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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Laudanum
Eingestellt am 16. 07. 2018 11:01


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klaatu
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Laudanum


Ich bin nicht wirklich hier,
doch trotzdem schenkt mir
die Sonne einen Schatten.

Eine Ente schaut mir
direkt in die Augen
- wei├č sie es??

~

Mir entfleucht
ein erschrockener Ton
und versucht zu fliehen.
Ich zertrete ihn auf dem Gehweg,
bevor er entkommen kann.

Ein Mann dreht sich zu mir um
und h├Ârt gar nicht mehr auf
sich zu drehen,
zu drehen, zu drehen...

~

Nein, ich bin nicht wirklich hier,
aber ich kann beobachten,
wie jemand Brotkrumen
in einen Weiher wirft
und alte Menschen angeschwommen kommen,
die schnatternd um die St├╝cke k├Ąmpfen.

Ich kann sehen,
wie sich Leute unterhalten
und es keinen zu st├Âren scheint,
dass sie sich dabei gegenseitig
mit Durchfall besprenkeln,
der ihnen aus den M├╝ndern sprudelt.

~

Liege ich in Wirklichkeit
tr├Ąumend in einer Opiumh├Âhle,
irgendwo im 19. Jahrhundert?

In wohligem Unbehagen
laufe ich mir selbst
eiskalt den R├╝cken runter...

~

Die Luft riecht nach
K├╝mmel, Fenchel und Anis.

Eine Frau kommt mir
direkt entgegen
und ich flie├če durch sie hindurch
wie der Wind durch ein Moskitonetz.

Ein welkes Blatt
l├Âst sich von einem Baum
und f├Ąllt
- es fiele ewig weiter,
wenn der Boden es
nicht aufhalten w├╝rde.

~

Das Licht der Sterne
k├Ąmpft sich durch
den blauen Himmel
und
Laudanum tropft
aus der Sonne
- direkt auf meine
Zirbeldr├╝se.

Die Wiesen verwandeln sich
in Felder aus bl├╝hendem Mohn:

Die Bl├╝ten wenden mir die K├Âpfe zu
und beginnen zu singen:
"Breathe... Breathe in the air.
Don┬┤t be afraid to care." *


~

Die Zeit ist Sirup,
eingedickte Gegenwart,
und klebt wie Blut
an meinen H├Ąnden.

Alle Menschen verwandeln sich
in groteske humanoide Enten
und starren mich an.

Sie fauchen ohrenbet├Ąubend
- ich beginne mich aufzul├Âsen...

Nur mein Schatten bleibt zur├╝ck.






* Pink Floyd - Breathe


Version vom 16. 07. 2018 11:01

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Lord Nelson
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Einfach klasse!

Hab gleich eine ganze Reihe von Lieblingsstellen darin gefunden.

Einzig der Durchfall hat mich irritiert. War mir zu unpsychedelisch konkret - naja, und auch zu unappetitlich.

quote:
groteske zweibeinige Enten
gottlob zweibeinig! sind ├╝berhaupt auffallend viele Enten unterwegs *find*

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klaatu
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@ Lord Nelson

"Zweibeinige Enten"... Alles andere w├Ąre wesentlich erschreckender gewesen... Ich habe es jetzt durch "humanoide Enten" ersetzt. Danke f├╝r den Hinweis!


@ Marie-Luise

Das Wort "Anatidaephobie" musste ich zwar zuerst googeln, habe aber tats├Ąchlich schon mal was dar├╝ber gelesen. Klingt zwar absurd, Angst vor Enten zu haben, aber irgendwie kann ich es verstehen. Enten legen manchmal ein wirklich abartiges Verhalten an den Tag (z.B. Gruppenvergewaltigungen, Nekrophilie...) und in ihrem Blick ist auch etwas Verschw├Ârerisches. Als ob sie nur auf ihre Chance lauern w├╝rden...

LG
k

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Marie-Luise Wendland
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Hallo Klaatu,
ich k├Ânnte mich f├╝r das Gedicht total begeistern, wenn folgende Passage nicht w├Ąre

quote:
dass sie sich dabei gegenseitig
mit Durchfall besprenkeln,
der ihnen aus den M├╝ndern sprudelt.

Nochmals gr├╝├čt Marie-Luise
__________________
Marie-Luise Wendland
Carpe diem!

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klaatu
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Hallo Marie-Luise!

Das tut mir leid, aber dieses Bild war in meinem Verstand und musste da ganz dringend raus...!

LG
k

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