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Leselupe.de > Kurzprosa
Lagerfeuer
Eingestellt am 30. 10. 2007 16:42


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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

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Lagerfeuer

    W├Ąhrend du in die Flammen blickst, ziehen Schwaden vergangener Leben, verblichener Existenzen, durch die sternenklare Nacht. F├╝r andere ist es nur Rauch. Vielleicht haben sie zu wenig getrunken. F├╝r dich ist, vielmehr war, dieser Rauch lebendig, vor Unzeiten. Hier und jetzt, w├Ąhrend du dich systematisch dem Alkohol ergibst und der rostigen Stimme gegen├╝ber nur entfernt lauschst, schweben Artefakte aus Parallelwelten um dich herum. Dinge, denen du fr├╝her Bedeutung zugebilligt hast, B├╝cher, denen du einstmals Sinn entnommen zu haben glaubst, Gesichter, deren Mimik du als Seelenspiegel interpretiert hast, Augen, die von unauslotbarer Tiefe erz├Ąhlten. All das wabert in dieser Nacht um dich herum und verlacht dich. Zusammenhanglose Fetzen, ungetr├Ąumte Leben, ungelebte Tr├Ąume. Du wei├čt nicht, sollst du lachen oder weinen? Beides ist dir nicht gegeben, stattdessen winkst du die Flasche wieder heran und tust einen weiteren kr├Ąftigen Schluck. Dein Leben flie├čt brennend deine Kehle hinab. Du verdaust dich selbst, damit dein Gestern deine Gegenwart nicht l├Ąnger bestimmt. Schluck f├╝r Schluck vertilgt.

    Und trotzdem sind da die Schatten. Sie leben, kichern heimlich. Dinge sind nicht bedeutsam. Aus B├╝chern lernst du nichts. Menschen haben keine Seele. Und die Augen sind so flach und tot wie die Pf├╝tze auf dem Asphalt der Landstra├če. Dagegen s├Ąufst du nicht an. Die Gesichter kriegst du nicht runtergest├╝rzt. Das Leben oder das, was du daf├╝r h├Ąltst, hat dich verarscht. Die Welt ist hohl und leer. Komm, nimm noch einen Schluck. Vielleicht hilft dieser. Die Schwaden des Vergangenen gehen auf Distanz. Aber du wei├čt, sie verpissen sich nicht. Das tun sie nie. Sie nehmen nur Anlauf, um dich beim n├Ąchsten Auflauern mit Urgewalt umzurei├čen. F├╝r den Moment, jetzt, lassen sie ab von dir. Und du bist erleichtert, denn diesmal lassen sie dir noch einen Fetzen Selbst zur├╝ck, den du ganz allein vernichten darfst. Tu es jetzt. Warum z├Âgerst du? Zweifel? Angst?

    Warum schl├Ąfst du nicht einfach? Sie sind entschwunden, aufgestiegen in den Nachthimmel, um sich mit den Sternschnuppen, den Gefallenen der Ewigkeit zu paaren. Zu dir kehren sie jetzt nicht wieder zur├╝ck. Also, warum schl├Ąfst du nicht einfach?

    Angst, du k├Ânntest wieder aufwachen?

    Das ist Leben.


nofrank
__________________
ÔÇ×Die Preisgabe der Diskretion im ├Âffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesbl├Âdigkeit")



Version vom 30. 10. 2007 16:42

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Anysa
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2007

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Hallo nofrank,

interessanter Text. Mu├č ich erstmal auf mich wirken lassen.
Habe einen Fehler gefunden:

quote:
F├╝r dich ist, vielmehr war, dieser Rauch lebendig, vor Unzeiten.
Meintest du da nicht die Urzeiten? Sonst versteh ich den Satz nicht.
Einen Satz finde ich etwas sehr lang:
quote:
Dinge, denen du fr├╝her Bedeutung zugebilligt hast, B├╝cher, denen du einstmals Sinn entnommen zu haben glaubst, Gesichter, deren Mimik du als Seelenspiegel interpretiert hast, Augen, die von unauslotbarer Tiefe erz├Ąhlten.
Den mu├čte ich zweimal lesen (nur meine Meinung).

Dein Text ist voller Melancholie und Hoffnungslosigkeit. Sicherlich aus der Sichtweise eines Alkoholikers, wenn ich dich richtig verstanden habe.
Du hast sehr sch├Âne Metaphern gefunden, die mich ansprechen und mir deinen Text wie einen Film vor Augen f├╝hrt. Ich kann mir die Aussichtslosigkeit sehr gut vorstellen und mein Herz wird ganz schwer.

Wie gesagt, ich lasse den Text erstmal auf mich wirken.

Liebe Gr├╝├če
Anysa
__________________
Auch die Ewigkeit besteht aus Augenblicken.

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