ErzÀhlperspektive. Zigaretten, Haare und Alkohol sind
die Themen, die immer wieder, in wenig abgewandelter
Form, auftauchen. Das ermĂŒdet auf die Dauer.
Entweder wĂŒrde ich die Geschichte straffen oder mir ein
paar andere Details ĂŒberlegen, die du schildern willst.

Ein anderer Kritikpunkt ist, dass ich nicht recht erkenne,
was die Pointe oder die Aussage des Textes sein soll.
Am Schluss schreibst du:
"WĂ€hrend ich das Schloss aufsperrte, warf ich noch
einmal einen Blick zurĂŒck und dachte: Manche Leute werden eben nie Ă€lter."
Das lese ich als die "Moral", den Punkt, auf den es
hinauslaufen soll. Aber wie ist das zu verstehen?
AmĂŒsant? Dann versuche etwas mehr Witz hinein zu bekommen.
Die Protagonistin macht selbst nÀmlich auch keinen allzu
sympathischen Eindruck. Das Rauchen gefiel ihr noch die,
das Trinken auch nicht, sie will ĂŒber ihren Beruf sprechen,
aber keinen interessiert es, ĂŒber die Liebe wird nur in
abfÀllliger Weise erzÀhlt...und ihre Reaktion?
Sie spielt die VernĂŒnftige. Als es ihr reichte, verließ
sie das Klassentreffen. FĂŒr eine Geschichte ist mir das
zu wenig.

Zusammenfassend: in einer gekĂŒrzten Version könnte ich
mir die Story im Tagebuch- oder Kurzprosaforum vorstellen.
FĂŒr eine solch lange Fassung fehlen mir Witz und
OriginalitÀt.

Viele GrĂŒĂŸe,
Denschie

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