Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
372 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Leben?
Eingestellt am 30. 09. 2002 18:51


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
hopeless-1
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2002

Werke: 22
Kommentare: 67
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um hopeless-1 eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo liebes Tagebuch!

Heute ist wieder einer dieser Tage. Einer dieser Tage, an denen das Leben schön scheint, Einer dieser Tage, an denen das Leben sinnlos scheint. Einer dieser Tage, an denen die eigene Gefühlswelt verrückt spielt. Mal gut, mal schlecht. Warum ist das so?
Dabei fing alles so „normal“ an.
Ein normaler Schultag. Um 5.40 Uhr aufstehen, duschen, anziehen, schminken, losgehen.
Die StraĂźenbahn kam pĂĽnktlich und ich hatte das GlĂĽck einen Sitzplatz zu ergattern. Ich saĂź da und war in meinen Gedanken versunken, wie immer.
Ich träumte von Max, wie er lächelt, mich berührt, mich küsst. Es ist so schön bei ihm zu sein, seine Nähe und Wärme zu spüren. Ich mag ihn, ich mag ihn so schrecklich gerne.
Doch dann riss mich Sarah, die neue aus meinem Englisch Kurs, aus meinen Gedanken. Ich wusste gar nicht, dass sie auch Bahn fährt. Sie fragte mich, welche Stunden ich heute habe. Und ich antwortete ihr: „ Hab Mathe, Doppel Chemie, Russisch, Musik und Doppel Deutsch. Und was hast du?“ ich fragte sie nur aus Höflichkeit, eigentlich wollte ich zurück in meine Traumwelt. Ich wollte wieder bei Max sein. Doch das ließ Sarah nicht zu. Sie erzählte mir, was sie für Unterricht habe, wie sie die Lehrer fand und dass sie doch Ben so süß fand.
Sie hat ihn erst zwei Mal gesehen und erst einmal kurz mit ihm gesprochen. Ich finde das ja so übertrieben! – dachte ich mir nur.
Zum Glück mussten wir dann aussteigen und damit war ich sie erst einmal los. Ich rannte förmlich in die Schule zu meinem Raum und ließ mich da erschöpft auf meinen Stuhl fallen und war sofort wieder in meinen Gedanken versunken. Doch als nächstes störte mich das Stundenklingeln. – Das muss endlich aufhören mit dieser Tagträumerei!!!! Du musst dich auf den Unterricht konzentrieren! - ermahnte ich mich selbst. Doch das war nicht so einfach, immer wieder streiften meine Gedanken ab, zu Max, zu meinem Max. –So nennt man das wohl, wenn man auf Wolke 7 schwebt – dachte ich still und lächelte.
Zum GlĂĽck war dann Mathe ĂĽberstanden. Ich packte meinen Kram zusammen. Irgendwie hatte ich es geschafft etwas vom Unterricht mitzubekommen. Ich war stolz auf mich.
Irgendwie schaffte ich es auch die zwei Stunden Chemie zu ĂĽberstehen, ohne einzuschlafen.
In der großen Pause danach wagte ich es, während ich an meinem Wasser nippte, auf mein Handy zu schauen – Ja! – freute ich mich still. Eine SMS, die ist sicher von ihm.

Guten Morgen mein Schatz!
Na, die erstens Stunden erfolgreich
Ăśberstanden? Hole dich ab! Warte
vor der Turnhalle. I Love You!

Mein Herz machte vor Freude einen Sprung. Nur noch 4 Stunden und ich war wieder bei ihm.
Zwischen uns ist es noch immer wie am ersten Tag unserer Beziehung. Es ist noch immer so schön, aufregend und prickelt. Wir sind noch immer so verliebt – dachte ich glücklich.
Ja, und dann passierte es. Ich saß gerade in Russisch und übersetzte einen Text, als die Durchsage kam. „Sandra Müller bitte ins Sekretariat, Sandra Müller bitte!“ Ich schaute erstaunt auf, ich war noch nie ins Sekretariat gerufen worden. Also entschuldigte ich mich bei meiner Lehrerin und ging. Ich wunderte mich, denn ich hatte ja keine Ahnung, wieso ich ausgerufen worden war.
Ich atmete tief ein und trat nach einem zaghaften Klopfen ein. Die Anwesenden drehten sich um, auch Luisa. Ich stand einfach nur da, den Mund offen und starr geöffnete Augen. Luisa stand einfach nur da und schaute mich aus ihren rot verquollenen Augen an. In meinem Kopf breitete sich eine Leere aus, eine dunkle Leere.
Luisa kam auf mich zu und nahm mich in den Arm, ohne irgendein Wort. So standen Luisa, Max Mutter, und ich eine Weile da. Ich traute mich nicht sie zu fragen, was los sei. Ich hatte Angst vor der Antwort. Ich hatte sie noch nie so gesehen.
Luisa und ich hatten uns von Anfang an verstanden, sie war so was wie meine groĂźe Schwester geworden.
Herr Schneider, der hinter Luisa stand, räusperte sich. Ihm war die Situation unangenehm, das merkte ich. Ich löste mich von Luisa und schaute ihr in die Augen. Und in ihnen lass ich das, wovor ich die meiste Angst hatte, - Max zu verlieren!
Ich starrte Luisa mit fragenden, Hilfe suchenden Augen an, ich flehte innerlich, dass das alles nur ein Alptraum sei. Doch es half nichts. Mir wurde langsam schwindlig. Ich hatte die grausame Wahrheit in ihren Augen gelesen.
Mein Leben was zerstört.
„ Er hatte einen Unfall. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, aber….“ Mehr bekam ich nicht mehr mit. Mir wurde schwarz vor Augen, alles verschwamm. Ich sackte zusammen…

