Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
60 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Le Chaim
Eingestellt am 30. 08. 2003 22:28


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
Kommentare: 735
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um blaustrumpf eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Le Chaim

Wer heilt sie,
die Lieder, den Sang,
zerbrochen unter der Last
hochragender Brillenberge,
von Z├Âpfen,
wie Wolle zu Ballen gebunden?
In den Lagerh├Ąusern
verblasst die Schrift
auf Koffern und K├Ârben.
Wo bleibst du, Elias?
Auf dem Weg zum Beit Midrasch
spielen die Knaben.
__________________
Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


mako
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe blaustr├╝mpfin,

schwierig, sich solch einem Thema dichterisch anzun├Ąhern. Wie soll man die Gef├╝hle fassen, die der Besuch in Auschwitz oder einem anderen ehemaligen KZ hinterl├Ą├čt?

Ich finde Dir ist es sehr gut gelungen. Sensibel zeichnest Du hier ein Bild, das gerade durch die fast n├╝chterne Betrachtung eine tiefe Wirkung bei mir erzielt.

Millionenfacher Holokaust, den wir im einzelnen nicht begreifen k├Ânnen und der vielleicht erst durch diese Berge scheinbar belangloser Habseligkeiten fassbarer f├╝r uns wird und ein tiefes Gef├╝hl des Grauens und der Trauer hinterl├Ą├čt.

Gru├č
Mako

Bearbeiten/Löschen    


george
Routinierter Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 88
Kommentare: 912
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um george eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Nicht einmal die Zeit kann diese Wunden heilen. Sie reissen immer wieder auf.

Du hast diesen Zwiespalt, die Zerrissenheit in der Wahrnehmung und erneuten Bewusstwerdung von zigtausendfachem, individuell durch Brille und Zopf sichtbarem Tod und der Leichtigkeit des Seins, des Spielerischen der Jugend sehr gut, ohne jeglichen Pathos dargestellt.

Gr├╝sse
__________________
┬ę J├╝rgen Locke

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
verhalten

Liebe Blaustrumpf,

eine wunderbar verhaltene Klage!
Wo bleibst Du? Diese Frage, die von noch lebenden Angeh├Ârigen t├Ąglich bewu├čt oder unterbewu├čt gestellt wird.

Aber dann die spielenden Knaben. Dein ganzes Volk haben sie nicht ausrotten k├Ânnen. Das aber nicht als Trost gemeint, -was k├Ânnte schon tr├Âsten - sondern als n├╝chterne Feststellung beim Leser Vieles ausl├Âsend.

Liebe Gr├╝sse Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Blaustrumpf,

ein wirklich schwieriges Thema, das Du da gew├Ąhlt hast. Denn einerseits liegt die Antwort auf Deine Frage klar auf der Hand: Heilung ist nicht m├Âglich. (Insofern ist also auch das Stellen der Frage u.U. ├╝berfl├╝ssig. Wahrscheinlich hat Adorno etwa solches gemeint, als er Anfang der F├╝nfziger sagte, nach Auschwitz k├Ânne man keine Gedichte mehr schreiben.)
Andererseits w├╝rde die schweigende Akeptanz eindeutiger Wahrheiten letztendlich zum Stummsein f├╝hren. Also bleibt nur, immer wieder die Fragen zu stellen, deren klare Antworten schon gegeben sind. (Vielleicht war diese Einsicht der Grund f├╝r viele, den Worten Adornos vehement zu widersprechen.)

Ich selbst denke, da├č viele geschichtliche Ereignisse eine Eigendynamik gewinnen, die sie unempfindlich macht gegen Verdr├Ąngung und Vergessen. Das Wort in Deinem Text von der verblassenden Schrift auf den Koffern in den Lagerh├Ąusern ist also m├Âglicherweise kein Gleichnis; vielleicht verbla├čt zwar die reale Schrift auf den Koffern, aber die Ged├Ąchtnisspur, die das Bild beim Betrachter legte, wird tiefer..? - Ich denke z.B. sehr oft an den Koffer von Kafkas Schwester, das Bild dr├╝ckt sehr.

Trotzdem: Ein wichtiger Text. W├╝rde ich bewerten, dann H├Âchstpunktzahl. Eine kleine Anmerkung noch zu dem verwendeten Begriff vom (Schul-)Haus f├╝r Mischna und Talmud: "Bejt ha Midrasch" gibt den hebr├Ąischen Namen korrekter wieder.

Liebe Gr├╝├če

Pen.

Bearbeiten/Löschen    


blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
Kommentare: 735
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um blaustrumpf eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo, mako

danke.

blaustrumpf

* * *

hallo, george

es stimmt, niemand kann die wunden heilen. aber es ist eben auch nicht richtig, so zu tun, als seien sie nicht da.

danke, blaustrumpf

* * *

hallo, vera-lena

Elias ist ja nicht nur der schmerzlich vermisste Verwandte. Es hei├čt, dass der Prophet kurz vor dem Messias wiederkehren wird und dann alle Fragen kl├Ąren wird, f├╝r die unser schwacher Menschenverstand derzeit keine Antwort findet.

Dass die Knaben auf dem Weg zur Shul spielen ist beruhigend - das Leben geht weiter, findet Normalit├Ąt. Aber das kann auch beunruhigen: Das Spiel lenkt sie ab... Man muss sich entscheiden. Immer wieder.

Sch├Âne Gr├╝├če von blaustrumpf

* * *

Penelopeia

Sch├Ân, dass du die Verk├╝rzung erkannt hast. Allerdings ist f├╝r mich "Beit Tefillah - Beit Midrasch - Beit Knesset" das Dreigespann, das auch in der grammatisch unvollkommenen Fassung eindeutig ist...

Ich glaube, wenn wir uns die Arbeit des Erinnerns und Mahnens sparen, sie die Opfern ├╝berlassen, machen wir uns selbst zu T├Ątern.

Dieser Text hier wollte einfach geschrieben werden. Sein "Bruder" steht im Forum "Fremdsprachiges". Die ├ťbereinstimmung der Bilder ist gewollt.

Herzliche Gr├╝├če von blaustrumpf
__________________
Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!