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Leselupe.de > Humor und Satire
Lachzwang
Eingestellt am 07. 11. 2011 11:14


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
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Bekanntlich leben wir in einer Spa├č-, Medien- und Suchtgesellschaft und brauchen immer mehr von dem Stoff, der uns an jenem Leben h├Ąlt, das vor allem Spa├č machen soll. M├Âglichst ununterbrochen.
Wer sich tot zu lachen versucht, lacht sich einem lustigen Tod entgegen. Wer nichts mehr zu lachen hat, ist f├╝r die Spa├čgesellschaft tot und muss sein trauriges Dasein einsam oder in ernsthafteren Gesellschaften fristen.
Gesellschaftliche Pflicht aller Spa├čv├Âgel und Komiker muss es daher sein, st├Ąndig ├╝berall Sp├Ą├če zu produzieren ÔÇô vor allem auch solche, ├╝ber die heute noch keiner lachen kann.
Fernsehen oder Rundfunk spielen dazu das notwendige Lachen vom Band ein. Das hat sich ├Ąhnlich gut bew├Ąhrt, wie der Tusch der Karnevalskapelle, der N├Ąrrinnen und Narren auffordert, an der vom B├╝ttenredner ausgesuchten Stelle seiner Rede zu lachen.
Da Lachen ansteckt, schlie├čen sich immer ein paar Zuh├Ârer oder ÔÇôschauer den Lachern vom Band an und lachen innovativ mit. In unseren schnelllebigen Zeiten kann es nie schaden, stets ein St├╝ckchen vorauszulachen. W├Ąhrend R├╝ckst├Ąndige noch ├╝ber Juxereien lachen, die l├Ąngst out sind, trainieren Fortschrittliche ihr Zwerchfell bereits f├╝r die zuk├╝nftigen Spa├čkulturen.
Naturgem├Ą├č wird es ab einem gewissen Alter - zum Beispiel meinem fast siebzigj├Ąhrigen - schwieriger mit dem modernen Spa├č Schritt zu halten. Immer schneller verlieren ├Ąltere Spa├čsuchende wie ich den Anschluss und es kostet von Tag zu Tag mehr M├╝he, sich zukunftsorientierte Spa├čproduktionen zu erlachen. Selbstverst├Ąndlich ist es mir auch peinlich - meine vermutlich senile Spa├čverst├Ąndnisschw├Ąche einzugestehen. Folgerichtig neige ich zu Schutzbehauptungen und ereifere mich ├╝ber jene modernen geistlosen Albernheiten ohne jede intelligente Pointe. Das allerdings nur, wenn ich mich unter Senioren mit ├Ąhnlichen Symptomen wei├č. Bin ich von j├╝ngeren Spa├čkonsumenten umgeben, lache ich mit ihnen, um nicht als veralteter Au├čenseiter moderner Lachkultur zu gelten.
Als ich gerade nichts zu lachen hatte, hockte ich neulich trotzig und mit todernstem Gesicht in einer fremden Kneipe. Meine Stammkneipe wurde gerade renoviert. Von dem riesigen Bildschirm unter der Decke ├╝ber der Theke verbreitete ein bekannter Fernsehspa├čmacher neuzeitlichen Humor auf Kosten derer, die er offensichtlich damit l├Ącherlich machen wollte. Ich verzog keine Miene. Und das, obwohl am Nebentisch sich eine sehr blonde junge Frau - so um die zwanzig - r├Ąkelte und viele der ├╝brigen G├Ąste um Jahrzehnte j├╝nger waren als ich. Wegen meiner altmodischen Sch├╝chternheit spreche ich in Kneipen nie fremde Frauen an. Warum ich mich dennoch mit einem kurzen ÔÇ×Darf Ich?ÔÇť spontan an ihren Tisch setzte, wei├č ich immer noch nicht.
Jedenfalls l├Ąchelte sie unnachahmlich anmutig (Anmutig ist eigentlich ein total altmodisches Wort!). Nach l├Ąngerem Smalltalk, den ich immer brauche, um mich einer Frau so zu n├Ąhern, dass sie nicht gleich meine Absicht durchschaut, verriet sie mir, sie f├Ąnde mich deswegen schon ├Ąu├čerst sympathisch, weil ich ├╝ber diesen geistlos-humoristischen Fernseh-D├╝nnschiss nicht mitlache.
Vorsichtshalber lie├č ich mich noch einige Zeit lobend ├╝ber den geistvollen wahren und - leicht abf├Ąllig - ├╝ber den modernen Humor aus, bis ich mich, nachdem ich mich schon vorab daf├╝r entschuldigte, schlie├člich traute:
ÔÇ×Kennen Sie den schon...?ÔÇť
Die Blonde l├Ąchelte mir ihre ganze hinrei├čend bezaubernde Anmut entgegen, legte mir sanft die grazile Hand auf den Unterarm, r├Ąusperte sich und begann: ÔÇ×Wenn ich zuerst einen erz├Ąhlen darf, h├Âre ich Ihnen sehr gern zuÔÇŽ Kommt son Uralter in die Kneipe und will nen Blondinenwitz loswerden...!ÔÇť
Die jungen M├Ąnner am Nebentisch konnten dar├╝ber lachenÔÇŽ



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Karl Feldkamp
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Hallo koollook,
als Altachtundsechziger (der allerdings (hoffentlich) dazu gelernt hat) bin ich das Duzen gewohnt. Also, kein Problem.
Danke f├╝r deinen Kommentar. Kurzgeschichten kann man als Autor nicht zu Ende erz├Ąhlen, aber so abfassen, dass Leser sie weiterspinnen k├Ânnen. Das habe ich versucht.
Herzliche Gr├╝├če
Karl
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