Nun sitz ich hier, hier auf dieser Bank, auf dieser BrĂĽcke.
Ich sehe den Himmel, es wird immer dunkler, so dunkel wie in meiner Seele.
Ich weiß nicht, was ich machen soll, ich weiß nicht wohin ich gehen soll….
Mein Leben ist gestorben, als er starb.
Hat es noch einen Sinn, dass ich jetzt hier sitze und dir schreibe?

__________________
Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele (Cicero)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Stefan J.W.
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2002

Werke: 5
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Leben? Ja!

Es passiert meist unverhofft, dass sich das Leben auf (tragische) Weise wandelt und man nur schwer einen Sinn darin erkennen kann,was und warum etwas geschehen ist.
Doch das Leben besteht nicht nur aus positiven Elementen und Ereignissen und oft sind es die vermeintlich negativen, die einen irgendwie voran bringen. Leben bedeutet nun einmal, Erfahrungen zu sammeln - gleich welcher Art sie auch sein mögen. Das wichtige daran ist, dass man aus all diesen Erfahrungen etwas für sich mitnehmen kann, selbst wenn es etwas so schreckliches wie der Tod eines nahmestehenden Menschen sein muss.

Und glaube mir, ich schreib' hier nicht nur bloßes Wischi-waschi-Geschwätz. Ich habe (leider) meine eigenen Erfahrungen damit gemacht, als ich 16 war und den Tod meiner Mutter zu verkraften hatte. Doch mit den Jahren klärt sich der erst verschwommene Blick auf das Geschehen und man kann etwas daraus lernen, auch wenn es schwerfällt.Und das eigene Leben stirbt nie mit dem eines/einer anderen, auch wenn es sich zuerst so anfühlen mag!


GruĂź, Stefan
__________________

"Unser Leben ist das,wozu unsere Gedanken es machen." (Marc Aurel)

Bearbeiten/Löschen    


hopeless-1
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2002

Werke: 22
Kommentare: 67
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um hopeless-1 eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Doch was ist, wenn man sich so leer fĂĽhlt, ausgeogen, einsam, alleine, verloren...?
Biologisch gesehen lebt man noch, doch gehört zum leben nicht mehr? Fehlt da nicht das Gefühl zu leben?
Durch "negative" Erlebnisse wird man stärker, das stimmt schon. Aber nicht jeder ist so stark diese Herausvorderung, diese Zeit zu überstehen, anzunehmen und zu bestehen.
Mancheiner hat nicht die Kraft, den Willen...

liebe GrĂĽĂźe, Hopeless-1
__________________
Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele (Cicero)

Bearbeiten/Löschen    


Stefan J.W.
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2002

Werke: 5
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Natürlich fällt es schwer solch eine Herausforderung anzunehmen, das ist mir voll und ganz bewusst. Ich habe auch mit mir abgemacht, wenn meine Mutter geht, dann gehe ich auch. Aber sagen wir mal so - ich war zu feige.

Aber sogesehen wäre es unfair gewesen. Und damit meine ich nicht einmal meiner Familie, sondern mir selbst gegenüber.
Wir sind nun einmal alle hier, um zu leben!

Man fĂĽhlt sich zuerst immer kraftlos, man denkt, man kann die Zeit nicht ĂĽberstehen, bis die Wunden geheilt sind und das ist (tut mir leid fĂĽr den Ausdruck!) ganz logisch.
Mir haben ganz banale Dinge geholfen: eine neue CD meiner Lieblingsband (und was hätte ich versäumt, wenn ich die nicht gekannt hätte!), meine Katze, Sonnenaufgänge, Waldspaziergänge, einfach einen Tag lang vor sich hinweinen.

Es tut gut, alles herauszulassen, auch wenn man denkt, der Schmerz wird so unerträglich, aber es hilft.
Und dann wird der Tag kommen, an dem es irgendwie "besser" ist!

Und auch das habe ich über mich gelernt und viele mit ähnlicher Erfahrung sicher auch: man ist viel stärker als man glaubt, wenn man es nur zulässt...
__________________

"Unser Leben ist das,wozu unsere Gedanken es machen." (Marc Aurel)

Bearbeiten/Löschen    


hopeless-1
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2002

Werke: 22
Kommentare: 67
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um hopeless-1 eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das Leben beenden? Ich glaub das könnt ich dann doch nicht, nicht wenn ich länger darüber nachdenke. Davor hab ich zuviel Angst.

Aber das da so banale Dinge helfen, dass kann ich irgendwie nicht glauben. Ich glaube eher, das es dann doch an der Zeit lag.

Früher haben eine Freundin und ich immer "Tat oder Wahrheit" gespielt. Einmal fiel auch die Frage, wovor ich am meisten Angst hätte. Und ich sagte ohne nachzudenken: Einsamkeit.
Davor hab ich auch jetzt noch am meisten Angst. Ich brauche die Menschen um mich herum. Ich brauche bestimmte Menschen, einen bestimmten Menschen. Ohne diese Menschen kann ich nicht leben, ich geh ein wie eine Pflanze.

Ich freue mich, wenn ich mal fĂĽr 2-3 Stunden sturmfreie Wohnung hab, doch wenn es ein ganzer Tag ist, dann hab ich Angst. Ich lade dann immer irgendwen ein, um nicht allein sein zu mĂĽssen.
Diese Angst ist nicht normal, gut , das weiĂź ich auch, nur hab ich das GefĂĽhl, diese Angst nicht los zu werden, ganz im Gegenteil, in letzter Zeit wird sie noch schlimmer.

Was mache ich dann, wenn ich dann alleine bin, weil ein geliebter Mensch starb?

Ich muss wohl endlich gestehen, dass ich zwar einen geliebten Menschen verloren hab, er aber nicht starb, nicht richtig jedenfalls....

Und trotzdem ist da diese Leere in mir, die ich nicht schaffe zu ĂĽberwinden.
Ich hab das GefĂĽhl, ein Teil von mir ist gestorben, ein groĂźer Teil.

Wird das irgendwann "besser"?

die in Depressionen versinkende Hopeless-1
__________________
Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele (Cicero)

Bearbeiten/Löschen    


Stefan J.W.
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2002

Werke: 5
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo, Einsame.

Du hast dir deine Frage doch schon selbst beantwortet.
Du hast Angst vor der Einsamkeit, nicht vor dem Alleinesein.
Alleinsein, das bedeutet: all-eins-sein oder deutlicher: eins mit allem sein. Und dieses Alleinsein ist es nur dann, wenn du dich wohlfĂĽhlst mit dir selbst (allein), wenn du disen Zustand genieĂźt.

Du sprichst von der Einsamkeit und das ist, wie du schon sagst, etwas vor dem du dich fĂĽrchtest. Das GefĂĽhl der Einsamkeit, der Leere, ist ein schlimmes, das weiĂź ich.
Aber du darfst diese Leere nicht ĂĽberwinden, dann blibe sie immer zurĂĽck und schmerzt, du musst sie fĂĽllen.
FĂĽllen, aber natĂĽrlich sollst du nicht vergessen, dass da mal eine "Grube" war. Widme dich dir selbst.

Versuche einmal, nicht in Trauer an diese geliebte Person und das, was du mit ihr erlebt hast, zurĂĽckzublicken. Denke mit Freude daran, dass du sie kennengelernt hast und denke mit Heiterkeit an das Erlebte, denn das kann dir niemand nehmen.

Und der Teil, von dem du sagst, er sei gestorben, der ist da, er ist immer noch existent, weil er dir weh tut, weil du daran denkst. Er wird auch immer in dir sein, aber das ist dann eine Facette deiner Person.

"Besser"?

Wie heißt es schon in diesem Sprichwort? "Zeit heilt alle Wunden!" Und so ist es wirklich. (Was sogar die Wissenschaft bestätigt) Also, keine Angst, es wird besser...

Viele GrĂĽĂźe
Stefan

__________________

"Unser Leben ist das,wozu unsere Gedanken es machen." (Marc Aurel)

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!